Der Clan der Wildkatzen

Band 1
 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. Juni 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09928-2 (ISBN)
 
Katzenseelen sind unbezähmbar und gefährlich!

"Du bist ein Sender, Mara. Sender sind sehr selten, und es gibt nie mehr als einen in einem Katzenclan. Du kannst reisen, ohne die Pfoten zu bewegen - deine Schnurrhaare bringen dich überallhin. Und du siehst und hörst mehr als die anderen Katzen."

Als Mara unabsichtlich in das Revier der Wilden Katzen eindringt, sind Katar, Beraal und der Rest des Clans in heller Aufruhr: Zwar ist ein Sender eine außergewöhnlich begabte Katze, gehört er jedoch nicht zum eigenen Clan, so stellt seine Macht eine große Bedrohung dar. Schnell machen sich Beraal und die anderen auf, um diese Katze zu beseitigen .



  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
0 s/w Abbildungen
  • 0,73 MB
978-3-641-09928-2 (9783641099282)
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1

Ein Neuankömmling

Das Nizamuddin-Viertel schlief, als in den stockfinsteren Stunden vor dem Morgengrauen der erste Ruf zu vernehmen war. Er war so leise, dass nur die Fledermäuse ihn hörten, die zwischen Kanal und Schrein ihre einsamen Bahnen zogen. Eine der Fledermäuse zwitscherte nervös, als die leisen, verängstigten Worte sie erreichten und in ihrem Kopf widerhallten: »Dunkel. Will zu meiner Mutter. Warum knurren die Hunde? Warum sagst du nichts? Es ist so dunkel hier.«

Dann war wieder Ruhe, und bald hatte die Fledermaus vergessen, was sie gehört hatte. Doch als sie sich kopfüber in den Ruinen nahe dem Stufenbrunnen aufhängte und im hellen Tageslicht einschlief, träumte sie davon, durch die Dunkelheit gehetzt zu werden und in einem engen Raum den Raubtieren hilflos ausgeliefert zu sein.

Kurz darauf folgte der zweite Ruf - gellte durch die Luft der Nach-Monsunzeit und erschreckte den Schwarzmilan Tooth, der seine Runden über dem großen Park im Zentrum von Nizamuddin drehte. »Mara hat Angst, lass mich runter! Wo ist meine Mutter hin? Wer bist du? Wo bringst du mich hin? Ich will nicht weg vom Abflussrohr! Du machst Mara Angst, du schrecklicher Großfuß!« Tooth legte die Flügel an, warf sich in einem gefährlich niedrigen Sturzflug über die Dächer und schüttelte den Kopf, um das Gefühl loszuwerden, dass ihn eine Katze mitten in der Luft anmiaute - leise zwar, aber dennoch so gut zu verstehen, dass sich die zarten Federn in seinem Innenohr sträubten. Das beunruhigte ihn, doch dann erspähte er mit seinen scharfen Augen eine Ratte, und die Jagd des Tages ging richtig los. Zu dem Zeitpunkt, als der Milan seine Beute erlegt hatte, war die eigenartige Nachricht längst vergessen.

Danach blieb der Rufer stumm. Zu jener Stunde hielten sich in der Gegend keine anderen Hunde und Katzen auf, und das einzige andere Wesen, das die zweite Botschaft gehört hatte, war eine kleine braune Maus, die sich auf die Hinterbacken setzte und sich besorgt umschaute. Doch als sie keine Katzen oder Kätzchen entdeckte, setzte sie ihren Weg fort.

Friedlich zogen die Tage dahin. Es war die glücklichste Zeit des Jahres für die Bewohner von Nizamuddin und der anderen Viertel von Delhi. Der Sommer war vorbei und das Lichterfest mit den bedrohlichen Feuerwerken und dem schrecklichen Donnerkrachen lag noch in weiter Ferne. Nach der Sommerhitze konnten die Katzen von Nizamuddin endlich wieder auf die Jagd gehen.

