Die letzte Einheit

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11341-4 (ISBN)
 
Science Fiction am Puls der Zeit

Das All ist besiedelt, und die Menschheit hat in den angrenzenden Sternensystemen Kolonien errichtet. Dort draußen, weit von der Erde entfernt, herrscht Krieg. Eine neue Art von Krieg - denn die Soldaten sind Klone mit implantiertem Bewusstsein. Neben diesen Klonkriegern gibt es jedoch auch noch eine Einheit von ungeklonten, dem Tod geweihten Menschen, die für besondere Aufgaben eingesetzt werden. Dies ist ihre Geschichte .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,34 MB
978-3-641-11341-4 (9783641113414)
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II

6.

»Das war der Erste Offizier Balla«, sagte Schmidt. Er hielt sich mit Wilson in einem ungenutzten Lagerraum auf, wo dieser einen dreidimensionalen Monitor aufgebaut hatte. Dort hatten sie auf den Skip ins Danavar-System gewartet. »Die Clarke hat das verschlüsselte Signal für die Polk gesendet. Aber keine Antwort.«

»Natürlich gab es keine Antwort«, sagte Wilson. »Warum sollte das Universum es uns einfach machen?«

»Was tun wir jetzt?«, fragte Schmidt.

»Ich möchte diese Frage mit einer Frage beantworten«, sagte Wilson. »Wie sucht man nach einer Blackbox?«

»Ist das dein Ernst?«, fragte Schmidt verdutzt. »Uns läuft die Zeit davon, und du möchtest einen sokratischen Dialog mit mir führen?«

»Ich würde es nicht mit dem Niveau von Sokrates vergleichen, aber im Prinzip, ja«, sagte Wilson. »Wahrscheinlich kommt wieder der ehemalige Highschool-Physiklehrer bei mir durch. Und du darfst mich für verrückt halten, aber ich glaube, dass du mir wirklich von größerem Nutzen bist, wenn ich dich nicht wie einen dummen Affen behandle. Ich werde von der Annahme ausgehen, dass du ein Gehirn hast.«

»Danke«, sagte Schmidt.

»Also, wie sucht man nach einer Blackbox?«, fragte Wilson erneut. »Vor allem nach einer Blackbox, die nicht gefunden werden will?«

»Mit inbrünstigen Gebeten?«, riet Schmidt.

»Du versuchst es nicht einmal«, sagte Wilson tadelnd.

»Das alles ist noch sehr neu für mich. Gib mir einen Hinweis.«

»Gut«, sagte Wilson. »Man fängt damit an, nach dem zu suchen, wozu die Blackbox ursprünglich gehört hat.«

»Nach der Polk. Beziehungsweise dem, was noch davon übrig ist.«

»Sehr gut, mein junger Lehrling«, sagte Wilson.

Schmidt warf ihm einen Seitenblick zu, bevor er fortfuhr: »Aber du hast mir gesagt, dass die bisherigen Scans der Umgebung durch die automatischen Drohnen kein Ergebnis gebracht haben.«

»Richtig. Aber das waren vorläufige Scans, die in großer Eile durchgeführt wurden. Die Clarke hat bessere Sensoren.« Wilson dimmte das Licht im Lagerraum und fuhr den Monitor hoch, der gar nichts zu zeigen schien, bis auf einen einzigen Punkt in der Mitte des Bildes.

»Das ist nicht die Polk, oder?«, fragte Schmidt.

»Das ist die Clarke«, sagte Wilson. Dann erschienen mehrere konzentrische Kreise, die an drei Achsen angeordnet waren. »Und das ist der Bereich, der intensiv von der Clarke gescannt wird, wobei die Entfernung logarithmisch dargestellt ist. Bis zum Rand ist es etwa eine Lichtminute.«

»Wenn du es sagst«, meinte Schmidt.

Wilson nahm den Köder nicht an, sondern rief einen weiteren Punkt auf, der nicht weit von der Clarke entfernt war. »Das ist die Position, an der die Polk nach dem Skip aufgetaucht sein müsste. Gehen wir mal davon aus, dass sie unmittelbar nach der Ankunft explodiert ist. Welche Situation müssten wir dann vorfinden?«

»Die Überreste des Schiffs, irgendwo in der Nähe der mutmaßlichen Position«, sagte Schmidt. »Ich wiederhole mich nur ungern, aber ich muss noch einmal darauf hinweisen, dass die Drohnen nichts geortet haben.«

»Richtig«, sagte Wilson. »Also wollen wir jetzt die Sensoren der Clarke benutzen und sehen, was wir bekommen. Die Clarke arbeitet mit einem LIDAR-Standardsystem, das ähnlich wie ein Radar aktiv mit Funkwellen ortet.«

Mehrere gelbe Sphären wurden dargestellt, eine davon in der Nähe des Eintrittspunktes der Polk.

»Trümmer«, sagte Schmidt und zeigte auf die Sphäre, die der Polk sehr nahe war.

