Bomba auf düsterer Fährte

 
 
Medienedition Welsch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Februar 2020
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-946554-17-2 (ISBN)
 
Im sechsten Band - Bomba auf düsterer Fährte - befindet sich der Dschungelboy auf dem Rückweg zu Cody Casson, zum Dorf der freundlichen Araos und Häuptling Hondura. Dabei gerät Bomba in eine Höhle, die sich düster und scheinbar endlos, dazu von Abgründen und Schluchten durchzogen, unterirdisch ausbreitet. Auf dem Weg hinaus versperrt ein Schlangensumpf den Weg in die Freiheit. Wieder auf der Erdoberfläche, begegnen Bomba und Gibo der Besatzung eines Flugzeugs. Der Pilot und sein Helfer sind auf der Suche nach ihrem Gefährten, der im Urwald verschwunden ist. Danach durchqueren Bomba und Gibo einen Wald von Colopichi-Bäumen, deren giftige Ausdünstungen sie fast das Leben kosten. Zuletzt fallen sie in die Hände von Kannibalen. Nach überstandenen Gefahren erreichen Bomba und sein Gefährte endlich das heimische Dorf. Zur Reihe siehe Band 1.

Roy Rockwood ist ein Pseudonym, das sich aus mehreren Autoren zusammensetzt.
  • Deutsch
  • 0,65 MB
978-3-946554-17-2 (9783946554172)

1 Das Ungeheuer aus dem Himmel


Eine Weile lang hatte sich Bomba, der Dschungelboy, seinen Weg ungestört durch den schweigenden Dschungel gebahnt, aber plötzlich hielt er inne und lauschte. Ein seltsames, unbekanntes Geräusch hatte sein Ohr berührt. Es war nicht zu vergleichen mit dem surrenden Schwirren von Vogelschwingen - nicht mit dem dumpfen Grunzen der Tapire - nicht mit dem vibrierenden Fauchen und Knurren der Raubkatzen oder mit dem heiseren Schreien der Affen. Die singenden, dröhnenden Laute schienen aus einer Welt zu kommen, die nichts mit dem Dschungel zu tun hatte. Sogar das polternde Grollen des Erdbebens oder der rollende Donner des Gewitters klangen anders. Bomba hatte schon an tobenden Vulkanen gestanden und wusste, dass sich auch dieses Brüllen der entfesselten Erdgewalten anders anhörte.

Was mochte es sein?

Es war nicht einfache Neugier, die Bomba so stark beschäftigte. Im Dschungel konnte es den Tod bedeuten, wenn man eine Warnung der Sinne missachtete. Der Junge beschattete das Gesicht mit den Händen und spähte durch die Baumkronen zum Himmel empor. Klar und azurblau schimmerte das Lichtgewölbe des Tropenhimmels durch die Baumwipfel. Keine Wolke verdunkelte die makellose Schönheit.

Das wäre noch die wahrscheinlichste Erklärung gewesen: ein fernes Gewittergrollen. Während Bomba zweifelnd die Stirn krauste, schwoll das Geräusch zu einem stetigen dumpfen Brummen an. Lauter und lauter wurde es, das Brummen ging in ein schmetterndes Brüllen über, und ein mächtiger Vogelkörper fegte mit einem Male über die Wipfel der Bäume dahin. So schnell wie der riesige Schatten aufgetaucht war, verschwand er wieder. Das Brüllen wurde leiser, und es dämpfte sich zu jenem tiefen, am Horizont verklingenden Summen, das zuvor Bombas Aufmerksamkeit erregt hatte.

Unwillkürlich holte der Dschungelboy tief Atem, griff nach der im Gürtel steckenden Machete und starrte dorthin empor, wo das rätselhafte Fabelwesen in der Lücke zwischen den Baumwipfeln für Sekundenbruchteile sichtbar gewesen war.

