Inside Big Data

Unsere Daten zeigen, wer wir wirklich sind
 
 
Hanser, Carl (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. März 2016
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-446-44460-7 (ISBN)
 
In seinem New-York-Times-Bestseller zeigt Christian Rudder erstmals, wie wir von Big Data profitieren können: indem wir menschlichen Überzeugungen und Vorlieben durch die Analyse großer Datenmengen auf die Spur kommen. Der Gründer der Dating-Seite "OkCupid" hat seine anonymisierten Daten danach befragt, was wir mögen, was wir ablehnen, was wir uns insgeheim wünschen, ob unsere politischen Ansichten unsere Partnerbeziehung verändern - und wie rassistisch wir wirklich sind. "Inside Big Data" bedeutet einen Paradigmenwechsel zu einer konstruktiven Datenauswertung, unabhängig von Konzernen wie Google, und verrät uns Erstaunliches darüber, wer wir wirklich sind.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 5,84 MB
978-3-446-44460-7 (9783446444607)
3446444602 (3446444602)
http://dx.doi.org/10.3139/9783446444607
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christian Rudder, Jahrgang 1975, studierte Mathematik in Harvard und gründete die Online-Dating-Website "OKCupid". Er ist Musiker der Indie-Rockband "Bishop Allen" und trat als Schauspieler in dem Film "Funny Ha Ha" (2002) auf. Er lebt in New York.
Bei Twitter: @christianrudder

Einleitung


Sie haben bestimmt schon jede Menge über Big Data gehört: das enorme Potenzial, die bedrohlichen Folgen, das ach so paradigmenzerstörende neue Paradigma, das dieses Phänomen für die Menschheit und ihre geliebten Internetseiten bedeutet. Man wird ganz verwirrt dabei, wie von einem sehr stumpfen Gegenstand getroffen. Ich habe also nicht vor, mit noch mehr Hype oder atemloser Berichterstattung über das Datenphänomen aufzuwarten; vielmehr bringe ich Ihnen das, worum es geht: die Daten selbst, ganz ohne Phänomen. Ich möchte Ihnen zahlreiche Beispiele der tatsächlich gesammelten Informationen aus meinem eigenen Vorrat zeigen, den ich durch Glück, Arbeit, Herumprobieren und noch mehr Glück ansammeln konnte und der mir eine einmalige Ausgangslage für die Analyse verschafft.

Ich gehöre zu den Gründern der Webseite OkCupid, eines Internetpartnersuchdienstes, der im Laufe von zehn langen Jahren und ganz ohne Blase einer der weltweit größten geworden ist. Mit Freunden zusammen habe ich die Seite gestartet. Wir hatten alle einen Hang zur Mathematik, und der Erfolg unserer Seite gründet sich zum großen Teil darauf, dass wir diese Einstellung auf die Partnersuche anwandten; wir brachten Analytik und Methode in ein Feld, das traditionell die Domäne von Liebes»experten« und grinsenden Zauberern ist. Der Service funktioniert eigentlich ganz einfach - wie sich herausgestellt hat, braucht man an Mathematik, um den Vorgang einer Partnersuche zu modellieren, lediglich etwas nüchterne Arithmetik -, aber unser Ansatz stieß, warum auch immer, auf beträchtliche Resonanz, und alleine im laufenden Jahr werden zehn Millionen Nutzer mit unserer Seite auf Partnersuche gehen.1

Ich weiß nur zu gut, dass Webseiten (und ihre Gründer) ungeheuer gerne mit großen Zahlen um sich werfen, und die meisten denkenden Menschen ignorieren dieses Gehabe inzwischen wahrscheinlich; man hört von Millionen dies und Milliarden jenes und weiß schon, dass es eigentlich nur Eigenlob mit einer Menge Nullen im Schlepp ist. Anders als Google, Facebook, Twitter und die anderen Quellen, deren Daten wir im vorliegenden Buch bevorzugt verwenden, ist OkCupid nicht besonders bekannt - wenn Sie und Ihre Freunde alle seit Jahren glücklich verheiratet sind, haben Sie wahrscheinlich nie von uns gehört. Ich habe also lange darüber nachgedacht, wie ich die Reichweite unserer Seite jemandem erklären kann, der sie nie besucht hat und sich für die Nutzerstatistik irgendeines Start-ups auch völlig zu Recht nicht besonders interessiert. Ich möchte es mit einem persönlichen Ansatz versuchen. Heute Abend haben etwa 30 000 Paare ein erstes Date, das durch OkCupid vermittelt worden ist.2 Etwa 3000 von ihnen werden eine dauerhafte Beziehung eingehen. 200 davon werden heiraten, und viele werden natürlich Kinder bekommen. Genau jetzt, am heutigen Tag, leben und schmollen und trotzen Kinder - mürrische kleine Menschenwesen, die sich in dieser Sekunde weigern, ihre Schuhe anzuziehen -, die es ohne unsere versponnene HTML nie gegeben hätte.