»Nicht zwangsläufig.«

»Komm schon! Meinst du nicht, dass die Korrelation ziemlich naheliegend ist?«

Wilson zeigte auf die anderen Sphären. »Was die Clarke ortet, sind Häufungen von Materie, die dicht genug ist, um die Signale zu reflektieren. Es könnten allesamt Trümmer des Schiffs sein. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es nur die Hinterlassenschaft eines vorbeiziehenden Kometen.«

»Können wir näher herangehen?«, fragte Schmidt. »An den Eintrittspunkt der Polk, meine ich.«

»Klar«, sagte Wilson und zoomte den entsprechenden Ausschnitt heran. Die gelbe Trümmersphäre dehnte sich aus und verschwand, um durch winzige Lichtpunkte ersetzt zu werden. »Jetzt sehen wir reflektierende Einzelobjekte.«

»Es sind sehr viele. Was darauf hindeutet, dass es Teile des Schiffs sind.«

»Gut«, sagte Wilson. »Aber jetzt kommt’s. Die Daten deuten darauf hin, dass keiner dieser Materiebrocken größer als dein Kopf ist. Die meisten sind nicht größer als Kieselsteinchen. Selbst wenn man alle zusammenrechnet, entsprechen sie nicht annähernd der Masse einer KVA-Fregatte.«

»Vielleicht wollten die Angreifer der Polk keine Spuren hinterlassen.«

»Jetzt wirst du paranoid«, sagte Wilson.

»He!«, sagte Schmidt.

»Nein …« Wilson hob eine Hand. »Das sollte ein Kompliment sein. Und ich glaube, dass du völlig recht hast. Wer auch immer die Polk auf dem Gewissen hat, wollte es besonders schwierig für uns machen, herauszufinden, was genau geschehen ist.«

»Wenn wir zu diesem Trümmerfeld fliegen, könnten wir Proben nehmen.«

»Dazu haben wir keine Zeit. Und im Moment ist die Beantwortung der Frage, was mit der Polk geschehen ist, nur Mittel zum Zweck. Wir müssen uns trotzdem recht sicher sein, dass es sich um die Überreste der Polk handelt. Wie können wir das feststellen?«

»Ich habe nicht die leiseste Ahnung«, sagte Schmidt.

»Denk nach, Hart.« Wilson zeigte auf den Monitor. »Was ist mit dem Rest der Polk passiert?«

»Wahrscheinlich verdampft.«

»Richtig«, sagte Wilson und wartete.

»Gut«, sagte Schmidt. »Und?«

Wilson seufzte. »Bist du von einer Schimpansenherde großgezogen worden, Hart?«

»Ich wusste nicht, dass ich heute eine mündliche Prüfung in Naturwissenschaften ablegen muss«, sagte Schmidt verärgert.

»Du hast es bereits gesagt. Das Schiff wurde wahrscheinlich verdampft. Wer das mit der Polk gemacht hat, scheint sich die Zeit genommen zu haben, das meiste gründlich zu zerschneiden und zu Molekülen zu verbrennen. Aber es ist zu vermuten, dass man nicht sämtliche Atome weggeschafft hat.«

Schmidt riss die Augen auf. »Eine große Wolke aus verdampften Molekülen der Polk

»Du hast es verstanden«, sagte Wilson, und auf dem Monitor war nun ein großer unförmiger Klecks zu sehen, der seine Tentakel in den Weltraum streckte.

»Das ist das Schiff?«, fragte Schmidt, während er den Klecks betrachtete.

»Ich würde sagen, ja«, antwortete Wilson. »Zu den zusätzlichen Scans, um die ich Captain Coloma gebeten habe, gehörte auch eine spektrografische Analyse der Umgebung. Einen solchen Scan führen wir normalerweise nicht durch.«

»Warum nicht?«, fragte Schmidt.

»Warum sollten wir es tun?«, erwiderte Wilson. »Den Weltraum nach molekülgroßen Resten einer Fregatte abzusuchen entspricht nicht dem Standardprotokoll. Spektrografische Analysen werden üblicherweise nur bei wissenschaftlichen Missionen durchgeführt, wenn man Atmosphärengase untersuchen will. Raumschiffe müssen sich im Normalfall keine Sorge um irgendwelche Gase machen, solange sie sich nicht in der Nähe eines Planeten aufhalten und es um die Frage geht, wie weit sich die Atmosphäre in den Raum erstreckt. Und wenn es um Systeme geht, die bereits erkundet wurden, sind all diese Informationen ganz einfach verfügbar. Ich vermute, die Angreifer haben all das gewusst. Sie haben sich keine Sorgen gemacht, dass sie sich durch eine Wolke aus metallischen Atomen verraten könnten.«

»Sie haben nicht geglaubt, dass wir sie sehen würden.«

»Was normalerweise auch der Fall wäre.« Wilson erweiterte das Blickfeld um die anderen Trümmerfelder. »Die übrigen Sphären weisen nicht dieselbe Dichte an molekularen Partikeln auf, und darin finden sich keine Spuren der Metalle, aus denen wir unsere Raumschiffe bauen.« Er zoomte wieder heran. »Also ist das hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das, was noch von der Polk übrig ist. Demzufolge können wir davon ausgehen, dass sie absichtlich angegriffen und gründlich vernichtet wurde.«

»Was bedeutet, dass jemand Geheiminformationen weitergegeben hat«, sagte Schmidt. »Eigentlich sollte diese Mission streng vertraulich bleiben.«

Wilson nickte. »Ja, aber das ist etwas, weswegen wir beide uns im Moment keine Sorgen machen müssen. Wir sind immer noch auf der Suche nach der Blackbox. Die gute Nachricht, wenn man es so sagen darf, ist die Tatsache, dass sich dadurch das Raumvolumen erheblich verkleinert, das wir durchsuchen müssen.«

»Also sehen wir uns noch einmal den ersten Scan an und picken die übrig gebliebenen Trümmer der Polk heraus.«

»Das könnten wir tun«, sagte Wilson. »Wenn wir einen Monat Zeit hätten.«

»Das sagst du nur, damit ich wieder wie ein kompletter Idiot dastehe.«

»Nein, diesmal verzichte ich darauf, weil die Antwort keineswegs auf der Hand liegt.«

»Mir fällt ein Stein vom Herzen«, stellte Schmidt fest.

»Das Ding ist nicht...

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