NERVE - Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen

 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Oktober 2013
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10240-1 (ISBN)
 
Ein atemloser Thriller um ein Onlinespiel, das eskaliert

Eigentlich will Vee gar nicht mitspielen bei diesem neuen Online-Spiel, bei dem man ständig neue peinliche »Challenges« bekommt, die sofort ins Netz gestellt werden. Aber um einen Jungen auf sich aufmerksam zu machen, der ihr gefällt, wagt sie es dann doch. Zumal Preise locken, denen sie nicht widerstehen kann, wie zum Beispiel die Schuhe ihrer Träume. Noch dazu sieht Ian, der ihr als Spielpartner an die Seite gestellt wird, wirklich gut aus. Erst macht es Spaß. Aber dann werden die Challenges heikler und heikler, und die Fans treiben Vee dazu, immer mehr zu riskieren. Schließlich werden Vee und Ian zusammen mit fünf anderen Spielern an einen geheimen Ort gebracht, wo die letzte Runde stattfindet. Es geht um alles oder nichts und auf einmal steht ihr Leben auf dem Spiel .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,68 MB
978-3-641-10240-1 (9783641102401)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jeanne Ryan wuchs in einer Familie mit elf Geschwistern auf. Seit sie als Kind auf Hawaii gelebt hat, hat sie versucht, dorthin zurückzukehren - mit Zwischenstopps in Südkorea, Michigan und Deutschland. Bevor sie zu schreiben begann, entwickelte sie Computerspiele und forschte im Bereich der Jugendentwicklung. Aber Schreiben gefiel ihr dann doch besser als Statistik. Sie hat immer noch eine Schwäche für Hawaii, wohnt aber jetzt an der Nordwestküste der USA. "Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen" ist ihr erster Roman.

PROLOG

Drei Tage hatte sie warten müssen, bis um vier Uhr am Sonntagmorgen endlich auch die letzten Beobachter abgezogen waren. Wahrscheinlich mussten sogar die Verrückten irgendwann mal schlafen. Sie selbst brauchte auch dringend Ruhe, aber viel mehr noch sehnte sie sich danach, endlich wieder frei zu sein. Seit fast einer Woche hatte sie das Haus nicht mehr verlassen.

Sie schrieb ihren Eltern einen Zettel, warf ein paar Sachen ins Auto und fuhr los. Den ganzen Weg durch die Stadt und während der zweistündigen Fahrt in den Shenandoah-Nationalpark sah sie immer wieder hektisch in den Rückspiegel. Wenn sie die Strecke mit ihren Eltern und Geschwistern gefahren war, hatten sie immer irgendetwas gespielt, gesungen, sich Videos angesehen oder einfach vor sich hin geträumt. Dieses Mal wurde sie von einem wachsenden Gefühl der Panik begleitet.

Sie ignorierte bewusst die eindringlichen Ermahnungen ihrer Eltern, sich sofort nach Ankunft im Park bei einem Ranger zu melden, ließ das Auto am einsamsten Parkplatz stehen, den sie finden konnte, und lief einen von Sträuchern fast überwucherten Weg entlang. Am frühen Nachmittag müsste sie sich für einen Zeltplatz entscheiden, aber im Augenblick wollte sie nur im Wald verschwinden. Wenn sie den Beobachtern jetzt entkommen konnte, dann würde ihr die undurchdringliche Wildnis wenigstens für ein paar Tage etwas Schutz bieten.

Der Rucksack lastete schwer auf ihren Schultern, als sie sich den steinigen Berg hochkämpfte. Wenn sie den üppigen Farn beiseite schob, fielen ab und zu ein paar Tautropfen auf ihre Hände. Das verlockende Rauschen eines Wasserfalls trieb sie an. Er würde eine wohltuende Abwechslung zu dem Psychoterror sein, dem sie die letzten dreiundzwanzig Tage ausgesetzt gewesen war. Verdammtes Spiel!

Sie schlug nach einem tief hängenden Zweig, woraufhin Wassertropfen und Blätter auf ihren Kopf regneten. Aber was machte das schon, es war niemand da, der sehen konnte, dass ihr Laub auf der Haut klebte und in den Haaren hing. Allein der Gedanke an andere Menschen ließ verstörende Bilder in ihr aufsteigen. Und Ängste. Ängste, die am Rand ihres Bewusstseins verharrten und Gestalt anzunehmen schienen, diesmal in Form von leisen Schritten hinter ihr.

Sie blieb stehen und betete, dass sie sich das Geräusch nur eingebildet hatte. Wie so oft in letzter Zeit. Stehen bleiben. Konzentrieren. Nachdenken.

