Ruheloses Herz

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. August 2013
  • |
  • 171 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12086-3 (ISBN)
 
Der Rennpferdtrainer Brian Donnelly ist legendär für seine sanften Hände, mit denen er seinen Beruf ausübt. Die Tiere und seine Freiheit bedeuten ihm alles. Auf Royal Meadows soll er nun die aussichtsreichsten Pferde eines vermögenden Züchters trainieren. Kaum dort angekommen, verliebt er sich in Keeley, die Tochter seines Arbeitgebers. Obwohl er sie für viel zu verwöhnt hält. Er, der sich niemals binden wollte, verliert sein Herz. Doch er begeht den Fehler zu denken, dass die wunderbare Frau nicht interessiert ist - und setzt so die Liebe auf's Spiel.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,52 MB
978-3-641-12086-3 (9783641120863)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Es hatte etwas Magisches, wenn das bleiche Licht der Morgendämmerung über den Reitställen heraufzog und sich der Nebel über den Weiden erhob. Das Klirren der Pferdegeschirre und das dumpfe Stampfen der Hufe klang wie Musik, sobald sich Stallburschen, Trainer und Pferde an die Arbeit machten. Es duftete nach Pferden, Heu und Spätsommer.

Brian stellte sich vor, dass die Anhänger wahrscheinlich bereits beladen waren. Bestimmt hatte der Verantwortliche die Pferde bereits ausgesucht, die zu ihrem täglichen Training zur Rennbahn gebracht oder für ein Rennen hergerichtet wurden. Aber auf der Farm gab es andere Arbeit.

Hier mussten verstauchte Knöchel behandelt, Medikamente verabreicht und Ställe ausgemistet werden. Helfer würden im Oval Hürden errichten oder umstellen.

Er entdeckte nichts, das auf etwas anderes als beste Qualität hingedeutet hätte. Da war diese gewisse adrette Ausstrahlung, auf die nicht alle Reitstallbesitzer Wert legten - vor allem nicht, wenn sie Geld kostete. Reitställe, Scheunen, Schuppen, alles war fein säuberlich gestrichen, in einem glänzenden Weiß, mit dunkelgrünen Verzierungen. Die Zäune waren ebenfalls weiß und in perfektem Zustand. Die Weiden, Pferche und Koppeln wirkten so gepflegt wie die Empfangshalle einer renommierten Firma.

Darüber hinaus gab es auch noch Atmosphäre. Wer sich so etwas leistete, war entweder geschäftstüchtig oder reich oder beides. Auf den grünen Hügeln standen wie hingetupft wirkende dicht belaubte Bäume. Inmitten einer von einem weißen Zaun umgebenen Koppel erspähte Brian eine riesige alte Eiche. Die Reitställe weiter hinten wurden durch eine fein säuberlich gestutzte grüne Hecke von der Rennbahn abgegrenzt.

Derartige Bemühungen verdienten Brians Ansicht nach Anerkennung. Sie nutzten den Pferden ebenso wie den Menschen. Sowohl Mensch als auch Tier hatten seiner Erfahrung nach in einer angenehmen Umgebung mehr Spaß an der Arbeit. Bestimmt war die hübsche Pferdefarm der Grants schon in Hochglanzmagazinen abgebildet gewesen.

Und das Wohnhaus sicher auch, überlegte er. Weil es ein beeindruckender Anblick war. Obwohl es vorhin, als er daran vorbeigefahren war, fast noch dunkel gewesen war, hatte er das elegante Steinhaus mit seinen Balkonen und den schmiedeeisernen Verzierungen gesehen. Und mit den schönen großen Fenstern, vor denen sich ein weitläufiges Land ausbreitete.

Über einer großen Garage gab es ein zweites Gebäude, das eine Miniaturausgabe des Haupthauses war. Und dort waren, wie er gesehen hatte, ebenfalls Blumenbeete und Sträucher angepflanzt worden. Und große Schatten spendende Bäume.

