Zurück ins Leben

Durch schmerzhafte Erlebnisse und Krisen wachsen - Ein Selbstheilungsprogramm
 
 
Arkana (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Oktober 2011
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07086-1 (ISBN)
 
Was uns nicht zerbricht, macht uns stärker

Wir können nicht beeinflussen, was in der Vergangenheit geschehen ist, haben aber entscheidenden Einfluss darauf, wie wir uns jetzt und künftig verhalten wollen. Das ist Alicia Salzers therapeutischer Ansatz: Ihr geht es darum, nicht darauf zu deuten, warum es uns schlecht geht, sondern einen Weg zu zeigen, wie es uns besser gehen kann. Ihre Methode vereint Elemente aus der Positiven Psychologie, Resilienzforschung und Achtsamkeitsarbeit und ist in ihrer Art einzigartig: Sie bietet einen Weg aus dem Trauma, ohne dieses noch einmal selbst schmerzhaft durchleben zu müssen. So können wir wieder Zugang zu all unseren Gefühlen bekommen, vor allem zu den fünf großen heilenden Emotionen: Freude, Vertrauen, Hoffnung, Selbstbewusstsein und Stärke. Geben wir ihnen wieder Raum, können wir aus dem, was wir erlebt haben, Stärke ziehen und uns den schönen Seiten des Lebens allmählich wieder öffnen. Ein wunderbar positives Buch, das jedem, der eine schwierige Phase in seinem Leben durchmacht, den Weg zurück ins Leben zeigt.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,20 MB
978-3-641-07086-1 (9783641070861)
3641070864 (3641070864)
weitere Ausgaben werden ermittelt

| 1 |

Der Wagen jenseits der Beule

Wie Sie sich wieder mit sich anfreunden

Violet hatte in ihrer Ehe schreckliche Gewalt erlebt, aber irgendwann war es ihr gelungen, die Beziehung zu beenden. In den letzten fünf Jahren hatte sie sich zu einer starken und leidenschaftlichen Fürsprecherin für Frauen in ähnlichen Situationen entwickelt.

Bei einer Veranstaltung der National Domestic Violence Hotline beobachtete ich, wie sie einen ganzen Hotelsaal voller Menschen mit ihrer Geschichte zum Weinen brachte. Als sie das Podium verließ, stürmten die Zuhörer nach vorn - so groß war ihr Wunsch, mit ihr zu sprechen und ihr zu sagen, wie sehr ihre Worte sie berührt hatten. Ich war so froh, dass sie sich diesen Augenblick geschenkt hatte: Zu viele Menschen mit einem ähnlichen Schicksal werden nie einen solchen Moment erleben.

Am liebsten hätte ich das Gefühl von Macht, Selbstvertrauen und Unterstützung, das ihr in diesem Hotelsaal zuteilwurde, in Flaschen abgefüllt, um damit in die Vergangenheit zu reisen, als sie es am dringendsten brauchte - als sie darüber nachdachte, ihren Mann zu verlassen; als sie fürchtete, es alleine nicht zu schaffen; als sie sich von der Justiz den endgültigen Abschluss der ganzen Sache erhoffte, um dann erleben zu müssen, wie ihre Aussage aufgrund von Widersprüchen zerpflückt wurde. Was wäre wohl geschehen, wenn ich ihr damals hätte sagen können, dass sich eines Tages unzählige dankbare und respektvolle Menschen voller Bewunderung um sie drängen würden, um ihr zu sagen, wie sehr sie ihren Mut und ihre Widerstandskraft schätzten?

Genau das hoffe ich für Sie zu tun. Wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind, sollen auch Sie sich als Heldin oder Helden sehen. Denn erst, wenn Sie sich mit demselben Maß an Mitgefühl und Bewunderung begegnen, werden Sie sich eine Welt vorstellen können, in der Sie so mutig und so voller Leben sind, wie es Ihnen zusteht. Sobald es Ihnen gelingt, nicht nur Ihre Narben zu sehen, können Sie allmählich eine positive Einstellung zu einer der größten Leistungen Ihres Lebens entwickeln: dass Sie Ihre Vergangenheit überlebt haben.

