Nicholas' Geheimnis

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12109-9 (ISBN)
 
Mondnacht in Griechenland: Melanie ist bei einer Freundin zu Besuch auf Lesbos. Bei einem Bad im Meer begegnet Melanie einem geheimnisvollen Fremden, der sie heiß küsst. Sie ist überzeugt, dass sie ihn mit dem Strandbesuch bei etwas Gefährlichem gestört hat - ist er etwa einer der Rauschgiftschmuggler, die die Gegend unsicher machen? Wenig später stellt man ihr auf einer Party den äußerst charmanten Unternehmer Nicholas Gregoras vor. Melanie erkennt ihn sofort wieder ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,56 MB
978-3-641-12109-9 (9783641121099)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Der Himmel war wolkenlos und blau wie auf einer Ansichtspostkarte. Vor der fernen Silhouette der Berge hing ein leichter Dunstschleier. Ein sanfter Wind strich raschelnd durch das Laub der Bäume und Sträucher und trug den Duft von Rosen, feuchtem Gras und Meerestang heran. Melanie seufzte glücklich. Sie beugte sich noch weiter über das Balkongitter und musste immer nur schauen.

Hatte sie wirklich erst gestern noch aus ihrem Fenster auf die Stahl- und Betonwüste New Yorks hinausgeblickt? War sie durch den kühlen Aprilregen die Straße entlanggerannt, um ein Taxi zum Flughafen zu erwischen? Nur einen einzigen Tag war das her. Es konnte doch nicht möglich sein, dass zwischen zwei Welten nur ein einziger Tag lag.

Dennoch war es so. Melanie stand auf dem Balkon einer Villa auf der Insel Lesbos. Hier gab es keinen grauen Himmel, keinen Nieselregen, keinen Lärm, nur Sonne und Meer und lichtdurchflutete Stille unter dem leuchtenden Himmel Griechenlands.

Es klopfte. »Herein!« rief Melanie, atmete noch einmal tief durch und drehte sich um.

»Oh, du bist ja schon aufgestanden und angezogen?« Liz schwebte in den Raum, eine goldhaarige Elfe, gefolgt von einem Mädchen mit einem beladenen Tablett.

»Das nenne ich Zimmerservice«, lächelte Melanie, als das Mädchen das Tablett auf einem Glastischchen abstellte. Das Frühstück duftete verführerisch. »Leistest du mir Gesellschaft, Liz?«

»Nur auf einen Kaffee.« Liz setzte sich in einen Sessel, strich ihr Negligee aus Seide und Spitze glatt und musterte Melanie nachdenklich.

Ihr Blick glitt über das leuchtend blonde, auf die Schultern herabfallende Haar und verweilte auf dem zarten Gesicht mit der kleinen geraden Nase, den hohen Wangenknochen und den großen meerblauen Augen. Manches Fotomodell hätte alles für ein solches Engelsgesicht gegeben.

»Oh Melanie, du bist schöner denn je! Ich freue mich so, dass du endlich hier bist.«

Melanie blickte auf die Landschaft hinaus. »Und da ich endlich hier bin, verstehe ich nicht, wie ich es so lange hinauszögern konnte.«

Das Dienstmädchen schenkte den Kaffee ein.

»Efcharistó«, bedankte sich Melanie.

»Unglaublich!« schimpfte Liz gespielt ärgerlich. »Weißt du, wie lange ich gebraucht habe, bis ich endlich >guten Tag, wie geht es Ihnen?< auf Griechisch sagen konnte?« Als Melanie etwas erwidern wollte, winkte sie lächelnd ab, Brillanten und Saphire ihres Eherings blitzten in der Sonne auf. »Lass nur! Nach drei Jahren mit Alex und einem ebenso langen Leben in Athen und auf Lesbos stolpere ich noch immer über diese Sprache. Danke, Zena«, fügte sie hinzu und entließ das Mädchen mit einem Lächeln.

