Rebeccas Traum

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. August 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12110-5 (ISBN)
 
Rebecca lässt alles hinter sich, was ihr je etwas bedeutete: Den Job in New York, das langweilige, aber sichere Leben als Buchhalterin. Sie will sehen, was das Leben für sie bereithält. Sie will etwas erleben, bis das Geld aufgebraucht ist. Sie verkauft ihre Habseligkeiten, reist nach London und Paris, bis sie schließlich auf Korfu landet. Dort trifft sie den Olivenhain-Besitzer Stephanos. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber er denkt, dass sie reich ist. Werden seine Gefühle noch so heiß brennen, wenn er erfährt, dass ihr Geld bald zur Neige geht?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,39 MB
978-3-641-12110-5 (9783641121105)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Als Rebecca neben Stephanos im Jeep saß und durch die Landschaft fuhr, machte sie Bilder von den Schafen, den Eseln, den schwarz gekleideten alten Frauen und den silbern schimmernden Kronen uralter Olivenbäume.

Schließlich machten sie eine kleine Pause, nicht weit vom Meer. Steil fiel der Abhang neben der Straße bis zum Meer ab. Unten leuchteten die weiß gekalkten und ziegelgedeckten Häuser eines kleinen Dorfes in der grellen Sonne. Die Luft war klar und voller unbekannter Düfte. Rebecca wusste, diese Stimmung würde sie nicht mit ihrer Kamera einfangen können, und sie legte sie wieder in ihre Tasche.

Versonnen schaute sie auf das tiefblaue Meer hinaus. Fischerboote lagen vor der Küste, und große, weiß-grau gefiederte Möwen kreisten mit schrillem Schrei dicht über den Kuttern. Am Strand lagen weit ausgebreitet die Netze der Fischer zum Trocknen.

»Es ist wunderschön. Alles wirkt ruhig und voller Frieden. Ich stelle mir vor, wie die Frauen in den alten Öfen ihr Brot backen, und sehe die heimkommenden Fischer vor mir. Es duftet nach warmem Brot und dem Salz des Meeres«, sagte Rebecca verträumt. »Hier sieht es aus, als habe sich in den letzten hundert Jahren nichts verändert.«

»Das hat es sich auch kaum. Wir hängen an den alten Dingen.« Stephanos sah nun selbst hinab auf das Meer. Es freute ihn, dass Rebecca sich an so schlichten Sachen begeistern konnte.

»Ich habe die Akropolis bisher nur auf Abbildungen gesehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sehr viel beeindruckender ist als dies hier«, meinte sie und hob das Gesicht in den Wind. Es war ein unvergesslicher Eindruck, den sie von hier mitnehmen würde - die unvergleichliche Aussicht, der würzige Geruch des Meeres ... und dieser Mann neben ihr. Sie wandte sich um. »Ich habe Ihnen noch gar nicht dafür gedankt, dass Sie sich die Zeit nehmen, mir all dies zu zeigen.«

Er ergriff ihre Hand, führte sie diesmal aber nicht an seine Lippen, sondern hielt sie nur fest. »Es gefällt mir, das Gewohnte durch die Augen eines anderen Menschen zu sehen. Durch Ihre Augen.«

Auf einmal schien Rebecca der Rand des Kliffs zu nahe und die Sonne zu heiß zu sein. Reichte allein seine Berührung, um diese seltsamen Gefühle in ihr auszulösen? Rebecca schaffte es mit Mühe, ein Lächeln zu Stande zu bringen und ihre Stimme normal klingen zu lassen.

»Wenn Sie jemals nach Philadelphia kommen sollten, würde ich mich gern revanchieren«, erwiderte sie charmant.

Stephanos hatte das Gefühl, in ihren Augen kurz den Ausdruck von Furcht zu entdecken. Ja, sie schien verletzlich zu sein. Bislang hatte er es sorgsam vermieden, nähere Bekanntschaften mit Frauen einzugehen, die ihm ängstlich erschienen waren.

»Versprochen ist versprochen«, antwortete er lächelnd.

