Das schönste Geschenk

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2013
  • |
  • 146 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12095-5 (ISBN)
 
Die impulsive Sharon erbt von ihrer Großmutter eine Villa. Dort will sie ihren Traum verwirklichen, einen Antiquitätenladen zu eröffnen. Bei Umbauarbeiten lernt die sommersprossige junge Frau ihren Nachbarn Victor kennen, der als Zimmermann arbeitet. Das zumindest denkt sie und heuert ihn an, ihr beim Renovieren zu helfen. Victor ist reserviert, aber trotzdem ist Sharon von ihm angezogen. Victor ist jedoch nicht der, der er vorzugeben scheint. Als Sharon erfährt, wer er wirklich ist, weiß sie nicht, ob ihre Liebe noch zu retten ist.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 0,59 MB
978-3-641-12095-5 (9783641120955)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Die Morgensonne schien hell über die Berggipfel und ließ mit ihren Strahlen die ersten bunten Herbstblätter im tiefdunklen Grün der Bäume golden erscheinen. Sharon ging den Weg neben den mit Heckenkirschen überwucherten Zäunen entlang. Die letzten Blüten verbreiteten einen süßen Duft, Vögel zwitscherten, und in der Ferne holte ein Bauer auf seinem Feld das letzte Heu ein. Ein Auto fuhr vorbei. Der Fahrer hob freundlich grüßend die Hand. Sharon winkte zurück. Es war schön, wieder zu Hause zu sein.

Wie sie es so oft als Kind getan hatte, brach Sharon im Vorbeigehen eine Blüte der Heckenkirschen ab. Wenn man die rosafarbenen Kelche zwischen den Fingern zerrieb, verstärkte sich der süße Duft, der für Sharon ebenso zum Sommer gehörte wie der Rauch des Gartengrills und der Geruch von frischem grünen Gras. Doch der Sommer neigte sich bereits seinem Ende zu.

Sharon freute sich auf den Herbst, denn dann waren die Berge und Wälder am schönsten. Die Luft war klar und frisch. Und wenn Wind aufkam, wirbelte das bunte Laub durch die Luft, der Waldboden raschelte geheimnisvoll, und es roch nach Holzfeuer.

Nach vier Jahren in der Stadt war Sharon nach Hause zurückgekehrt. Das schmale zweistöckige Haus ihrer verstorbenen Großmutter gehörte jetzt ihr und auch das dazugehörige Wäldchen.

Die Berge und Wälder waren dieselben geblieben, Sharon jedoch hatte sich verändert …

Zwar sah sie noch genauso aus wie damals, als sie Maryland verlassen hatte, um eine Stelle an einer höheren Schule in Baltimore anzunehmen. Sharons zierliche Figur hatte nie die üppigen Kurven entwickelt, die sie sich immer erträumt hatte. Wenn sie lächelte, zeigten sich in ihrem herzförmigen Gesicht mit dem glatten pfirsichfarbenen Teint zwei Grübchen. Dabei hätte Sharon viel lieber hohe Wangenknochen gehabt. Ihre Stupsnase war übersät mit Sommersprossen, die ihrem Gesicht einen lebhaften, fröhlichen Ausdruck verliehen.

Die Augen leuchteten groß und dunkelbraun unter den schmalen geschwungenen Brauen. Jede Gefühlsregung spiegelte sich in ihnen wider. Sharon trug ihr Haar kurz, die honigfarbenen Locken gaben einen reizvollen Rahmen für ihr Gesicht.

Die meisten Leute bezeichneten sie als niedlich. Sharon hasste dieses Wort, aber sie hatte sich inzwischen daran gewöhnt. Sie war eben keine Schönheit mit Sex-Appeal. Daran ließ sich nichts ändern. Ihre Attraktivität bestand in einer gesunden Vitalität.

Als sie um die letzte Wegbiegung kam und der Ort vor ihr auftauchte, sah sie sich sekundenlang als Kind, als junges Mädchen und als fast erwachsene junge Frau diesen Weg gehen. Hier war ihr Zuhause, ihre Heimat.

Fröhlich lief Sharon die letzten Meter und stürmte in das Lebensmittelgeschäft ihrer Freundin Donna. Die Ladenglocke bimmelte laut, als sie ungestüm die Tür hinter sich zuschlug.

»Hallo!«, begrüßte sie die Freundin vergnügt.

»Guten Morgen«, sagte Donna lachend. »Du bist aber heute schon früh unterwegs.«

»Als ich aufstand, merkte ich, dass mir der Kaffee ausgegangen ist.« Sie entdeckte eine Schachtel mit frischen Krapfen auf dem Ladentisch und leckte sich genüsslich die Lippen. Zielstrebig ging sie auf das frische Gebäck zu. »Oh Donna, sind die mit Konfitüre gefüllt?«

»Ja.« Donna seufzte, während sie mit einem Anflug von Neid zusah, wie Sharon einen Krapfen nahm und herzhaft hineinbiss. Fast zwanzig Jahre lang hatte sie die Freundin jede Menge essen sehen, und dabei hatte Sharon nicht ein Gramm zugenommen.

Obwohl die beiden praktisch zusammen aufgewachsen waren, unterschieden sie sich in jeder Hinsicht voneinander. Sharon war blond, Donna war dunkel, Sharon war klein, Donna war groß und besaß üppige Kurven. Von klein auf hatte sie Sharon die Führungsrolle überlassen. Denn Sharon war immer die Abenteuerlustige gewesen, während Donna sie stets zu bremsen versucht hatte, um dann jedoch jeden Plan, den Sharon ausheckte, mitzumachen.

»Na, hast du dich gut eingelebt?«, erkundigte sich Donna.

»Ziemlich«, erwiderte Sharon mit vollem Mund.

»Ich habe dich seit deiner Rückkehr kaum zu Gesicht bekommen.«

»Es gibt so viel im Haus zu tun. Großmutter hat sich in den letzten Jahren nicht mehr so recht um alles kümmern können.« In ihrer Stimme schwangen Zärtlichkeit und Trauer. »Sie hat sich immer mehr für ihren Garten als für das undichte Dach interessiert. Wenn ich bei ihr geblieben wäre …«

»Oh, fang doch nicht wieder an, dir Vorwürfe zu machen«, unterbrach Donna sie. »Du weißt, wie sehr sie sich wünschte, dass du die Stelle als Lehrerin annahmst. Sie ist vierundneunzig Jahre alt geworden. Den wenigsten Menschen ist ein so langes Leben vergönnt. Und sie war bis zur letzten Minute eine energische alte Dame.«

Sharon lachte. »Da hast du recht. Manchmal habe ich das Gefühl, sie sitzt in ihrem Schaukelstuhl in der Küche und passt auf, dass ich auch das Geschirr spüle.«

»Ich bin froh, dass du wieder hier bist«, meinte Donna lächelnd. »Wir haben dich vermisst.«

Sharon lehnte sich lässig an die Theke. »Wo ist Benji?«

»Dave passt auf ihn auf.« Donna sah richtig stolz aus, wenn sie von ihrem Mann und dem kleinen Sohn sprach. »Wenn ich den Wildfang frei im Laden herumlaufen lasse, gibt es immer Ärger. Nach dem Mittagessen übernimmt Dave das Geschäft, und ich gehe nach oben.«

»Es ist schon sehr praktisch, dass ihr direkt über eurem Laden wohnt«, bemerkte Sharon.

Das war das Stichwort, auf das Donna gewartet hatte. Sofort ging sie auf das Thema ein. »Sharon, trägst du dich immer noch mit dem Gedanken, dein Haus umzubauen?«

»Ich bin fest entschlossen«, erklärte Sharon. »Ein kleiner Antiquitätenladen hat in dieser Gegend bestimmt Aussicht auf Erfolg, zumal mit dem Museum, das ich angliedern will.«

»Aber ein eigenes Geschäft ist ein solches Risiko«, gab Donna zu bedenken, die der Glanz in Sharons Augen beunruhigte. Er zeigte sich immer dann, wenn sie einen ihrer waghalsigen Pläne ausheckte. »Denk doch nur an die Ausgaben …«

»Ich habe genug Geld«, tat Sharon Donnas pessimistischen Einwand ab. »Und genug Ware, um den Laden fürs Erste zu füllen. Das Haus ist vollgestellt mit Antiquitäten. Ich werde diesen Plan verwirklichen, Donna«, versicherte sie, um die Skepsis der Freundin zu zerstreuen. »Mein eigenes Haus, mein eigenes Geschäft.« Sie deutete auf die gefüllten Regale ringsum. »Gerade du solltest das doch verstehen.«

»Ja, aber ich habe Dave, der mir hilft und in jeder Situation zur Seite steht. Ich glaube nicht, dass ich das Geschäft ganz allein führen könnte.«

»Es wird schon gut gehen. Ich weiß bereits ganz genau, wie alles aussehen wird, wenn es fertig ist.«

Versonnen blickte sie vor sich hin.

»Aber bedenke doch nur die Umbauten.«

»An der Architektur des Hauses werde ich nichts ändern«, erklärte Sharon. »Das Wichtigste sind die Reparaturen, und die hätte ich ohnehin vornehmen müssen.«

»Aber du brauchst einen Gewerbeschein und alle möglichen anderen Papiere.«

»Ich habe bereits alles beantragt.«

Donnas resignierten Seufzer tat sie mit einem sorglosen Lachen ab. »Die Lage meines Landes ist zwar nicht erstklassig, aber ich weiß genug über Antiquitäten, und ich kann dir jede Schlacht des amerikanischen Bürgerkrieges auswendig hersagen.«

Donna konnte auf diese Behauptung nicht näher eingehen, denn in diesem Moment bimmelte die Ladenglocke, und ein Kunde trat ein. »Hallo, Stuart«, begrüßte sie den jungen Mann, mit dem sie die nächsten zehn Minuten die Neuigkeiten des kleinen Ortes besprach, während sie seine Einkäufe zusammenpackte und das Geld kassierte.

»Stuart ist noch immer ganz der Alte«, sagte Donna, nachdem der junge Mann den Laden verlassen hatte. »Kannst du dich noch an unsere Schulzeit erinnern? Er war ein paar Klassen über uns, Kapitän der Fußballmannschaft und sogar im verschwitzten Trainingsanzug noch der bestaussehende Junge.«

»Dafür hat er nie viel im Kopf gehabt«, bemerkte Sharon trocken.

»Ich weiß, du warst immer mehr für die intellektuellen Typen. Hej,«, fuhr sie fort, ehe Sharon etwas erwidern konnte, »ich habe vielleicht einen für dich.«

»Was hast du?«

»Einen Intellektuellen. So kommt er mir wenigstens vor. Er ist außerdem dein Nachbar«, fügte sie mit verschmitztem Lächeln hinzu.

»Mein Nachbar?«, fragte Sharon verständnislos.

»Er hat das Haus vom alten Farley gekauft. Letzte Woche ist er eingezogen.«

»Das Haus vom alten Farley?« Fragend hob Sharon die Brauen. »Nach dem Feuer damals ist doch von dem Haus nicht mehr viel übrig geblieben. Welcher Dummkopf kauft denn so einen heruntergekommenen Schuppen?«

»Er heißt Victor Banning und kommt aus Washington«, erklärte Donna.

Sharon zuckte die Schultern. »Das Land ist wahrscheinlich einiges wert, auch wenn mit dem Haus nicht mehr viel anzufangen ist.« Sie ging zu einem Regal, nahm sich ein Pfund Kaffee heraus und stellte die Dose auf den Ladentisch. »Bestimmt hat er das Grundstück gekauft, damit er etwas von der Steuer abschreiben kann.«

»Das glaube ich nicht.« Donna tippte die Preise für den Pfannkuchen und den Kaffee in die Ladenkasse und wartete, bis Sharon ein paar Geldscheine aus ihrer Hosentasche gefischt hatte. »Er renoviert das Haus.«

»Der Typ muss Unternehmungsgeist besitzen.« Abwesend steckte Sharon das Wechselgeld ein.

»Und er macht alles ganz allein«, fügte...

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