Wo mein Herz wohnt

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12123-5 (ISBN)
 
Geh, wohin dein Herz dich trägt! Jillian Baron folgt dem Ruf und kehrt auf die Ranch ihres Großvaters nach Montana zurück. Der weite Himmel, die schneebedeckten Berggipfel in der Ferne und die grenzenlose Freiheit bedeuten für sie das Paradies auf Erden. Nur die langjährige Fehde zwischen den Barons und ihren Nachbarn, den Murdocks, trübt die Idylle. Aaron Murdock, selbstbewusst, impulsiv, stolz, hält die neue Eignerin zunächst für ein unverbesserliches City-Girl, das besser daran täte, ihm die Ranch zu verkaufen. Aber davon will die selbstbewusste, unabhängige junge Frau nichts wissen.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,46 MB
978-3-641-12123-5 (9783641121235)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Der Wind schlug gegen Jillians Wangen und strich durch ihr Haar. Er duftete nach Frühling und Blüten, und Jillian hob ihm ihr Gesicht herausfordernd und genussvoll entgegen. Die schlanke Stute unter Jillian drängte auf eine schnellere Gangart, und solange die Sonne hoch am Himmel stand, wollten sie reiten - zwei freiheitsliebende Wesen, Pferd und Reiterin.

Kurzes, hartes Gras wurde unter den Hufen ebenso zerstampft wie wild wachsende Blumen. Jillian achtete nicht auf die Butterblumen, während sie dem hart getretenen, rötlichbraunen Pfad zustrebte, der von silbergrauem Salbei gesäumt wurde.

Es gab keine Bäume auf dieser rauen, offenen Ebene, aber Jillian suchte ohnedies keinen Schatten. Sie galoppierte an einem Weizenfeld entlang, das in der Sonne dalag, ohne dass auch nur ein Lufthauch die Halme rascheln ließ. Danach kamen Wiesen. Viele Morgen Wiesen, die fast schon für die erste Heuernte bereit waren. Jillian lauschte dem Ruf einer Feldlerche, während sie weiterritt. Sie war keine Farmerin, und hätte jemand sie so bezeichnet, hätte sie je nach Stimmung gelacht oder gefaucht.

Die Felder wurden bestellt, weil die Ernte gebraucht wurde, genau wie die Gemüsefelder bebaut und gepflegt wurden. Selbstversorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln machte unabhängig. Und für Jillian gab es nichts Wichtigeres. In guten Jahren blieb genug von der Ernte, um ein paar Extradollars abzuwerfen. Ein paar Extradollars bedeuteten mehr Vieh. Bei allem ging es um Vieh.

Jillian war Rancher, genau wie ihr Großvater einer gewesen war und vor ihm sein Vater.

Das Land erstreckte sich so weit, wie Jillian sehen konnte. Ihr Land, sanft rollend und fruchtbar. Morgen um Morgen war mit sprießendem Korn bedeckt, und dahinter lagen die Ebenen und Weiden, auf denen das Vieh und die Pferde grasten. Doch Jillian ritt heute nicht die Zäune ab. Sie zählte auch nicht das Vieh oder brütete über den Büchern in dem nach Leder und Eiche riechenden Büro ihres Großvaters. Heute wollte sie Freiheit, und sie nahm sich Freiheit.

Jillian war nicht auf den wilden, weiten Ebenen Montanas aufgewachsen. Sie war nicht im Sattel geboren worden. Sie war in Chicago aufgewachsen, weil ihrem Vater die Medizin mehr als die Viehzucht bedeutete, weil er den Osten dem Westen vorzog. Jillian hatte ihm das, im Gegensatz zu ihrem Großvater, nie vorgeworfen. Jeder Mensch hatte das Recht, über sein eigenes Leben zu bestimmen. Und deshalb war sie hierher zurückgekehrt, zurück zu ihren Wurzeln. Das war vor fünf Jahren gewesen, als sie zwanzig wurde.

Auf dem Hügel hielt Jillian die Stute an. Von hier reichte ihr Blick über die Felder zu den Weiden, die von einem aus dieser Entfernung unsichtbaren Zaun umgeben waren. Der Goldrausch hatte ihre Vorfahren angelockt, das Land hatte sie festgehalten. Es hielt auch Jillian fest.

Wären ihre Ahnen weiter in die Berge gezogen, hätten sie Gold gewaschen und Nuggets eingesammelt, sie hätten nichts Wertvolleres als dieses Land finden können.

Auch Jillian hatte den Wert des Landes auf den ersten Blick erkannt. Sie war zehn gewesen, als sie zusammen mit ihrem Bruder Marc auf die Utopia-Ranch hierher in den Westen gekommen war. Marc war schon sechzehn gewesen und hatte sich für Viehzucht genauso wenig wie der Vater interessiert.

Beim Anblick der Ranch hatte Jillian mit zehn gewusst, dass sie nichts in den Straßen von Chicago zu suchen hatte, sondern für diesen offenen Himmel und das endlose Land bestimmt war. Mit zehn hatte sie Liebe auf den ersten Blick erfahren.

Aber es war keine Liebe auf den ersten Blick zu ihrem Großvater gewesen. Er war ein harter, wettergegerbter, eigensinniger alter Mann gewesen. Die Ranch und die Herde waren sein Leben, und er hatte nicht die geringste Ahnung gehabt, was er mit einem dürren Mädchen anfangen sollte, das zufällig die Tochter seines Sohns war. Tagelang hatten sie einander misstrauisch umkreist, bis ihr Großvater ein paar bissige Bemerkungen über ihren Vater und seine Vorliebe für Pillen und Spritzen gemacht hatte. Jähzornig hatte Jillian ihren Vater verteidigt, und zuletzt hatten Großvater und Enkelin einander angeschrien, und Jillian hatte mit rot glühendem Gesicht und brennenden Augen nicht einmal unter der Drohung eines Ledergürtels nachgegeben.

Am Ende dieses Besuchs hatten sie sich mit einer Mischung aus gegenseitigem Respekt und Abneigung getrennt. Dann schickte ihr der Großvater einen maßgeschneiderten lederfarbenen Stetson zum Geburtstag. Und damit begann es.

Vielleicht hatten sie einander deshalb so tief lieben gelernt, weil sie sich Zeit gelassen hatten. Während der sporadischen Besuchswochen in ihrer Jugend hatte ihr der Großvater alles beigebracht. Wie man das Wetter nach dem Geruch der Luft und dem Aussehen des Himmels bestimmte, wie man einem Kalb auf die Welt half, wie man den Zaun zur Kontrolle abritt und einen Stier einfing. Und nachdem Jillian zum ersten und einzigen Mal geraucht hatte, hatte er ihr den Kopf gehalten, als ihr schlecht wurde. Er hatte nicht geschimpft.

Als seine Augen schwach wurden, hatte Jillian die Bücher übernommen. Sie hatten nie über Jillians endgültigen Umzug auf die Ranch gesprochen, auch nicht darüber, dass sie mit Großvaters fortschreitender Krankheit immer mehr Pflichten übernahm.

Als er starb, gehörte die Ranch ihr. Sie blieb und begrub die Erinnerungen an den Osten leichter als ihren Großvater.

»Du alter Brummbär«, murmelte sie. »Ich werde es dir zeigen und Utopia zu der besten Ranch in Montana machen.« Lachend warf sie den Kopf zurück und blickte zum Himmel. »Du wirst schon sehen!«

Die Stute fühlte den Stimmungswechsel ihrer Reiterin, tänzelte unruhig und warf den Kopf hoch.

»Schon gut, Delilah.« Jillian beugte sich vor und tätschelte den hellen Hals des Pferdes. »Wir haben noch den ganzen Nachmittag vor uns.« Sie zog die Stute herum und ließ sie den Hang hinuntertraben.

Diese Stunden waren umso kostbarer, als Jillian sie sich gestohlen hatte. Es gab viel zu viel zu tun, und der verdammte Jeep war schon zum dritten Mal in diesem Monat liegen geblieben. Und dann war da der Zaun an der Grenzlinie.

