Notärztin Andrea Bergen 1410 - Arztroman

Heldin Dr. Liebetrut
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. August 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0055-9 (ISBN)
 
Als seine Lebensretterin das Krankenzimmer betritt, breitet sich ein strahlendes Lächeln auf Aaron Vosteens Gesicht aus. Doch es ist weit mehr als Dankbarkeit, was der gut aussehende Tierarzt für Dr. Ella Liebetrut empfindet, die ihn bei einem Banküberfall gerettet und den Räuber zum Aufgeben überredet hat. Längst hat Aaron sich unsterblich in die schöne Ärztin mit der geheimnisvollen Ausstrahlung verliebt. Aber Ella gibt sich distanziert, beinahe kalt ihm gegenüber ... Während alle im Elisabeth-Krankenhaus Ella Liebetrut für ihr mutiges Handeln bei dem Banküberfall bewundern, geht Ella im Stillen durch die Hölle. Ohne es zu wollen, hat Aaron Vosteen nämlich Erinnerungen an die dunkelste Zeit ihres Lebens zurückgebracht. Und das Trauma ihrer Vergangenheit droht Ella und ihre Tochter Kiara wieder einzuholen und ihr Leben endgültig zu zerstören ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,31 MB
978-3-7517-0055-9 (9783751700559)

Heldin Dr. Liebetrut

Nie zuvor habe ich bei einem Menschen so viel Panik, Entsetzen und Verzweiflung gespürt wie gerade bei meiner schönen Kollegin Dr. Ella Liebetrut, die nach ihrer überstürzten Flucht von der Station schluchzend in meinen Armen zusammengebrochen ist. Bisher habe ich - wie übrigens alle hier - Ella gerade für ihre Stärke und ihren Mut bewundert, seit sie einen Banküberfall vereitelt und den angeschossenen Aaron Vosteen in einer komplizierten OP gerettet hat. Doch nun kenne ich ihre ganze traurige Geschichte - und bin zutiefst entsetzt über das Drama ihrer Jugend, das sie ausgerechnet hier im Krankenhaus wieder eingeholt hat.

Alles hängt mit Aaron Vosteens Bruder Clemens zusammen, der einst ihr Leben zerstört hat. Ausgerechnet ihm ist sie nun unerwartet an Aarons Krankenbett wiederbegegnet .

Um ihre vierzehnjährige Tochter Kiara und sich selbst zu schützen, will Ella noch heute die Stadt verlassen .

Das Wasser prasselte auf sie herab und vermischte sich mit ihren Tränen, doch den Schmutz spülte es nicht weg. Sie spürte ihn mit jeder Faser ihrer geschundenen Seele. Kraftlos lehnte sie an der gekachelten Wand und rutschte langsam hinunter in die Duschwanne.

Noch vor einer Stunde hatte sie mit ihren Freunden gefeiert und gelacht, jetzt schmerzte ihr ganzer Körper. Ihre Seele schrie vor Pein, weil dieses Monster von Mann sie missbraucht hatte, bevor er lachend zurückgegangen war, um mit den anderen weiterzufeiern.

***

Fünfzehn Jahre später .

Der übergewichtige Mann krümmte sich vor Schmerzen.

"Ich sterbe", stöhnte er.

Dr. Andrea Bergen, die Notärztin des Elisabeth-Krankenhauses, versuchte vergeblich, seinen Bauch abzutasten. Sobald sie ihn auch nur mit den Fingerspitzen berührte, schrie Manfred Block auf. Er hatte zweifellos Schmerzen.

Dr. Bergen begann mit einer Befragung, bevor sie die Untersuchung fortsetzte.

"Was haben Sie denn heute gegessen?"

"Fast nichts", behauptete er.

"Bis auf zwei Portionen Pommes frites und zwei Bratwürste", mischte sich seine Frau ein. Sie wirkte eher verärgert als besorgt. "Außerdem Bratkartoffeln mit Speck und zu allem reichlich Mayonnaise. Zum Nachtisch eine Creme aus Mascarpone. Und vor dem Fernseher hat er noch Unmengen an Chips und Erdnussflips gegessen."

