Agent 21 - Reloaded

Band 2
 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2013
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10723-9 (ISBN)
 
Ein sympathischer Held und eine hochbrisante Mission

Ein Jahr ist vergangen, seitdem Zak zum Agenten wurde, und es gibt kein Zurück in sein altes Leben. Schon führt sein nächster Auftrag ihn nach Westafrika. Dort soll er das Schiff der Black Wolfs ausspionieren und außer Gefecht setzen - einer Gruppe von Terroristen, die sich an den Diamantenvorkommen des kriegsgebeutelten Landes bereichern. Als jugendlicher Entwicklungshelfer getarnt, erreicht Zak sein Ziel. Doch was ihn dort erwartet ist grauenvoller, als er sich hätte träumen können . Und was Zak nicht ahnt: Seine alten Feinde sind ihm auf der Spur!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,76 MB
978-3-641-10723-9 (9783641107239)
weitere Ausgaben werden ermittelt

In Gefahr

Sonntag, 16:30 Uhr GMT

Für fast alles im Leben gibt es gute Zeiten und schlechte Zeiten. Nur nicht für den Besuch eines Grabs.

Wenn Ellie Lewis den Friedhof Allerheiligen in Camden verließ, fühlte sie sich immer noch schlechter als auf dem Weg dorthin. Sie musste immer angestrengt blinzeln und schwer schlucken, um die Tränen, die ihr in die Augen stiegen, zurückzuhalten. Sie war jetzt fünfzehn und wollte in der Öffentlichkeit nicht mehr weinen. Aber sie konnte es einfach nicht lassen, dort hinzugehen. Einmal, manchmal auch zweimal die Woche kam sie an der überdachten Pforte der Kirche vorbei und wanderte zwischen Grabsteinen hindurch zu einem abgelegenen Winkel des Friedhofs. Hier befand sich unter einer alten Eiche, etwa zehn Meter vom nächsten Grab entfernt, ein schmaler Erdhügel, so lang wie ein Körper. Am Kopfende stand ein schlichter Stein mit nur zwei Worten: ZAK DARKE.

Auf jedem anderen Grabstein auf dem Friedhof waren mehr Informationen zu finden als auf diesem. Zumindest das jeweilige Geburts- und Sterbedatum. Und den übrigen Steinen zufolge wurden die Verstorbenen schmerzlich vermisst oder waren für immer in irgendjemandes Herzen. Sie würden in Frieden ruhen.

Doch nicht auf Zak Darkes. Sie erinnerte sich noch gut an die Diskussion. Ellies Vater und Mutter waren nach dem Tod seiner Eltern Zaks Vormunde geworden, aber sie hatten ihn nie wirklich gemocht. Sie hatten ihn eigentlich nicht haben wollen. Als es darum ging, zu entscheiden, was auf dem Grabstein stehen sollte, waren sie sehr hartnäckig geblieben. »Jeder Buchstabe kostet weitere siebzehn Pfund fünfzig. Wir schwimmen doch nicht im Geld, Ellie!« Daher hatten sie nicht einmal seinen vollen Namen Zachary daraufschreiben lassen. Die Kurzform war viel billiger gewesen.

Das Grab ihres Cousins konnte man nicht gerade als gepflegt bezeichnen. Der Erdhügel hatte sich erst neun Monate nach der Beerdigung zu senken begonnen und mittlerweile wuchsen kleine Grasbüschel daraus hervor. In den Sommermonaten hatte Ellie Blumen gepflückt und aufs Grab gelegt. Doch sie waren schnell verwelkt, sodass die Erde jetzt mit vertrockneten Anemonen bedeckt war. Doch sie hatte es nicht übers Herz gebracht, sie wegzunehmen. Schließlich würde ihm sonst niemand Blumen bringen.

Heute war es kalt. Als Ellie aufgewacht war, war der Rasen vor dem Haus Nummer 63 im Acacia Drive mit Raureif bedeckt gewesen, der sich den ganzen Tag gehalten hatte. Jetzt war es halb fünf und schon fast dunkel, als sie über den Friedhof stapfte. Der Atem dampfte vor ihrem Gesicht und die Kälte biss ihr in die Fingerspitzen. Aus der Kirche trat ein Priester und hielt unter dem Türbogen inne. Als Ellie an ihm vorbeiging, musste sie niesen.

»Du solltest lieber rein ins Warme, Kleine«, riet der Priester ihr.

Ellie lächelte ihn nur kurz an und eilte weiter. Kaum eine Minute später hatte sie ihren üblichen Weg über den Friedhof zurückgelegt und stand vor Zaks letzter Ruhestätte.

Sie erinnerte sich noch gut an den schrecklichen Tag, an dem Zak verschwunden war. Die Polizei hatte behauptet, er hätte einen Einbrecher in ihrem Haus überrascht. Wochenlang hatte Ellie ihnen nicht geglaubt. Weder ihre Eltern noch sie selbst hatten in dieser Nacht auch nur das Geringste gehört. Wie sollte das alles passiert sein, ohne dass einer von ihnen aufgewacht wäre? Und dann waren da noch diese mysteriösen Dinge, die Zak am Tag zuvor zu ihr gesagt hatte: Es wird etwas passieren. Frag mich nicht, was. Ich will nur, dass du weißt, dass ich in Sicherheit bin.

