Skandal und Diktatur

Öffentliche Empörung im NS-Staat und in der DDR
 
Martin Sabrow (Herausgeber)
 
Wallstein (Verlag)
1. Auflage | erschienen im Juli 2011 | 272 Seiten
 
E-Book | PDF ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8353-2062-8 (ISBN)
 
An den Beispielen NS-Staat und DDR wird gezeigt, welche Formen öffentlicher Empörung in Diktaturen auftreten und wie Skandale zur Konsensbildung in diktatorischen Gesellschaften beitragen.

Skandale sind ein Ausdruck der Moderne. Sie mobilisieren auf dem Weg der sozialen Empörung die Macht der Massen; sie besitzen polemische Stoßkraft gegen Eliten, Machthaber und Establishment. Vor allem sind sie in ihrer Entfaltung auf Öffentlichkeit angewiesen; plebiszitäre Zwangsherrschaften kennen nach gängiger Meinung keine Skandale. Die Beiträge dieses Bandes zeigen, wie unbegründet diese Auffassung ist: Auch die beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts produzierten Skandale. Mehr noch: Im Skandal als dem systemwidrigen Unfall treten die Mechanismen der diktatorischen Konsensbildung zutage - und ihre Grenzen.
Deutsch
8 | 8 s/w Abbildungen
2,25 MB
978-3-8353-2062-8 (9783835320628)
3835320629 (3835320629)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Martin Sabrow, geb. 1954, ist stellvertretender Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, Privatdozent an der FU Berlin Publikationen u.a.: »Der Rathenaumord. Rekonstruktion einer Verschwörung gegen die Republik von Weimar« (1994); »Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949-1969« (2001, Hg. zus. mit Konrad Jarausch); »Die historische Meistererzählung. Großdeutungen der deutschen Nationalgeschichte nach 1945« (2002, Hg. zus. mit Konrad H. Jarausch), »Verletztes Gedächtnis. Erinnerungs-kultur und Zeitgeschichte im Konflikt« (2002, Hg. zus. mit Klaus Große Kracht/Ralph Jessen), »Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Historikerkontroversen nach 1945« (2003).
Martin Sabrow: Skandal und Öffentlichkeit in der Diktatur
Sven Reichardt / Susanne zur Nieden: Zur Funktionalisierung der Homosexualität von Ernst Röhm
Frank Bajohr: Korruptionsaffären im Nationalsozialismus
Christiane Kuller/Axel Drecoll: Reaktionen auf die wirtschaftliche Ausplünderung der deutschen Juden
Winfried Süß: Bischof von Galen, der katholische Protest gegen die "Euthanasie" und der Stopp der "Aktion T4"
Armin Nolzen: Der Heß-Flug vom 10. Mai 1941
Bernd Florath: Herausforderung der SED durch Robert Havemann
Thomas Lindenberger: Skandal in der staatssozialistischen Diktatur
Stefan Wolle: Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann
Martin Sabrow: Zum Formenwandel öffentlicher Empörung in der späten DDR
Thomas Lindenberger (S. 194-195)

In den Grenzen der Parteiöffentlichkeit
Polizei und Skandal in der staatssozialistischen Diktatur

Skandal, Polizei, Öffentlichkeit – begriffliche Vorbemerkungen


Amtsmißbrauch – juristisch als »Amtsvergehen« oder »-verbrechen« gefaßt1 – durch Polizisten zählt zu den klassischen Skandalanlässen in modernen Bürger-Gesellschaften mit unabhängigen Massenmedien.2 Der Skandalisierbarkeit von Polizistenhandeln liegt die Vorstellung zugrunde, daß jene, die berechtigt sind, im Auftrag und zum Wohl der Allgemeinheit in Gefahrensituationen oder im Rahmen der Strafverfolgung einseitig Gewalt gegen Personen anzuwenden, gerecht und angemessen gegen jedermann handeln müssen, also weder auf den eigenen Vorteil bedacht sein noch zum unbilligen Nachteil bestimmter Gesellschaftsgruppen oder einzelner Bürger handeln dürfen.

So alt wie diese Erwartung ist ihre Enttäuschung: Eine endlose Kette von Skandalen zieht sich durch die Geschichte der staatlichen Polizei. Dabei tauchen immer wieder zwei auslösende Konstellationen auf: Zum einen ragt der Gewaltexzeß im unmittelbaren Umgang vor allem von uniformierten Polizisten mit dem Bürger heraus. Regelmäßigen Anlaß zu Polizeiskandalen gaben und geben zum anderen Korruption und Kollusion innerhalb der Polizeibürokratie.

»Skandalöse« Zustände in Polizei- Dienststellen finden sich dabei vor allem in zwei Aufgabenbereichen: in der Verbrechensbekämpfung, wenn Polizisten bei der Strafverfolgung mit Beschuldigten widerrechtlich kooperieren, und in der polizeilichen Genehmigungs- bzw. Verbotspraxis, wenn sie sich ihre Ermessensentscheidungen durch Begünstigte bezahlen lassen.

Die Aufdeckung von skandalösen Zuständen bei der Polizei und ihre nachhaltige Bekämpfung gehört zu den undankbarsten Aufgaben einer kritischen Öffentlichkeit. Polizeiapparate verfügen über jahrzehntelang eingespielte Selbstschutzmechanismen, an denen investigative Journalisten, versierte Rechtsanwälte und parlamentarische wie außerparlamentarische Untersuchungsausschüsse ein ums andere Mal scheitern.

Die Gründe für den Sisyphus-Charakter öffentlicher Polizeikritik liegen in der Polizei selbst: Polizisten sind in einen Herrschaftsverband eingebunden, der hierarchisch gegliedert ist und nach dem Befehl-Gehorsam- Prinzip funktioniert. Zugleich bilden sie Gemeinschaften von Kollegen, zu deren Aufgaben es von Berufs wegen gehört, in Streßsituationen rasche, aber rechtlich einwandfreie Richtig-Falsch- bzw. Gut-Böse-Entscheidungen zu treffen.

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