Töchter der See

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Mai 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09927-5 (ISBN)
 
Eigentlich plante Shannon Bodine nur eine kurze Reise nach Irland, um ihre beiden Halbschwestern kennenzulernen. Doch sie hat nicht mit der magischen Anziehungskraft der Insel gerechnet: Es wird eine Begegnung mit einer rätselhaften Welt. Und durch ihre Träume geistert ein beunruhigend schöner Mann aus einem anderen Leben. Versucht der Traum, ihr etwas zu sagen? Der dritte Band der farbenprächtigen Irland Trilogie.
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,82 MB
978-3-641-09927-5 (9783641099275)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. Kapitel


Amanda hatte sich seit Jahren auf diesen Augenblick vorbereitet, der sich, sosehr sie es sich auch wünschte, nicht vermeiden ließ. Was dem einen der Männer, die sie geliebt hatte, gegenüber fair und richtig war, war, wie auch immer sie es sah, dem anderen gegenüber eine Ungerechtigkeit.

Aber jetzt ging es um keinen der beiden. Ebensowenig wie um ihre eigene Scham.

Jetzt ging es einzig und allein um Shannon. Um Shannon, der all ihr Mitleid galt.

Ihre schöne, brillante Tochter, die ihr nie etwas anderes als eine Freude gewesen war. Ihr ganzer Stolz. Der Schmerz der Krankheit durchfloß sie wie ein giftiger Bach, aber sie biß die Zähne zusammen, denn sie wußte, gleich empfände sie noch einen viel größeren Schmerz, verursacht durch das, was vor all den Jahren in Irland geschehen war. Von ganzem Herzen wünschte sie, sie fände einen Weg, auf dem sich das bevorstehende Leid lindern ließ.

Sie beobachtete ihre Tochter, die mit schnellen, geschmeidigen Bewegungen, hinter denen sich eine mühsam gezügelte Energie verbarg, aus der Küche kam. Sie bewegt sich wie ihr Vater, dachte Amanda. Nicht wie Colin. Der liebe, herzensgute Colin hatte immer die schwerfällige Tapsigkeit eines übergroßen Welpen gehabt.

Ganz anders als Tommy, der stets leichtfüßig gewesen war.

Auch Tommys Augen hatte Shannon geerbt. Das strahlende Moosgrün, klar wie ein sonnenbeschienener See. Und das schimmernde kastanienbraune Haar war ebenfalls von ihm. Die Form ihres Gesichts, die seidige Haut und den weichen, vollen Mund allerdings hatte sie von ihr.

Aber es war Colin gewesen, Gott hab ihn selig, von dem sie Entschlossenheit, Ehrgeiz und Selbstvertrauen gelernt hatte.

Sie lächelte, als Shannon ihr mit dem Lappen über die verschwitzten Brauen fuhr. »Ich habe dir gar nicht oft genug gesagt, wie stolz du mich machst, Shannon.«

»Natürlich hast du das.«

»Nein, ich habe dich stets spüren lassen, wie enttäuscht ich war, weil du dich nicht für die Malerei entschieden hast. Das war egoistisch von mir. Dabei weiß ich besser als die meisten Menschen, daß eine Frau ihren eigenen Weg finden muß.«

»Du hast nie versucht, mir auszureden, nach New York oder in die Werbebranche zu gehen. Außerdem male ich ja noch«, fügte sie mit einem ermutigenden Lächeln hinzu. »Im Augenblick bin ich mit einem Stilleben beschäftigt, das dir bestimmt gefallen wird.«

Weshalb nur hatte sie ihre Malsachen nicht mitgebracht? Verdammt, weshalb hatte sie nicht an ein paar Farben oder wenigstens an einen Skizzenblock gedacht? Dann hätte sie bei ihrer Mutter sitzen und ihr die Freude bereiten können, daß sie sie beim Zeichnen zusehen ließ.

