Die letzte Einheit, - Episode 13: Unten die Erde, oben der Himmel -

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. Dezember 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-13336-8 (ISBN)
 
Eine Episode aus "Die letzte Einheit", dem neuen "Krieg der Klone"-Roman von John Scalzi

Nun haben die Erde und die Koloniale Union doch noch die offiziellen diplomatischen Kontakte wieder aufgenommen. Es ist die Chance, die Kluft zwischen den beiden Fraktionen endlich zu überbrücken. Die Crew von der Clarke und das diplomatische Team von Botschafterin Ode Abumwe und Lieutenant Harry Wilson tun alles, um den Prozess der Wiederannährung voranzubringen. Doch nicht alle sind an einer Aussöhnung zwischen Erde und KU interessiert - und sie tun alles, um die Menschheit endgültig zu entzweien.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,87 MB
978-3-641-13336-8 (9783641133368)
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I

1.

»Ich will ehrlich zu dir sein, Harry«, sagte Hart Schmidt. »Es macht mir gewisse Sorgen, dass du mich zu einer Wartungsluftschleuse gebracht hast.«

»Ich werde dich nicht in den Weltraum schubsen, Hart«, sagte Wilson. Er klopfte gegen das Außenschott der Luftschleuse, in der es unter anderem ein kleines Bullauge aus einer dicken, transparenten Legierung gab. »Es ist nur so, dass die Luftschleusen die einzigen Stellen in diesem alten Kutter sind, wo man tatsächlich so etwas findet.«

»Lass dich nicht von Captain Coloma erwischen, wie du ihr Schiff einen alten Kutter nennst«, sagte Schmidt.

»Sie weiß, dass die Clarke ein alter Kutter ist«, sagte Wilson.

»Ja, aber es wäre ihr bestimmt nicht recht, wenn du es sagst. Gut möglich, dass sie die Luft aus dieser Schleuse abpumpen lässt.«

»Captain Coloma ist auf der Brücke«, sagte Wilson. »Außerdem hat sie viel bessere gute Gründe, mich auszuschleusen, als einen blöden Witz über ihr Schiff.«

Schmidt schielte auf das Bullauge. »Die Sicht dürfte nicht besonders gut sein.«

»Es genügt für unsere Zwecke.«

»Im Schiff gibt es viele Bildschirme, die einen wesentlich besseren Blick nach draußen bieten.«

»Das ist nicht dasselbe.«

»Die Auflösung eines Monitors ist viel besser als die eines unbewaffneten Auges«, sagte Schmidt. »Allerdings dürfte es für deine Augen keinen Unterschied machen. Oder doch, weil du vielleicht sogar mehr sehen kannst.«

»Es geht nicht um die Augen. Es geht um das Gehirn. Und mein Gehirn würde den Unterschied bemerken.«

Dazu sagte Schmidt nichts.

»Du solltest dir eines klarmachen«, fuhr Wilson fort. »Wenn du die Erde verlässt, sagen sie dir, dass du nie mehr zurückkehren kannst. Das ist keine leere Drohung. Sie nehmen dir alles weg, bevor du gehst. Du wirst juristisch für tot erklärt. Alles, was du besitzt, wird gemäß deinem Testament verteilt, sofern du eines gemacht hast. Wenn du dich von deinen Leuten verabschiedest, ist es wirklich ein Abschied für immer. Du wirst sie nie wiedersehen. Du wirst nie erfahren, was in Zukunft mit ihnen passiert. Es ist tatsächlich so, als wärst du gestorben. Dann setzt man dich in einen Delta, du fährst die Bohnenstange rauf und besteigst ein Raumschiff. Das Schiff bringt dich fort. Und man lässt dich nie mehr zurückkehren.«

»Du hast dir nie vorgestellt, eines Tages vielleicht doch zurückzukommen?«, fragte Schmidt.

