Wie Sommerregen in der Wüste

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
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978-3-641-12088-7 (ISBN)
 
Ausgerechnet unter der gleißenden Sonne Arizonas soll Amy ein Bauprojekt umsetzen, das sie für unpraktisch und protzig hält. Und dann muss sich die Bauingeneurin noch mit dem arroganten Architekten Craig herumschlagen, der seinen Entwurf für tadellos hält. Als Craig ihr auf der Baustelle das Leben rettet, muss sie sich auch noch bei ihm bedanken. Sie vereinbaren einen Waffenstillstand. Doch die intensive Anziehung nach einem gestohlenen Kuss macht den Streitenden einen Strich durch die Rechnung - und die Arbeit noch heißer, als sie ohnehin schon ist.

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Heyne
  • 0,55 MB
978-3-641-12088-7 (9783641120887)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Wenn es etwas gibt, was ich nicht gebrauchen kann, dachte Amy ein paar Tage später, dann, von meiner Arbeit weg- und in eine Besprechung hineingezogen zu werden. Am Hauptgebäude standen Handwerksarbeiten an, im Gesundheitszentrum Wasserrohrarbeiten, und sie musste die schwelende Feindschaft zwischen Rodriguez und Swaggart im Auge behalten. Nicht, dass diese Angelegenheiten nicht ohne Amy erledigt werden konnten - aber mit ihr wurden sie besser erledigt. Und hier stand sie sich in Tims Büro die Beine in den Bauch und wartete darauf, dass er sich endlich blicken ließ.

Man musste ihr nicht extra sagen, wie knapp sie in der Zeit lagen. Verdammt, sie wusste, was sie tun musste, um den Vertrag termingerecht erfüllen zu können.

Diesem Bauprojekt hatte sie sich ganz verschrieben. Jeden Tag verbrachte sie verschwitzt mit den Arbeitern und den Kontrolleuren der Behörden auf der Baustelle und fühlte sich selbst für solche Kleinigkeiten wie der Lieferung von Nieten verantwortlich. Abends fiel sie entweder bei Sonnenuntergang ins Bett oder arbeitete noch bis drei, wach gehalten von Kaffee und Ehrgeiz. Dieses Projekt hatte für sie eine ganz persönliche Bedeutung bekommen, die sie selbst nicht wirklich erklären konnte. Es stellte so etwas wie eine Danksagung dem Mann gegenüber dar, der ihr genug Vertrauen entgegengebracht hatte, um sie anzustacheln, mehr als nur das Zweitbeste zu erreichen. In gewisser Weise war dies ihr letzter Job für Thomas Thornway, und diese Arbeit wollte sie perfekt machen.

Sie würde sie perfekt machen, auch wenn sie einen Architekten hatte, der auf Materialien bestand, die die Kosten in die Höhe trieben und Verzögerungen beim Versand nach sich zogen. Sie würde perfekte Arbeit abliefern, falls sie nicht laufend für endlose Besprechungen ins Büro zitiert wurde.

Ungeduldig ging Amy auf und ab. Zeit wurde vergeudet, und nichts konnte Amy mehr aufregen als Vergeudung.

Dies war Thomas Thornways Büro gewesen. Amy hatte die kühlen Farben und das Fehlen jeglicher Schnörkel hier immer gemocht. Seit Tim es übernommen hatte, hatte es Veränderungen gegeben. Pflanzen, dachte sie und runzelte über einen Ficus die Stirn. Nicht, dass sie Pflanzen und dicke Plüschkissen nicht mochte, aber es regte sie auf, so etwas hier zu finden.

Und dann die Bilder. Thornway senior hatte Indianerkunst und Landschaftsbilder bevorzugt. Tim hatte sie durch abstrakte Malerei ersetzt, die Amy im wahrsten Sinne des Wortes auf die Nerven ging. Der neue Teppich war bestimmt acht Zentimeter dick und lachsfarben. Der alte Thornway hatte einen braunen Noppenteppich benutzt, auf dem Schmutz und Staub nicht so auffielen. Aber Tim hatte sich auch nicht oft auf Baustellen sehen lassen oder seine Vorarbeiter zum Nachmittagsdrink zu sich gebeten.