Beraal freute sich über das mildere Wetter. Sie hatte den größten Teil des Sommers im Stufenbrunnen und zwischen den Schuttbergen eines verlassenen Gebäudes verbracht, in dem viele Katzen Schutz fanden. Die große Hitze in diesem Jahr hatte das Laub der Flammenbäume welken lassen und die roten Blüten der Kapokbäume ausgetrocknet, und die junge Katze hatte es vermisst, auf eine längere Tour zu gehen. Sie reckte sich, gähnte und schüttelte die Pfoten. Es war an der Zeit, eine kleine Wanderung zum Mausoleum zu unternehmen, um zu sehen, was die Katzen dort trieben.

Im Park ging es lautstark zu, denn die Jungen der Großfüße aus der Nachbarschaft stritten sich beim Kricket, und die Milane weit oben über dem Platz taten es ihnen in den Baumgipfeln gleich. Beraal schlenderte hinüber zu dem Kuhstall mitten zwischen den Häusern der Großfüße und setzte sich auf die alte Ziegelmauer, um sich in Ruhe zu putzen. Die Fellpflege fiel bei ihr etwas intensiver aus als bei ihren Artgenossen: Beraal hatte langes schwarzweißes Fell, das sich, wenn es sauber war, seidig bis zu den Pfoten lockte, aber es zog trockene Blätter und sonstigen Schmutz magnetisch an.

Sie hockte auf der Mauer und leckte an den klebrigen Spinnweben an ihrer Pfote, als die Luft um ihre Augen herum zu flirren und klirren begann. »Ach, wehe!«, sagte eine klare Stimme genau in ihr Ohr. »Mara ist so traurig! Mara ist ganz allein mit den Großfüßen! Die sind unheimlich und reden die ganze Zeit, und ich mag es gar nicht, wenn man mich hochhebt und auf den Kopf dreht!«

Beraal verlor vor Schreck fast das Gleichgewicht und musste einen Purzelbaum machen, um nicht von der Mauer zu fallen, aber das sah auch nicht besonders elegant aus. Ihre Schnurrhaare sträubten sich, ihr Schwanz plusterte sich zur doppelten Größe auf, und mit wildem Blick fuhr sie auf der Mauer herum und suchte nach einer Katze. Es war aber keine zu sehen. Sie ignorierte die kleine braune Maus, die, ebenfalls erschrocken, aus ihrem Loch gehuscht kam. Das leise Wispern, das Jethro vor fast einem Monat schon einmal gehört hatte, war jetzt viel lauter und viel stärker als beim ersten Mal.

Beraal beachtete das Quieken der Maus nicht und zuckte mit den seidigen Ohren. Die Stimme hatte geklungen, als sei sie ganz nah - saß sie vielleicht im Baum? Oder unten am Boden bei den Kühen? Aber dort war nichts. Beraal war völlig durcheinander.

Sie erstarrte, als das trockene Laub der Schlingpflanzen raschelte, entspannte sich aber sofort wieder. Es war nur Hulo, der vom Baum auf die Mauer sprang. »Was zum Teufel war das?«, fragte er und verzichtete auf einen Gruß.

»Du hast es also auch empfangen?«

Hulo zuckte zustimmend mit dem schwarzen Schwanz. »Ich wette, jeder Kater und jede Katze in Nizamuddin schaut sich nach dem um, der das gewesen ist - meine Schnurrhaare zittern immer noch!«

»Ich hatte das Gefühl, jemand spricht mich direkt an«, sagte Beraal.

»Ich auch. Diese Katze sendet lauter, als ich es je bei einem Tier in unserem Revier gehört habe!«

»Und weiter«, ergänzte Beraal. Ihre Schnurrhaare begannen zu kribbeln: Die anderen Katzen von Nizamuddin - Miao, Katar, Abol und Tabol vom Kanal, Qawwali - klinkten sich ebenfalls in das Gespräch ein und die Luft summte von Fragen.