"Alles ziemlich fettreich", stellte die Notärztin fest.

"Genau!" Heidelinde Block nickte mit grimmiger Miene. "Dabei weiß er genau, dass seine Gallensteine ihm nach solchen Mahlzeiten Probleme bereiten."

"So schlimm wie heute war es aber noch nie." Manfred Block stöhnte laut auf.

"Ich habe kein Mitleid mit ihm", wandte sich Heidelinde Block an die Notärztin. "Er isst ständig viel zu viel und zu ungesund."

Das erklärte auch den viel zu hohen Blutdruck des Mannes.

"Wir bringen Sie jetzt erst einmal ins Elisabeth-Krankenhaus", sagte Dr. Bergen.

Manfred Block schaute sie erschrocken an.

"Muss das sein? Können Sie mir nicht einfach ein schmerzstillendes Medikament geben? Ich glaube, es wird sogar ein bisschen besser." Kurz darauf stöhnte er erneut auf. Die Schmerzen kamen in Wellen.

"Das sind Gallenkoliken", stellte die Notärztin fest. "Wir müssen Sie auf jeden Fall mitnehmen, um festzustellen, ob ein Gallenstau eine Entzündung der Gallenblase hervorgerufen hat."

"Behalten Sie ihn möglichst lange da", sagte Heidelinde Block.

"Heidelindchen, jetzt sei doch nicht so", bat Manfred Block, bevor ihn eine neue Schmerzwelle erfasste.

Heidelinde ignorierte ihn. "Ich packe ein paar Sachen für meinen Mann ein und komme später nach", sagte sie, bevor sie aus dem Zimmer ging.

Jupp Diederichs und Ewald Miehlke, die beiden Sanitäter in Andrea Bergens Team, halfen dem Mann auf die fahrbare Trage. Wahrscheinlich waren beide heilfroh, dass es keine Treppen gab und sie ihn problemlos zum Rettungswagen fahren konnten.

Im Elisabeth-Krankenhaus übergaben sie den Patienten an die Kollegen der Notfallambulanz. Kurz darauf wurden sie zu einem Unfall in die Innenstadt gerufen.

Danach folgte ein Einsatz dem nächsten. Erst am späten Nachmittag dachte Andrea Bergen wieder an den übergewichtigen Patienten. Sie erfuhr, dass er auf der Chirurgischen Station lag.

Auf dem Weg dorthin begegnete ihr Professor Hebestreit in Begleitung einer Frau, die Andrea noch nicht kannte. Sie trug einen weißen Kittel; auf dem kleinen Schild über der Brusttasche stand ihr Name: Dr. Ella Liebetrut.

"Dr. Bergen." Professor Hebestreit freute sich offensichtlich über das zufällige Treffen. "Da kann ich Sie gleich mit der neuen Kollegin bekannt machen. "Dr. Liebetrut ist die Viszeralchirurgin aus Berlin."

Die beiden Frauen reichten einander die Hand und schauten sich an. Andrea empfand sofort Sympathie für die neue Kollegin, und Ella Liebetruts Lächeln bewies, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. "Schön, dass wir uns endlich persönlich kennenlernen, nachdem Sie mir meinen ersten Patienten beschert haben. Wir haben Herrn Block inzwischen operiert und ihm die Gallenblase entfernt."

"Herzlich willkommen im Elisabeth-Krankenhaus!", sagte Andrea. "Ich hoffe, Sie fühlen sich bei uns wohl."

"Die Arbeit hier gefällt mir sehr gut", versicherte die neue Kollegin. In ihrer Stimme schwang jedoch etwas mit, dass Andrea hellhörig werden ließ. Bevor sie sich darüber aber Gedanken machen konnte, wurde sie zu einem weiteren Noteinsatz gerufen.

***

"Du musst nach Hause kommen!"

"Warum sollte ich?" Aaron Vosteens Stimme blieb ruhig, trotz des Aufruhrs, der in ihm tobte. Seit zehn Jahren hatte sein Vater nicht mehr mit ihm gesprochen.

