Organisationen klug gestalten

Das Handbuch für Organisationsentwicklung und Change Management
 
 
Schäffer Poeschel (Verlag)
  • erschienen am 6. September 2017
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-7910-3873-5 (ISBN)
 

In turbulenten Zeiten müssen sowohl alltägliche Managementprozesse als auch Veränderungsprozesse souverän begleitet werden. Jenseits reiner Tool- und Instrumentenorientierung und praxisferner Organisationstheorie gibt das Buch einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Organisationsentwicklungund stellt neuere Methoden auf den Prüfstand.

Über 40 führende Köpfe der Organisationsforschung und Organisationsentwicklung zeigen, wo wir heute in den Bereichen Organisationsdesign, Strategieentwicklung, Change Management, Führung, Teamentwicklung, Krisen- und Konfliktmanagement stehen und welche neuen Perspektiven sich für Organisationen und Unternehmen daraus eröffnen.

Mit Beiträgen u.a. von Rudi Wimmer, Fredmund Malik, Eckard Minx, Frank Dievernich.

1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Stuttgart
Schäffer-Poeschel
  • 7,31 MB
978-3-7910-3873-5 (9783791038735)
3791038737 (3791038737)
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Prof. Dr. Heiko Roehl begleitet seit über 20 Jahren Organisationen in Veränderungsprozessen. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der Kessel & Kessel GmbH und lehrt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. sowie der Universität Hildesheim. Mitherausgeber der Zeitschrift für OrganisationsEntwicklung (ZOE) und Autor zahlreicher Veröffentlichungen im Themenkreis Führung, Organisation und Change Management.

Was Organisationen sind

Was Veränderungen auslöst und wie sie gestaltet werden

Wie kluge Strategien entwickelt werden können

Wie Abläufe geplant und mit Störungen umgangen werden kann

Wie Innovation gefördert werden kann

Warum es Führung in Veränderung braucht

Wie der Wandel gestaltet werden kann

Wie man durch Personal- und Teamentwicklung gestalten kann

Wie sich organisatorische Qualität sichern lässt

Wie sich organisatorische Umwelten gestalten lassen

1   Was Organisationen sind


Es ist seltsam, wie wenig das Wissen über Organisationen zum Allgemeinwissen gehört. Weite Teile der Bevölkerung leben und arbeiten mit und in Organisationen. Viele machen sich Ziele und Zwecke der Organisation zu eigen, erleiden manchmal klaglos und über Jahre Organisationskulturen und geben sich mit den Unabänderlichkeiten organisationaler Alltage zufrieden.

Organisationen sind elementar für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Die globalen Fragen der Zukunft werden in und von Organisationen entschieden. Angesichts dieser Bedeutung der Organisation ist es tatsächlich eigenartig, dass wichtige Erkenntnisse der Organisationswissenschaft und ihrer Praxisfelder einem größeren Publikum weitgehend unbekannt sind.

Dieses Kapitel bietet eine Übersicht über die Grundlagen eines angemessenen Organisationsverständnisses. Stefan Kühl zeichnet den Rahmen mit der Frage danach, was eine Organisation eigentlich ausmacht. Er stellt dar, wie die moderne Gesellschaft die Organisation hervorgebracht hat, wie sie definiert werden sollte und wie wesentlich ihre Bedeutung für das Funktionieren der modernen Welt ist. Organisationen sind kein trivialer Forschungsgegenstand. Ihre Beforschung in den vergangenen Jahrzehnten hat immer wieder gezeigt, dass sie sich - etwa wegen ihrer grundlegenden 'Unvernunft' - einfachen Theorien widersetzt. Was wir überhaupt über Organisationen wissen, wo dieses Wissen herkommt und was es für die Praxis der Organisation bedeutet, ist dann das Thema des Beitrags von Rob Wiechern. Und weil unsere moderne Gesellschaft längst zu einer Organisationsgesellschaft geworden ist, existiert eine Vielzahl von Organisationen, die ganz unterschiedliche Zwecke verfolgen. Maja Apelt ordnet diese Fülle mit Bezug auf die wichtigsten Organisationstypologien. Die Gestaltung einer Organisation setzt Wissen über ihren Zustand voraus. Harm Kuper beschreibt in seinem Beitrag auf den Ebenen Organisation und Person gleichermaßen, wie der Stand der Dinge in der Organisation ermittelt werden kann. Ob und wie die Organisation sich tatsächlich entwickelt, hängt von ihren Lernprozessen ab. In seinem Beitrag gibt Harald Geißler Antworten auf die Fragen, warum, wie und auf welchen Ebenen Organisationen eigentlich lernen.

