Sterne einer Sommernacht

 
 
Mira Taschenbuch Verlag
  • erschienen am 9. Januar 2019
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95576-975-8 (ISBN)
 
Für Cassie ist Devin MacKades Kuss ein verlockendes Versprechen. Keine Sekunde zweifelt sie daran, dass er alles für sie und ihre Kinder tun würde. Aber ist sie wirklich bereit für einen neuen Anfang nach ihrer ersten Ehe mit dem gewalttätigen Joe Dolin? Devin scheint entschlossen, ihr Herz zu gewinnen. Koste es, was es wolle - Zeit, Geduld, Beherrschung. Mit jedem Tag, den sie gemeinsam verbringen, und mit jeder zärtlichen Umarmung kommt er seinem erklärten Ziel etwas näher, bis Cassie erkennt: Sie muss endlich der Liebe vertrauen, wenn sie sich aus dem Teufelskreis der eigenen Angst befreien will. Schließlich ist Devin ganz anders als Joe - der immer noch von dem Gedanken besessen ist, sich an ihr zu rächen ... "Erneut berührt die meisterhafte Autorin unsere Herzen mit einer bewegenden Liebesgeschichte und lebendig geschilderten Charakteren." romantictimes
Die preisgekrönte Schriftstellerin sitzt jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch. Inzwischen hat sie über 215 Romane geschrieben, die weltweit regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Vom New Yorker wurde sie zu "Amerikas Lieblingsautorin" ernannt. Auch in Deutschland erfreut sich Nora Roberts einer großen Fangemeinde.

1. KAPITEL


Das Städtchen Antietam bot im Spätfrühling einen hübschen Anblick. Sheriff MacKade machte es Spaß, bei Sonnenschein durch die Straßen zu schlendern, ab und an stehen zu bleiben, um mit einem Bekannten ein Schwätzchen zu halten und die kleinen Veränderungen in Augenschein zu nehmen, die sich hier und da ergeben hatten.

Er liebte die Verantwortung, die man ihm übertragen hatte, und füllte sie voll aus.

Vor der Bank standen pinkfarbene Begonien in hoher Blüte, und die drei Autos am Drive-in-Schalter bedeuteten bereits fast einen Verkehrsstau.

Memorial Day stand kurz bevor, die Flaggen wehten bereits von den öffentlichen Gebäuden, und überall waren Leute dabei, geschäftig ihre Veranden zu schrubben oder neu anzustreichen in Erwartung des festlichen Ereignisses.

Auch Devin freute sich jedes Jahr auf den Memorial Day, selbst wenn dieser Tag für ihn jedes Mal einige logistische Probleme bezüglich der Verkehrsführung mit sich brachte. Schon jetzt sah er das Bild vor sich, das die Einwohner von Antietam bieten würden, ängstlich darum bemüht, einen guten Platz zu ergattern, schon Stunden vor Beginn der Parade, geduldig auf ihren mitgebrachten Klappstühlen am Straßenrand ausharrend, die Kühlboxen neben sich.

Doch was ihn am meisten erfreute, war die Begeisterung, mit der sich die Bürger der Stadt in die Vorbereitungen für dieses Wochenende warfen, wie viel Arbeit sie sich machten, um diesen festlichen Tag auch wirklich gebührend zu feiern.

Sein Vater hatte ihm von dem alten Mann erzählt, der, als er selbst noch ein kleiner Junge gewesen war, jedes Jahr am Memorial Day mit knarrenden Stiefeln in der Uniform der Konföderierten die Main Street hinuntermarschiert war - einer der letzten lebenden Augenzeugen des Bürgerkriegs.

Jetzt waren sie alle tot. Devins Blick wanderte hinüber zu dem Mahnmal auf dem großen Platz vor dem Rathaus. Tot, aber unvergessen. Zumindest in Kleinstädten wie dieser hier, an deren Mauern sich einst das Echo des Artilleriefeuers und der entsetzlichen Schreie der Verwundeten und Sterbenden gebrochen hatte.