Ich wiege mich nicht selbstgerecht im Glauben, dass wir irgendetwas perfektioniert hätten, und ich möchte betonen, dass ich zwar natürlich stolz auf die Seite bin, die meine Freunde und ich geschaffen haben, dass es mir aber nicht darauf ankommt, ob Sie Mitglied sind oder ein Nutzerkonto einrichten wollen oder was auch immer. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Online-Date gehabt, meine Mitgründer übrigens auch nicht, und deswegen kann ich es gut verstehen, wenn Sie für Internetpartnersuche nichts übrig haben. Ich bin ganz bestimmt kein Technikmissionar, und ich will mit diesem Buch keine glitzernden digitalen Glasperlen für irgendjemandes wertvolle Insel eintauschen. Ich bin immer noch Abonnent analoger, gedruckter Zeitschriften. Am Wochenende bekomme ich die Times ins Haus. Twittern ist mir peinlich. Ich kann Sie also kaum dazu überreden, das Internet oder die sozialen Medien stärker zu respektieren oder daran zu »glauben«, als Sie es bereits tun (oder auch nicht). Denken Sie nur ruhig weiter so über das Internetuniversum, wie Sie es vor der Lektüre dieses Buches getan haben. Aber wenn es etwas gibt, worüber ich Sie ernsthaft zum Nachdenken anregen möchte, dann sind es Ihre Ansichten und Annahmen über sich selbst. Denn darum geht es in diesem Buch. OkCupid war für mich nur der Grund, mich selbst mit dieser Frage zu beschäftigen.

Seit 2009 leite ich das OkCupid-Analyseteam, und es ist meine Aufgabe, etwas Sinnvolles aus den Daten zu machen, die unsere Nutzer erzeugen. Meine drei Mitgründer haben fast die ganze harte Arbeit auf sich genommen, die erforderlich war, um den Partnersuchdienst aufzubauen, während ich jahrelang nur mit Zahlen herumgespielt habe. Einige meiner Ergebnisse unterstützen unser Unternehmen - so ist es für einen Datingservice natürlich entscheidend, zu verstehen, dass und wie Männer und Frauen Sex und Schönheit verschieden bewerten. Aber ein ganzer Haufen meiner Erkenntnisse war nicht direkt praktisch verwertbar, sondern bloß interessant. Mit der Tatsache, dass rein statistisch Belle & Sebastian die am wenigsten schwarze Band der Welt ist, oder dass einen das Blitzlicht auf einem Foto durchschnittlich sieben Jahre älter wirken lässt, kann man zum Beispiel nur sehr wenig anfangen, außer Aha! zu sagen und sie vielleicht auf einer Cocktailparty zum Besten zu geben. Und mehr haben wir mit diesen Daten lange auch nicht gemacht; unsere Erkenntnisse brachten nicht mehr als gelegentliche lahme Pressemitteilungen hervor. Aber irgendwann lag uns genug Information zur Analyse vor, um größere Trends erkennen zu können, großräumige Muster, die sich aus den kleinen ergaben. Besser noch, ich merkte, wie ich Tabuthemen wie die Rassenfrage durch direkte Erhebungen untersuchen konnte. Ich musste also keine Fragebögen verteilen oder Studien mit begrenzten Teilnehmergruppen durchführen - das ist die alte Methode der Sozialpsychologie -, sondern ich konnte hingehen und mir anschauen, was wirklich passiert, wenn beispielsweise 100 000 männliche Weiße in privaten Kontakt zu 100 000 weiblichen Schwarzen treten. Diese Daten haben wir auf unseren Servern einfach so zur Verfügung. Eine unwiderstehliche Möglichkeit soziologischer Untersuchungen tat sich auf.