Eigentlich war ihr Verhältnis bereits vorher ziemlich angespannt gewesen, weil er sich dem Willen des Vaters widersetzt und ein Studium der Veterinärmedizin begonnen hatte. Sein Vater hätte ihn ebenso wie seinen älteren Bruder Clemens lieber in der Privatbank gesehen, die einen Teil des Familienkonzerns ausmachte.

"Dein Bruder ist schwer krank. Er braucht einen Knochenmarkspender."

Die Worte seines Vaters erschreckten Aaron, obwohl er auch zu seinem Bruder kein besonders inniges Verhältnis pflegte. Dazu waren sie zu verschieden. Aber immerhin hatten sie sich gegenseitig Geburtstagsgrüße zugeschickt oder gute Wünsche zu anderen Feiertagen. Aber ihr Verhältnis war nicht so innig, dass sein Bruder ihn über die schwere Erkrankung unterrichtet hatte. Ob es seinem Vater schwerfiel, ihn zu bitten, nach Hause zu kommen?

Aber eigentlich war es auch keine Bitte, sondern mehr ein Befehl. Trotzdem war Aaron fest entschlossen, seinem Bruder zu helfen, wenn es in seiner Macht stand.

"Was genau fehlt Clemens?", wollte er wissen.

Die Antwort war kurz und knapp. "Multiples Myelom. Nelly und ich kommen als Spender nicht infrage."

"Ich muss hier ein paar Dinge regeln, doch ich denke, dass ich zusammen mit meiner Tochter in zwei oder drei Tagen nach Deutschland kommen kann."

"Du hast eine Tochter?" Zu ersten Mal seit Beginn ihres Gespräches lag so etwas wie eine Regung in der Stimme seines Vaters. Ein Hauch von Interesse.

"Ja", war alles, was Aaron erwiderte. Die Fronten zwischen ihm und seinem Vater waren seit Jahren geklärt. Meinhard Vosteen hatte ziemlich deutlich gezeigt, dass er am Leben seines jüngeren Sohnes nicht interessiert war.

Aaron hatte sich damit inzwischen abgefunden und war nicht mehr bereit, an diesem Zustand etwas zu ändern.

***

Unwillkürlich lächelte Ella, als sie das Zimmer ihrer Tochter betrat und ihr Blick auf das riesige Poster fiel. Eine Buschlandschaft im Zwielicht der untergehenden Sonne. Zwischen den riesigen Baobabs waren die grauen Schatten einer Elefantenherde zu sehen.

Es erfüllte Ella ein wenig mit Zuversicht, dass Kiara offensichtlich noch immer an ihrem gemeinsamen Traum festhielt, sonst hätte sie in ihrem neuen Zimmer, in diesem ihr völlig verhassten Haus, das Afrika-Plakat bestimmt nicht aufgehängt.

Früher hatten sie oft gemeinsam Pläne geschmiedet, wie es sein würde auf ihrer gemeinsamen Reise nach Afrika. Sie hatten sich zusammen Bücher und Filme über dieses Land angesehen, in Reiseprospekten geschmökert und jeden Cent gespart, den sie erübrigen konnten.

Kiara war so stolz gewesen, dass sie das "Afrika-Sparbuch", wie sie es nannten, verwalten durfte.

In den letzten beiden Jahren hatten sie nichts mehr gespart. Kiara sprach auch nicht mehr von Afrika, und es schien so, als hätte sie auch kein Interesse mehr an einer gemeinsamen Reise mit ihrer Mutter.

Die Vierzehnjährige lag mit geschlossenen Augen auf ihrem Bett und lauschte der Musik aus ihrem Smartphone, die nur sie durch die Stecker ihres Kopfhörers vernahm. Wahrscheinlich hatte sie die Musik wieder in voller Lautstärke eingestellt, auch wenn Ella sie ständig auf die Gefahren einer Hörschädigung hinwies.

Aber Kiara hörte schon lange...

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