Wilson schüttelte den Kopf. »Es ist noch niemand zurückgekehrt. Niemand kommt näher heran als die Typen in den Transportern, die vor die versammelten neuen Rekruten treten und ihnen sagen, dass die meisten von ihnen in zehn Jahren mausetot sein werden. Aber selbst für diese Leute ist es keine richtige Rückkehr. Sie verlassen nie ihr Schiff, zumindest nicht, bevor sie wieder an die Phoenix-Station andocken. Der Abschied ist unwiderruflich.« Wilson lugte durch das Bullauge. »Es ist wirklich verrückt, Hart. Damals hörte es sich an, als wäre es gar kein schlechtes Geschäft. Wenn man von der Kolonialen Union abgeholt wird, ist man fünfundsiebzig Jahre alt, man hatte wahrscheinlich schon ein größeres und ein paar kleinere gesundheitliche Probleme, vielleicht hat man schlechte Augen und ist nicht mehr so gut zu Fuß, und vielleicht hat man schon eine Weile keinen mehr hochgekriegt. Wenn man nicht geht, wird man bald tot sein. Was bedeutet, dass man sowieso fortgehen wird. Also es ist besser, fortzugehen und weiterzuleben.«

»Das klingt vernünftig«, sagte Schmidt.

»Ja«, bestätigte Wilson. »Aber dann geht man wirklich. Und man lebt weiter. Und je länger man weiterlebt – je länger man in diesem Universum lebt –, desto mehr vermisst man es. Desto mehr vermisst du die Orte, wo du gelebt hast, und die Menschen, die du kanntest. Desto mehr wird dir bewusst, dass du kein gutes Geschäft gemacht hast. Desto deutlicher erkennst du, dass der Abschied vielleicht ein Fehler war.«

»Darüber hast du noch nie mit mir gesprochen«, sagte Schmidt.

»Wozu hätte ich es tun sollen?«, erwiderte Wilson und sah seinen Freund an. »Mein Großvater hat mir erzählt, dass sein Großvater ihm eine Geschichte über seinen Großvater erzählt hat, der aus einem anderen Land in die USA eingewandert ist. Welches andere Land, wollte er nicht sagen. Er hat nie über sein Herkunftsland gesprochen, sagte mein Opa, nicht einmal mit seiner Frau. Als sie ihn fragten, warum er nicht darüber sprechen will, sagte er, dass er es aus einem bestimmten Grund verlassen hatte, und das war genug, ob dieser Grund nun ein guter oder schlechter war.«

»Seine Frau hat es nicht gestört, dass sie nicht wusste, woher er stammt?«, fragte Schmidt.

»Es ist nur eine Geschichte«, sagte Wilson. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Opa diesen Teil ausgeschmückt hat. Der Punkt ist, dass die Vergangenheit vergangen ist und man Dinge loslassen muss, weil man sie sowieso nicht ändern kann. Mein Urahn hat nicht darüber gesprochen, woher er kam, weil er nie mehr zurückkehren würde. Was auch immer geschehen würde, dieser Teil seines Lebens war vorbei. Für mich war es genauso. Dieser Teil meines Lebens ist vorbei. Wozu hätte ich darüber reden sollen?«

»Bis jetzt«, sagte Schmidt.

»Bis jetzt«, bestätigte Wilson und konsultierte seinen BrainPal. »Buchstäblich bis jetzt. Wir skippen in zehn Sekunden.« Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Bullauge zu und zählte stumm die Sekunden mit.

Der Skip war wie jeder Skip: lautlos, unscheinbar und unspektakulär. Die Beleuchtung der Luftschleuse überstrahlte den Himmel auf der anderen Seite des Bullauges, aber Wilsons gentechnisch verbesserte Augen schafften es, ein paar Sterne zu erkennen.

»Ich glaube, ich sehe Orion«, sagte er.

»Was ist Orion?«, fragte Schmidt.

Wilson ging nicht darauf ein.

Die Clarke drehte sich, und ein Planet rollte ins Sichtfeld.

Die Erde.

»Hallo, du Schöne«, sagte Wilson. »Ich habe dich vermisst.«

»Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu sein?«, fragte Schmidt.

»Als wäre ich nie fort gewesen«, sagte Wilson und schwieg dann.

