Wünsche werden wahr

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12097-9 (ISBN)
 
Eine neue Mom! Nichts wünschen sich die sechsjährigen Zwillinge Zeke und Zack sehnlicher zum Fest. Die blonde Nell wäre genau die Richtige für diesen Job. Doch was wird Vater Mac dazu sagen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,36 MB
978-3-641-12097-9 (9783641120979)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Taylor’s Grove hatte zweitausenddreihundertundvierzig Einwohner. Mittlerweile einen mehr, dachte Nell, als sie die Aula der Highschool betrat. Sie lebte erst seit zwei Monaten hier, aber sie fühlte sich in der kleinen Stadt mit ihren hübschen Vorgärten und kleinen Läden bereits heimisch. Vor allem genoss sie die gemächliche Lebensart, die freundlichen Schwätzchen mit den Nachbarn, liebte die Schaukeln auf der Veranda, die holprigen Gehsteige.

Wenn ihr jemand vor einem Jahr prophezeit hätte, dass sie Manhattan gegen einen winzigen Flecken im westlichen Maryland eintauschen würde, sie hätte ihn für verrückt erklärt. Und jetzt war sie die neue Musiklehrerin in Taylor’s Grove und fühlte sich pudelwohl in ihrer Rolle.

Sie hatte den Ortswechsel dringend nötig gehabt. Im letzten Jahr hatte ihre Mitbewohnerin geheiratet, und da sie sich die Miete allein nicht leisten konnte, hatte sie eine Nachfolgerin gesucht. Aber ihre neue Wohnungsgenossin war nicht lange geblieben und hatte bei ihrem Auszug alles mitgenommen, was auch nur den geringsten Wert besaß. Und das hatte dann letztlich den Anstoß dazu gegeben, dass sie mit Bob brach. Er hatte ihrer Naivität und Dummheit die Schuld an dem Desaster gegeben, und das war der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte.

Sie hatte Bob kaum den Laufpass gegeben, als die Schule, in der sie seit drei Jahren unterrichtete, ihren Stab »verschlankte«, wie man die Maßnahme schönfärberisch nannte: Nell wurde entlassen, die Stelle der Musiklehrerin gestrichen.

Von ihrem Leben waren eine leer geräumte Wohnung, die sie sich nicht mehr leisten konnte, ein ehemaliger Verlobter, der ihr die Schuld an allem gab, und die Aussicht auf Arbeitslosigkeit übrig geblieben. Da beschloss sie, New York den Rücken zu kehren.

Nachdem die Entscheidung einmal gefallen war, ging alles sehr schnell. Sie beschloss, in eine Kleinstadt zu gehen, wenn sie auch den Grund dafür nicht so recht benennen konnte. Aber ihr Gefühl hatte sie richtig geleitet. Nach diesen zwei Monaten war ihr, als hätte sie schon ihr ganzes bisheriges Leben hier verbracht.

Sie wohnte in einem renovierten alten Haus, und die Miete war so günstig, dass sie nicht auf eine Mitbewohnerin angewiesen war. Das Schulgelände mit Grund- und weiterführender Schule bis hin zur Highschool war zu Fuß erreichbar.

Sie unterrichtete seit zwei Wochen, und die erste Nervosität war längst von ihr abgefallen. Jetzt freute sie sich auf den ersten Chortermin mit ihren Schülern, entschlossen, ein Programm auf die Beine zu stellen, das die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinreißen würde.

Das alte Klavier stand mitten auf der Bühne, und Nell setzte sich davor. Die kleinen Sänger würden bald eintrudeln, bis dahin hatte sie noch ein paar Augenblicke für sich.

Sie ließ die Finger über die Tasten gleiten und stimmte einen Blues an. Auf alten verkratzten Klavieren musste man einfach Blues spielen.

»Mensch, total cool«, sagte Holly zu ihrer Freundin Kim, als sie die Tür zur Aula öffnete.

»Ja, echt.« Kim hatte den Arm um ihre beiden kleinen Cousins gelegt. »Mr. Striker hat nie solche Sachen gespielt.«

»Und was sie trägt, ist auch absolute Spitze.« Bei Holly mischte sich Bewunderung mit ein wenig Neid, als sie Nells enge Hose und das lange Hemd mit der gestreiften Weste darüber begutachtete. »Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, warum jemand aus New York ausgerechnet zu uns kommt. Hast du ihre Ohrringe gesehen? Die hat sie bestimmt aus einem tollen Laden in der Fifth Avenue.«

Nells Schmuck war in der kurzen Zeit, die sie jetzt hier war, unter ihren Schülerinnen bereits legendär geworden. Sie trug nur ausgefallene und einzigartige Stücke. Ihr fast schulterlanges dunkles Goldhaar war immer wie unabsichtlich ein wenig zerzaust, ihr etwas heiseres Lachen und ihre natürliche Art hatten ihr vom ersten Augenblick an die Zuneigung der Kinder eingebracht.

»Sie ist echt super.« Kim war im Augenblick mehr von der Musik als von Nells äußerer Erscheinung beeindruckt. »Wenn ich doch auch so spielen könnte.«

»Und ich würde gern so toll aussehen wie sie«, seufzte Holly.

Nell sah sich um und lachte. »Kommt, Mädchen. Ich gebe ein kostenloses Konzert.«

»Es klingt ganz toll, Miss Davis.« Kim hatte ihre beiden Schützlinge fest im Griff, als sie jetzt auf die Bühne zusteuerte. »Was ist das?«

»Muddy Waters. Ich glaube, ich werde den Lehrplan um ein paar Bluesstücke erweitern.« Nell betrachtete die Jungen an Kims Seite. »Hallo, ihr zwei.«

Die beiden lächelten, und dabei bildeten sich bei beiden identische Grübchen auf der linken Wange. »Können Sie auch ›Chopsticks‹ spielen?«, fragte der Junge an Kims rechter Seite.

Bevor Kim sich noch einmischen konnte, legte Nell schon los. »Na, wie war das?«, erkundigte sie sich, als der letzte Ton verklungen war.

»Spitze.«

»Entschuldigen Sie, Miss Davis. Ich muss die zwei eine Stunde hüten. Das sind Zeke und Zach Taylor.«

»Die Taylors von Taylor’s Grove«, meinte Nell und drehte sich zu den Kindern um. »Ich wette, ihr seid Brüder. Ich kann da eine kleine Familienähnlichkeit entdecken.«

Die beiden Jungen kicherten. »Wir sind Zwillinge«, erklärte Zach.

»Tatsächlich? Und jetzt soll ich wahrscheinlich raten, wer wer ist.« Nell kam an den Bühnenrand, setzte sich und sah die beiden prüfend an. Beiden fehlte der linke obere Schneidezahn. Sie grinsten.

»Zeke«, sagte Nell und wies mit dem Finger auf einen Zwilling. »Und Zach.«

Die beiden nickten erfreut. »Woran haben Sie das gemerkt?«

Sie hatte es einfach nur geraten. Immerhin standen die Chancen fünfzig zu fünfzig. Aber das würde die Kinder nur enttäuschen. »Zauberei«, behauptete sie. »Singt ihr gern?«

»Na ja.«

»Dann könnt ihr heute zuhören. Ihr setzt euch in die erste Reihe und seid unser Testpublikum.«

»Danke, Miss Davis«, sagte Kim und schob die Zwillinge zur vorderen Sitzreihe. »Und da bleibt ihr sitzen«, befahl sie mit der Autorität der älteren Cousine.

Nell zwinkerte den beiden zu, stand auf und winkte dann die anderen Kinder, die sich allmählich eingefunden hatten, nach vorne. »Kommt. Fangen wir an.«

Die Zwillinge schienen die Vorgänge auf der Bühne eher zu langweilen. Zuerst wurde hauptsächlich geredet, dann wurden die Noten verteilt und die Jungen und Mädchen nach ihren Stimmen eingeteilt.

Zach beobachtete Nell. Sie hatte schöne Haare und große braune Augen. Wie mein Hund Zark, dachte er angetan. Ihre Stimme war zwar ein bisschen komisch, irgendwie kratzig und ziemlich tief, aber doch nett. Immer wieder sah sie zu ihm herüber und lächelte ihn an. Und dann schlug sein Herz immer ein bisschen schneller, als wäre er gerade gerannt.

Jetzt sang sie den Kindern auf der Bühne etwas vor. Es war ein Weihnachtslied. Zach wusste zwar nicht genau, wie es hieß, aber er hatte es seinen Vater schon spielen hören.

»Das ist sie«, zischte er und gab Zeke einen Stoß in die Rippen.

»Wer?«

»Die Mom, die wir uns gewünscht haben.«

Zeke unterbrach das Spiel mit seiner Plastikfigur und sah auf die Bühne, wo Nell angefangen hatte, die Altstimmen zu dirigieren. »Kims Lehrerin?«

»Ganz bestimmt.« Zach war schrecklich aufgeregt. »Der Weihnachtsmann hat unseren Brief inzwischen bestimmt bekommen«, flüsterte er. »Und sie sieht genauso aus, wie wir sie uns gewünscht haben. Und außerdem ist sie nett und mag uns.«

»Meinst du ehrlich?« Zeke war noch nicht ganz überzeugt. Aber hübsch war Nell schon, und sie lachte viel, auch wenn die großen Kinder einen Fehler machten. Das hieß aber noch lange nicht, dass sie Hunde mochte oder Plätzchen backen konnte.

Zach sah Zeke an. Sein Bruder war manchmal wirklich schwer von Begriff. »Aber sie hat genau gewusst, wer von uns wer ist. Zauberei, hat sie gesagt. Sie ist es bestimmt.«

»Zauberei«, wiederholte Zeke und betrachtete Nell mit großen Augen. »Glaubst du, wir müssen bis Weihnachten warten, bis wir sie kriegen?«

»Ich glaube schon.« Genau wusste er es zwar nicht, aber das bekam er schon noch heraus.

Mac Taylor stellte seinen Kombi vor der Highschool ab und versuchte, Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Er musste sich überlegen, was er den Kindern zum Abendessen kochen sollte, wie er das Problem mit dem Boden in der Meadow Street lösen wollte und wann er am besten ins Einkaufszentrum fuhr und Unterwäsche für die Jungen kaufte. Als er letztes Mal die Wäsche zusammengelegt hatte, war ihm aufgefallen, dass sie dringend der Erneuerung bedurfte. Morgen früh würde er sich gleich um die Holzlieferung kümmern, und heute Abend musste er unbedingt noch den Papierkram erledigen.

Dazu kam noch, dass Zeke in ein paar Tagen sein erstes Prüfungsdiktat schrieb und sehr aufgeregt war.

Mac steckte die Wagenschlüssel in die Hosentasche. Er hatte heute mehrere Stunden den Hammer geschwungen, und seine Schultern schmerzten. Aber das störte ihn nicht weiter. Er war zwar körperlich müde, aber es war eine gute Müdigkeit. Sie bedeutete, dass er etwas geschafft hatte. Die Renovierungsarbeiten an seinem Haus in der Meadow Street liefen ganz nach Plan, auch mit dem Geld kam er hin. Wenn er fertig war, musste er sich überlegen, ob er das Haus verkaufen oder vermieten wollte. Natürlich hatte sein Steuerberater da ein Wort mitzureden, aber die letzte Entscheidung lag bei ihm selbst.

Als er gemächlich vom...

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