Sie stiegen wieder in den Jeep und fuhren weiter die holprige Straße entlang, die sie immer weiter bergauf führte. Stephanos zeigte ihr auch einige der seltenen wilden Bergziegen Griechenlands. Oft kamen sie auch an großen Schafherden vorbei, die sich auf den kargen Bergweiden mühsam ihr Futter suchten. Und überall blühten wunderschöne Wildblumen, die Rebecca noch nie vorher gesehen hatte.

Mehrere Male bat sie ihn anzuhalten, damit sie fotografieren konnte. Voller Entzücken beugte sie sich über die zartblauen sternförmigen Blüten eines niedrigen Busches, der zwischen Felsspalten wuchs. Stephanos wurde klar, wie lange er diese kleinen und doch so wichtigen Dinge um sich herum nicht mehr wahrgenommen hatte.

Immer wieder warf er einen verstohlenen und bewundernden Blick auf Rebecca, die mit im Wind flatternden Haaren im Sonnenlicht stand und eine Blüte oder einen knorrigen Baum fotografierte.

Oft führte die Straße an steil in die Tiefe abfallenden Kliffs entlang, aber Rebecca empfand seltsamerweise keine Angst bei dem Blick in die gähnende Tiefe.

Sie hatte das Gefühl, ein völlig anderer Mensch zu sein. Lachend hielt sie ihren Strohhut fest, als der Fahrtwind ihn fortzuwehen drohte. Sie hatte sich in ihrem Leben noch nie so frei und lebendig gefühlt.

»Die Landschaft ist atemberaubend schön!« rief sie gegen den Wind und den Lärm des Motors an. »So etwas Wundervolles habe ich noch nicht gesehen.«

Rebecca holte ihre Kamera immer wieder heraus und fotografierte, aus einem plötzlichen Einfall heraus, Stephanos. Gegen die grelle Sonne trug er zwar eine Sonnenbrille, aber keinen Hut. Stephanos bremste und hielt an. Dann bat er Rebecca um die Kamera und machte ebenfalls ein Foto von ihr.

»Hungrig?« fragte er, als er sie ihr wiedergab.

Rebecca strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Wie ein Bär.«

Er beugte sich hinüber, um ihr die Tür zu öffnen. Dabei berührte er Rebecca, und sie empfand diese Berührung wie einen elektrischen Schlag. Unwillkürlich zuckte sie zurück. Er bemerkte es und nahm seinen Arm wieder fort. Sein Gesicht war nicht weit von ihrem entfernt, und in seinen blauen Augen lag ein besonderer Ausdruck. Dann hob er langsam die Hand und strich Rebecca leicht über die Wange. Es war kaum wie ein Hauch.

»Hast du Angst vor mir?« Er duzte sie jetzt, und Rebecca kam es völlig natürlich vor.

»Nein.« Es stimmte, sie hatte keine Angst vor ihm. »Sollte ich Angst vor dir haben?« Das Du ging ihr ganz leicht von den Lippen, wie sie verwundert feststellte.

Stephanos lächelte nicht. Durch die getönten Gläser seiner Sonnenbrille sah Rebecca, dass er sie forschend anblickte. »Ich bin mir da nicht ganz sicher.«

Als er sich wieder zurücklehnte, schien Rebecca erleichtert zu sein. Er las es in ihren Augen.

»Wir werden erst ein wenig gehen müssen«, wechselte er dann schnell das Thema und griff nach dem Picknickkorb auf dem Rücksitz.

Ziemlich verwirrt stieg Rebecca aus. Meine Güte, dachte sie, ich benehme mich ja wie ein Teenager. Sobald Stephanos mir näher kommt, fange ich an zu zittern.

Stephanos hob den Korb heraus und trat neben Rebecca. Er ergriff ihre Hand, und sie ließ es geschehen.

