Intersolar Band 2

Reise
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. August 2020
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-8916-5 (ISBN)
 
Ein Ziel, weiter entfernt als der Tod.
Eine Reise, länger als ein Leben. Mitten im Nichts, auf dem Weg zwischen zwei Sonnen.
Menschen, die einem Ziel folgen, das nicht ihr Eigenes ist. Das vielmehr ein geerbtes Ziel ist.
Ein Ziel, dem man folgen muss. Ein Ziel, das keine Wahl lässt.
Aber was, wenn es einen Ausweg gibt?
Wer wird bleiben, wer wird gehen?
Und wer wird entscheiden?

Die wunderbarste Reise, ist das Leben selbst.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,46 MB
978-3-7504-8916-5 (9783750489165)
weitere Ausgaben werden ermittelt

KAPITEL 1


Weg zum Ziel

16.03.2245

103 Jahre nach Start

Kerran Brentan kam gut gelaunt in die Zentrale der Humanity und blieb neben dem Sitz des Captains stehen.

»Status?«

»Fusionsreaktor drei ist weiterhin deaktiviert. Zwei Shuttle im Transit. Shuttle 8 im Endanflug auf Andockstutzen Vier. Keine akuten Systemstörungen.«

»Also dann, auf einen ruhigen Tag.«

Länger als üblich, blieb Kerran neben seinem Sitz stehen.

Länger als üblich, glitt sein Blick über die einzelnen Stationen, bis er schließlich bei der Astrophysik stoppte.

Einige weit ausgreifende Schritte brachten ihn zur Station hinüber. Sie bot Platz für 3 Personen. Doch heute Morgen war sie unbesetzt und Kerran kannte den Grund dafür.

Langsam ließ er sich in den mittleren Sitz gleiten und aktivierte ein Display. Präzise zeigte es den Kurs der Humanity und der neben ihr fliegenden Intersolar.

Heller als alle anderen Sterne strahlte eine Sonne am unteren Rand des Displays. Sie lag genau auf der Kurslinie der Schiffe. Scheinbar zum Greifen nahe, und in Wahrheit noch 15 Lichtjahre entfernt. Oder 300 Jahre. Je nachdem, ob man Distanz oder Zeit zum Maßstab nahm.

Lange, sehr lange, starrte Kerran auf die Grafik. Stellte sich dabei immer wieder vor, wie die Strecke zwischen den Schiffen und der noch fernen Sonne kleiner wurde. Aber auch, wenn er sein gesamtes restliches Leben starren würde, würde es wenig mehr als eine Winzigkeit sein.

»Wird einfach nicht weniger.«

Kerran hob den Kopf, wobei seine Augen aber auf das Display gerichtet blieben. Nyles Danham verstand es als Signal, dass der Captain der Humanity bereit war, zuzuhören.

»Ich träume manchmal davon.«

»Von Pavonis?«

»Nein. Ja auch, manchmal jedenfalls. Aber ich meine die Erde. Ich träume manchmal davon, dass sie uns hinterherkommen. Mit neuen, mit besseren Schiffen. Nein, besser wollte ich nicht sagen. Ich meinte schnellere Schiffe. Schiffe, mit denen man Pavonis zu Lebzeiten erreichen könnte.«

»20 Lichtjahre in 40 Jahren? Den Antrieb möchte ich sehen.« Erst jetzt lösten sich Kerrans Augen vom Display und richteten sich auf seinen Stellvertreter. »In 40 Jahren werde ich 90 Jahre alt sein. Bin mir nicht sicher, ob ich dann noch viel mehr sehen will, als mein Bett.«

»Ist ja auch nur ein Traum.«

»Lichtgeschwindigkeit. Alles andere ist zu langsam.« Kerran deutete mit einem Nicken auf den Sitz neben sich.

»Ja.« Etwas schwerfällig ließ Nyles sich in den Sitz fallen.

»Kannst du dir vorstellen, wie es wäre, wenn wir bis auf ein paar Kommastellen an die Lichtgeschwindigkeit herankämen?«

»Wir wären in 15 Jahren am Ziel.«

»Falsch!« Kerran ballte die Faust und hieb auf die Konsole.

»Stunden! Vielleicht Tage! Länger würde es nicht dauern.« Die zur Faust geballte Hand streckte sich und deutete zum Hauptschirm. »Egal, wie viel Zeit dort draußen vergeht. Für uns wären es nur Tage. Es ist verrückt!«

»Was?«

»Dass die Zeitdilatation nicht linear ansteigt. Dass es exponentiell ist. Dass sie erst eine relevante Größe erreicht, wenn man fast so schnell wie Licht ist. Denn würde sie jetzt schon wirken..., ich meine, spürbar wirken.... «

»Würden wir immer noch mehr Zeit brauchen, als wir haben.«

»Ja, stimmt. Du hast recht.« Langsam ließ Kerran den immer noch ausgestreckten Arm wieder sinken.

»Es war zu früh. Man hätte einfach länger warten sollen. Wer weiß, vielleicht existiert in 50 Jahren oder in 100 oder 200 ja ein Antrieb, bei dem eine interstellare Reise keine Ewigkeit mehr dauert. Sie hätten einfach noch warten sollen. Dann wären wir jetzt nicht hier. Dann würden wir jetzt auf der Erde sitzen. Berge besteigen oder in Meeren schwimmen.«

»Oder gar nicht mehr am Leben sein.«

»Wieso das?«

»Weil die Sterbewahrscheinlichkeit, insbesondere Formen von nicht natürlichen Toden, auf einem Planeten wesentlich höher ist. Oder kannst du mir aus dem Gedächtnis sagen, wann wir den letzten Fall eines unfallbedingten Todes hatten?«

»Ist schon einige Jahre her.«

»Jahrzehnte würde ich sagen.«

»Siebenundzwanzig Jahre, 3 Monate und 4 Tage.«

Gleichzeitig drehten sich Kerrans und Nyles' Köpfe in Richtung der internen Überwachung.

