Der fliegende Mönch

Historischer Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Februar 2011
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0667-2 (ISBN)
 
Hexen, Aberglaube und Intrigen - ein erfindungsreicher Mönch auf der Spur eines düsteren Geheimnisses.

Kloster Schussenried, 1616: Kaspar Mohr ist wenig erfreut, als sein Abt ihm aufträgt, eine entflohene Hexe aufzuspüren. Hexerei - das ist für den aufgeklärten Prior nur ein Hirngespinst. Zudem wünscht er sich nichts sehnlicher, als weiter ungestört an seinen Maschinen und Apparaturen herumwerkeln zu können. Doch dann steht die vermeintliche Hexe auf einmal in seiner Werkstatt und bittet ihn um Hilfe.

Kurze Zeit später verschwindet eine Magd, ein Mönch erhängt sich, und die Inquisition ist Kaspar auf den Fersen. Denn der Prior spielt ein gefährliches Spiel: Er versteckt nicht nur die "Hexe" bei sich im Kloster, sondern hat wie sein Lehrmeister Leonardo da Vinci einen Traum, den Traum vom Fliegen.

Ein spannender historischer Roman um den schwäbischen Leonardo da Vinci.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Neunter Juni (S. 136-137)

Die Räder der Kutsche rumpelten durch ein Schlagloch, und Magnus Käppeli stöhnte auf, weil die Sitzbank der Kutsche ihm die Schnur mit den Dornen tiefer ins Fleisch seines Oberschenkels trieb. Aber das war gut. Gut für die Demut, die er hier brauchen würde. Das armselige Nest bestätigte jedes seiner Vorurteile.

Die drei Dutzend Häuser und ein paar Hütten standen dicht gedrängt und hatten die graubraune Farbe des Schlamms auf der einzigen Straße angenommen. Der Putz bröckelte von den Mauern, und dahinter quoll Stroh hervor, vereinzelt liefen Schweine herum und durchsuchten mit ihrer Schnauze die Abfälle nach Essbarem. Nur mühsam brachte die Morgensonne ein wenig Licht in die düstere Straße. Der holprige Weg aus Lehm war mit tiefen Schlaglöchern übersät, und er konnte sich lebhaft vorstellen, welch trostlosen Anblick sie abgeben musste, wenn es regnete oder schneite.

Ein paar zerlumpte Kinder liefen neben der Kutsche her und bettelten um etwas zu essen oder um ein Almosen. Sein Sekretär warf ein paar Kupfermünzen hinter sich, um die lärmende Bande loszuwerden. Die wenigen Dorfbewohner, die man sah, drückten sich an die Hauswände, als die Kutsche vorbeifuhr. Käppeli glaubte weder Neugier noch Freude in ihren Gesichtern zu erkennen, nur Furcht und Argwohn. Die Menschen bewegten sich träge auf ein paar schäbige Marktstände am anderen Ende des Dorfes zu. Käppeli schauderte bei dem Gedanken, wovon die Leute hier sich wohl ernährten.

Ihm war Schussenried schon jetzt verhasst. Ohne das Kloster wäre dieser Ort absolut bedeutungslos, ging es ihm durch den Kopf, ein Sprengel wie tausend andere im Land der Nebel und Sümpfe. Sein einziger Trost war, dass die Sonne schien, dass er nicht mehr frieren musste wie noch vor Tagen, als sie den Pass überquert hatten. Und die weiße Mauer des Klosters und der Kirchturm dahinter gaben ihm Mut, obwohl er wusste, dass er seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen sollte. Das hier war nicht der Vatikan, und er war nicht in Rom. Weiß Gott nicht. Wenn man aus der ewigen Stadt kam, konnte man angesichts dieser traurigen Ansammlung von Hütten leicht hochmütig werden. Und wer hochmütig war, konnte Dinge übersehen.

Doch Käppeli wollte nichts übersehen. Sein Sekretär bellte einen lauten Befehl, und der Gardist auf dem Kutschbock lenkte die Kutsche nach rechts, zu einem kleinen Steg, der in Richtung des Klosters führte. Sie waren nur noch zu viert. Die Bauern hatten den Rückweg angetreten, nachdem sie Käppeli, die Soldaten der Garde und Käppelis Sekretär Francesco Frattini sicher über den Pass geleitet hatten. Kniend hatten die Männer Käppelis Segen empfangen und waren, ohne sich umzublicken, den steilen Weg zurück in die weiße Hölle gegangen. Man würde wieder die Hilfe von Bauern brauchen. Von dieser Seite der Berge, wenn sie ihren Rückweg antraten. Käppeli ermahnte sich, noch nicht an den Rückweg zu denken, bevor seine Aufgabe erledigt war. Und seine Aufgabe war Galilei. Und der Weg dorthin führte über den Prämonstratenser in diesem trübseligen Nest.

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