Kinder krebskranker Eltern

Manual zur kindzentrierten Familienberatung nach dem COSIP-Konzept
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen in 2014
  • |
  • 265 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-2499-6 (ISBN)
 
Das Buch gibt konkrete Handlungsanweisungen für die Gestaltung eines tragfähigen Arbeitsbündnisses mit betroffenen Familien, die Gestaltung diagnostischer Erstinterviews mit Eltern und Kindern, die Formulierung umschriebener Interventionsziele sowie deren Umsetzung in flexibel handhabbare Gesprächssettings, zu denen Elterngespräche, Einzelsitzungen mit Kindern, Familiengespräche oder Geschwistergespräche gehören können. Durch seine breite Erprobungsbasis im Rahmen seiner multizentrischen Entwicklung bietet dieses Manual eine wichtige Grundlage für die Qualitätssicherung und wissenschaftliche Evaluation psychosozialer Versorgungskonzepte für krebskranke Eltern und ihre Kinder.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Göttingen
  • |
  • Deutschland
  • 2,57 MB
978-3-8409-2499-6 (9783840924996)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Kinder krebskranker Eltern [Seite 1]
1.1 - Inhaltsverzeichnis [Seite 7]
1.2 - Vorwort der Herausgeber [Seite 11]
2 - 1 Grundlagen [Seite 15]
2.1 - 1.1 Einfu¨hrung [Seite 15]
2.2 - 1.2 Epidemiologischer Hintergrund [Seite 17]
2.3 - 1.3 Risiko- und Schutzfaktoren [Seite 18]
2.4 - 1.4 Familiäre Beziehungsdynamik [Seite 19]
2.5 - 1.5 Entwicklungspsychologischer Referenzrahmen [Seite 21]
3 - 2 Der COSIP-Beratungsansatz [Seite 31]
3.1 - 2.1 Literaturgestu¨tzte Verankerung [Seite 31]
3.2 - 2.2 Begriffsbestimmung: das Verständnis von Beratung [Seite 32]
3.3 - 2.3 Indikation und Qualitätssicherung [Seite 33]
3.4 - 2.4 Interventionsprinzipien [Seite 34]
3.5 - 2.5 Die drei Systemebenen [Seite 37]
3.6 - 2.6 Ablauf der Beratung [Seite 41]
4 - 3 Diagnostische Phase: Erstgespräche mit Eltern und Kindern [Seite 43]
4.1 - 3.1 Hintergrund fu¨r die Erstgespräche [Seite 43]
4.2 - 3.2 Elternerstgespräche [Seite 44]
4.3 - 3.3 Gespräche mit Kindern und Jugendlichen [Seite 55]
5 - 4 Flexible Interventionsphase [Seite 61]
5.1 - 4.1 Übergreifende Prinzipien [Seite 62]
5.2 - 4.2 Interventionsziele [Seite 67]
5.3 - 4.3 Abweichende Interventionssettings [Seite 86]
6 - 5 Abschluss der Beratung [Seite 89]
6.1 - 5.1 Vorgehen [Seite 89]
6.2 - 5.2 Schwierigkeiten [Seite 89]
6.3 - 5.3 Indikation und Vermittlung weiterfu¨hrender Angebote [Seite 91]
7 - 6 Kindzentrierte Sterbe- und Trauerbegleitung mit Familien [Seite 93]
7.1 - 6.1 Anregungen zur Kommunikation [Seite 94]
7.2 - 6.2 Kindern den Abschied ermöglichen [Seite 95]
7.3 - 6.3 Ressourcen in der Familie aktivieren [Seite 97]
7.4 - 6.4 Besondere Vulnerabilitäten [Seite 98]
7.5 - 6.5 Dauer der Trauerreaktion [Seite 99]
8 - 7 Ergänzungsmodule [Seite 101]
8.1 - 7.1 Spezielle onkologische Situationen [Seite 101]
8.2 - 7.2 Palliativsituationen [Seite 120]
8.3 - 7.3 Spezielle eltern- und familienbezogene Situationen [Seite 150]
8.4 - 7.4 Spezielle kindbezogene Situationen [Seite 178]
9 - 8 Zur Indikation der einzelnen Subsystem-Settings [Seite 205]
10 - 9 Sozialpädagogische Aspekte [Seite 217]
11 - 10 Hinweise zur Implementierung der COSIP-Beratung [Seite 223]
12 - Literatur/Anhang/Sachregister [Seite 231]
12.1 - Anhang [Seite 245]
12.2 - Sachregister [Seite 265]
2. Isolation gegenüber der sozialen Umwelt. Die Anforderungen der Erkrankung beanspruchen Eltern oft derart, dass die Pflege sozialer Außenkontakte darunter leidet. Zu dieser äußeren Erschwernis kommt oft hinzu, dass die Bewältigung von Krankheit und Krise als familieninterne Angelegenheit betrachtet wird, an der die soziale Umwelt möglichst wenig beteiligt wird. Während im höheren Alter der Austausch über Krankheitserfahrungen sozial üblich ist, führt die Betroffenheit durch eine ernste Erkrankung im mittleren Erwachsenenalter typischerweise zu einer tiefen Verunsicherung sowohl beim Kranken als auch seiner sozialen Umwelt, was zur Vermeidung von sozialen Außenkontakten beitragen kann. Wenn Kinder registrieren, dass erwachsene Freunde und Nachbarn weniger häufig zu Besuch kommen, kann dies als Modell bewirken, dass Kinder ebenso vermeiden, ihre Freunde nach Hause einzuladen sowie mit diesen über die Erkrankung ihrer Eltern zu sprechen.