Aber ihn interessierten nur die Pferde. Wie sie untergebracht waren, wie sie behandelt wurden. Die Reitställe und alles, was damit zusammenhing, würden in seinen Verantwortungsbereich fallen - wenn man ihm den Job anbot und er ihn annahm. Der Besitzer war einfach nur der Besitzer.

»Bestimmt möchten Sie sich die Ställe anschauen«, sagte Travis, während er mit Brian darauf zuging. »Paddy muss jeden Moment hier sein. Dann sollten wir eigentlich in der Lage sein, Ihre Fragen zu beantworten.«

Brian hatte bereits alle Antworten, die er brauchte, ihm reichte, was er sah. Die Ställe waren von innen ebenso gepflegt wie von außen, mit leicht schräg abfallenden, sauber geschrubbten Zementfußböden. Die Türen der Boxen waren aus massivem Holz, und jede trug ein diskretes Namensschild aus Messing. Stallburschen waren dabei, das alte Stroh auf Schubkarren zu verfrachten und die Boxen mit frischem auszulegen. In der Luft hing ein starker süßer Geruch nach Pferden, Hafer und Einreibemittel.

Travis blieb vor einer Box stehen, in der eine junge Frau sorgfältig den Vorderfuß eines braunen Pferdes bandagierte. »Wie geht es ihr, Linda?«

»Schon viel besser. In einigen Tagen wird sie aus dem Gröbsten raus sein.«

»Eine Verstauchung?« Brian betrat die Box und fuhr dem Jährling mit den Händen über Beine und Bauch. Linda warf ihm einen forschenden Blick zu, dann schaute sie Travis an, der nickte.

»Das ist Bad Betty«, informierte Linda Brian. »Sie rebelliert gern. Sie hat eine leichte Verstauchung, aber das wird sie nicht lange hindern, wieder irgendeine Dummheit anzustellen.«

»Na, du? Bist du eine Unruhestifterin?« Brian nahm Bettys Kopf zwischen seine Hände und schaute ihr tief in die Augen. Und war wie elektrisiert von dem, was er dort entdeckte. Von dem, was er spürte. Hier ist Magie, dachte er. Magie, die sich entfaltete, sobald man die Zauberformel fand.

»Zufälligerweise mag ich Unruhestifter«, flüsterte er.

»Passen Sie auf, sie wird Sie beißen«, warnte Linda ihn. »Besonders wenn Sie ihr den Rücken zudrehen.«

»Du wirst mich doch nicht beißen, Süße?«

Wie um ihn zu provozieren, legte Betty die Ohren flach, und Brian grinste. »Alles klar, verstanden. Wir werden miteinander auskommen, solange ich nicht vergesse, dass du der Boss bist.« Als er ihr mit einer Fingerspitze über den Hals fuhr, schnaubte sie ihn an. »Du bist hübscher, als gut für dich ist.«

Während Linda ihren Vorderfuß fertig bandagierte, redete er weiterhin leise auf Betty ein, wobei er unbewusst ins Gälische verfiel. Das Pferd stellte die Ohren auf und beobachtete ihn jetzt eher interessiert als boshaft.

»Sie möchte laufen.« Brian trat einen Schritt zurück und taxierte die Stute. »Sie ist dazu geboren. Um zu laufen und um zu siegen.«

»Das sehen Sie auf einen Blick?«, fragte Travis.

»Das lese ich in ihren Augen. Sie wollen sie doch bestimmt nicht gleich decken lassen, Mr. Grant. Sie muss erst Rennen gewinnen. Unbedingt.«

Jetzt drehte er Betty absichtlich den Rücken zu, und als die Stute den Kopf hob, schaute er sie über die Schulter hinweg an. »Ich glaube nicht, dass du mich beißen wirst«, sagte er ruhig. Sie maßen sich noch einen Moment mit Blicken, dann warf Betty den Kopf zurück, was man als ein Schulterzucken interpretieren konnte.

