Zodiac

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2015
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97171-3 (ISBN)
 
Die junge Rho wünscht sich nichts sehnlicher, als zu den Zodai zu gehören. Dafür trainiert sie hart, aber in den Augen ihrer Lehrer ist Rho eine unverbesserliche Träumerin. Als eine schreckliche Katastrophe ihre Heimat Krebs heimsucht, war jedoch nur Rho dazu in der Lage, das furchtbare Ereignis in den Sternen vorherzusehen. Völlig überraschend wird sie zum neuen Oberhaupt von Krebs ernannt und soll herausfinden, wer hinter dem Unglück steckt. Dabei ist Rho für diese Aufgabe gar nicht ausgebildet! Als sie dennoch die Wahrheit entdeckt, ist diese so ungeheuerlich, dass ihr niemand glaubt - nicht einmal ihr Schwarm Matthias, der geschworen hat, sie zu beschützen. Eine düstere Legende wird Wirklichkeit. Nur Rho kann jetzt noch den Untergang der Galaxie verhindern.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,11 MB
978-3-492-97171-3 (9783492971713)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Wenn ich an zu Hause denke, sehe ich Blau. Das aufgewühlte Blau des Meerwassers, das unendliche Blau des Himmels, das strahlende Blau vom Moms Augen. Manchmal frage ich mich, ob ihre Augen wirklich so blau waren oder ob sich in meiner Erinnerung das Blau des Hauses Krebs mit der Farbe ihrer Augen vermischt. Ich werde es wohl nie erfahren, da ich keine Bilder von ihr eingepackt habe, als ich auf den Elara gezogen bin, den größten Mond in unserem Sternbild. Ich habe nur die Kette mitgenommen.

Am zehnten Geburtstag meines Bruders - Stanton - hat Dad uns in seinem Wasserläufer mitgenommen, um nach Nar-Muscheln zu tauchen. Anders als unser Schoner, der für lange Strecken gebaut war, war der Läufer klein und wie eine Muschelschale geformt. Er war mit Reihen von Auftriebsbänken, Körben für die Nar-Muscheln, einem holografischen Navigationsschirm und sogar einem Sprungbrett ausgestattet, das vorn wie eine Zunge herausragte. Die Unterseite des Schiffes war mit Millionen von mikroskopisch kleinen, wimpernartigen Beinen bedeckt, die uns über das Krebsmeer trugen.

Ich habe es immer geliebt, den Kopf über den Rand zu beugen und die winzigen Strudel zu betrachten, die sich manchmal bildeten. Sie wirbelten in verschiedenen Blautönen, als bestünde das Meer aus Farbe und nicht aus Wasser.

Ich war erst sieben, unter dem gesetzlichen Mindestalter für Tiefseetauchen, deshalb bin ich mit Mom oben geblieben, während Dad und Stanton nach Nar-Muscheln suchten. Mom sah an diesem Tag wie eine Sirene aus. Sie saß an der Spitze des Sprungbretts, während wir darauf warteten, dass die Männer mit ihrer Beute nach oben kamen. Mom fielen ihre langen, hellen Locken über den Rücken, und die Sonne schimmerte auf ihrer elfenbeinfarbenen Haut und den großen, runden Augen. Ich lag auf meinem federnden Sitz, ließ mich braten und versuchte, mich zu entspannen. Aber in ihrer Gegenwart war ich immer hellwach, immer bereit, auf ihre Anweisung hin Tatsachen über Zodiac herunterzubeten.

»Rho.« Mom kam mit einem eleganten Sprung zu mir in die Muschelschale, und ich richtete mich auf. »Ich habe etwas für dich.«

Sie nahm einen Beutel aus ihrer Handtasche. Mom war nicht der Typ, der Geschenke kaufte oder an besondere Anlässe dachte; dafür war Dad verantwortlich.

»Aber ich habe gar nicht Geburtstag.«

Ein vertrauter, entrückter Ausdruck legte sich über ihre Züge, und ich bedauerte meinen Einwand bereits. In dem Beutel fand ich eine Kette aus einem Dutzend Nar-Muschelperlen, jede in einer anderen Farbe, die in gleichmäßigem Abstand auf eine Schnur aus silbernem Seepferdchenhaar gefädelt waren. Jede Perle trug ein anderes Tierkreiszeichen in Moms zierlicher Schönschrift. »Wow«, war alles, was ich sagen konnte, als ich die Kette überstreifte.