3. Geringe Flexibilität. In der durch die Krankheit hervorgerufenen Krise greift das Familiensystem auf in der Vergangenheit bewährte Strategien zur Problembewältigung zurück. Hierzu gehört nicht selten der Rückgriff auf spezielle Formen des Umgangs mit Krisen, wie ihn z. B. die Großelterngeneration praktiziert hat. Für Experimentierfreudigkeit beim Finden neuer Lösungsstrategien fehlt der innere "Spielraum".

4. Konfliktvermeidung. Tendenziell versuchen Familienmitglieder Konflikten aus dem Weg zu gehen. Vorrangiges Motiv ist die soziale Rücksichtnahme auf den erkrankten Elternteil, dem innerfamiliäre Spannungen nicht zugemutet werden sollen. Durch diese Vermeidung von Interessenkonflikten tun sich einzelne Familienmitglieder mitunter schwer, eigene Bedürfnisse als legitim zu erleben.

5. Parentifizierung. Sowohl der kranke als auch der gesunde Elternteil werden durch die Krankheit und ihre Behandlung stark in Anspruch genommen. Zwangsläufig können sie weniger für ihre Kinder präsent sein und müssen die Kinder mehr in alltägliche Aufgaben, die ansonsten von den Eltern übernommen wurden, einbinden. Kinder übernehmen damit mehr Verantwortung für die anderen Familienmitglieder und nehmen Aufgaben in der Versorgung jüngerer Geschwister oder des kranken Elternteiles wahr. Zu dieser Aufgabenübernahme gesellt sich oft auch eine verstärkt emotionale Bedürftigkeit kranker Eltern, die bei ihren Kindern Halt, emotionale Nähe und Trost suchen. Kinder können in eine Partnerersatz-Rolle hineingeraten, in der sie sich für die emotionalen Bedürfnisse des kranken Elternteils zuständig fühlen. Parentifizierung von Kindern muss keineswegs von vornherein schädlich oder gar pathologisch sein. Im Gegenteil, es kann für Kinder sehr hilfreich für die Bewältigung ihrer Ohnmachtsgefühle sein, wenn sie innerhalb ihrer Handlungsmöglichkeiten etwas tun können, das dazu beiträgt, dass es dem kranken Vater oder der kranken Mutter besser geht, und sei es auch nur für den Augenblick. Die Erfahrung, durch altersangemessene Aufgaben etwas Greifbares, etwas Konkretes zur Entlastung der Eltern beitragen zu können, kann hilfreich sein. Ein konkreter Auftrag ist beendet, wenn er ausgeführt ist, das Kind ist aus seiner Verantwortung für den kranken Elternteil entlassen und kann wieder altersgerechten eigenen Interessen ohne Schuldgefühle nachgehen. Ist die Parentifizierung hingegen nicht altersangemessen, kann sie zu einer emotionalen Dauerüberforderung durch ein allgegenwärtiges Verantwortungsgefühl für den kranken Elternteil führen.

