Gestohlene Liebkosung

wenn Scham überwiegt
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Februar 2021
  • |
  • 196 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-1134-7 (ISBN)
 
Über die, die sich das nahmen, was ihnen nicht zustand.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,34 MB
978-3-7534-1134-7 (9783753411347)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Aus Rücksicht auf verletzte Seelen wählte die Schriftstellerin das Pseudonym Kleine Rose.

Kapitel 12


*Jahresgedenken


Webers Laune bewegte sich gewohnheitsgemäß vor den Wochenenden aus dem tiefen Wochental gemächlich nach oben. Der Sonntag war sein Ausgehtag. Dann ging er abends in Glorias kleine Privat-Bar. Dafür brauchte er nur die eigene Straße ein paar Schritte entlang zu gehen.

Er wartete, bis die meisten Menschen die Abendnachrichten im Fernsehen sahen. Zu dieser Zeit war in der Regel keiner unterwegs. Um sicher zu gehen, stand er ab kurz vor zwanzig Uhr hinter der Gardine und beobachtete die Straße. Von seinem Fensterplatz aus hatte er einen geschützten Blick in beide Richtungen. Der große Rhododendron-Strauch wuchs seit seiner Kindheit vor dem Wohnzimmerfenster und schützte das Innenleben der Wohnung vor Blicken von außen. Lilafarbene Blüten verteilten sich jeden Sommer über den riesigen Busch und gestalteten das Grün etwas freundlicher. Ansonsten mochte er das dunkelgrüne leicht glänzende Blattwerk nicht, durch welches er sich vor seinen Sonntagabendausflügen rückversicherte, um ungesehen zu Gloria zu gelangen.

Völlig unerwartet lief einen Sonntag eine Frau auf dem Bürgersteig direkt hinter dem Busch entlang.

Webers erschrak, da sonst niemand in den letzten Jahren zu dieser Uhrzeit diesen Weg passierte. Auch wenn der grüne Strauch genug Deckung bot, bewegte er sich ertappt ein Stück in den Raum hinein. Er fühlte sich unbehaglich, versuchte dennoch den Weg der weitergehenden Frau mitzuverfolgen.

Wie in so vielen Situationen seines Lebens, wenn er etwas scheinbar falsch gemacht hatte, musste er an Mutter denken. Sie hatte diesen Blick, welcher ihm auf telepathische Weise sagte, wie er sich zu fühlen hatte: schuldig! Sein häufig präsentes schlechtes Gewissen machte sich augenblicklich unbequem breit, mit der Folge eines leichten Klopfens an seiner linken Schläfe. Kopfschmerzen kamen ihm gerade ausgesprochen ungelegen.

Trotzig dachte er daran, dass ausgerechnet Mutter ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass es dort dieses Etablissement gab. Immer wieder warf sie ihm vor nie eine Frau finden zu werden, da er so ein verkommener Mensch sei. «Du kannst dann nur noch zu den Dirnen ans Eck», waren stets ihre in diesem Zusammenhang gewählten Worte.

Je älter er wurde, desto mehr bewahrheitete sich ihre Prophezeiung keine geeignete Ehefrau mehr zu finden.

Aus der Not heraus schlenderte Webers exakt ein Jahr nach Mutters Tod bei Einbruch der Dunkelheit zu besagtem Eck.

Er bereitete sich damals akribisch darauf vor, indem der seine beste Garderobe einige Tage vorher reinigen ließ, sich badete und rasierte, mit der ständigen Begleitung von großen Schlucken Rum. Eigentlich wollte er nur mal unverbindlich gucken wo das Haus war. Da es am Ende einer Sackgasse lag, war er tatsächlich nie daran vorbeigekommen. Er rechnete nicht mit dem äußersten, wollte dennoch für jede Situation gewappnet sein.

Wie ein Dieb schlich er sich aus dem Haus und eilte in die gewünschte Richtung. In der Sackgasse angekommen, verlangsamte er seinen Gang und versuchte sich zu orientieren. Er ging immer langsamer in Richtung Wendehammer, das Ende der Gasse, das besagte Eck. «Im Prinzip müsste es Rund heißen und nicht Eck», bemerkte er albern zu sich selbst, denn die Annäherung des Ortes war ihm doch unangenehm. Die Dunkelheit verbarg seine brennende Röte im Gesicht, als er lediglich aus dem Augenwinkel zum besagten Haus rüber schielte. Er erwartete rotes blinkendes Licht hinter den Fensterscheiben, lasziv gekleidete Damen, die mit hochhackigen Schuhen an der Hauswand lehnten und ihm vielleicht etwas Schlüpfriges zuriefen.

Aber da befand sich nur ein ganz normales Einfamilienhaus mit Vorgarten, Garage und unvermutet dezenter Außenbeleuchtung. Er blieb verwundert auf der gegenüberliegenden Seite stehen und betrachtete das Haus mutiger.

Das Licht der Laterne auf dem Bürgersteig zeigte einen ordentlichen Vorgarten, der von einem weißen Lattenzaun eingesäumt wurde. Ein kleines passendes Türchen ermöglichte Besuchern über einen gepflasterten Weg zur Haustüre zu gelangen. Rechts und links vom Weg erstreckten sich zwei quadratische gepflegte Rasenflächen von etwa fünf mal fünf Metern. Neben der linken Rasenfläche führte eine breitere gepflasterte Zufahrt zur Garage.