Hör auf, befahl sich Amy. Tim ging die Sachen eben anders an, und das war sein gutes Recht. Die Tatsache, dass sie seinen Vater so geliebt und bewundert hatte, bedeutete nicht automatisch, dass sie an dem Sohn herumnörgeln musste.

Doch ich kann mir nicht helfen, dachte sie, als sie den aufgeräumten, polierten Schreibtisch betrachtete. Dem Sohn fehlte einfach die Tatkraft und die Menschlichkeit des Vaters. Thornway senior hatte in erster Linie aus Liebe an Gestaltung gebaut. Für Tim war die Profitspanne die Hauptsache.

Wenn Thomas Thornway noch die Geschäfte führen würde, hätte Amy nicht den Wunsch gehabt, sich von der Firma zu lösen. Doch auch die momentane Situation hatte insofern ihren Reiz, als Amy wusste, dass es ihre letzte Arbeit für die Firma war. Sie spürte eine gewisse Erwartungshaltung, eine gespannte Neugier. Was auch immer als Nächstes kam, sie würde es für sich selbst machen.

Bei allem Reiz, die Idee hatte auch etwas Beängstigendes. So wie alles Unbekannte. So wie Craig Johnson.

Lächerlich. Er war weder beängstigend, noch hatte er Reiz. Er verwirklichte auch nichts Unbekanntes. Er war einfach nur ein Mann. Der Typ von Mann, der wusste, dass er die Blicke auf sich zog, und es genoss. Der Typ, der immer eine Masche hatte, immer eine Methode und immer eine Möglichkeit, sich zu entziehen.

Mit Männern wie Craig hatte sie schon in der Vergangenheit zu tun gehabt. Rückblickend schätzte sich Amy glücklich, dass sie nur einmal auf ein hübsches Gesicht und eine nette Masche hereingefallen war. Diesbezüglich lernten manche Frauen nie dazu und tappten immer wieder blind in die Falle. Meine Mutter ist auch so eine, dachte Amy kopfschüttelnd. Jessie Peters brauchte nur einen Blick auf einen Mann wie Craig zu werfen, um sich sofort bedingungslos ins nächste Abenteuer zu stürzen. Dem Himmel sei Dank, in diesem Fall stimmte der Spruch »Wie die Mutter, so die Tochter« nicht.

Sie, Amy, war an Craig Johnson persönlich nicht interessiert und konnte ihn selbst beruflich kaum ertragen.

Als Craig Johnson wenig später zusammen mit Tim eintrat, fragte sie sich, warum ihre Gedanken und Gefühle nicht übereinstimmten.

»Amy, Entschuldigung fürs Warten.« Tim, geschniegelt in seinem dreiteiligen Anzug, bot ihr ein freundliches Lächeln. »Das Essen hat sich etwas in die Länge gezogen.«

Sie hob nur eine Augenbraue. Diese Besprechung hatte sie ganz auf ihr Essen verzichten lassen. »Ich bin mehr daran interessiert zu erfahren, warum Sie mich von der Baustelle herzitiert haben.«

»Ich dachte, wir sollten uns gegenseitig auf den neusten Stand der Dinge bringen.« Er machte es sich hinter seinem Schreibtisch bequem und forderte Amy und Craig mit einer Handbewegung auf, Platz zu nehmen.

»Sie haben meine Berichte gesehen.«

»Sicher.« Tim tippte mit einem Finger auf einen Aktenstoß. Er besaß ein nettes, einladendes Lächeln, das sein rundes Gesicht sympathisch wirken ließ. Er hätte sich gut in der Politik gemacht, dachte Amy wieder einmal. Wenn es jemand verstand, Fragen zu beantworten, ohne sich festzulegen, dann war es Tim Thornway. »Gründlich, wie immer. Heute Abend habe ich ein Geschäftsessen mit Barlow senior. Ich würde ihm gern mehr als nur Fakten und Zahlen unterbreiten.«

»Sie können ihm meine Einwände über die Innengestaltung des Hauptgebäudes unterbreiten.« Amy legte die gestreckten Beine übereinander und hatte für Craig nicht einmal den kleinsten Blick übrig. Tim begann, mit einem seiner kostbaren Füllfedern zu spielen.