Die Murdock-Grenze. Jillian verzog das Gesicht.

Die Fehde zwischen den Barons und den Murdocks reichte in die Anfänge des Jahrhunderts zurück, als Noah Baron, ihr Urgroßvater, in den Südosten Montanas gekommen war, um sich dort anzusiedeln. Die Murdocks waren schon hier gewesen auf ihrer weitläufigen, reichen Ranch. Die Barons waren in ihren Augen Bauern, Eindringlinge, die entweder scheitern oder vertrieben werden mussten. Jillian wurde noch immer ganz wütend, wenn sie sich an die Geschichten ihres Großvaters erinnerte, Geschichten von zerschnittenen Zäunen, gestohlenem Vieh und verwüsteten Ernten.

Aber die Barons waren geblieben, hatten überlebt und waren erfolgreich. Nein, sie besaßen nicht so viel Land wie die Murdocks, auch nicht so viel Geld, aber sie hatten sich behauptet. Das wäre leichter gewesen, hätte ihr Großvater genau wie die Murdocks Öl gefunden, aber Öl war eine Glückssache und hatte nichts mit Fähigkeiten zu tun.

Die Murdocks konnten es sich eben leisten, preisgekrönte Zuchtrinder zu halten und stolz mit den Blauen Bändern zu winken. Was soll's, dachte Jillian. Sie selbst züchtete eben ihre einfachen Hereford-Rinder.

Jillian kannte diesen Pfad gut. Er verlief auf dem westlichsten Teil ihres Landes, das hier zu hart für den Pflug und zu trocken für Weiden war. Niemand kam hierher, weder von ihrer Ranch noch von der Double-M-Ranch der Murdocks, deren Land parallel zu dem Weg verlief. Sogar der Zaun, der vor Jahren die Grenze markiert hatte, war zerrissen, und niemand kümmerte sich darum. Niemand mochte diesen nutzlosen Streifen Erde, weshalb sie ihn umso mehr liebte.

Es gab ein paar Bäume, Espen, die erstes Grün ansetzten. Eine Grasmücke ließ ihren Gesang ertönen. Vielleicht gab es hier auch ein paar Kojoten, ganz bestimmt aber Klapperschlangen. Jillian war nicht so verzückt, dass sie nicht daran gedacht hätte. Ein geöltes und geladenes Gewehr war hinter ihrem Sattel festgeschnallt.

Die Stute witterte das Wasser des Teiches, und Jillian ließ sie laufen. Die Vorstellung, die verschwitzten Kleider auszuziehen und in die Fluten einzutauchen, reizte sie ungemein, und Delilah hätte sich vor dem langen Rückweg ausruhen können. Jillian sah schon das glitzernde Wasser vor sich, doch die Stute witterte etwas anderes und scheute. Jillian dachte sofort an eine Klapperschlange, und während sie Delilah mit einer Hand unter Kontrolle bringen wollte, griff sie mit der anderen Hand nach dem Gewehr. Bevor sie Atem holen konnte, flog sie schon durch die Luft. Jillian hatte gerade noch Zeit für einen gemurmelten Fluch, bevor sie, Gesäß voran, im Teich landete. Aber sie hatte gesehen, dass die Klapperschlange Beine hatte.

Vor Wut kochend, rappelte Jillian sich hoch und strich sich die nassen Haare aus den Augen, um den Mann auf seinem Hengst wütend anstarren zu können. Delilah tänzelte nervös, während der Mann den schimmernden Hengst ruhighielt.

Der Mann brauchte nicht auf der Erde zu stehen, damit Jillian sehen konnte, wie groß er war. Ein schwarzer Stetson beschattete ein scharfkantiges, wettergegerbtes Gesicht mit gerader Nase und gut geformtem Mund. Jillian nahm sich nicht die Zeit, die Art zu bewundern, wie der Fremde auf dem Hengst saß, lässig und doch kontrolliert, selbstbewusst und kraftvoll. Was ihr aber sofort auffiel, waren seine Augen, die fast so schwarz wie seine Haare waren - und die lachten.

Sie zog ihre eigenen Augen zu schmalen Schlitzen...

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