»Das hier ist eins meiner Lieblingsbilder.« Amanda wies auf das Portrait an der Wand. »Das Bild von deinem Vater, wie er auf einer Liege im Garten liegt und schläft.«

»Wie er sich geistig aufs Rasenmähen vorbereitet«, verbesserte Shannon und lächelte. Sie legte den Lappen beiseite und setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett. »Und jedesmal, wenn wir gefragt haben, warum er nicht irgendeinen Schüler den Rasen mähen läßt, hat er behauptet, die Bewegung täte ihm gut, ist rausgegangen und hat sich schlafen gelegt.«

»Er hat mich immer zum Lachen gebracht. Ich vermisse ihn.« Amanda strich über Shannons Handgelenk. »Und ich weiß, daß du ihn ebenfalls vermißt.«

»Ich denke immer noch, daß er jeden Augenblick zur Tür reinkommen muß. >Mandy, Shannon<, würde er sagen, >zieht eure besten Kleider an, ich habe gerade für einen Klienten zehntausend Dollar gemacht und lade euch zum Essen sein.<«

»Er hat es geliebt, Geld zu verdienen«, sagte Amanda in versonnenem Ton. »Es war wie ein Spiel für ihn. Dabei ging es nie um Dollar oder Cent, nie um Habgier oder Selbstsucht, sondern nur um den Spaß. Genau wie er gerne alle paar Jahre umgezogen ist. >Laß uns weiterziehen, Mandy Was meinst du, probieren wir mal Colorado oder Memphis aus?«<

Lachend schüttelte sie den Kopf. Oh, es tat gut zu lachen, nur für einen Augenblick so zu tun, als plauderten sie nett miteinander wie so oft zuvor. »Und als wir schließlich hierher kamen, sagte ich, ich hätte lange genug Zigeuner gespielt, und nun wollte ich für uns alle ein richtiges Heim. Und er ließ sich hier nieder, als hätte er nur auf den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort gewartet, um endlich zu Hause zu sein.«

»Er hat dieses Haus geliebt«, murmelte Shannon. »Genau wie ich. Das häufige Umziehen hat mir nie etwas ausgemacht. Er hat es immer zu einem Abenteuer werden lassen. Aber ich erinnere mich daran, wie ich ungefähr eine Woche nach unserem Einzug in meinem Zimmer saß und dachte, ich würde gerne auf Dauer hierbleiben.« Sie sah ihre Mutter lächelnd an. »Ich schätze, daß es uns allen ähnlich ging.«

»Er hätte Berge für dich versetzt, hätte für dich gegen Tiger gekämpft.« Amandas Stimme zitterte, doch dann beherrschte sie sich. »Weißt du überhaupt, Shannon, bist du dir wirklich klar darüber, wie sehr er dich geliebt hat?«

»Ja.« Sie nahm die Hand ihrer Mutter und hob sie an ihr Gesicht. »Ich weiß es.«

»Vergiß es nicht. Vergiß es nie. Ich muß dir Dinge erzählen, Shannon, die sicher schmerzlich für dich sind, die dich zornig machen und verwirren werden. Es tut mir leid.« Sie atmete tief ein.

Neben der Liebe und der Trauer hatte sie noch etwas anderes in ihrem Traum verspürt. Dringlichkeit. Amanda wußte, ihr blieben noch nicht einmal mehr die mageren drei Wochen, die der Arzt versprochen hatte, als sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war.

»Mom, ich weiß, was du meinst. Aber es gibt immer noch Hoffnung. Es gibt immer Hoffnung.«

»Es hat nichts mit dem hier zu tun«, sagte sie, wobei sie mit der Hand in Richtung der Krankenpflegeutensilien wies. »Es hat mit der Vergangenheit zu tun, mein Liebling, mit der Vergangenheit. Mit der Zeit, als ich mit einer Freundin in Irland war.«

»Ich wußte gar nicht, daß du jemals in Irland warst.« Irgend etwas daran kam Shannon eigenartig vor. »Bei all den Reisen, die wir unternommen haben, habe ich mich immer gewundert, weshalb wir nie in Irland waren, obwohl sowohl deine wie auch Dads Vorfahren aus Irland stammen. Aber auch wenn ich niemals dort war, habe ich mich dem Land immer auf eigenartige Weise - verbunden gefühlt.«

»Hast du das?« fragte Amanda sanft.