Es war ein fesselnder Anblick, den Jungen so in der angespannten Haltung eines zum Kampf bereiten Dschungelwesens dastehen zu sehen. Etwa fünfzehn Jahre mochte Bomba alt sein. Für sein Alter war er groß und kräftig. Sonne und Wetter hatten sein Gesicht so dunkel getönt wie die Haut eines Indianers. Trotzdem war an den klaren Linien des Antlitzes zu erkennen, dass er von Weißen abstammte. Er trug ein Lendentuch um die Hüften und ein Pumafell schräg um die Brust geschlungen. Im Übrigen war er unbekleidet bis auf einfache, handgearbeitete Sandalen. Braun waren die Augen, und braun wellten sich auch die Locken in seinem Nacken hinab. Statuenhaft und von vollendeter Schönheit war der Anblick des Jungen, der lauschend und kampfbereit dastand - mitten in der üppig wuchernden, geheimnisvoll zwielichtigen Welt des Dschungels. In seinen Zügen spiegelte sich keine Furcht, nur die erwartungsvolle Unruhe eines Menschen, dem schon Gefahren in vielerlei Gestalt begegnet sind.

Bomba wusste nicht, welche Gefahr ihm drohte. Auf ihn wirkte das seltsame, dumpfe Summen wie das angriffslustige Grollen eines mächtigen Ungeheuers. Vielleicht stieß das Fabelwesen im nächsten Augenblick auf ihn herab und wollte ihn verschlingen? Das war nicht ausgeschlossen. Die Dschungelerfahrung hatte Bomba gelehrt, dass die mächtigsten Tiere auch immer die grausamsten und unersättlichsten waren. Puma und Alligator, Anakonda und Jaguar: alle lebten sie davon, dass sie fremdes Leben vernichteten und sich damit nährten. Dies war eines der unerbittlichsten Gesetze des Dschungels.

Während Bomba mit Gefasstheit den kommenden Kampf erwartete, brachte sein Gefährte bei weitem nicht diese Ruhe und den unerschütterlichen Mut des Jungen auf. Es war ein Indianer, dem Bomba einmal das Leben gerettet hatte, und der ihm seither bei seinen abenteuerlichen Dschungelfahrten mit der Anhänglichkeit und. Treue eines Hundes folgte. Als die unheimliche Gestalt über den Himmel gefegt war, hatte sich Gibo, der Indianer, aufschreiend zu Boden geworfen. Er lag jetzt noch stöhnend da, den Kopf in das Gras pressend und seine Dschungelgötter mit bebender Stimme um Hilfe anflehend.

"Kein Leben ist mehr in uns, oh Herr", rief er jetzt Bomba an. "Die große Schlange des Himmels hat uns schon in ihren Klauen. Sicherlich sind wir schon auf dem Wege zum Sammelplatz der Toten."

Bomba lachte gepresst.

"Wie können wir tot sein, wenn wir noch sehr lebendig hier im Dschungel stehen. Das heißt, du stehst ja nicht", verbesserte er sich ironisch, "du liegst da wie eine Maus, die ihr Schlupfloch nicht mehr gefunden hat und nun auf die scharfen Klauen der Eule wartet."

"Es ist nicht die Zeit zum Scherzen, Herr", murmelte Gibo, ohne sich zu erheben.

"Auf alle Fälle kenne ich bis jetzt keine Schlange, die am Himmel fliegt", fuhr Bomba unbeirrbar fort. "Soviel ich weiß, kriecht sowohl die Boa Constrictor wie auch die Jaracara, und auch der Anakonda sind neuerdings bestimmt keine Flügel gewachsen."

"Und es ist doch die Schlange der Geister", beharrte Gibo seufzend. "Sie ringelt sich um den Thron der bösen Götter und verlässt ihn nur, um die Rache dieser Höllengötter zu vollstrecken. Die Alten meines Stammes haben schon davon berichtet. Nichts ist schlimmer, als diesem Untier in die Klauen zu geraten. Wehe uns!"

Bomba machte eine ungeduldige Bewegung.

"Wie kann ein erwachsener Mensch solche Dummheiten glauben. Nie habe ich von fliegenden Ungeheuern gehört."

"Aber sie sind da", beharrte Gibo eigensinnig. "Die Weisen meines Stammes waren keine unmündigen Kinder, und sie redeten keine Torheiten. Sie sagten, dass der Atem der Himmelsschlange wie das Schwirren einer ungeheuren Bogensehne klingt, und dass das hungrige Ungeheuer wie der mächtige Wasserfall brüllt. Alles das haben wir gehört. Es war Igmazil, die Schlange der Götter, die uns verfolgt."

Bomba seufzte geduldig.

"Erhebe dich jetzt, du Zitterer, und nimm deinen Speer auf. Du wirst ihn vielleicht noch brauchen. Was es auch immer für ein Tier gewesen sein mag: bevor wir sterben, werden wir kämpfen."