Die Schritte hielten einen Moment lang inne und erklangen dann wieder, schneller dieses Mal.

Da war eindeutig jemand hinter ihr.

Sollte sie sich hinter einem der dichten Büsche verstecken und denjenigen vorbeilassen? Wahrscheinlich war es nur ein Wanderer, der wie sie allein sein wollte, trotzdem schien ihr Verstecken die beste Lösung. Sie erhöhte ihr Tempo, um ihren Vorsprung zu vergrößern, und kroch dann in die schützenden Blätter eines dichten Rhododendronbuschs.

Die Schritte wurden lauter, und sie klangen schwer, was auf eine große Person schließen ließ. War das die »Konsequenz«, mit der die Spinner, die das Spiel kontrollierten, für den Fall gedroht hatten, dass sie sich den Beobachtern nicht zur Verfügung stellte? Aber niemand konnte sie dazu bringen, sich mit den Idioten einzulassen, die sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anriefen, mit den Irren, die ihr bis aufs Klo folgten, oder mit den Geisteskranken, die diese grauenhafte Webseite erstellt hatten, auf der sie und die anderen Spieler in einem Fadenkreuz abgebildet waren.

Nachdem sie das gesehen hatte, hatte sie sich krank gestellt und war die letzte Woche zu Hause geblieben. Aber sie konnte sich nicht ewig verstecken und noch weniger konnte sie einstweilige Verfügungen gegen die ganze Welt erwirken.

Ihr Atem ging schneller und flacher, als sich die Schritte immer mehr näherten. Sie klangen sehr schwer. War das womöglich gar kein Mensch hinter ihr? Komischerweise beunruhigte sie der Gedanke an einen Schwarzbären weniger als der, dass ihr hier jemand begegnen könnte. Vielleicht waren die Schritte aber auch gar nicht real. Das alles konnte ein Traum sein, der genauso manipuliert wurde wie ihre Gedanken während des Spiels und selbst danach noch. Es wurde immer schwieriger zu unterscheiden, was tatsächlich passierte und was nicht. Wie bei dem Zettel, den sie in einer Zeitschrift gefunden hatte, als sie sich ins Einkaufszentrum geschlichen hatte:

Liebe Abigail, das Spiel ist erst zu Ende, wenn wir es sagen.

Wie hatte jemand wissen können, dass sie in genau diesen Laden gehen würde, um sich genau diese Zeitschrift anzusehen? Und nachdem sie hektisch jede andere Zeitschrift im Regal durchgeblättert hatte, um nachzusehen, ob darin auch irgendeine Nachricht versteckt war, hatte sie den Zettel nicht mehr wiedergefunden, so als sei er nie da gewesen. Wahrscheinlich hatte ihn einer der Unbekannten gestohlen, die jeden ihrer Schritte überwachten. Das war das Schlimmste: nicht zu wissen, wie ihre Feinde aussahen, während ihr eigenes Foto allen zur Verfügung stand wie eine perverse Art Sammelbild.

Jetzt gesellte sich ein Pfeifen zu den Schritten. Selbst sie mit ihrer blühenden Fantasie konnte sich nicht vorstellen, dass es ein Tier gab, das »Somewhere over the Rainbow« pfeifen konnte. Tränen stiegen ihr in die Augen, aber sie versuchte sich weiter einzureden, dass es einfach nur ein gut gelaunter Wanderer war.

Die Schritte hielten inne. Sie duckte sich tiefer zwischen die Blätter, als es in den Zweigen in der Nähe knackte.

»Ich weiß, dass du hier bist«, sagte eine dunkle Stimme.

Ihre Eingeweide schienen sich zu verflüssigen. Sie presste sich an den Baumstamm hinter ihr und wünschte sich, sie wäre hinaufgeklettert. Meilenweit war niemand in der Nähe, und ein kurzer Blick auf ihr Handy zeigte ihr, dass sie keinen Empfang hatte. Das passte. Zurzeit brachte ihr das Handy nur schlechte Nachrichten und Pech.

Plötzlich teilten sich die Zweige des Rhododendrons und gaben den Blick auf einen Mann mit dem Gesicht eines Pitbulls frei, dessen Atem nach gebratenem Speck roch. Oh Gott, da war es ja noch besser gewesen, nicht zu wissen, wie ihre Peiniger aussahen! Dieses Gesicht würde für den Rest ihres Lebens - wie lang auch immer es noch dauern mochte - eine Hauptrolle in ihren Albträumen spielen.