Sie ließ ein seltenes Lächeln aufblitzen und setzte sich neben mich auf die Bank. Wie immer roch sie nach Seerosen. »Am Anfang«, flüsterte sie, ihr durchdringender Blick verloren im Blau des Horizonts, »regierten die ersten Wächter Zodiac gemeinsam.«

Ihre Geschichten beruhigten immer meine Nerven, und ich machte es mir auf meinem Sitz bequem und schloss die Augen, damit ich mich auf den Klang ihrer Stimme konzentrieren konnte. »Doch jeder der zwölf sah eine andere Stärke als Schlüssel zum Schutz unseres Universums an, sodass es zu Streit und Zerwürfnissen zwischen ihnen kam. Bis eines Tages ein Fremder erschien und versprach, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Name des Fremden war Ochus.«

Jedes Krebs-Kind kannte das Märchen von Ochus, aber Moms Version war anders als das Gedicht, das wir in der Schule auswendig lernen mussten. Bei ihr klang es weniger wie ein Mythos, sondern mehr wie eine Geschichtslektion. »Ochus erschien vor jedem Wächter in einer anderen Verkleidung und behauptete, eine mächtige Gabe in seinem Besitz zu haben - eine Geheimwaffe, die das Blatt zugunsten des jeweiligen Hauses wenden konnte. Dem philosophischen Wassermann versprach Ochus einen antiken Text, der Antworten auf die tiefsten Fragen Zodiacs enthielt. Den fantasievollen Anführern der Zwillinge versprach er eine magische Maske, die Zauber bewirken konnte, welche das Vorstellungsvermögen des Trägers überstiegen. Steinbock, dem weisesten aller Häuser, versprach er eine Schatztruhe voller Wahrheiten, gesammelt aus Welten, die älter waren als unsere eigene und zu denen man durch Helios Zutritt erhielt.«

Ich öffnete die Augen und sah eine blonde Locke über Moms Stirn wehen. Ich verspürte den Drang, sie ihr aus dem Gesicht zu streichen, aber ich wusste, dass ich das nicht tun sollte. Mom war nicht direkt kalt, nur . zurückhaltend.

»Ochus wies jeden Wächter an, ihn an einem geheimen Ort zu treffen, wo er ihm sein Geschenk überreichen wollte. Bei ihrer Ankunft waren alle zwölf schockiert zu erfahren, dass die anderen ebenfalls hergebeten worden waren. Der Schock wuchs, als jeder Einzelne den Ochus beschrieb, der ihn besucht hatte: Die Krebs-Mutter war einer Meeresschlange begegnet, der Prophet der Fische hatte einen gestaltlosen Geist gesehen, der Schütze-Wächter einen vermummten Wanderer getroffen und so weiter. Da keine zwei denselben Fremden gesehen hatten, misstrauten die Wächter den Berichten der anderen. Während sie stritten, glitt Ochus lautlos davon und nahm die größte Magie Zodiacs mit: das Vertrauen der Häuser zueinander. Alles, was er ihnen daließ, war eine Warnung: »Hütet euch vor meiner Wiederkehr, da alles wird ein Flammenmeer.«

»Er hat uns unser Vertrauen gestohlen, und wir haben es nie zurückerlangt«, rezitierte ich die Moral, die mein Lehrer uns beigebracht hatte. Ich hatte gerade erst vor einer Woche mit der Schule begonnen und wollte Mom noch mehr beeindrucken, daher fuhr ich fort: »Ochus war die erste Waise Zodiacs. Er hatte kein Haus, zu dem er gehörte, und war eifersüchtig auf die Häuser in unserer Galaxie. Deshalb geben wir auf Krebs aufeinander acht und sorgen dafür, dass jeder ein Heim hat.«

Mom runzelte Stirn. »Meinst du etwa >Alle gesunden Herzen beginnen mit einem glücklichen Heim<? Rho, du weißt es doch besser. In unseren gemeinsamen Unterrichtsstunden haben wir die großen Persönlichkeiten durchgenommen, die aus zerrütteten Familien stammten, wie Galileo Sprock vom Skorpion, der vor Jahrhunderten das erste Hologramm entwickelte, oder der berühmte Pazifist Lord Vaz, der verehrte Wächter des Hauses Waage.« Sie wirkte gekränkt. »Wenn du deinen Lehrern erlaubst, dich einer Gehirnwäsche zu unterziehen, bist du vielleicht noch nicht bereit für die Schule.«

»Nein - es war nur etwas, was ich gehört habe«, versicherte ich ihr. Mom hatte ständig Angst, dass das Krebs-Schulsystem mir eine Gehirnwäsche verpassen würde. Deshalb hatte sie mich auch nicht mit fünf in der Schule angemeldet, wie die anderen Kinder auf Krebs, sondern beschlossen, mich selbst zu unterrichten.