Zum Ausprobieren: Ein Hoch auf den Außenseiter

Warum sehen wir uns Helden und Überlebende im Fernsehen an oder lesen Bücher über sie? Was haben wir davon?

Diese Geschichten zeigen auf einer sehr grundlegenden Ebene, dass man auch große Schwierigkeiten erfolgreich überwinden kann, und geben einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie sich das anfühlt. Nehmen Sie sich zur Vorbereitung auf dieses Kapitel ein paar Minuten Zeit und stellen Sie eine kurze Liste mit Büchern, Musik, Filmen oder Nachrichten zusammen, in denen ein Außenseiter triumphiert. Denken Sie sowohl an klassische Heldengeschichten als auch an Erzählungen, in denen sich unvermutet ein schrulliger Charakter durchsetzt, auch wenn er vielleicht nicht bekommt, was er zu wollen glaubte, sondern anderweitig Sinn und Zufriedenheit findet.

Mit wem fiebern Sie mit? Gandhi? Schweinchen Wilbur aus Wilbur und Charlotte? Der alten Dame aus den Nachrichten, die mit ihrem Stock den Möchtegern-Einbrecher in die Flucht schlägt? Einer Frau, die nach überstandener Brustkrebserkrankung an einem Fünf-Kilometer-Lauf teilnimmt? Little Miss Sunshine? Rocky? Welche Geschichten bleiben Ihnen im Gedächtnis? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an diese siegreichen Außenseiter denken?

Wie wir in diesem Kapitel und in diesem Buch sehen werden, geben uns solche Geschichten Gelegenheit zu großer Einsicht. Wir wählen unsere Helden nicht zufällig aus. In den Geschichten, die uns am stärksten anrühren, die uns besonders ansprechen und inspirieren, tut der oder die Überlebende oft genau das, was auch wir tun müssen.

Beule mit Auto

Nur wenige Minuten nach Beginn der Sitzung war Pauline bereits vollauf damit beschäftigt, sich Vorwürfe zu machen. »Ich bin ein Wrack. Früher hatte ich immer alles im Griff, aber jetzt bin ich nur noch ängstlich und schreckhaft. Ich kann nicht schlafen, ich rauche zu viel, ich kann mich nicht konzentrieren. Kaum zu glauben, dass sie mich noch nicht gefeuert haben. Ich habe meinem Freund gesagt, dass ich es ihm nicht übelnehmen würde, wenn er sich eine weniger verkorkste Freundin sucht. Mir fehlt einfach die Kraft, irgendetwas Lustiges zu unternehmen.«

Pauline hält sich offensichtlich für eine Katastrophe. Ein brutaler Zwischenfall am Arbeitsplatz hat sie zutiefst erschüttert und ihre Selbstwahrnehmung getrübt. Aus meiner Sicht ist ihre Selbstdarstellung nämlich recht unvollständig. Pauline ist hübsch, klug und kompetent. Sie ist einfühlsam, loyal und trotz ihres schweren Herzens eine selbstlose Freundin. Wo bleiben diese Eigenschaften, wenn sie von sich spricht? Pauline hat - genau wie Sie - viele Talente, aber sie sieht nur das Trauma.

Wäre Pauline ein Gebrauchtwagen, würde sie nicht viel für sich verlangen. Ihr Aufkleber würde sofort alle darauf aufmerksam machen, dass sie einen Totalschaden hat. Sie würde Kaufinteressenten die große, rostige Beule im Frontbereich zeigen und vergessen zu erwähnen, dass der Motor wunderbar läuft und man mit einer Tankfüllung verhältnismäßig weit kommt. Sie würde nicht mit ihrer schicken Innenausstattung prahlen, und der niedrige Preis würde auch niemals vermuten lassen, dass bei dem Unfall - an dem sie im Übrigen keine Schuld hatte - alle Sicherheitsgurte funktionierten und alle Airbags ausgelöst wurden, weshalb alle Insassen überlebten.

Wenn man Pauline so reden hört, könnte man meinen, sie sei nur eine Beule mit einem Wagen hintendran. Da wir uns nach einem Trauma tatsächlich so sehen, ist das Leben danach auch so schmerzhaft. Wir trauern nicht nur wegen der Dinge, die uns zugestoßen sind, sondern auch um Charakterzüge, auf die wir früher einmal stolz waren, die uns Trost schenkten und die nun für immer verloren scheinen.

Als ich anfing, ihre wunderbaren Eigenschaften aufzuzählen, brach sie in Tränen aus. Sie weinte, weil sie ihr nach dem, was sie erlebt hatte, verschwunden schienen. Ihre Ruhe und ihre Kompetenz, ihr Sinn für Humor, ihre große Begabung für stabile Freundschaften - all dies schien verloren, von Narbengewebe überwuchert und von dem Gefühl verdrängt, sie sei verrückt, kaputt, außer Kontrolle. Pauline trauerte um den Verlust dieser Charakterzüge.

Der Schmerz, den wir nach einer traumatischen Erfahrung empfinden, wird zum Teil durch die Trauer um den Verlust des Menschen verursacht, der wir früher einmal waren.

Meine Aufgabe war es, Pauline vor Augen zu führen, dass ihr altes Ich nicht verloren war. Es hatte sich nur verkrochen und musste aus seinem Versteck gelockt werden. Bei der Arbeit mit meinen Patienten verwende ich in diesem Zusammenhang gern das Bild eines ramponierten Koffers: Er hat zwar eine weite Reise hinter sich und wurde bei unzähligen Taxifahrten und durch unsanfte Verladung abgestoßen, aber der wertvolle Inhalt ist unversehrt. All die Eigenschaften, die Sie früher einmal ausmachten, sind noch in diesem Koffer. Es wird Zeit, ihn aufzumachen und sie abzustauben. Genau das werden wir in der nächsten Übung tun.

Zum Ausprobieren: Wer Sie sind und was Sie mögen

Wenn ich Sie bitten würde, alles aufzuschreiben, was Ihnen an sich selbst missfällt, würden Sie sich vermutlich sofort ans Werk machen, Ihre vermeintlichen körperlichen Mängel aufzuzählen. Dann kämen die Charakterzüge an die Reihe, an denen es Ihrer Ansicht nach hapert. Wie Pauline könnten Sie vermutlich ohne Weiteres ganze Seiten mit Beispielen füllen, inwiefern Sie sich seit dem traumatisierenden Erlebnis »gehen lassen«. Die traditionelle Therapie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Beule und der Frage, wie sie sich beseitigen lässt. Aber darum soll es hier nicht gehen. Erinnern Sie sich? Ich hatte Ihnen ein Wohlfühlbuch versprochen.

Zählen Sie deshalb ganz schnell zehn Dinge auf, die Sie an sich mögen: Ihren eigenwilligen Humor oder wie gut Ihre Füße aussehen, wenn sie von der Sonne ein wenig gebräunt sind. Nennen Sie danach ebenso schnell zehn Dinge, die Sie gerne tun. Denken Sie an Ihre Talente und Interessen. Notieren Sie, was Sie tun möchten, bevor Sie sterben, und was Sie gern täten, wenn sie einmal eine Woche frei hätten.

Lesen Sie die Liste laut vor. Beginnen Sie mit Sätzen wie: »Ich kann gut . Ich interessiere mich für . Ich habe ein Talent für

Wir werden uns in Kürze eingehender damit befassen, aber diese kinderleichte Übung ist ein erster Schritt auf Ihrem Weg zu der Erkenntnis, dass Sie mehr sind als diese Beule. Ungeachtet des Kleinkriegs, den viele gegen sich selbst führen, mögen die meisten von uns den Menschen, der sie tief im Inneren sind - selbst, wenn sie kaum noch Kontakt zu ihm haben. Achten Sie deshalb darauf, wie Sie sich fühlen, wenn Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die Sie ausmachen, und wie sich das auf Ihre Stimmung auswirkt.

Entdecken Sie den Wagen jenseits der Beule: Finden Sie Ihre Signatur-Stärken

Sie sind so viel mehr als das, was Sie erlebt haben. Es ist eine hervorragende Strategie, sich mit den Werten zu beschäftigen, die Sie inspirieren, und mit...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

15,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok