Gesunde Führung in der VUKA-Welt

Orientierung, Entwicklung und Umsetzung in die Praxis
 
 
Haufe Lexware (Verlag)
  • erschienen am 7. Februar 2020
  • |
  • 220 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-648-13007-0 (ISBN)
 
Die Autorin erläutert Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für gesunde Führung in der agilen Arbeitswelt und zeigt, wie Führungskräfte eine neue Führungskultur entwickeln. Beim Transfer in die Praxis helfen Erfahrungsberichte und praktische Tools wie Selbstreflexionsfragen und Übungen, die die Führungskraft alleine oder mit dem Team bearbeiten kann.

Inhalt

- Was ist die VUKA-Welt? Was ist "Gesunde Führung"?
- Voraussetzungen für gelungene Führung heute
- Systemisches Denken und Handeln als starkes Fundament
- Was verstehen Mitarbeitende unter Gesunder Führung?
- Praxistransfer und gelungene Unternehmensbeispiele
1. Auflage 2020
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • 1,70 MB
978-3-648-13007-0 (9783648130070)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ruth Maria Sarica (Dipl.Soz.päd., Dipl. Sportlehrerin, dipl. Systemischer Coach) ist selbstständige Trainerin (Ruth Sarica Coaching & Bewegung) und Coach für Persönlichkeits-, Führungskräfte- und Teamentwicklung.

3 Voraussetzungen für gelungene gesunde Führung in der VUKA-Welt


»Wer keinen Sinn im Leben sieht, ist nicht nur unglücklich, sondern kaum lebensfähig.«

Albert Einstein

3.1 Verständnis von Gesundheit


Das Wort »Gesundheit« hat für jeden eine andere Bedeutung und wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und verwendet. Es erscheint in verschiedenen wissenschaftlichen und auch anderen Kontexten, dazu wird es noch auf vielfältigste Art und Weise benutzt und interpretiert. Am nachhaltigsten fällt mir jedoch auf, dass es meistens im körperlich-medizinischen Bereich als »die Abwesenheit von Krankheit« verwendet wird: Wenn ich nicht krank bin, bin ich gesund. Wenn ich ein wenig krank bin, bin ich nicht vollkommen gesund. Bemerkenswert ist, dass das Ganze häufig nicht als fortlaufender dynamischer Prozess, sondern als ein Entweder-oder beschrieben und empfunden wird. In der Realität ist es jedoch immer eine Mischung aus beidem. Das heißt, wir können das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln bzw. Wissenschaftsrichtungen betrachten, doch letztendlich ist auch das wieder eine Mischung aus allem. Es ist immer ein Zusammenspiel von Körper, Psyche, sozialen und ökologischen, ökonomischen und auch kulturellen Komponenten.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass der Begriff »Gesundheit« sehr häufig in Kombination mit einem symbolisch erhobenen Zeigefinger oder als Negation mit einem »un-«(gesund) benutzt wird. Dies geschieht meines Erachtens, um uns daran zu erinnern, wie wir uns vermeintlich verhalten müssen, um beispielsweise nicht krank zu werden oder um gesellschaftliche Werte und Normen zu erfüllen bzw. anerkannt zu werden. Es gibt Menschen, die sich schlecht fühlen bzw. sofort ein schlechtes Gewissen haben und zusammenzucken, wenn sie das Wort »Gesundheit« hören, dabei ist es doch nach meiner Interpretation etwas Positives, sich in einem »gesunden« Prozess und/oder in einer »gesunden« Situation zu befinden.

HIER EINIGE »ZEIGEFINGER«-BEISPIELE:

  • »Iss gesünder, sonst wirst du dick und krank!«
  • »Was ist das denn für ein ungesundes Essen?«
  • »Zu wenig Bewegung ist ungesund, mach mal wieder Sport!«
  • »Das ewige Sitzen ist total ungesund, steh zwischendurch vom Schreibtisch auf!«
  • »Es ist ungesund, so viel zu arbeiten.«
  • »Dieser Mensch legt ein ungesundes Verhalten an den Tag.«
  • »Dein Verhalten führt dazu, dass sich Mitarbeiter*innen ungesund entwickeln.«
  • »Wenn du gesund bleiben möchtest, dann musst du dich so oder so verhalten.«
  • »Hier herrscht ein ungesundes Klima.«

Die Individualität des Einzelnen, der Blickwinkel sowie der Kontext oder die Situation sind entscheidend dafür, wie wir Gesundheit fühlen oder interpretieren.

Aufgrund all dessen und im Hinblick auf die gesunde Führung habe ich einen anderen Begriff für Gesundheit entwickelt und verstehe ihn auch in meinen folgenden Ausführungen genau so.

Wichtig!

Gesundheit bedeutet Wohl(be)finden und ist ein fortlaufender Prozess auf allen Daseinsebenen und in jeglichem Kontext.

So formuliert begebe ich mich auf den Weg des fortlaufenden Prozesses der »Gesundheit«. Ich finde mein Wohl. Damit wird Gesundheit nicht ausgelagert und im Außen gesucht und geschaffen, sondern das Wort »Wohl(be)finden« in dieser Schreibweise impliziert Selbstverantwortung und aktive Gestaltung, wenn es um die Gesundheit geht. Wir begeben uns so verstanden zuallererst einmal auf den Weg, unser eigenes Wohl zu finden - das ist der Kern, der Ursprung. Das Wohl(be)finden gilt selbstverständlich auch für alle Systeme, in denen wir Teil sind, wie z. B. Familie und Freunde im privaten Kontext sowie Teams, Abteilungen oder das ganze Unternehmen im beruflichen Umfeld.

Im systemischen betrieblichen Gesundheitsmanagement, einem meiner Tätigkeitsfelder, gründe ich direkt zu Beginn der Maßnahme gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen »Interessengemeinschaften Wohl(be)finden«. Es finden regelmäßige Treffen der Mitarbeitenden statt, um sich darüber auszutauschen, was sie benötigen, um sich wohlzufühlen und sich im Unternehmen gesund entwickeln zu können. Häufig kristallisieren sich dann verschiedene kleine Interessengemeinschaften heraus, je nach Neigung, Kompetenz und Spaß an den jeweiligen Themen. In einem dieser Unternehmen haben wir das systemische betriebliche Gesundheitsmanagement »It's my life!« getauft, um zu verdeutlichen bzw. auszudrücken, dass jeder von uns zuallererst der Gestalter seines Lebens ist und sich selbst auf den Weg zu mehr Wohl(be)finden machen muss. Erst dann ist es möglich, in der Gemeinschaft an dem Thema »Gesundheit - Wohl(be)-finden« zu arbeiten.

3.2 Führung durch Wohl(be)finden


Durch die Bedeutung des Begriffs »Gesundheit« und dadurch, dass Wohl(be)finden nur möglich ist, wenn wir die Individualität, verschiedene Wissenschaften, Daseinsebenen und Kontexte miteinbeziehen, wird klar, dass gesunde Führung viel umfassender betrachtet werden möchte, als es oftmals getan wird.

Wenn ich beauftragt werde, Unternehmensentwicklung in Form von systemischem betrieblichen Gesundheitsmanagement mitzugestalten, kommt es in ersten Gesprächen häufig zu Missverständnissen, wenn es um das Thema gesunde Führung geht. In den meisten Fällen, gerade in KMUs, wird damit lediglich körperliche Gesundheit verbunden. Da kommen z. B. Äußerungen wie: »Wir haben doch schon einen Obstkorb angeschafft, wöchentlich kommt jemand zur mobilen Massage und ab und zu gibt es auch Bewegungspausen.« Die Vorstellung von der Vielschichtigkeit des Themas ist nicht in allen Unternehmen vorhanden, auch nicht bei den Führungskräften selbst. Ein weiterer Punkt ist, dass das eigene Wohlbefinden, d. h. die gesunde Selbstführung, nicht berücksichtigt wird. Auch das Bewusstsein, dass Mitarbeiter*innen durch ihre Führungskräfte selbst erleben möchten, was diese sich im Umkehrschluss von ihnen wünschen oder gar einfordern, ist noch nicht überall präsent. So macht sich beispielsweise eine Führungskraft unglaubwürdig, wenn sie Übergewicht hat und dann, aus gut gemeinter Fürsorge, einen Mitarbeiter auf dessen Übergewicht und die gesundheitlichen Folgen anspricht. Oder wenn wertschätzender Umgang oder Zuverlässigkeit vom Team erwartet und eingefordert werden und die Führungskraft nicht einmal Guten Tag sagt, wenn sie den Raum betritt. Oder wenn sie permanent Zusagen nicht einhält. Sebastian Purps-Pardigol schreibt in seinem Buch »Führen mit Hirn«, dass der ehemalige Geschäftsführer von Eckes Granini Deutschland, Heribert Gathof, auf die Frage, welche Rahmenbedingungen er in der Retrospektive für eine Führungskraft für relevant hält, u. a. Folgendes bemerkt habe: Durch intensive Aufmerksamkeitsfokussierung auf das eigene Innere bzw. durch vermehrtes eigenes Wohlbefinden ist es leichter möglich, die Menschen um sich herum wirklich zu erreichen.

Wichtig!

Gesunde Führung in der VUKA-Welt bedeutet Wohl(be)finden für mich und meine Mitarbeiter*innen. Das eine geht nicht ohne das andere und bedingt sich permanent gegenseitig.

Bevor ich den Fokus darauf lege, was dies im Einzelnen für die Führungskraft und für die Mitarbeitenden bedeutet, ist es von großer Wichtigkeit, weitere Voraussetzungen zu beleuchten, die es ermöglichen, dass gesunde Führung in der VUKA-Welt gelingen kann.

ARBEITSHILFE ONLINE

Fragen zur Selbstreflexion 2

Gesundheit - Wohl(be)finden

  1. Was bedeutet Gesundheit für Sie und wie leben Sie Gesundheit?
  2. Welchen Unterschied können Sie für sich erkennen, wenn Sie das Wort »Gesundheit« gegen »Wohl(be)finden« tauschen?
  3. Wann, wie oft und wie beschäftigen Sie sich mit Ihrem Wohl(be)finden?
  4. Angenommen, Sie integrieren das Thema Wohl(be)finden bewusst in Ihr Leben, was wäre dann anders?
  5. Welche Auswirkungen hätte diese Integration auf Ihre unterschiedlichen Systeme, z. B. Familie, Freunde, Unternehmen, Führungsteam, Team?

3.3 Salutogenese


Die Salutogenese und die Forschungen dazu gehen zurück in die Zeit um 1970. Aaron Antonovsky, ein israelisch-amerikanischer Medizinsoziologe (1923-1994), machte aufgrund einer Untersuchung und Datenanalyse zu einem Thema, das erst einmal nichts mit Salutogenese zu tun hatte, eine zufällige Entdeckung, die ihn zu weiteren Gedanken und Forschungen animierte: Er...

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