Ich stürzte mich hinein, und als sich die Entdeckungen häuften, machte ich es wie jeder, der mehr Ideen als interessierte Zuhörer hat: Ich startete einen Weblog, um sie mit der Welt zu teilen. Aus diesem Blog ist das vorliegende Buch hervorgegangen - mit einer wichtigen Verbesserung: Für Dataclysm bin ich weit über den Rahmen von OkCupid hinausgegangen. Ich habe dabei eine Datensammlung zwischenmenschlicher Interaktion zusammengetragen, die wahrscheinlich größer als die jedes anderen Privatmannes ist - sie umfasst die meisten, wenn nicht alle wichtigsten Internetdatenquellen unserer Zeit. Im Folgenden spreche ich also nicht nur von den Gewohnheiten der Nutzer einer bestimmten Seite, sondern auch über menschliche Universalien.

Die öffentliche Diskussion zur Frage der Datenerhebung konzentriert sich auf zwei Bereiche: Schnüffelei durch Regierungen und Ausbeutung durch kommerzielle Unternehmen. Über den ersten Bereich weiß ich nicht mehr als Sie auch - nur das, was ich gelesen habe. Meines Wissens nach haben sich die US-Geheimdienste noch nie an einen Internetpartnersuchdienst gewandt, um seine Daten abzugreifen, und wenn sie nicht vorhaben, die Zurschaustellung durchtrainierter Bauchmuskeln ohne Gesicht oder die endlosen und offensichtlich unwahren Behauptungen junger Frauen aus Brooklyn, wie sehr sie Scotch mögen, zu einem Verbrechen zu erklären, wüsste ich auch nicht, warum. Im zweiten Bereich, wo es um die Verwandlung von Daten in Dollars geht, kenne ich mich besser aus. Als ich dieses Buch begann, waren die Computerblätter gerade sabberfeucht vor Gier, weil die ersten Facebook-Aktien ausgegeben wurden; diese Firma hatte schließlich die persönlichen Daten von so gut wie jedem zu Geld gemacht und wollte jetzt dieses Geld an der Börse zu noch mehr Geld machen. Eine Artikelüberschrift in der Times drei Tage vor dem Börsenstart sagt alles: »Facebook spinnt Daten zu Gold«. Es fehlte nur noch, dass Rumpelstilzchen einen Kommentar mit einer Kaufempfehlung dazuschrieb.

Als Gründer einer werbefinanzierten Webseite kann ich bestätigen, dass Daten tatsächlich nützlich sind, wenn man etwas verkaufen will. Jede einzelne Abteilung einer Webseite kann das gesamte Verhalten des Nutzers protokollieren - was er anklickt, was er eintippt, sogar, wie lange er wo verweilt - und daraus ein klares Bild seiner Gelüste gewinnen, und wie man sie befriedigt. Diese Macht mag zwar beeindruckend sein, aber ich will jetzt nicht von der geheimen Mission unserer Nation anfangen, Leuten Deospray zu verkaufen, die ihren Freunde Updates über Deospray schicken. Ich führe vielmehr dieselben Protokolle des Nutzerverhaltens - die Klicks, Tasteneingaben und Millisekunden - einem ganz anderen Zweck zu. Wenn die zwei Hauptanwendungen für Big Data in den letzten Jahren Überwachung und Profit gewesen sind, dann, so kann man sagen, arbeite ich seit drei Jahren an einer dritten: der menschlichen Dimension.

Facebook weiß, dass Sie zu den vielen M & M-Fans gehören und schickt Ihnen entsprechende Werbung. Facebook weiß auch, wenn Sie mit Ihrem Freund Schluss machen, nach Texas ziehen, dann plötzlich auf vielen Bildern mit Ihrem Ex auftauchen und sich...

"Als einer der Macher des amerikanischen Dating-Portals OkCupid kennt Christian Rudder die Vorlieben und Wünsche der Menschen besser als jeder Wissenschaftler." Michael Lange, Deutschlandfunk, 20.03.16

"[ein] lesenswerte[s] und verständliche[s] Buch". Andrea Diener, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.16

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