Die schöne Ballerina

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. September 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12102-0 (ISBN)
 
Lindsay gibt der kleinen Ruth, die vor kurzem ihre Eltern verlor, Ballettunterricht. Das Mädchen ist äußerst begabt und Lindsay möchte sie gerne nach New York zum Tanzen schicken. Nur so hat Ruth Aussicht auf eine Karriere. Seth, der Onkel des Mädchens, der die Erziehung übernommen hat, will seine Nichte nicht weggeben. Während Lindsay und Seth ihre eigene Anziehung nicht mehr verbergen können und sich immer besser kennenlernen, steht die Frage um die Zukunft des Mädchens zwischen ihnen. Beide wollen das Beste für das hinreißende Mädchen, aber was ist das Beste?

  • Deutsch
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  • Deutschland
Heyne
  • 0,41 MB
978-3-641-12102-0 (9783641121020)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Zwei Stunden später stand Lindsay am Eingang ihres Studios zum Empfang der Gäste bereit.

Sie trug eine weit geschnittene perlgraue Seidenbluse und einen schmalen Rock aus weicher Wolle im gleichen Farbton. Ihr Haar fiel glänzend und weich auf die Schultern. Sie wirkte ruhig, selbstsicher und sehr elegant.

Der größte Raum der Schule war heute Abend kaum wieder zu erkennen. Für den Auftritt der kleinen Tänzerinnen hatten Lindsay und ihre Helferinnen vor der Spiegelwand eine Bühne aufgebaut, deren Vorhang im Augenblick noch heruntergelassen war.

Vor der Bühne gruppierten sich im Halbkreis die Sitzplätze der Zuschauer. An der Wand, gleich neben dem Eingang, standen auf einem langen Tisch Erfrischungen wie Kaffee und Kuchen, hübsch dekorierte Appetithappen und Käsespieße bereit. Für die Kinder gab es Limonade und heiße Schokolade.

Je mehr sich der kleine Saal füllte, desto lauter wurde das Stimmengewirr, denn fast jeder Besucher entdeckte Freunde oder Bekannte unter den Anwesenden, und überall fanden sich Gruppen und Grüppchen in lebhaftem Gespräch zusammen.

Von der Stereoanlage hinter der Bühne klang leise klassische Musik herüber, die Lindsay sorgfältig ausgewählt hatte, um das Publikum auf die bevorstehende Aufführung einzustimmen.

Im Augenblick bemühte sie sich, jeden Besucher so freundlich und zuvorkommend zu begrüßen, als wäre gerade er ein besonders gern gesehener Gast. Sie unterhielt sich mit Vätern und Müttern, Großeltern und Geschwistern und beantwortete geduldig immer wieder die gleichen Fragen. Niemand konnte ahnen, wie sehr sie sich zusammennehmen musste, um nach außen hin so ruhig und gelassen zu wirken.

Es nützte gar nichts, dass sie sich immer wieder sagte, es sei einfach lächerlich, wegen einer einfachen Schulaufführung Lampenfieber zu haben. Sie war fast so aufgeregt wie früher vor ihren eigenen Auftritten als Solotänzerin.

Was bedeutete es schon, dass die Generalprobe so gut verlaufen war. Lindsay war zwar nicht, wie viele ihrer Künstlerkollegen, der Meinung, eine gelungene Generalprobe fordere das Unglück geradezu heraus, aber wie leicht konnte die eine oder andere ihrer Schülerinnen beim Anblick der vielen Menschen nervös werden.

Lindsay hoffte nur, die Zuschauer würden über Fehler hinwegsehen und mit Applaus nicht sparen, denn die Kinder hatten für das heutige große Ereignis monatelang fleißig und begeistert geübt und verdienten wirklich, für ihre Mühe belohnt zu werden.

Gerade war Mr Dingly, der Vater der kleinen Roberta, hereingekommen. Er schüttelte Lindsay die Hand. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vätern war er jedoch nicht im Anzug erschienen, sondern ganz leger in einer hellen Hose mit Pullover.

Lindsay hatte es absichtlich unterlassen, auf ihren Einladungen um offizielle Kleidung zu bitten, weil sie wusste, wie sehr das Gelingen ihrer Vorführabende davon abhing, dass die Eltern ihrer Schülerinnen sich wohlfühlten. So schuf sie für diese Zusammenkünfte zwar stets einen festlichen Rahmen, sorgte aber gleichzeitig für eine ungezwungene und entspannte Atmosphäre. Entspanntes Publikum war leichter zufriedenzustellen, und zufriedene Zuschauer machten bei ihren Freunden und Bekannten Reklame für Lindsays Schule. Hauptsächlich dieser Mund-zu-Mund-Propaganda verdankte Lindsay den schnellen Erfolg ihres Studios.

Aber noch aus einem anderen Grund lag Lindsay sehr daran, die Schülervorführungen zu einem besonderen Erlebnis für Groß und Klein zu gestalten. Sie war sich darüber klar, dass viele Eltern und Großeltern auf ein beliebtes Fernsehprogramm oder auf einen gemütlichen Abend zu Hause oder mit Freunden verzichtet hatten, um den kleinen Tänzerinnen durch ihre Anwesenheit eine Freude zu machen, und Lindsay fand, so viel selbstlose Liebe müsse belohnt werden.

So bemühte sie sich immer wieder, Abwechslung in das Programm zu bringen. Für jedes Kind schrieb sie eine spezielle Choreografie, die seinem Können entsprach, damit es seinen Angehörigen zeigen konnte, wie viel es im letzten Jahr schon gelernt hatte.

Als am Nachmittag das Unwetter losbrach, hatte sich Lindsay schon auf einen halb leeren Zuschauerraum gefasst gemacht. Darum empfand sie jetzt, beim Anblick der vielen Menschen, die sich weder von Sturm noch Regen hatten abschrecken lassen, Dankbarkeit und Rührung.

In diesem Augenblick war sie froh, nach Cliffside zurückgekehrt zu sein. Gewiss, sie hatte New York geliebt - die erregende Atmosphäre der Großstadt, die Herausforderung ihres Berufes -, aber sie schätzte die beschauliche Ruhe ihrer jetzigen Umgebung und fühlte sich den Menschen dieser kleinen Stadt verbunden.

Vielleicht sollte jeder einmal seine Heimat verlassen, dachte sie, um später zurückzukehren. Nicht unbedingt, um für immer dort zu bleiben, aber um den Ort der Kindheit als Erwachsener aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Gerade lächelte die Mutter einer ihrer Schülerinnen Lindsay von Weitem zu. Sie hatte sie früher als Babysitter betreut, wenn die Eltern abends ausgegangen waren. Wie schön war es, so viele vertraute Gesichter um sich versammelt zu sehen, Gesichter, von denen sie die meisten schon seit ihrer Kindheit kannte.

»Lindsay!«

Lindsay drehte sich erfreut um und begrüßte eine ehemalige Schulkameradin, deren Tochter die Anfängerklasse besuchte.

Jackie hatte sich in den letzten Jahren kaum verändert. Sie war hübsch und schlank wie als junges Mädchen und wirkte immer noch genauso tüchtig wie damals, als sie neben ihrer harten Arbeit für die Schule noch in vielen Komitees tätig gewesen war.

»Hallo, Jackie! Wie schön, dich zu sehen. Ist dein Mann auch mitgekommen?«

»Natürlich, was denkst du denn? Und auch unser Sohn. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie aufgeregt wir alle sind!«

Lindsay folgte Jackies Blicken und entdeckte deren Mann, der sich gerade mit einem der anderen Herren unterhielt. Jackie hatte den früher von allen Mädchen umschwärmten Leichtathleten ein Jahr nach ihrer Abschlussprüfung geheiratet. Inzwischen war er zum Direktor einer großen Versicherungsgesellschaft aufgestiegen. Jetzt sah er zu Lindsay herüber und winkte ihr lebhaft zu.

»Das gehört sich auch so. Je größer das Lampenfieber, desto besser die Vorstellung, heißt es«, tröstete Lindsay die Freundin.

»Na, hoffentlich hast du damit recht. Patsy liegt so viel daran, ihren Vater heute zu beeindrucken. Du weißt ja, wie sehr sie an ihm hängt.«

»Keine Sorge! Sie wird ihre Sache großartig machen. Und Daddy wird begeistert sein, wenn er seine Tochter in ihrem neuen Röckchen sieht. Übrigens, ich habe mich noch gar nicht richtig für deine Hilfe beim Nähen der Kostüme bedankt. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.«

»Oh, das hat mir großen Spaß gemacht«, versicherte Jackie. Mit einer Kopfbewegung deutete sie auf ein älteres Ehepaar, das gerade auf den Tisch mit Erfrischungen zusteuerte. »Wenn nur die Großeltern nichts an Patsy auszusetzen haben.«

Lindsay musste lachen, denn sie wusste, wie sehr gerade diese Großeltern ihrer jüngsten Enkelin zugetan waren. Die Kleine konnte in ihren Augen überhaupt nichts verkehrt machen.

»Du hast gut lachen«, meinte Jackie mit leichtem Vorwurf in der Stimme. »Kannst du dir vorstellen, wie schwierig der Umgang mit Großeltern manchmal sein kann? Und erst recht mit der übrigen angeheirateten Verwandtschaft!« Sie sah Lindsay von der Seite an und fügte, als sei es ihr gerade eingefallen, hinzu: »Ach, was ich noch sagen wollte . kannst du dich an meinen Vetter Ted erinnern?«

Lindsay ahnte, was kommen würde. Ihre Antwort klang sehr zurückhaltend. »Ja.«

»Er hat in nächster Zeit geschäftlich hier in der Gegend zu tun und kann ein paar Tage bei uns bleiben.« Jackie tat ganz unbefangen. »Er hat sich am Telefon wieder nach dir erkundigt.«

»Jackie .«, begann Lindsay mit fester Stimme, aber ihre Freundin ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen.

»Warum lässt du dich nicht einmal von ihm zum Abendessen einladen? Seit er dich im vorigen Jahr bei uns kennengelernt hat, ist er tief beeindruckt von dir. Ständig fragt er, ob ich dich in letzter Zeit gesehen hätte und wie es dir geht. Ted wird nur einige Tage in Cliffside sein, du brauchst also keine Angst zu haben, er könnte dir lästig werden. Habe ich dir eigentlich schon erzählt, dass er in New Hampshire ein außerordentlich gut gehendes Geschäft besitzt? Eisenwaren.«

»Ja.« Lindsay bemühte sich, ruhig zu bleiben.

Es gehörte zweifellos zu den Nachteilen des Kleinstadtlebens, dass ständig irgendwelche wohlmeinenden Freunde oder Bekannte das Bedürfnis hatten, unverheiratete junge Frauen unter die Haube zu bringen. Seit es ihrer Mutter gesundheitlich wieder besser ging, bemühte man sich immer häufiger, Lindsay mit heiratsfähigen jungen Männern bekannt zu machen.

So konnte es nicht weitergehen. Lindsay waren die Einladungen lästig, und sie mochte es nicht, wenn andere sich in ihre Privatangelegenheit einmischten. Das wollte sie ein für alle Mal klarstellen.

»Jackie, du weißt, wie beschäftigt ich bin .«

»Natürlich, Lindsay. Und ich bewundere dich für das, was du in so kurzer Zeit aus der Schule gemacht hast. Die Kinder sind alle ganz verliebt in dich. Aber eine Frau sollte nicht nur für ihre Arbeit leben. Sie braucht auch mal ein wenig Abwechslung und Unterhaltung, meinst du nicht?« Ohne eine Antwort abzuwarten, erkundigte sie sich: »Zwischen Andy und dir ist doch nichts Ernstes?«

»Nein. Wieso? Aber...

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