Devin wandte sich ab, sah die Straße hinunter und seufzte. Mrs. Metz' Buick parkte wie üblich wieder einmal im Halteverbot. Verpasst du ihr einen Strafzettel? überlegte er, nahm dann jedoch wieder davon Abstand, weil er schon im Voraus wusste, wie die Sache ausgehen würde. Die streitbare Lady würde das Geld natürlich nicht wie jedermann überweisen, sondern es sich nicht nehmen lassen, es ihm höchstpersönlich zu überbringen, nur um ihm drohen zu können, ihm bei nächster Gelegenheit eine Lektion zu erteilen. Devin schnaubte ungehalten und schaute auf die Tür zur Bibliothek. Zweifellos war Mrs. Metz dort, um mit Sarah Jane Poffenberger den allerneuesten Tratsch durchzuhecheln.

Devin straffte die Schultern und ging mit elastischen Schritten die ausgetretenen Steinstufen nach oben.

Er fand sie in ein eingehendes Gespräch mit der Bibliothekarin vertieft. Neben ihrem speckigen Ellbogen türmte sich ein Bücherberg, und Devin zerbrach sich den Kopf, warum um Himmels willen eine Frau ihres Umfangs darauf bestand, schreiend bunte, groß geblümte Kleider zu tragen.

"Guten Tag, Mrs. Metz." In Erinnerung daran, dass er als Jugendlicher unzählige Male von Miss Sarah Jane auf die Straße gesetzt worden war, bemühte er sich, leise zu sprechen.

"Oh, welch eine Ehre! Unser Sheriff!" Mit einem strahlenden Lächeln drehte sich Mrs. Metz zu ihm um, wobei sie mit ihrem Ellbogen den Bücherstapel umgestoßen hätte, wenn ihn nicht Sarah Janes Geistesgegenwart vor dem Umkippen bewahrt hätte. "Wie geht es Ihnen denn an diesem herrlichen Nachmittag?"

"Danke gut, Mrs. Metz. Tag, Miss Sarah Jane."

"Hallo, Devin." Sarah Jane, das eisengraue Haar streng nach hinten frisiert, die gestärkte Bluse bis unters Kinn geschlossen, nickte ihm hoheitsvoll zu. "Sind Sie gekommen, um ,The Red Badge of Courage' zurückzubringen?"

"Nein, Ma'am." Fast wäre er rot geworden. Er hatte dieses verdammte Buch vor zwanzig Jahren verschlampt, und nicht genug damit, dass er es hatte bezahlen müssen, war ihm zur Strafe für seine Nachlässigkeit auch noch einen Monat lang verboten worden, die Bibliothek zu betreten. Selbst jetzt noch - obwohl er längst erwachsen war und den Sheriffstern trug - wäre er vor Miss Sarah Janes strafendem Blick am liebsten sofort in den Boden versunken.

"Ein Buch ist ein Schatz", belehrte sie ihn wie stets.

"Ja, Ma'am. Äh, Mrs. Metz ..." Jetzt, mehr um von sich selbst abzulenken als um der Aufrechterhaltung der Straßenverkehrsordnung willen, wandte er sich Mrs. Metz zu. "Ihr Wagen steht im Halteverbot. Schon wieder einmal."

"Ach tatsächlich?" fragte Mrs. Metz unschuldig. "Wirklich, Devin, das ist mir völlig schleierhaft, wie das wieder passieren konnte", flötete sie. "Ich hätte geschworen, dass ich diesmal ganz legal geparkt habe. Ich wollte mir nur rasch ein paar Bücher ausleihen. Bücher sind doch wirklich eine Gabe Gottes, habe ich nicht Recht, Sarah Jane?"

"Voll und ganz." Obwohl ihr Mund ernst blieb, funkelten Sarah Janes dunkle Augen amüsiert. Devin hatte Mühe, vor Ungeduld nicht aus der Haut zu fahren.

"Es ist aber nun mal so, Mrs. Metz, Sie wissen, Sie stehen im Halteverbot."

"Oh, mein Lieber, Sie werden mir doch jetzt nicht womöglich einen Strafzettel verpassen wollen?"

"Diesmal noch nicht", brummte Devin.

"Da fällt mir aber ein Stein vom Herzen. Mr. Metz wird nämlich immer sehr böse, wenn ich einen Strafzettel bekomme. Und ich bin ja auch erst ein oder zwei Minuten hier, stimmt's, Sarah Jane?"

"Keinesfalls länger als ein oder zwei Minuten", bestätigte Sarah Jane und blinzelte Devin zu.

"Wenn Sie Ihren Wagen dann jetzt vielleicht freundlicherweise wegfahren ..."