1.1   Organisationen: Mitgliedschaften - Zwecke - Hierarchien1


Stefan Kühl

Das Wort 'Organisation' führt man schnell im Munde. Alltagssprachlich verwenden wir die Worte "Organisieren" oder "Organisation" dabei häufig, um eine auf einen Zweck ausgerichtete planmäßige Regelung von Vorgängen zu beschreiben (vgl. Mayntz 1963, S. 147). Von "Organisieren" oder "Organisation" wird auch gesprochen, wenn verschiedene, erst mal voneinander unabhängige Handlungen in eine sinnvolle Abfolge gebracht werden und so "vernünftige Ergebnisse" erzielt werden (vgl. Weick 1985, S. 11). Die 'Organisation' des Kindergeburtstages für die sechsjährige Martina fällt ganz selbstverständlich in das Ressort der bemühten Mütter und Väter. Von unseren Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern wissen wir, dass man in schlechten Zeiten manchmal etwas auf dem schwarzen Markt 'organisieren' musste, um zu überleben, während wir uns heute höchstens noch freuen müssen, wenn ein Kollege im überfüllten Biergarten in kürzester Zeit eine Runde Bier 'organisiert'. Fangen sich die Kicker von Arminia Bielefeld mal wieder zu viele Tore ein, dann beklagen die Kommentatoren, dass sich die Abwehr wieder neu 'organisieren' müsse.

In diesem breiten Verständnis von Organisation wird fast immer und überall organisiert: Gesellschaften organisieren ihr Zusammenleben, Familien ihr Zusammenleben, Gruppen ihre Skatabende. Unternehmen organisieren die möglichst profitable Führung des Geschäfts, Protestbewegungen ihre Demonstrationen und Selbstmörder mehr oder minder erfolgreich ihren "langen Weg nach unten" (Hornby 2005). Gesetze, Verkehrsregelungen, Hausordnungen, Gebrauchsanweisungen, Speisekarten, Spielregeln und Notenblätter, all das scheint in unserem Verständnis Ausdruck von Organisation zu sein (vgl. für ein solches Verständnis Hauschildt 1987, S. 4).

Aber dieser Begriff von Organisation ist für vertiefende Analysen ungeeignet, weil damit letztlich nichts anderes bezeichnet wird als eine Ordnung, die dazu genutzt wird, um etwas zu erreichen. Der Begriff gerät so weit, dass letztlich alles erfasst wird, was irgendwie 'strukturartig' oder 'regelhaft' ist.

1.1.1   Ein enger Begriff von Organisation


Wenn man von Organisationen spricht, dann sollte man an eine ganz besondere Form von sozialem Gebilde denken. Einige dieser Gebilde führen das Label 'Organisation' bereits in ihrem Namen, um ihre Eigenart zu markieren. Man denke nur an das "O" der United Nations Organization (UNO), der North Atlantic Treaty Organization (NATO), der Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) oder der Organization for Economic Co-operation und Development (OECD). Andere nutzen nicht das Wort Organisation im Namen, verwenden aber Synonyme. Siehe das heute vielleicht etwas zopfig klingende Wort der 'Anstalt', das sich noch bei Organisationen wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau oder der ARD Anstalt des öffentlichen Rechts finden lässt. Wer etwas auf sich gibt, schmückt sich eher mit dem modischen Begriff der Agentur. Und so wird dann aus einer Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Agentur für Arbeit.