»Ich kann es nur schwer erklären«, murmelte Shannon. Da sie nicht sonderlich romantisch veranlagt war, kam sie sich ein wenig närrisch vor, und so lächelte sie. »Ich habe mir immer gesagt, falls ich je einen längeren Urlaub machen würde, dann dort. Aber nach meiner Beförderung und mit dem neuen Aufgabenbereich -« Sie zuckte mit den Schultern, denn allein der Gedanke an einen längeren Urlaub war absurd. »Trotzdem, ich erinnere mich noch daran, daß du immer, wenn ich vorschlug, einmal nach Irland zu fliegen, den Kopf geschüttelt und gesagt hast, es gäbe so viele andere Länder zu sehen.«

»Ich ertrug den Gedanken an eine Rückkehr einfach nicht, und dein Vater hatte Verständnis dafür.« Amanda preßte die Lippen zusammen und sah ihre Tochter aufmerksam an. »Bitte bleib hier und hör mich an. Und oh, versuch bitte, bitte, mich zu verstehen.«

Shannon spürte, wie ihr eine neue Angst den Rücken hinaufzukriechen begann. Was konnte schlimmer sein als der Tod, überlegte sie. Und weshalb fürchtete sie sich vor dem, was ihrer Mutter offenbar so wichtig war?

Aber sie blieb sitzen und nahm behutsam Amandas Hand.

»Du bist erregt«, sagte sie. »Und du weißt, daß du dich nicht aufregen darfst.«

»Und daß ich mir schöne Gedanken machen soll«, fügte Amanda, die Spur eines Lächelns auf den Lippen, hinzu.

»Es kann funktionieren, daß der Geist über die Materie siegt. So vieles, was ich darüber gelesen habe -«

»Ich weiß.« Nun hatte sich selbst die Spur des Lächelns gelegt. »Als ich ein paar Jahre älter war, als du es jetzt bist, bin ich mit einer guten Freundin - ihr Name war Kathleen Reilly - nach Irland gereist. Es war ein großes Abenteuer für uns. Wir waren erwachsene Frauen, aber wir kamen aus sehr strengen Familien. Ich wuchs so behütet auf, daß ich über dreißig war, als ich endlich den Mut fand, etwas so Verwegenes zu tun.«

Sie drehte den Kopf, um Shannon anzusehen, während sie sprach. »Du kannst das sicher nicht verstehen. Du warst immer schon so selbstsicher und mutig. Aber als ich in deinem Alter war, hatte ich noch nicht einmal begonnen, mich aus der anerzogenen Feigheit zu befreien.«

»Du warst nie feige.«

»Oh doch«, sagte Amanda leise. »Das war ich. Meine Eltern waren streng katholische Iren, so selbstgerecht, wie wenn man drei Päpste zusammennimmt. Ihre größte Enttäuschung  - mehr aus Gründen des Prestiges als der Religion - war, daß keins ihrer Kinder zu einem Kirchenamt berufen war.«

»Aber du warst ein Einzelkind«, unterbrach Shannon sie.

»Das war eine der Lügen, mit denen ich durchs Leben gegangen bin. Ich habe dir erzählt, ich hätte keine Familie, habe dich glauben gemacht, daß es auf meiner Seite niemanden gibt. Aber ich hatte zwei Brüder und eine Schwester, zu denen allerdings seit meiner Schwangerschaft keinerlei Kontakt mehr bestand.«

»Aber warum -« Shannon unterbrach sich. »Tut mir leid. Sprich nur weiter.«

»Du warst schon immer eine gute Zuhörerin. Das hast du von deinem Vater gelernt.« Sie machte eine Pause, dachte an Colin und betete, daß sie das Richtige für alle tat. »Wir standen einander nie sehr nahe,...

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