»Ich dachte, das hätten wir abgehakt.«

Amy zuckte leicht die Schultern. »Sie haben gefragt. Sie können ihm sagen, die Verkabelung des Hauptgebäudes sei voraussichtlich Ende der Woche beendet. Eine heikle Angelegenheit hinsichtlich der Größenordnung und der Konstruktion des Baus. Und die Klimaanlage wird ihn ein Vermögen kosten.«

»Er hat ein Vermögen«, entgegnete Craig. »Und ich denke, er ist mehr an Stil interessiert als daran, bei der Stromrechnung zu sparen.«

»Richtig.« Tim räusperte sich. Dieser Auftrag von »Barlow & Barlow« würde ihm einen netten Profit bringen. Und so sollte es auch bleiben. »Ich werde unserem Kunden versichern, dass er nur das Beste an Materialien und Stil bekommt.«

»Ich schlage vor, Sie sagen ihm, er soll sich doch vorher selbst ein Bild machen.«

»Nun, ich glaube nicht .«

Craig schaltete sich ein. »Ich stimme Mrs Wilson zu. Besser, er äußert sich jetzt, als dass er später die Verantwortung von sich schiebt, wenn schon alles gebaut ist.«

Tim runzelte die Stirn. »Die Pläne sind abgesegnet worden.«

»Auf dem Papier sieht alles anders aus«, meinte Craig mit einem Blick zu Amy. »Manchmal sind die Leute ganz überrascht vom Endprodukt.«

»Natürlich, ich werde es vorschlagen.« Tim tippte mit dem Stift auf die makellose Schreibunterlage. »Amy, Sie haben in Ihrem Bericht angeregt, die Mittagspause auf eine Stunde auszudehnen.«

»Ja, darüber müssen wir reden. Solange wir keine Wettererleichterung haben, brauchen die Männer mittags eine längere Pause.«

Tim legte den Stift hin und faltete die Hände. »Sie müssen verstehen, was eine dreißigminütige Pausenausdehnung hinsichtlich der Bauzeit und der Kosten bedeutet.«

»Sie müssen verstehen, dass Männer nicht in der sengenden Sonne ohne eine angemessene Pause arbeiten können. Auch wenn es März und drinnen angenehm kühl ist, wenn Sie Ihren zweiten Martini trinken, draußen ist es mörderisch.«

»Die Männer werden dafür bezahlt zu schwitzen«, warf Tim ein. »Und Sie können mir nur darin zustimmen, dass es besser für sie ist, wenn das Gebäude noch im Sommer unter Dach kommt.«

»Sie können es aber nicht bauen, wenn sie bald vor Hitze erschöpft umfallen.«

»Ich kann mich nicht erinnern, davon etwas in den Berichten gelesen zu haben.«

»Bis jetzt noch nicht.« Es fiel ihr schwer, sich weiterhin zu beherrschen. Er ist schon immer ein aufgeblasener Wichtigtuer gewesen, dachte Amy. Früher, als er noch der Junior gewesen war, hatte sie an ihm vorbei direkt zum Chef gehen können. Heute war er der Chef. Amy biss die Zähne zusammen und versuchte es erneut. »Tim, die Männer brauchen einfach mehr Pause. Die Arbeit draußen in der Sonne macht kaputt. Die Männer werden schlapp, sie werden schlampig, und dann passieren Fehler, gefährliche Fehler.«

»Ich bezahle einen Vorarbeiter dafür, dass er aufpasst, dass niemand Fehler macht.«

Amy sprang auf und war kurz vorm Explodieren, als Craig sich mit ruhiger Stimme einschaltete. »Wissen Sie, Tim, in der Hitze dehnen die Männer die Pausen sowieso aus. Wenn Sie ihnen zusätzlich dreißig Minuten geben, dann sind sie beschäftigt und fühlen sich verpflichtet. Im...

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