6. Eigenständigkeit. An Kinder kranker Eltern werden erhöhte Anforderungen gestellt, ihre Alltagsprobleme eigenständig und ohne elterliche Unterstützung zu bewältigen.

7. Delegationen. Durch den krankheitsbedingten Einbruch eigener Lebensentwürfe müssen sich Eltern damit auseinandersetzen, dass eigene bedeutende Lebensziele unerfüllt bleiben. In den Wunschvorstellungen der Eltern bleiben diese Lebensziele u. U. bestehen und können, bewusst oder unbewusst, an die Kinder weitergegeben werden, die stellvertretend diese Ziele erreichen und verwirklichen sollen (Boszormenyi-Nagy & Spark, 1981; Romer et al., 2002b; Romer & Haagen, 2007).

1.5 Entwicklungspsychologischer Referenzrahmen

Kinder und Jugendliche können, unabhängig von ihrer Altersstufe, grundsätzlich nicht von den mit einer ernsthaften elterlichen Erkrankung einhergehenden Stressoren abgeschirmt werden . Sie benötigen daher aktive Hilfestellungen von Seiten Erwachsener durch offene Kommunikation sowie durch die Ermutigung, Fragen zu stellen (Romer & Haagen, 2007; vgl . Tab . 3) . Sie sind so früh wie möglich und stets in der Sache wahrheitsgemäß und altersgerecht über die Situation zu informieren, um sich darin kognitiv orientieren zu können, was die erste Grundvoraussetzung für eine nicht traumatische Bewältigung ist (Fischer & Riedesser, 1999) . Dies gilt bereits für das Kleinkindalter ab dem Erwerb des Sprachverständnisses entsprechend dem Motto eines Standardwerkes zur Trauerbegleitung von Kindern: "Never too young to know" (Silverman, 2000) . Ein offener Umgang mit der bedrohlichen Wirklichkeit erscheint deutlich weniger ängstigend als die Erfahrung, mit diffusen Fantasien und Ängsten allein gelassen zu werden . Kinder sind durch das Nicht-Aussprechen bedrohlicher Wahrheiten nicht zu schützen, auch wenn dieses Verhalten von Eltern verständliche Beweggründe hat (Lewandowski, 1992) .

1.5.1 Krankheitskonzepte

Abhängig von ihrem kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklungsstand haben Kinder unterschiedliche Konzepte von Leben und Tod sowie von Krankheit und ihrer Entstehung . Um einem Kind eine angemessene Hilfestellung bei seiner kognitiven Orientierung zur elterlichen Krankheit geben zu können, sind u .a . das Verständnis von Intersubjektivität und das Krankheitsverständnis des Kindes aus einer entwicklungspsychologischen Betrachtungsweise zu differenzieren (Armsden & Lewis, 1993, vgl . Tab . 2) .

Darüber hinaus lassen sich in Anlehnung an die entwicklungspsychologischen Differenzierungen von Lewandowski (1992) für die unterschiedlichen Altersstufen die nachfolgend ausgeführten, typischen Belastungsund Konfliktkonstellationen beschreiben (Romer et al ., 2002b; Romer & Haagen, 2007) . Schwangerschaft. Wird während einer Schwangerschaft eine Krebserkrankung diagnostiziert, wird die Entwicklung der pränatalen Bindung zwischen Mutter und Kind empfindlich gestört . Kann im Falle einer Krebserkrankung eine notwendige Chemooder Strahlentherapie aus Rücksicht auf die Lebensinteressen des Fötus nicht sofort erfolgen, entsteht ein tragischer Zielkonflikt zwischen dem Recht der Mutter auf Überleben und.

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