Ich wartete darauf, dass ihre Miene sich klärte, und störte sie nicht noch einmal. Ich wusste, dass Mom nur auf mich aufpasste, aber ich spielte zu gern mit Kindern in meinem Alter, um wieder zu ihrem Privatunterricht zurückzukehren.

»Der Punkt«, fuhr sie fort, »ist der, dass die Wächter unserer Vorzeit lieber gegeneinander kämpfen wollten, anstatt zuzugeben, dass sie sich vor demselben Monster fürchteten.« Als ich ihr in die Augen schaute, verhärteten sich ihre Züge. »Du wirst in deinem Leben mit Ängsten konfrontiert werden, und man wird versuchen, sie dir zu nehmen. Man wird versuchen, dich davon zu überzeugen, dass das, was du fürchtest, nicht real ist, dass es nur in deinem Kopf existiert - aber das darfst du nicht zulassen.«

Ihre nachdenklichen Augen schienen all das Blau, das uns umgab, in sich aufzunehmen, bis sie heller leuchteten als der Himmel selbst. »Vertraue deinen Ängsten, Rho. Der Glaube an sie wird dich beschützen.«

Ihr Blick war so durchdringend, dass ich wegschauen musste. Wann immer Mom sich so aufregte, fragte ich mich, ob sie einfach nur eine ihrer seltsamen Phasen hatte - wie damals, als sie zwei Tage auf dem Dach unseres Bungalows meditiert hatte und nicht herunterkommen war - oder ob sie etwas in den Sternen gesehen hatte.

Statt ihr wieder in die Augen zu schauen, ließ ich den Blick übers Wasser gleiten. Kleine Bläschen stiegen an die Oberfläche, und ich verrenkte mir den Hals, um nach Dad und Stanton Ausschau zu halten. Aber keiner von ihnen war zu sehen.

»Lass uns ins Wasser gehen«, schlug Mom plötzlich vor, ihr Ton wieder leicht. Sie sprang auf das Brett und war mit einer einzigen fließenden Bewegung im Wasser. Dad sagte immer, sie sei eine heimliche Meerjungfrau. Ich setzte hastig seine Navigationsbrille auf, um sie unter Wasser zu beobachten, und sah, wie sie anmutig um den Läufer kreiste. Sie schwimmen zu sehen war so, als sei man Zuschauer bei einem Ballett.

Gerade als ihr Kopf durch die Oberfläche brach, tauchten auch Dad und Stanton auf. Dad hob sein Netz voller Nar-Muscheln auf das Sprungbrett, und ich zerrte den Fang des Tages ins Boot. Immer noch im Wasser, zogen Dad und mein Bruder ihre Tauchermasken herunter. Mir war, als könnte ich im Augenwinkel wieder Bläschen sehen, die das Wasser aufschäumten.

»Das Ding ist zu eng.« Stanton fummelte an seinem Anzug herum und öffnete ihn, um die Arme zu befreien. Ich duckte mich, als er seine nasse Maske ins Boot warf. Sie landete mit einem Platschen. Ich wollte gerade die Brille ablegen und zu ihnen hineinspringen, als eine schwarze Masse aus dem Wasser brach.

Die Schlange war anderthalb Meter lang und hatte schuppige Haut und rote Augen - aber...

»>Zodiac< wartet mit einem unglaublich fantasievollen Weltentwurf auf, dessen Detailreichtum absolut überzeugt.«, hisandherbooks.de, 09.11.2015
 
»Mit dem ersten Band der Zodiac Trilogie gelingt Romina Russell ein Science Fiction Roman, der auch für all diejenigen interessant ist, die eigentlich keine Science Fiction mögen. Denn die Autorin findet eine gute Mischung aus einer spannenden Handlung, emotionalen Momenten, faszinierenden Charakteren, hochentwickeltem technologischen Spielzeug, spirituellen teilweise fast esoterischen Gedanken und einigem Humor, die den Leser schnell einfängt und ihn nach dem Lesen sehnsüchtig auf den zweiten Band warten lässt.«, LeserWelt.de

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen