Gegen das Tabu

Ein Erfolgsunternehmer und sein Kampf gegen die Depression
 
 
books4success (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Oktober 2020
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86470-709-4 (ISBN)
 
George erfüllte viele Klischees: gut aussehend, extrovertiert, teure Uhr, dickes Auto. Erfolgreicher Unternehmer, zielstrebiger Verkäufer - so stellen sich viele Beobachter die Sonnenseite des Lebens vor. Doch wie so oft trog auch hier der Schein. Mehrere Ereignisse - sowohl berufliche als auch private - hinterließen Spuren. Spuren, die auch der stets aufgekratzt wirkende Businessman George irgendwann nicht mehr verleugnen konnte. Es folgte der Gang zum Arzt und die überraschende Diagnose: Depression, mittlerweile unter den "Volksleiden" ganz weit vorn angesiedelt. Mit diesem Buch will George wachrütteln. Er zeigt, wie es jeden treffen kann. Er zeigt, warum Schweigen keine Option ist. Und er zeigt, wie man sich helfen lassen kann - und warum jeder Betroffene den Mut zu diesem Schritt haben sollte. Ein Mutmacherbuch.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Kulmbach
  • |
  • Deutschland
  • 0,57 MB
978-3-86470-709-4 (9783864707094)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Just George ist Gründer der in Nürnberg ansässigen CROSSBLUE MEDIAGROUP. Als erfolgreicher Unternehmer, Vermarktungs- und Marketingprofi hat er mehr als 15 Jahre Berufserfahrung.

3


MIT VOLLGAS IN DIE DEPRESSION


ANFANG 2017 BIS APRIL 2019


»Eine Schwachstelle vieler Menschen ist,

dass sie keine Schwäche zeigen wollen«

ERST MAL EINEN GROSSEN SCHLUCK BURN-OUT!


Alles begann, als ich es aus irgendeinem bescheuerten Grund im Business noch mal wissen wollte. Ich hatte gleich mehrere neue Ideen gleichzeitig im Kopf. Eine extrem gut laufende Agentur hatte ich ja schon und auch wirklich tolle Mitarbeiter. Und die Tatsache, mit meiner Agentur in meiner Branche keine wirklich große Nummer zu sein, nervte mich überhaupt nicht. Aber ich ließ mich wohl doch von meiner Außenwelt anstacheln oder hatte irgendwie auch Langweile. Wenn man sich darauf einlässt, die Welt zu sehen, wie es andere tun, kommt für einen selbst meistens nichts Gutes dabei heraus. Mein Leben führe ich zu 99 Prozent nach meinen eigenen Maßstäben und versuche, mich stets in meiner Liga, nicht mit den anderen oder besseren, zu vergleichen. Auch ein fünfter Platz ist ein guter Platz, wie ich es schon aus meiner Zeit als Sportler weiß. Das lässt einen aber bei vielen Stammtischgesprächen auch schnell allein dastehen, während andere dem wirtschaftlichen Wahnsinn von "Höher, weiter, schneller" folgen, um anderen zu suggerieren, dass sie die Welt erobern wollen. Und was hat man dann davon? Eine gute Frage, wie ich finde! Ich fühle mich in meiner Welt mit meinen Werten und Maßstäben wohler, aber manchmal eben auch etwas einsam.

Da packte mich also mit Anfang 40 noch einmal der Rappel und ohne sinnstiftendes Ziel drückte ich das Gaspedal auf der Arbeit mit neuen Projekten wieder durch. Vielleicht spielte auch eine sich anbahnende Midlife-Crisis eine Rolle oder eben einfach nur der Gedanke, es sich und anderen noch einmal beweisen zu müssen. "Im Kopf bin ich ja nach wie vor Mitte 20 und manchmal eben ein Kindskopf", dachte ich, "lustig, wagemutig und immer bereit, meinen Ansagen auch Taten folgen zu lassen." Also holte ich nochmals meine ganze Energie aus mir raus und begann, meine Ideen umzusetzen. Zu der Zeit fand ich dann mit Mike einen weiteren Bruder im Geiste - wie ich mit viel Drive -, den ich zusätzlich zu meinem geschätzten Partner und Mitgeschäftsführer Markus an Bord holte. Mike ist ehemaliger Digitalchef eines großen deutschen Verlags und ein echter Macher; so einen wünscht man sich an Bord, wenn man etwas Außergewöhnliches schaffen möchte!

Unser erstes Projekt: Wir entwarfen ein Konzept für die Domain geld.com, um dem Marktführer von Preisvergleichsportalen Anteile abzunehmen, und legten bei der Suche nach Investoren, die dieses Vorhaben finanzieren sollten, richtig los. Wir bauten mehrere Web-Dummys, erstellten einen Businessplan und stießen mit unserer Idee sofort auf das Interesse großer Banken.

Unser zweites Projekt: Hier kam mir meine über 20-jährige Erfahrung in Sachen alternative Geldanlage zugute, also Geld in Dinge zu stecken, die mir Spaß und Freude machen und an Wert gewinnen, wie beispielsweise Uhren, Autos, Ferienwohnungen und Sneakers. Es war eine meiner besten Ideen überhaupt, in die ich unendlich viel Herzblut gesteckt hatte - und dann noch der coole Name Rocketman. Dazu konzipierten wir ein Hochglanzmagazin und produzierten einen komplett fertigen Dummy (200 Seiten), um mit der gezielten Vermarktung und dem Aufbau des Verlags zu beginnen. Auch Rocketman war ready for take-off!

Und da aller guten Dinge drei sind, hatten wir noch ein drittes Projekt am Start: eine eigene Venturecapital-Firma. Auch hier war nach sechs Monaten alles fertig: Prospekte, Investoren, die BaFin-Genehmigung, einfach alles war startklar. Die ersten Investoren liefen schon warm. Es hätte losgehen können!

Das klingt zwar irgendwie alles locker, doch wenn ich darüber nachdenke, hatte ich da voll einen an der Klatsche, und wie ich das alles trotzdem hingebracht habe, ist mir ein Rätsel. Spaß hatten wir auf jeden Fall trotzdem, das war mir immer wichtig. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass wir häufig von 10 Uhr morgens bis 23 Uhr dafür arbeiteten, wobei wir ja auch keine 20 mehr waren. Meiner Meinung nach ist man zwar nur so alt, wie man sich fühlt, doch nur Vollgas schafft wohl auch ein 30-Jähriger nicht. Daneben lief ja noch meine Media-Agentur weiter, die auch noch Aufmerksamkeit brauchte.

Im Nachhinein ist es kein Wunder, dass es so gelaufen ist, wie es dann gelaufen ist. Auch wenn es (nicht nur) für mich hart war, war es letztlich gut so. Heute muss ich sagen, dass ich einfach vor meinen Gedanken davongerannt bin. Diese neuen Geschäftsideen und weiteren Firmen boten so viel Ablenkung, dass ich weiter nur an der Oberfläche des Lebens glitt und nicht in der Tiefe und ohne mir die Frage zu beantworten, ob das meiner Seele und meinen inneren Werten reichen und guttun würde. Natürlich habe ich immer gedacht, dass ich nach diesen Werten lebe. Aber ich hatte bereits vor langer Zeit aufgehört, auf die Warnsignale meiner Seele zu hören, genauso wenig wie auf die körperlichen Signale damals bei meiner ersten Depression.

Mike und ich spornten uns derart an und pushten uns so sehr, dass wir am Ende beide bei der gleichen Krankheit landeten. Der Zeitpunkt und die Ursachen waren sicher unterschiedlich, aber wir schütteten uns wohl beide das Benzin noch gegenseitig ins Feuer. Ich möchte die Zeit mit Mike und meinen Kollegen nicht missen, sie war einfach toll. Am 28. März 2018 wäre der Notartermin gewesen und Mike Geschäftsführer und Gesellschafter der Venture-Firma geworden, die er mit so viel Fleiß und Energie mitaufgebaut hatte. Dabei war ihm wohl schon länger klar, dass er es nicht packen würde, er war genauso wie ich an einer Kreuzung im Leben falsch abgebogen und zu lange in die falsche Richtung gelaufen. Mike bat mich, den Notartermin zu verschieben, denn er wollte nach Hause fahren und sich etwas erholen. Doch ich sah da schon in seinen Augen, dass etwas nicht stimmte, denn da war einerseits Panik, andererseits aber auch eine große Leere zu sehen. Am nächsten Tag meldete er sich mit letzter Kraft und sagte, dass er einen kompletten Nervenzusammenbruch erlitten habe.

Puuuh, das tat mir unendlich leid und ich machte mir gleichermaßen Gedanken und Vorwürfe, dass ich die Vorzeichen nicht hatte lesen können. Heute kann ich das! Er konnte es nicht so richtig erklären, aber ihm ging es sichtlich schlecht und er hatte Panik bekommen, ob das, was wir machen, das Richtige für ihn und seinen Weg sei. Tief in mir drin verstand ich ihn. Er wollte ein paar Tage Bedenkzeit haben. Als er sich verabschiedete, sagte ich ihm noch mal, wie geil die Zeit mit ihm war und dass ich keine Minute missen wollte. Der Mann hat so viel gerissen und ist immer Mensch geblieben - auch heute noch ein wirklich tolles Vorbild für mich. In dem Moment wusste ich aber auch schon, dass er nicht mehr zurückkommen würde. Man sollte öfter auf sein Gefühl hören. Es sollte wohl nicht sein, dass wir in der Businesswelt unser nächstes Level erreichen und uns mit einem Comeback einen Namen machen, in einer Welt, in der wir im Grunde und tief in uns drin gar nicht mehr sein wollten.

Sehen konnte ich das alles damals natürlich nicht. Aber mit dem zeitlichen Abstand denke ich heute, dass ich insgesamt bestimmt Hunderte Signale bekommen habe, die anzeigten, dass ich auf dem falschen Weg war.

Mein Verstand sagte es mir zigmal, ich hörte nicht auf ihn. Ich ging den Weg weiter, den ich kannte und den viele andere auch weitergehen, obwohl er nie wirklich zu einem passte. Aber ich handelte eben nicht danach, obwohl ich mit dem Blindenheim und Africachild diverse alternative Wege versucht hatte. Einfach auf Bauch und Herz hören und man geht den richtigen Weg. Das wäre richtig gewesen. Wenn das alte Weggefährten lesen, werden sie sagen: "Egal was du gesagt hättest, wir hätten gesagt: Unfug! Lass das mal. Läuft doch alles bei dir."

Wieder mal auf dem falschen Weg taumelte ich die nächsten Monate durch den Alltag. Die Tage, an denen mir die Kraft fehlte, häuften sich leider immer mehr und es entwich immer mehr Energie aus mir. Ich wurde immer leiser und nachdenklicher. Hin und wieder gab es zwar noch kurze Hochs, aber die wurden seltener und seltener. Ich stellte mir immer wieder die Frage nach dem Sinn. Warum machte ich das alles und wohin sollte das alles führen? Mein Kompass kreiselte und meine Koordinaten gingen verloren. Ich kam immer mehr aus dem Tritt. Schon seit Jahren fühlte ich eine innere Zerrissenheit. Vielleicht spielte auch meine Herkunft eine Rolle. Mein Vater Deutscher, meine Mutter Griechin, mehr deutsch aufgewachsen und auch so erzogen worden, trotzdem eben griechisches Blut in mir, das einen ab und an zum Kochen bringt. Ich hatte schon einige Jahre vorher damit zu kämpfen, aber in den letzten zehn Jahren war dieses Hin und Her schlimmer geworden. Wo gehörte man hin und wo wollte man hin?

Wie gesagt, zwischendurch gab es immer mal wieder Highlights. Ich war viel auf Mallorca, in unserer Wohnung, die sich auch immer noch in Ordnung anfühlte, machte große...

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