Vor dem weißen Haus waren Beete mit Rosen und Lavendel angelegt. Über drei Stufen gelangte man zur Eingangstür, an der ein Buchsbaumkranz mit einer roten Schleife hing.

Das Hausinnere war durch weiße Spitzengardinen und Topfpflanzen nicht einsehbar. Übliches Deckenlicht schien dennoch hindurch und ließ keine besonderen Bewohner vermuten.

Ohne sich eine weitere Überlegung zu gestatten, überquerte er den Wendehammer und öffnete das kleine Gartentor. Noch zielstrebig schritt er über die wenigen Stufen zur Tür. Aufgeregt drückte er auf den Klingelknopf in der runden Vertiefung der Hauswand. Kein Schild oder eine andere Information ließen Rückschlüsse erahnen, um welches Haus es sich hier vielleicht wirklich handelte.

Die Klingel tönte durch das gesamte Haus laut nach außen. Webers sah sich ertappt auf der Straße um, ob keiner durch das Klingeln aufmerksam geworden war.

Aber die Tür wurde so schnell geöffnet, dass Webers nicht mehr überprüfen konnte, ob er gesehen wurde. Ein offensichtlich zu allem fähiger Mann stand im Rahmen. Ein Kahlkopf, behangen mit grobem Schmuck, trotz der Kühle nur mit einem Unterhemd bekleidet, starrte Webers herablassend an.

Webers überlegte, ob er sich umdrehen und weglaufen sollte oder ob er noch erklären könnte, dass er sich einfach nur in der Türe geirrt hatte. «Ich glaube, ich dachte hier.», stammelte er. Der Schrank von einem Mann überkreuzte bedrohlich seine Arme, wodurch die übermäßig langen Halsketten beunruhigend rasselten. Webers musste unwillkürlich an ein mittelalterliches Gewölbeverlies denken.

«Zu Gloria?», fragte der Kahle gelangweilt. Webers wusste nicht, ob die Dame das Hauses die Gewünschte sein würde.

«Ich habe gehört, dass.», versuchte Webers es erneut.

«Ein Neuer!», brüllte der Kahlkopf mit leicht zur Seite gewandtem Kopf in den Hausflur hinein, ohne Webers aus den Augen zu lassen.

«Ja, ich komme sofort. Einen Moment bitte», ertönte etwas entfernter eine gutgelaunte Frauenstimme.

Zwischen Rahmen und dem Kahlen erschien unter dessen Ellbogen in geduckter Haltung ein lachendes nettes Gesicht.

«Hallo, wen haben wir denn hier?», wurde Webers nun deutlich willkommener als im ersten Anlauf begrüßt.

Der Kahlkopf sah irritiert zu der kleinen Frau hinunter und trat einen Schritt zur Seite, damit sie sich aufrichten konnte. «Kalle, nimm dir doch noch einen Kaffee, ich habe eben frischen gekocht», schickte sie den Mann ermunternd los. Dieser verließ hölzern seinen Posten und die kleine Frau trat an seinen Platz.

Sie streckte Webers ihre winzig kleine Hand entgegen, so dass er sie nur ganz vorsichtig mit den Fingerspitzen berührte, um sie nicht zu zerbrechen.

«Ich bin Gloria, mir gehört der Club, magst du mein Gast sein?», und die zerbrechlich wirkende Hand umklammerte seine überraschend fest und zog ihn selbstsicher die letzte Stufe hoch.

«Mathias, äh Stefan», verbesserte sich Webers schnell, völlig erledigt von den letzten aufregenden Minuten.

«Stefan, wie schön. Freut mich», überging Gloria liebenswürdig den erstgenannten Namen und bat ihn mit einer herzlich einladenden Geste einzutreten.

Webers wagte sich einen Schritt nach vorne und schon legte Gloria eine Hand auf seinen Rücken, schob ihn sanft weiter, um die Türe schließen zu können. Sie standen in einem quadratischen Flur, von dem vier Türen abgingen.

An jeder Tür hingen aus Salzteig gefertigte Schilder mit bunten Blumen bemalt, mit den Hinweisen: Privat, Ausgang und Club.

Neben der Club-Tür stand ein gemütlicher Ohrenbackensessel mit Fußhocker, daneben ein kleiner Holztisch. Auf dem Tisch lagen Zeitschriften und eine Packung Zigaretten.

Gerade ging eine der beiden Privat-Türen auf und Kalle kam mit einer Tasse Kaffee und einem Aschenbecher aus einer für Webers flüchtig erkennenden Küche.

Der kahle Kalle stellte Tasse und Aschenbecher auf dem Tisch ab, griff sich eine der Zeitschriften, nahm eine bequeme Haltung auf dem Sessel ein und musterte Webers in aller Ruhe. Dieser fühlte sich dadurch höchst unbehaglich und drehte ihm den Rücken zu.

Gloria öffnete zu seiner Rettung endlich die Türe zum Club, knipste das Licht an und vor ihnen breitete sich ein weiterer Flur mit weißem Marmorboden aus. Messingstrahler säumten die Wände und beleuchteten eine breite weiße Marmortreppe, die in einen Keller hinunterführte.

Webers war begeistert. Er rechnete höchstens mit schummrigem Licht, Zigarettengestank und einer schmuddeligen Bar hinter einem dicken roten Filzvorhang. Das hier war allesamt eindeutig erfreulicher.

Gloria ergriff...

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