»Dave?«

»Es war mir unmöglich, die Konversation nicht wahrzunehmen. Euer emotionales Engagement hat mich zur Intervention inspiriert. Hat dies unerwünschte Emotionen erzeugt?«

»Ich möchte echt wissen, wer den programmiert hat.« Nyles verschränkte die Hände hinterm Kopf und schloss die Augen.

»Indru Ranesh.«

Schon öffnete sich Nyles' Mund, doch Kerran kam ihm zuvor.

»Lass ihn, er ist schon mehr als hundert Jahre alt.« »Einhundertundneun.« Korrigierte Dave ihn.

»Sagte ich doch.« Kerran drehte den Kopf wieder zu Nyles. Nur für einen Moment überlegte der Captain, ob er das Thema Unfall wieder aufgreifen sollte. Dann entschied er, dass Dave sich genau im richtigen Moment eingemischt hatte. Denn der Tod war ein unangenehmes Thema, das man gerne ruhen lassen konnte.

*

Punkt 10 Uhr betrat Kerran, zusammen mit Nyles, den Konferenzraum, in dem sich der Leiter der Astrophysik, die Chefingenieurin und die Navigatorin der Humanity versammelt hatten.

»Steve, Benice, Ivonne, schön, euch zu sehen.«

»Kerran.«

»Verschwenden wir keine Zeit. Steve, was sagen die neuen Berechnungen?«

»Der Druck des interstellaren Mediums ist weiterhin vernchlässigbar. Eine Geschwindigkeitsanpassung ist nicht vor 2256 notwendig. Die Eigenbewegung von Delta Pavonis folgt den bisher berechneten Vorgaben. Abweichungen durch benachbarte Sterne liegen weit unter einem relevanten Bereich. Wir liegen nach wie vor im annähernd optimalen Kursvektor.« Kurz kehrte sich Stevens Blick nach innen. Sichtbares Zeichen dafür, dass er Informationen von seinem neuronalen Interface abrief.

»1,2 Milliarden Kilometer neben Delta Pavonis, bei einer Überhöhung von etwas über 3,9 Milliarden Kilometer. Wenn wir mit diesen Werten ins System einfliegen, können die Kurskorrekturen auch während der Bremsphase erfolgen.«

Kerran nickte nur, während das Wort 'wir' in ihm ein inneres Kopfschütteln erzeugte.

»Wir sollten jedoch nicht damit rechnen, dass es so bleibt.«

Mit einem scharf fokussierten Blick aktivierte Steven Volgg ein Hologramm der unmittelbaren stellaren Umgebung. Es zeigte die Intersolar, die Humanity, Delta Pavonis und eine weitere Sonne.

»Das ist Epsilon Indi. Ein oranger Zwergstern der K-Klasse mit einer Masse von 0,76 der irdischen Sonne.« Mit der Hand deutete er auf den leicht orange leuchtenden Stern, der sich seitlich vor der Flugbahn der Schiffe befand.

»In 120 Jahren werden wir nur noch 3,5 Lichtjahre von Epsilon Indi entfernt sein. Die Kursabweichungen durch die Gravitation des Sterns dürften zwar gering ausfallen. Trotzdem sind sie nicht zu vernachlässigen.«

Auf einen Wink Kerrans bewegten sich die Schiffe im Display so weit vor, dass sie direkt neben Epsilon Indi schwebten.

»Wie gesagt, wird die Abweichung eher gering sein. Aber bezogen auf die 9 Lichtjahre, die es von dort noch nach Pavonis sind, wird sie sich so stark auswirken, dass wir den Kurs korrigieren müssen. Die Frage ist nur, wann wir damit anfangen.«

»Mit wie viel ist zu rechnen?«

»Ein paar Milligrad nach Backbord. Und eine Winzigkeit nach unten. Das verringert den horizontalen Abstand zu Pavonis und reduziert auch die Überhöhung.«

Kerran stand auf und begann damit, um den Tisch herumzugehen. Betrachtete das Hologramm so aus allen Blickwinkeln.

»In 120 Jahren werden wir am äußersten Rand eines Sonnensystems vorbeifliegen.« Direkt hinter Ivonne Thiel, der Navigatorin des Schiffes, blieb er stehen.

»Aber uns wird es dann nicht mehr geben. Wir werden in diesem 'wir' nicht mehr sein.«

Seine linke Hand legte sich auf Ivonnes Schulter.

»Wie oft hast du das Schiff, die Humanity, geflogen? Wie oft die Triebwerke gezündet? Ein Manöver eingeleitet?«

»Mit oder ohne Simulationen?«

»Du bist seit 6 Jahren unsere Navigatorin und hast das Schiff nicht um einen Millimeter bewegt.«

Die Navigatorin senkte den Kopf. Kerran nahm die Hand zurück und ging weiter, blieb nun neben Benice Dytra stehen.

»Wir sind Pfleger, Wächter, Haushälter. Wir sind diejenigen, die alles in Ordnung halten. Wir sind die, die eine Saat aussähen, die wir selbst nie ernten werden. Wir sind Wegbereiter. Ja. Wir sind Wegbereiter der Zukunft.«

Nacheinander richtete sich sein Blick auf Steven, Ivonne, Benice und Nyles.

»Wir erfüllen eine Aufgabe, um die wir nie gebeten haben. Und...

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