Fleischige Hände schoben die Zweige weiter auseinander.

»Komm raus, Süße, dann haben wir beide es wesentlich einfacher.«

Ihr ganzer Körper verkrampfte sich. Die furchtbare Angst, die sich in ihrem Bauch zusammenballte, war schlimmer als die, die sie in der letzten Phase des Spiels gespürt hatte, als sie in dem Raum voller Schlangen gewesen war. Damals hatte sie geglaubt, sie könnte keine größere Angst haben.

Trotz des wilden Hämmerns in ihrer Brust fand sie irgendwie die Kraft zu sagen: »Lass mich in Ruhe, du Arsch!«

Er fuhr zurück. »Es gibt keinen Grund, unfreundlich zu sein. Ich war einer deiner größten Bewunderer.«

Ihr Blick glitt durchs Unterholz. Nur in einer Richtung gab es einen Hauch Hoffnung. Mit einem Satz hechtete sie auf den Teil des Gebüschs zu, der am wenigsten dicht war. Trotzdem gab es noch genug Zweige, die ihr die Arme zerkratzten, als sie sich hindurchzwängte und auf den Pfad rannte. Dummerweise verstellte ihr der Mann den Rückweg zu ihrem Auto, weshalb sie nur weiter in das Waldgebiet laufen konnte.

Sie rannte los, gefolgt von den Schritten hinter ihr. Bald übertönte das Rauschen des Wasserfalls, der ihr Gesicht auf dem Weg zur Aussichtsplattform mit feinen Tröpfchen besprühte, alle anderen Geräusche. Der einzige Weg von dort aus führte über einen steilen, felsigen Abhang mit vom Moos glitschigen Steinen.

Hinter ihr erklang ein schrilles Pfeifen, das das tosende Wasser übertönte. Sie drehte sich zu dem Mann um, in dessen Hosentaschen sich unförmige Gegenstände beulten, die sie unwillkürlich an die Tatwaffen aus Cluedo denken ließen. Nicht dass der Kerl einen Kerzenleuchter oder ein Messer gebraucht hätte: Seine Arme waren so dick wie die Baumstämme neben ihm. Was wollte er? War er ein durchgedrehter Fan, der sie dafür bestrafen wollte, dass sie gestern Abend die »Aftershow«-Sendung mit den anderen Spielern nicht mitgemacht hatte? Die Hand entsetzt vor den Mund gepresst, hatte sie zugesehen, wie ihre Mitspieler Witze gerissen und gelacht hatten, obwohl ihre Mundwinkel verdächtig zuckten und sie dunkle Ringe unter den Augen gehabt hatten. Nach der Sendung hatte kein Einziger von ihnen auf ihre SMS geantwortet, als ob es gefährlicher wäre, etwas mit ihr zu tun zu haben als mit denen, die sie verfolgten. Das war alles so krank. Als sie sich letzten Monat bereit erklärt hatte, mitzuspielen, hatte niemand etwas von späterer Videoauswertung oder von Stalkern erzählt.

Sie kletterte über das schiefe Geländer der Plattform und klammerte sich an dem glitschigen Metall fest. Würde sie es zum Fluss runterschaffen, ohne sich das Genick zu brechen?

»Jetzt stell dich nicht so an, Abigail«, rief der Mann und griff in seine Hosentasche. »Komm her und sei ein bisschen kooperativ. Wir könnten ein Video drehen, das sonst keiner hat, und uns tausend Bonuspunkte sichern.«

Bonuspunkte? Dann war er also einer der persönlichen Beobachter, die Videos von den Spielern machten, um sich den Respekt der anderen Beobachter zu verdienen, der sich in Form von Stimmen beziehungsweise Bonuspunkten ausdrückte. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, ihre Angst zu messen, dann hätte der Kerl den Jackpot geknackt. Aber würde er auch noch einen Schritt weiter gehen?

Bei dem Gedanken schnürte sich ihre Kehle zu. Tief Luft holen und sich auf einen Ausweg konzentrieren, ermahnte sie sich.

Der Mann...

"Das Buch beschreibt nachvollziehbar, wo es hinführen kann, wenn Jugendliche die Gefahren des Internets unterschätzen."
 
"Jeanne Ryans Jugendthriller "Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen" (...) trifft genau einen Nerv der Zeit."
 
"Ein packend, paranoider Thriller über ein krankes und perverses Spiel (...)."
 
"Jeanne Ryan trifft damit den Nerv unserer Zeit und rüttelt wach, liefert aber auch packende Thrillerunterhaltung."

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