"Aber natürlich, mein Lieber. Ich eile. Sobald Sarah Jane diese Bücher hier auf meiner Karteikarte ausgetragen hat. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne meine Bücher machen sollte, wo Mr. Metz doch Tag und Nacht vor der Glotze sitzt. Trag sie aus, Sarah Jane, unterdessen kann uns Devin erzählen, was es bei seiner Familie Neues gibt."

Er wusste genau, wann man ihn aushorchen wollte, er war nicht umsonst Polizist. "Danke, gut."

"Also nein, wirklich, diese süßen Kleinen von Ihren beiden Brüdern. Ich muss sie mir unbedingt wieder einmal ansehen."

"Den Babys geht es auch sehr gut." Bei dem Gedanken wurde ihm warm ums Herz. "Sie wachsen und gedeihen."

"Oh ja, das haben Babys so an sich, stimmt's, Sarah Jane? Wachsen wie Unkraut, ohne dass man was dagegen machen kann. Jetzt haben Sie schon einen Neffen und eine Nichte."

"Zwei Neffen und eine Nichte", korrigierte Devin in Anbetracht der Tatsache, dass Savannah, Jareds Frau, einen Sohn, Bryan, mit in die Ehe gebracht hatte.

"Ja, in der Tat. Und Sie? Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wann Sie sich daranmachen wollen, auch eine Familie zu gründen?" Ihre Augen funkelten wissbegierig.

Devin blieb unerschütterlich. "Mir reicht es im Moment, Onkel zu sein."

Doch dann beschloss er, dem Verhör ein Ende zu machen. Bedenkenlos warf er seine Schwägerin den Wölfen zum Fraß vor. "Regan hat den kleinen Nate heute im Laden dabei. Ich habe vorhin kurz bei ihr reingeschaut."

"Ach wirklich?"

"Sie sagte etwas davon, dass Savannah mit Layla auch noch vorbeischauen will."

"Oh, mein Gott! Nun, dann ..." Die Aussicht, gleich beide MacKade-Frauen samt ihren Babys auf einen Schlag zu Gesicht zu bekommen, schien Mrs. Metz regelrecht zu elektrisieren. "Beeil dich, Sarah Jane. Ich habe noch eine Menge Besorgungen zu machen."

"Du kannst sofort los. Hier." Sarah Jane überreichte Mrs. Metz einen Leinenbeutel, der prallvoll war mit Büchern. Kaum hatte sich die Tür hinter der wissensdurstigen Mrs. Metz geschlossen, warf Sarah Jane Devin ein verschwörerisches Lächeln zu. "Schlau eingefädelt, Devin, wirklich. Wie immer."

"Wenn Regan herausfindet, dass ich sie ihr auf den Hals gehetzt habe, zieht sie mir das Fell über die Ohren." Er grinste. "Aber man tut, was man kann. War nett, Sie wieder mal gesehen zu haben, Miss Sarah Jane."

"Und wenn Sie die Ausgabe von ,The Red Badge of Courage' vielleicht doch noch finden sollten, bringen Sie sie vorbei, Devin MacKade. Bücher sind nicht zum Verschlampen da."

Er zuckte zusammen, dann öffnete er schnell die Tür. "Ja, Ma'am."

Trotz ihrer Leibesfülle war Mrs. Metz offensichtlich noch immer recht wendig. Als Devin auf die Straße trat, hatte sie ihren Wagen bereits aus der Parklücke hinausmanövriert und fädelte sich gerade in den dünnen Verkehrsstrom ein. Nachdem er sich beglückwünscht hatte, seine Sache gut gemacht zu haben, beschloss er, auf einen Sprung im MacKade-Inn vorbeizuschauen.

Einfach nur, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist, sagte er sich, während er in Richtung Büro trabte, um seinen Wagen zu holen. Schließlich gehörte das Hotel seinem Bruder Rafe, und es war seine, Devins, Pflicht, ein Auge darauf zu haben.

Die Tatsache, dass Cassie das Bed-and-Breakfast-Hotel führte und in der Wohnung im zweiten Stock mit ihren beiden Kindern lebte, hatte damit nicht das Geringste zu tun.

Er machte nur seinen Job.

Was natürlich nichts weiter als eine fromme Lüge war. Devin kam nicht umhin, sich das einzugestehen, während er hinter das Steuer seines Wagens kletterte.

Er hatte jetzt eben Lust, sie zu sehen. Einmal...

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