Das verlotterte Fell von Hulo wogte, während er lauschte. »Sie haben sie auf der anderen Seite des Kanals gehört!«, sagte er zu Beraal. »Wer auch immer oder was auch immer diese Mara ist, sie ist ein Sender und keine gewöhnliche Katze. Und es macht mir Sorgen, dass sie keine von uns ist!«

Beraal standen die Haare zu Berge, Strähne um Strähne. Die Katzen von Nizamuddin kommunizierten über eine Verbindungsart, die sie über lange Entfernungen benutzen konnten, so wie es bei allen Tieren der Wildnis der Fall war. Miauen hatte nur eine bestimmte Reichweite. Gerüche und Schnurrhaarübermittlungen aber bildeten ein unsichtbares, weites Netz um ihre Kolonie und um die Katzen vom Schrein. Mithilfe dieser Verbindung konnten sie sich jedoch nur gegenseitig hören. Echtes Senden, bei dem man das Gefühl hatte, der Sender streiche direkt über das Fell des Lauschers und die Worte und Gerüche berührten dessen Schnurrhaare, war selten. Von Zeit zu Zeit klinkten sich Fremde ins Netz ein und verbanden sich versehentlich, doch seit Jahren hatte der Clan von Nizamuddin keinen Sender mehr erlebt, der so stark war.

Beraal ließ den Schwanz sinken, während sie über diese merkwürdige Nachricht nachdachte: Es war, als sei sie aus den Tiefen ihres Kopfes gekommen.

Hulo und sie spürten, wie ihre Schnurrhaare knisterten, als Katar - einer der im Clan meist respektierten Kater - über das Nizamuddin-Netz eine Mitteilung an alle Katzen des Clans schickte. »Das haben bestimmt alle gehört.« Ein Chor der Zustimmung ließ ihre Schnurrhaare vibrieren, von den Bungalows vor dem Park, wo sich Beraal und Hulo befanden, bis hin zu den äußeren Grenzen der Kolonie. »Weiß jemand, wer oder was diese Mara ist? Wurden in letzter Zeit irgendwelche Streuner gesichtet? Miao, weißt du etwas?«

Miao war die älteste der Wilden Katzen. »Wir hätten es mitbekommen, wenn sich Fremde bei uns herumtreiben würden«, sagte sie. »Das muss ein Neuankömmling sein. Es wäre ungewöhnlich, wenn wir einen so mächtigen Streuner nicht bemerkt hätten. Vielleicht wissen Qawwali und die Schreinkatzen mehr?«

Aber Qawwali und Dastan sagten, sie hätten seit vielen Monden keine Fremden gesehen. Abol und Tabol bestätigten, dass keine Streuner den Kanal überquert hatten, und auch den Marktkatzen waren keine Unbekannten aufgefallen.

Als Beraal an der Reihe war, teilte sie den anderen mit, was sie sich überlegt hatte. »Diese Katze spricht irgendwie seltsam. Ihre Übermittlung klang nicht nur fremd - das gesamte Senden war ungewöhnlich.«

»Natürlich war es das, weil es eben niemand von uns ist, Beraal«, sagte Hulo ungeduldig. »Fremde klingen nun mal anders.«

»Das meine ich aber nicht«, erwiderte Beraal. »Es waren sehr klare Bilder, obwohl ich nicht genau erkennen konnte, was es war.«

Über die Verbindung kam knisternd Zustimmung von Katar. »Hast du das Gleiche gesehen wie ich, Beraal? Ich dachte, ich könnte einen kleinen orangefarbenen Flecken sehen, der mitten in der Luft hing.«

»So in der Art«, sagte Beraal. »Und für wen war die Nachricht eigentlich bestimmt? Ob der Sender überhaupt wusste, dass er sendet?«

Hulo schickte ein verärgertes Zucken über die Verbindung. »Was oder wer auch immer es ist«, sagte er, »es ist ein Streuner, der nicht zu uns Wilden Katzen gehört, und wenn er so stark senden kann, dass es mich fast vom Baum wirft, möchte ich ihn tot sehen. Es ist Jahre her, seit...

"Tierisch spannend!"
 
"Niljana Roy präsentiert uns mit Der Clan der Wildkatzen eine fesselnde Geschichte rund um die Katzenwelt."
 
"Absolut empfehlenswert!"
 
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