Schmidt ließ ihm ein paar Augenblicke mit sich allein, bis er ihm auf die Schulter tippte. »Okay, jetzt bin ich an der Reihe.«

»Guck auf einen Bildschirm«, sagte Wilson.

Schmidt lächelte. »Harry, du weißt doch, dass es nicht dasselbe ist.«

2.

»Das ist eine schlechte Idee«, sagte Colonel Abel Rigney zu Colonel Liz Egan.

»Dem stimme ich zu«, sagte Egan und blickte auf ihre Pasta. »Ich wollte in ein Thai-Restaurant gehen.«

»Erstens haben Sie gewusst, dass ich an der Reihe war, das Restaurant auszusuchen«, sagte Rigney. »Und zweitens wissen Sie, dass ich das nicht gemeint habe.«

»Wir sprechen schon wieder über unser Gipfeltreffen mit den Erdlingen in der Erdstation.«

»Ja.«

»Ist dies ein offizielles Gespräch?«, fragte Egan. »Überbringen Sie, Colonel Rigney, mir, dem Verbindungsoffizier der Kolonialen Verteidigungsarmee für das Außenministerium, eine Botschaft Ihrer Vorgesetzten, die ich an den Minister weiterzuleiten habe?«

»Hören Sie auf mit dem Quatsch, Liz«, sagte Rigney.

»Also nein«, stellte Egan fest. »Es handelt sich nicht um ein offizielles Gespräch. Sie nutzen lediglich dieses Mittagessen dazu aus, wieder einmal an mir herumzunörgeln.«

»Ihre Lageeinschätzung würde ich so nicht unterschreiben«, sagte Rigney. »Aber grundsätzlich ist sie zutreffend.«

»Haben Sie Einwände gegen das Gipfeltreffen?«, fragte Egan, während sie Pasta um ihre Gabel wickelte. »Haben Sie sich auf die Seite jener Leute in der KVA geschlagen, die finden, dass wir mit Kampfschiffen zur Erde fliegen und den Laden übernehmen sollten? Weil das ein großes Abenteuer sein wird, das kann ich Ihnen sagen.«

»Ich finde, dass der Gipfel wahrscheinlich nur Zeitverschwendung ist«, räumte Rigney ein. »Es gibt da unten auf der Erde immer noch zu viele Leute, die stinksauer auf die KVA sind. Und dann gibt es die Leute, die sauer auf die Erdregierungen sind, weil man sie nicht mehr emigrieren oder sich rekrutieren lässt, bevor sie sterben. Und es ist weiterhin so, dass es auf diesem Planeten ein paar Hundert souveräne Staaten gibt, von denen keiner mit irgendeinem anderen Staat einer Meinung sein will, außer wenn es darum geht, uns zu hassen. Es wird mit viel Geschrei und Gebrüll und vergeudeter Zeit enden – Zeit, die eigentlich weder wir noch die Erde haben. Also ja, ich halte das Ganze für Zeitverschwendung.«

»Wenn der Gipfel so ablaufen würde wie ursprünglich geplant, würde ich Ihnen zustimmen«, sagte Egan. »Obwohl die Alternative – kein Gipfeltreffen, die Erde wendet sich von der Kolonialen Union ab, und die Konklave steht bereits in den Startlöchern, sie als Mitglied aufzunehmen – erheblich schlimmer wäre. Es ist von entscheidender Bedeutung, im Gespräch zu bleiben, selbst wenn nichts dabei herauskommt, was aber nicht geschehen wird.«

»Das ist gar nicht meine eigentliche Sorge«, sagte Rigney. »Wenn unsere und ihre Diplomaten sich den Mund fusselig reden wollen, wünsche ich ihnen dabei viel Spaß. Ich habe Probleme mit dem Veranstaltungsort.«

»Sie meinen, weil es in der Erdstation stattfindet.«

»Genau. Es wäre besser, wenn wir die Sache hier in der Phoenix-Station durchziehen könnten.«

»Weil es weit und breit kein...

»John Scalzi ist ohne Frage der unterhaltsamste Science-Fiction-Autor unserer Tage!«

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