Sie hatte niemandem davon erzählt, doch lange Zeit hatte sie erwartet, dass Zak einfach urplötzlich wieder auftauchen und eine völlig logische Erklärung für sein Verschwinden haben würde. Doch dann hatten sie die Leiche gefunden. Einen etwa dreizehnjährigen Jungen. Verstümmelt. Unkenntlich. Die Leiche hatte im schlammigen Wasser eines Grabens bei Hertfordshire gelegen. Ihre Eltern hatten versucht, ihr die Details zu ersparen, aber sie hatten sie nicht davon abhalten können, die Zeitungen zu lesen. Die Polizei konnte die sterblichen Überreste nur anhand von DNA-Spuren identifizieren, und die Auswertung bestätigte, dass es Zaks Leiche war.

Beim Gedanken daran stiegen Ellie wieder die Tränen in die Augen. Sie vermisste ihn. Sie vermisste ihn wirklich. Schließlich wandte sie sich von seinem frostigen Grab ab, wickelte ihren Schulmantel fester um sich und stapfte über den Friedhof zurück. Vielleicht, dachte sie, während sie mit den Tränen kämpfte, vielleicht sollte sie nicht mehr so oft hierherkommen.

Denn für fast alles im Leben gibt es gute Zeiten und schlechte Zeiten. Nur nicht für den Besuch eines Grabs.

Die Kirche Allerheiligen lag an der Camden Road, einer verkehrsreichen Hauptstraße. Von hier bis zum Acacia Drive 63 war es nur eine Viertelstunde zu Fuß, doch Ellie wollte noch nicht nach Hause. Dort würden nur ihre Eltern vor dem Fernseher sitzen und sie wollte lieber noch ein wenig für sich sein. So schlenderte sie stattdessen durch das Zentrum von Camden und in den Burger King. Im Hintergrund sang leise Katy Perry. Ellie sah ein paar Jugendliche aus ihrer Schule an einem Tisch an der linken Wand sitzen und laut über irgendetwas lachen. Sie tat so, als hätte sie sie nicht bemerkt, und ging zum Tresen hinüber.

»Eine mittlere Cola light«, bestellte sie bei dem jungen Mann dahinter.

»Sehr vernünftig, wenn ich das sagen darf.«

Die Stimme kam nicht von dem jungen Mann, der sie bediente, sondern von jemandem hinter ihr. Sie wandte sich um und erblickte einen eher schäbig gekleideten alten Mann mit schulterlangem grauem Haar, durchdringenden grünen Augen und leicht gebeugten Schultern. Er roch stark nach Tabak.

»Zu viel Zucker ist ungesund. Davon kriegt man schlechte Zähne.«

»Äh, ja«, murmelte Ellie, während sie etwas Kleingeld aus ihrer Tasche suchte und es dem jungen Mann reichte, der den alten Knaben ansah, als sei er verrückt. »Vielen Dank für den Rat.« Sie nahm ihre Coke und sah sich nach einem Tisch um.

Der etwas erhöht gelegene Bereich auf der anderen Seite des Restaurants war fast leer. Auf vielen Tischen lagen noch die Essensreste von anderen Leuten, aber das störte Ellie nicht. Sie wollte nur einfach mit niemandem reden, weil sie Angst hatte, ihre zitternde Stimme nicht unter Kontrolle zu haben. Auf dem Tisch, den sie sich aussuchte, standen zwei leere Tassen und eine fettige Cheeseburger-Verpackung neben einer kleinen Pfütze, vielleicht von einem Schokomilchshake. Ellie nippte an ihrer Cola light und bemerkte erleichtert, dass sich der komische alte Vogel fünf Tische weiter niedergelassen hatte und ihr keinerlei Beachtung mehr schenkte.

Geistesabwesend faltete Ellie die Cheeseburger-Packung in der Mitte zusammen, dann noch einmal und noch einmal. Sie erinnerte sich daran, dass Zak ihr einmal gesagt hatte, man könne ein Blatt Papier nie mehr als sieben Mal in der Mitte falten, egal wie groß es war. Er war gut in so was. Als sie bei der fünften Faltung angekommen war, bemerkte sie, dass ein Mann an ihren Tisch getreten war.

Was ist nur heute mit den Leuten los?, wunderte sie sich. Warum können sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?

Als sie aufsah, erblickte sie einen großen Mann, der so dürr war, dass sie sich unwillkürlich fragte, wann er wohl das letzte Mal etwas gegessen hatte. Seinen Kopf hatte er rasiert, das Kinn jedoch nicht – dort trug er einen Drei- oder Viertagebart. Er hatte Jeans an, die ihm zu groß schienen, und ein sackartiges weißes T-Shirt. Doch das Bemerkenswerteste an ihm war die Augenklappe über seinem rechten Auge, die mit einem schwarzen Band befestigt war, das um seinen Hinterkopf lief, und die Ellie an das Piratenkostüm erinnerte, das sie als kleines Mädchen in ihrer Verkleidungskiste gehabt hatte.

Der Fremde starrte sie an, sodass es Ellie unangenehm wurde. Sie nahm noch einen Schluck von ihrer Cola und stand dann auf, doch der Fremde hielt sie zurück.

»Setz dich«, sagte er leise, grub seine knochigen Fingerspitzen in ihre Schulter und drückte sie wieder auf den Plastikstuhl zurück.

»He!«, stieß Ellie hervor. »Lassen Sie das! Sie tun mir weh!«

Sie sah sich nach ihren Schulkameraden um, doch von denen hatte niemand bemerkt, was vor sich ging. Fast hätte sie nach ihnen gerufen. Doch sie zögerte, als sie das Foto bemerkte.

Der Mann mit der Augenklappe hatte es auf den Tisch fallen lassen. Es landete schräg vor Ellie und mit einer Ecke in der Milchshake-Pfütze. Es war kein sehr gutes Bild, offenbar aus einiger Entfernung aufgenommen, vergrößert und herausgeschnitten. Das Ergebnis war körnig und...

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