Andere Organisationen verweisen in ihrem Namen auf den spezifischen Typus ihrer Organisation als Unternehmen, Verwaltung, Kirche, Verein, Partei oder Armee. In Fällen wie der Scientology Church, dem Hamburger Sportverein oder der Rote Armee Fraktion mag dann bei Beobachtern umstritten sein, ob diese die Selbstbeschreibung als Kirche, Verein oder Armee zu Recht führen oder ob es sich nicht eher um Wirtschaftsunternehmen oder kriminelle Vereinigungen handelt, aber den Status als Organisation spricht man diesen Gebilden kaum ab. Die meisten Organisationen verzichten bei ihrer Benennung auf eine irgendwie geartete explizite Bezeichnung als Organisation. Daimler-Benz, France Télécom oder General Electric gehen wohl berechtigterweise davon aus, dass sie schon als Organisation identifiziert werden, ohne dass dies in ihrem Namen angeführt wird.

Natürlich gibt es immer wieder Fälle, bei denen wir uns nicht ganz sicher sind, ob wir es mit einer Organisation zu tun haben: Kann das Ein-Personen-Unternehmen, das sich als Marketingagentur anbietet, bereits als Organisation bezeichnet werden? Verdient das gelegentliche Zusammenkommen von Staaten zur Koordination der Klimapolitik bereits die Definition als Organisation im engeren Sinne? Ist die Universität eines Landes eine eigenständige Organisation oder doch nur eine geografisch zu bestimmende Abteilung eines Wissenschaftsministeriums? Eben diese Grenzfälle schärfen unser Verständnis von Organisationen eigentlich nur noch mehr.

1.1.2   Die Entstehung in der modernen Gesellschaft


Wenn wir dieses präzise Verständnis von Organisationen verwenden, dann sind Organisationen ein Phänomen, das sich erst in den letzten Jahrhunderten ausgebildet hat. Natürlich waren die Errichtung der Pyramiden in Ägypten oder der Aufbau einer umfassenden Wasserwirtschaft im Nildelta beeindruckende Beispiel von "Organisation" aber eben nur im weiten Sinne des Begriffes (vgl. Weber 1976, S. 560 f., 607 f., 613, 640). Klöster wirken mit ihren Aufnahmeritualen, mit ihren Hierarchien und genauen Regelwerken auf den ersten Blick wie Vorläufer von Organisationen, waren aber doch eher Ausdruck vormoderner Gesellschaften (vgl. Treiber/Steinert 1980, S. 53 ff.). Auch der Zusammenschluss der Handwerker einer mittelalterlichen Stadt in Zünften oder Gilden mag uns vielleicht an moderne Organisationen erinnern, aber auch hier haben wir es noch eher mit Organisationen im weiten Sinne zu tun (vgl. dazu Kieser 1989, S. 540 ff.).

Zwar kann man frühe Formen von 'Mitgliedschaft gegen Lohn' bereits seit der Antike beobachten. Man denke nur an Söldner, die ihre Kampfkraft dem am besten zahlenden Heeresführer zur Verfügung stellten, oder an Tagelöhner, die ihre Arbeitskraft gegen eine Vergütung anboten (vgl. Aspers/Beckert 2008, S. 229). Bis zur Ausbildung der Moderne waren jedoch andere Formen der Einbindung von Personen dominierend. Sklavenhalter verfügten über Eigentum an der Person des Sklaven. Lehnsherren verpflichteten ihre Leibeigenen zu Abgaben und Frondiensten und setzten diese Leistungen im Notfall mit Gewalt durch. In Zünfte wurde man quasi hineingeboren, und es war selbstverständlich, dass man als Sohn auch den Beruf und damit auch die Zunftmitgliedschaft des Vaters übernahm. Mitglied wurde man nicht qua eigener Entscheidung, sondern durch Geburt.

Ein zentrales Merkmal all dieser Ordnungsformen der Vormoderne ist, dass sie Personen komplett inkludierten (vgl. Prätorius 1984, S. 22 ff.). Stark vereinfacht ausgedrückt: Zum Bau der Pyramiden oder der Wasserkanäle wurden Sklaven eingesetzt, die nicht einfach nach Feierabend nach Hause gehen oder ihre Tätigkeit auf den ägyptischen Baustellen aufkündigen konnten. Der Eintritt in ein Kloster war eine Lebensentscheidung, die zur Folge hatte, dass letztlich alle Aktivitäten im Rahmen einer christlichen Lebensgemeinschaft stattfanden. Zünfte oder Gilden waren nicht vorrangig Einrichtungen zur Absicherung von Monopolen, sondern regulierten auch die kulturellen, politischen und rechtlichen Beziehungen ihrer...

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