Beschämt richtet sich Gibo auf und ergriff seinen Speer.

"Bomba ist tapferer als ich. Er muss ein Herz aus Eisen haben. So oft ich dich kämpfen sah, Herr, war mein Herz mit Bewunderung erfüllt. Aber der Leib Igmazils ist unverletzlich. Wie willst du mit diesem Ungeheuer fertig werden?"

"Ich habe noch keinen Plan", antwortete der Junge sorglos. "Du weißt, dass mich mein Pfeil und meine Machete selten im Stich lassen. Auf alle Fälle werde ich mich wehren und nicht meine Nase in das Gras stecken. Gib mir deinen Speer und dann gehe meinetwegen zu den alten Squaws deines Stammes und hilf ihnen, hübsche Muster in die Matten zu weben."

Scham und Kummer kämpften im Gesicht des treuen Indianers einen sichtbaren Kampf. Schließlich trat ein Zug von ehrlicher Aufopferung in sein Antlitz. Er machte eine heftige Bewegung und nahm den Speer fester in die Hand.

"Niemals werde ich dich allein lassen, Herr. Verzeih mir, wenn ich schwach war. Aber dieses furchtbare Brüllen des Untiers über den Bäumen hat mich verwirrt. Ich werde mit dir kämpfen und mit dir sterben, wenn es sein muss. Denn noch nie hat jemand sein Leben behalten, der Igmazil erblickte."

Gibo trat neben seinen jugendlichen Herrn, und beide suchten sie den Himmel über den Baumwipfeln nach einem verdächtigen Zeichen ab.

Aber es war nichts zu entdecken. Das Surren hatte aufgehört, und außer den nie schweigenden, vertrauten Dschungellauten erreichte kein Geräusch ihr Ohr. Obwohl sie mehrere Minuten lang lauschten, vernahmen sie nichts Verdächtiges mehr, und ihre Spannung ließ allmählich nach.

"Hoffentlich hat Igmazil ein anderes Opfer gefunden", murmelte Gibo mit wiedererwachender Lebenskraft. "Es gibt viele schlechte Menschen, die die Gebote der Götter nicht befolgen. Soll sich die Schlange dort ihre Opfer suchen."

"So ist es", stimmte Bomba gleichgültig bei. Er hatte nicht auf die Worte seines Gefährten geachtet, und er hatte im Augenblick auch keine Lust, sich mit dem Aberglauben des Indianers zu beschäftigen.

"Ich wüsste auch nicht, warum Igmazil gerade uns suchen sollte", meinte er. "Haben wir etwas Böses getan? Wenn wir töteten, dann nur um unser Leben zu verteidigen oder uns am Leben zu erhalten. Ich denke, wir werden jetzt weitereilen, denn bis zu Honduras Lager ist es noch weit. Drei Tagesreisen liegen schon hinter uns."

Immer war es Bomba, der die Führung innehatte bei dem schnellen und gefährlichen Marsch durch die Tiefen des Dschungels. Obwohl er sich anscheinend sehr flink und sorglos bewegte, waren alle seine Sinne gespannt, und seine klaren, dunklen Augen sahen jedes verdächtige Zeichen, das auf eine Gefahr hindeuten mochte. Dicht auf den Fersen folgte Gibo dem Jungen. Der Indianer trug den Beutel mit Japazys Schätzen, und während sie schweigend dahingingen, musste Bomba noch oft an den Schrei denken, den Japazy ausgestoßen hatte, als er über die Felswand in den Abgrund gesprungen war. Bomba war dem wütenden Ansturm des Tyrannen ausgewichen, und der eigene Schwung hatte Japazy in den Tod geschleudert.

Wie viele Reichtümer enthielt der unscheinbare Beutel, den der Indianer trug? Bomba vermochte es nicht abzuschätzen. Er kannte nicht die Namen der verschiedenen Edelsteine. Er wusste nicht, dass Diamanten, Smaragde, Saphire, Rubine, Topase und andere Juwelen von hohem Wert in dem Lederbeutel steckten.

Wie kostbar diese Schätze auch immer sein mochten, Bomba bedeuteten sie nicht so viel wie das Lederbüchlein, das er in seiner Tasche am Gürtel trug. Er...

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