Travis ging belustigt einen Schritt zur Seite, um Brian durchzulassen. »Sie terrorisiert die Stallburschen.«

»Weil sie es zulassen, und sie ist wahrscheinlich intelligenter als die meisten von ihnen.« Er deutete auf die gegenüberliegende Box. »Und wer ist dieser würdevolle alte Herr hier?«

»Das ist Prince, ein Sohn von Majesty.«

»Von Majesty von Royal Meadows?«, fragte Brian, während er die Box betrat. In seiner Stimme schwang Hochachtung mit. »Na, Sir, deine beste Zeit ist vorüber, stimmt's?« Brian fuhr dem betagten Kastanienbraunen sanft über den Kopf. »Seinen Vater habe ich vor vielen Jahren in Curragh laufen sehen, da war ich noch ein Stalljunge. So etwas wie ihn hatte ich bis dahin noch nie gesehen und später auch nie wieder. Mit einem seiner Söhne habe ich später gearbeitet. Er braucht sich seiner Nachkommenschaft nicht zu schämen.«

»Ja, ich weiß.«

Travis führte ihn herum und zeigte ihm die Sattelkammer, den Besamungsstall und die Geburtsställe, die hinter einer Koppel lagen, in der ein Einjähriger an einer langen Leine auf Herz und Nieren geprüft wurde, und dann das Oval, wo gerade ein bildschöner Hengst in Gesellschaft eines wohlerzogenen Wallachs seine Runden drehte.

Bei ihrem Herankommen schaute sich ein drahtiger kleiner Mann mit einer blauen Kappe auf dem Kopf um. Aus einer seiner Taschen baumelte eine Stoppuhr, und auf seinem faltigen Koboldgesicht lag ein fröhliches Grinsen.

»Dann haben Sie die Tour also schon hinter sich? Und wie finden Sie unsere kleine Farm hier?«

»Sehr nett.« Brian streckte eine Hand aus. »Freut mich, Sie wieder mal zu sehen, Mr. Cunnane.«

»Die Freude ist ganz auf meiner Seite, junger Brian aus Kerry.« Paddy erwiderte Brians Händedruck. »Ich habe ihnen gesagt, dass sie Zeus noch nicht laufen lassen sollen, Travis. Ich dachte mir, dass ihr euch das vielleicht ansehen wollt.«

»King Zeus, Sohn von Prince«, erklärte Travis. »Er läuft gut für uns.«

»Er hat Ihnen letztes Jahr den Belmont Stakes geholt«, erinnerte sich Brian.

»Richtig. Zeus läuft gern lange Strecken. Keiths Fohlen hat ihm zwar den Derby weggeschnappt, aber beim Breeder's Cup war er wieder da. Er ist ein starker Konkurrent und wird Champions zeugen.«

Paddy winkte einen Jockey auf einem prachtvollen Kastanienbraunen heran. Das Fell des Pferdes glänzte dunkelrot in der aufgehenden Sonne, die schneeweiße Blesse auf seiner Stirn hatte die Form eines Blitzes. Er tänzelte zur Seite und bäumte sich auf.

Brian erkannte mit einem Blick, was er für ein Prachtexemplar vor sich hatte.

»Na? Was halten Sie von ihm?«, fragte Paddy.

»Herrliche Form«, war alles, was Brian sagte.

Zweihundert Pfund reines Muskelfleisch auf unwahrscheinlich langen, eleganten Beinen. Ein breiter Rücken, ein schlanker Rumpf, ein prächtiger Kopf. Und Augen, aus denen unbändiger Stolz leuchtete.

»Okay, Bobbie«, sagte Paddy zu dem Jungen. »Es geht los. Und halt ihn nicht zurück. Er kann sich heute ruhig mal ein bisschen ins Zeug legen.« Eine kleine Melodie pfeifend, lehnte sich Paddy gegen den Zaun und zog seine Stoppuhr aus der Tasche.

Die Daumen in die Hosentaschen gehakt, schaute Brian Zeus nach, der auf die Rennbahn zurücktrabte, wo er sich wieder tänzelnd aufbäumte, bis ihn der Junge zur Ordnung rief. Dann stellte sich der Reiter in den Steigbügeln auf und beugte sich über diesen langen, kraftvollen Hals. Einen Moment später schoss Zeus wie ein schimmernder Pfeil vorwärts. Diese langen Beine hoben,...

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