Lauschangriff - Im Visier der Feinde

Thriller
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Mai 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11367-4 (ISBN)
 
Sie ruhen nicht, bis der Terror stirbt

Die USA stehen vor ihrer größten Herausforderung: Die Geheimdienste wissen um die Aktivitäten der weltweit gefährlichsten Terroristen, die bereits bei der Planung eines schrecklichen Anschlags sind. Doch der National Security Agency sind die Hände gebunden, denn es gibt keine Beweise. Dem Geheimdienst bleibt nichts anderes übrig, als eine Mission undercover zu starten. Und niemand anders als Ex-Navy-SEAL Mack Bedford erhält die Chance seines Lebens ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 4,10 MB
978-3-641-11367-4 (9783641113674)
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PROLOG


Der Sonnenaufgang über den hoch aufragenden Bergrücken lässt sich Zeit. Im Osten liegen die Ehrfurcht gebietenden Gipfel des Himalaja, 2500 Kilometer lange Höhenzüge, die von Südchina bis nach Afghanistan ihre frühmorgendlichen Schatten über die westlichen Berghänge werfen.

Winzige Dörfer krallen sich an die Hänge des Hindukusch, wo die Sonne erst über die Bergspitzen rückt, wenn die Hirten ihre Ziegen längst auf die saftigen Weiden oberhalb der aus Lehm errichteten Ansiedlungen getrieben haben.

Das Licht ist weich, wabernd, der Himmel scheint sich in der Unendlichkeit zu verlieren und strahlt, als wäre er vom Licht Gottes durchdrungen, und die Täler, matt und düster, sind in die Farben der Erde getaucht.

In diese melancholische Morgendämmerung stürmte an einem kühlen Herbstmorgen des Jahres 2004 das SEAL Team 10. Es war 6.30 Uhr, als zwölf Männer des Foxtrot Platoon auf dem zerklüfteten Gelände ausschwärmten, über das scheinbar friedliche und hilflose Dorf herfielen und Frauen und Kinder in Angst und Schrecken versetzten.

Die US-Soldaten gaben gelegentliches Maschinengewehrfeuer ab, stakkatoartige Salven, die jeden einschüchtern sollten, der möglicherweise den Vorsatz fasste, sich ihrer tödlichen Mission zu widersetzen.

Alle zwölf hatten einen langen Vollbart. Zehn davon waren über einsneunzig groß. Allein zwei dieser Riesen hätten überall auf der Welt mächtig Eindruck gemacht, zusammen aber hätten die zwölf, ausgebildet als militärische Spezialeinheit, sogar Dschingis Khan eine Heidenangst eingejagt.

Jeder von ihnen trug seinen Tarnanzug, alle hatten Bandanas um den Kopf geschlungen. Elf von ihnen waren mit der Lieblingswaffe der SEALs ausgestattet, dem M4, der Gruppenführer hatte ein Mark 12, Kaliber 5,56 mm. An ihren breiten Ledergürteln waren jeweils ein Kampfmesser und eine SIG-Sauer-9-mm-Pistole befestigt. Vier der Männer hatten dazu ein halbes Dutzend Handgranaten an ihrem Kampfgeschirr, alle übrigen mindestens zwei dieser Sprengkörper.

Die SEALs bewegten sich in Zweiergruppen von Tür zu Tür, riefen ihre harschen Befehle und trieben die männlichen Dorfbewohner - allesamt trugen sie Vollbart, Turban und Sandalen - auf den großen freien Platz zwischen den beiden Straßen. Frauen und Kinder wurden zu einem separaten Platz gebracht. Von der Ferne starrten die vor die Holzkarren geschirrten Ochsen mit müdem Blick auf das laute Treiben in dem Dorf, das seit Jahrhunderten keinen solchen Tumult mehr erlebt hatte.

Der SEAL-Führer, ein kräftiger 28-jähriger Offizier, bellte auf dem Hauptplatz seine knappen Anweisungen: »Von Tür zu Tür. Kein Haus wird ausgespart. Los! Keiner dreht sich um. Dort gegen die Wand! Die Hände hoch! Wenn jemand abhaut, wird geschossen.«

Von Zeit zu Zeit sprach er in das Bügelmikro seines Funkgeräts: »Mondfahrer auf Station, Sir. Keine Verluste. Dorf unter Kontrolle. Verstanden, Sir. Ende.«

Zehn Minuten nach Beginn des Aufruhrs, der über die seit biblischen Zeiten nahezu unveränderte Stammesgemeinschaft hereingebrochen war, waren - mit Ausnahme von zwei Hirten hoch oben auf den Weiden - alle männlichen Dorfbewohner befragt worden. Jeder Einzelne wurde dabei von den SEALs zur Seite genommen und nach versteckten Waffen und Handys durchsucht - man inspizierte ihre Bärte, die Haare, selbst die Finger und die Zehen, und das immer auf grobe Art und Weise, um die anderen einzuschüchtern.

Sie befanden sich hier in einem der gefährlichsten Landstriche der Welt, den gesetzlosen Bergen des Hindukusch, der Heimat der Taliban und der sich neu formierenden Stammeskrieger der El Kaida, Männer, die den USA einen Hass entgegenbrachten wie keinem Staat jemals zuvor in der Geschichte.

Die Amerikaner mussten sich nicht sonderlich anstrengen, um die Dorfbewohner, die von sehr viel kleinerer Statur waren als die riesigen Navy-SEALs, unsanft gegen die Wand zu stoßen und von den Männern, die vorgaben, kein Englisch zu sprechen, Antworten zu verlangen. In deren Mienen lagen nur Aufsässigkeit, halsstarriger Trotz und lodernder Hass.

Es kam zu Geschrei und gelegentlichem Handgemenge. Ein jüngerer Mann spuckte einem SEAL ins Gesicht und erhielt dafür einen gewaltigen rechten Haken, der ihm den Kiefer brach und ihn halb bewusstlos auf den rauen Schotter zusammensacken ließ. Hundert Meter weiter brach die Mutter des Verletzten in Tränen aus, und der Vater hätte seinen Dolch, hätte er ihn denn bei sich gehabt, dem Amerikaner nur allzu gern ins Herz gerammt. Die SEALs zogen ihren Einsatz ohne Skrupel durch, auch wenn manchen möglicherweise insgeheim Zweifel beschlichen.

Man konnte den brodelnden Zorn und die Gereiztheit der US-Spezialkräfte verstehen. Ebenso aber konnte man die stille Abscheu begreifen, die die Stammesangehörigen ihnen entgegenbrachten. Die beiden Gruppen standen sich in dieser Beziehung unversöhnlich gegenüber. Die Männer aus dem Westen hatten einiges durchgemacht, um an diesen wilden, unzugänglichen Ort zu gelangen, wo es keine Straßen, keinen Strom, keine Radios gab. Sie wussten, dass sie für die afghanische Bevölkerung bewaffnete Ungeheuer und deren unnachgiebigster Feind waren.

Und was wollten die Amerikaner? Sie suchten zwei Männer, zwei hoch qualifizierte El-Kaida-Mitglieder (einer von ihnen Harvardabsolvent), die mit einem Sprengsatz in den Vororten von Kabul einen Laster mit Marines in die Luft gejagt hatten. Bei dem Anschlag waren 15 US-Marines sowie zwei SEALs vom Team 5 aus San Diego ums Leben gekommen. Die Straße war mit ihrem Blut getränkt gewesen. Zwei der SEALs, die an der Razzia in dem Dorf beteiligt waren, hatten mitgeholfen, die Überreste ihrer Kameraden vom Ort des Anschlags zu entfernen.

Die US-Aufklärung hatte dann alle Hebel in Bewegung gesetzt. Jeder Maulwurf, jeder Spion, Agent und Informant war in die Mangel genommen worden, bis letztendlich verwertbare Ergebnisse vorlagen: Die beiden Gesuchten würden sich hoch oben in den Bergen verstecken, an die 80 Kilometer nordöstlich der US-Militärbasis Bagram. In dem Gebiet innerhalb der von der US-INTEL übermittelten GPS-Daten lag nur ein einziges Dorf.

Die SEALs waren nachts von einem Hubschrauber abgesetzt worden. Insgesamt 20 Mann. Die anderen acht lagen hoch oben am Berghang und hatten ihre Ferngläser auf das Chaos gerichtet, das ihre Kameraden im Dorf anrichteten. Hier oben, 3000 Meter über dem Meeresspiegel, endet die Baumgrenze sehr abrupt. Sie läuft nicht allmählich aus, sondern hört mit einem Schlag auf.

Der Berg, vom Regen und den Schmelzbächen oftmals in sattes Grün getaucht, war fein säuberlich in zwei Hälften getrennt: einen grünen unteren und einen von der Baumgrenze bis zum schneebedeckten Gipfel reichenden oberen Teil, der eher einer Mondlandschaft glich. Dort oben gab es keinerlei Deckung mehr. Der Hang fiel fast senkrecht ab und bestand aus Staub, Sand, Fels und Schiefer. Niemand lebte hier. Daher hatte sich das achtköpfige SEAL-Einsatzteam am oberen Rand der Vegetation versteckt, wo es beim ersten Anzeichen von afghanischem Widerstand zum Dorf vordringen konnte. Bislang war davon nichts zu bemerken, abgesehen von dem kindischen Tapferkeitsanfall des Jungen, der nun einen gebrochenen Kiefer hatte.

Fünfmal während des nächtlichen Marsches in das Einsatzgebiet hatten sie sich die Richtigkeit der INTEL-Meldung bestätigen lassen. Fünfmal hatte man ihnen gesagt, dass die beiden Männer hier seien und aufgrund ihres sorglosen Handy-Umgangs von der US-Aufklärung lokalisiert worden waren.

Jetzt saßen sie in der Falle, waren verzweifelt darum bemüht, sich durch Lügen herauszumogeln, damit sie als unschuldige Ziegenhirten durchgingen. Die Männer des SEAL-Teams allerdings wussten, worauf sie es abgesehen hatten.

Ibrahim Sharif und sein Freund Yousaf Mohammed, den er bereits seit Kindertagen kannte, beide 24 Jahre alt, waren die Männer, die durch ihren Sprengsatz die Amerikaner getötet hatten. Als treue Anhänger Osama Bin Ladens waren beide ausersehen, in die höchste El-Kaida-Führungsriege aufzusteigen. Sie waren in den Bergen aufgewachsen und als Jugendliche für die Ausbildung an westlichen Universitäten auserwählt worden. Die dafür nötigen Gelder stammten vom Familienvermögen Bin Ladens, des Scheichs, wie ihn seine Anhänger nur nannten.

Ibrahim war über die Universität Kairo nach Harvard gekommen. Yousaf hatte auf der Aga-Khan-Universität in Karatschi einen Abschluss als Chemieingenieur erworben, worauf er an einem Postgraduiertenprogramm der Londoner Universität teilnahm. Beide hatten die Freiheiten des Westens genossen, beide aber gerieten nach Abschluss ihres Studiums wieder in den Bannkreis von El-Kaida-Fanatikern, deren Glaubensbekenntnis darin bestand, im Namen Allahs Blut zu vergießen. Amerikanisches Blut.

Jetzt standen sie also zwischen den zusammengetriebenen Dorfbewohnern und sahen mit an, wie die US-Soldaten ihre Landsmänner aus der Menge zogen, sie gegen die Wand drückten und von Kopf bis Fuß abtasteten. Vier Häuser weiter an der unbefestigten Straße lag das Haus von Ibrahims Vater, wo sie im Moment wohnten. Eine kärgliche, in den Berghang gebaute Unterkunft in typisch afghanischer Bauweise (drei Zimmer auf drei Geschosse, wobei im unteren die Ziegen untergebracht waren und das mittlere den offenen Herd beherbergte). Dazu fanden sich in einer Felshöhle, direkt unter den Hufen der Ziegen, fünf Tonnen TNT in Holzkisten verpackt.

Zwei SEALs hatten eindringlich die beiden Männer betrachtet, unter ihnen der Platoon-Commander, der nun seinen Befehl gab: »Der da! Der Typ im roten Gewand. Schafft ihn hier rüber!«

...

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