Schweigend gingen Rebecca und Stephanos den schmalen Pfad entlang, der unter uralten knorrigen Olivenbäumen entlangführte. Nur ab und zu fiel ein Sonnenstrahl durch die dichten Kronen der gewaltigen Bäume. Das Meer war hier nicht mehr zu vernehmen, nur manchmal drang dünn der schrille Schrei einer Möwe zu ihnen herüber. Diese Gegend schien unbewohnt zu sein. Rebecca war aufgefallen, dass sie schon seit einiger Zeit niemandem mehr begegnet waren.

Endlich blieb Stephanos vor einem grasbewachsenen Fleck unter einem riesigen Olivenbaum stehen.

»Gefällt dir dieser Platz?«

»Oh, es ist bezaubernd hier.« Rebecca sah sich um. Dann nahm sie die Decke aus dem Korb und breitete sie auf dem spärlichen Gras aus. »Ich habe schon lange kein Picknick mehr gemacht. Und noch nie in einem Olivenhain.« Da fiel ihr etwas ein. »Dürfen wir uns hier eigentlich aufhalten?«

»Ja, ganz bestimmt.« Er lachte.

»Wieso bist du dir da so sicher?« erkundigte sich Rebecca zweifelnd. »Kennst du denn den Besitzer?«

»Der Besitzer bin ich.« Er zog behutsam den Korken aus der Weinflasche.

»Oh!« Rebecca sah sich noch einmal um. »Es klingt sehr romantisch ... einen eigenen Olivenhain zu besitzen.«

Stephanos sah sie nur an, sagte aber nichts. Wenn sie wüsste, wie viele ich davon noch besitze, dachte er amüsiert. Aber für ihn hatte es nichts mit Romantik zu tun, sie brachten ihm Gewinn und ernährten ihn. Er reichte Rebecca ein gefülltes Glas und stieß mit ihr an.

»Dann auf die Romantik«, sagte er lächelnd.

Rebecca kämpfte gegen die aufsteigende Schüchternheit an und senkte die Lider.

»Ich hoffe, du bist hungrig. Es sieht alles sehr verlockend aus«, sagte er und holte die restlichen Sachen aus dem Korb. Es gab schwarze, glänzende Oliven, Schafskäse, kaltes Lamm und frisches Weißbrot. Dazu mehrere Sorten Obst.

Rebecca fühlte, dass sie sich langsam entspannte.

»Du hast mir eigentlich sehr wenig von dir erzählt«, meinte Stephanos. »Ich weiß kaum mehr, als dass du aus Philadelphia stammst und gern reist.«

Was soll ich ihm erzählen? dachte Rebecca. Einen Mann wie ihn wird die Lebensgeschichte der Rebecca Malone sicherlich langweilen. So wählte sie einen Mittelweg zwischen Wunsch und Wirklichkeit, weil sie Stephanos auch nicht anlügen wollte.

»Es gibt tatsächlich nicht viel mehr zu erzählen. Ich wuchs in Philadelphia auf. Meine Eltern starben, als ich noch ein Teenager war, und meine Tante Jeannie nahm mich bei sich auf. Sie hat sich sehr liebevoll um mich gekümmert, und ich konnte den schweren Verlust besser ertragen.«

»Es ist schlimm, seine Eltern so früh zu verlieren. Es nimmt einem die Kindheit«, meinte Stephanos voller Mitgefühl.

Er steckte sich einen der schlanken Zigarillos an, die er rauchte. Er selbst hatte seinen Vater mit sechzehn verloren und erinnerte sich noch zu gut, wie schrecklich es gewesen war, plötzlich als Vollwaise in der Welt dazustehen. Seine Mutter war gestorben, als er noch ein kleiner Junge gewesen war. Er konnte sich an sie nicht mehr erinnern.

»Ja.« Rebecca fühlte, dass er sie verstand, und sie empfand auf einmal ein warmes Gefühl für ihn. »Vielleicht reise ich deswegen so gern. Immer, wenn man an einen neuen, unbekannten Ort kommt, wird man in gewisser Weise wieder zum Kind.«

»Dann suchst du also nicht nach einem Ort, an dem du zu Hause sein kannst?«

Rebecca warf ihm rasch einen Blick zu. Stephanos hatte sich gegen den...

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