»Weil du dich weigerst, sie zu lernen.« Melanie biss in ein Stück Toast. Erst jetzt merkte sie, wie hungrig sie war. »Wenn du dich einer fremden Sprache nicht verschließt, nimmst du sie ganz von selbst auf.«

»Du hast gut reden.« Liz schaute Melanie vorwurfsvoll an. »Du sprichst mindestens ein Dutzend Sprachen.«

»Fünf.«

»Vier mehr, als ein normaler Mensch braucht.«

»Das gilt aber nicht für eine Dolmetscherin.« Melanie machte sich über das Rührei her. »Spräche ich nicht Griechisch, hätte ich Alex nicht kennen gelernt, und du wärst jetzt nicht Elizabeth Theocharis. Schicksal«, fuhr sie fort, »ist ein seltsames und wunderbares Phänomen.«

»Philosophie beim Frühstück«, sagte Liz in ihre Kaffeetasse hinein. »Manchmal frage ich mich, wie es mir heute ginge, wenn ich nicht zufällig zwischen zwei Flügen zu Hause gewesen wäre, als Alex aufkreuzte. Du hättest uns nicht miteinander bekannt gemacht.« Sie nahm sich eine Scheibe Toast und gab einen Klecks Pflaumengelee darauf.

»Alles ist vorbestimmt, Liz«, sagte Melanie. »Das Schicksal hat euch zusammengeführt, nicht ich. Bei euch beiden war es Liebe auf den ersten Blick - nur ist das nicht mein Verdienst.« Sie lächelte zu der kühlen blonden Schönheit hinüber. »Kaum hattet ihr euch kennen gelernt, hattet ihr auch schon geheiratet und flogt davon, und ich saß allein in dem leeren Apartment.«

»Wir hatten beschlossen, erst zu heiraten und uns danach kennen zu lernen.« Liz lachte leise in sich hinein. »Und so geschah es dann auch.«

»Wo ist Alex eigentlich?«

»Unten in seinem Arbeitszimmer.« Liz legte ihren Toast auf den Teller zurück. »Er baut wieder mal ein Schiff.«

Melanie musste lachen. »Du sagst das, als wäre er mit seiner Spielzeugeisenbahn beschäftigt. Du solltest dich entschieden snobistischer ausdrücken. Das erwartet man von Frauen, die einen Millionär geheiratet haben - noch dazu einen ausländischen.«

»Ja? Na, mal sehen, was ich tun kann.« Liz trank einen Schluck Kaffee. »Alex wird wahrscheinlich in den kommenden Wochen furchtbar beschäftigt sein. Schon deshalb freue ich mich so, dass du hier bist.«

»Du brauchst einen Partner zum Cribbage - stimmt's?«

»Unsinn!« Liz lachte. »Du bist der miserabelste Cribbage-Partner, den ich kenne, aber mach dir nichts draus, es geht mir nicht ums Kartenspielen. Ich finde es herrlich, meine beste Freundin, eine waschechte Amerikanerin, um mich zu haben!«

»Spassiba

»Bitte englisch, ja?« tadelte Liz. »Außerdem . denk nicht, ich hätte nicht gemerkt, dass das kein Griechisch, sondern Russisch war. Merk dir, dass du für die nächsten vier Wochen keinen politischen Unsinn bei den Vereinten Nationen dolmetschst, sondern dich ganz normal mit Freunden unterhältst.«

Liz beugte sich etwas vor und schaute ihre Freundin nachdenklich an. »Ganz ehrlich, Melanie, hast du nicht manchmal Angst, du könntest etwas falsch übersetzen und damit den Dritten Weltkrieg auslösen?«

»Wer - ich?« Melanie machte große Augen. »Keine Angst! Der Trick besteht darin, in der Sprache zu denken, die man übersetzt. Ganz einfach.«

»Oh natürlich, ganz einfach.« Liz lehnte sich wieder zurück. »Aber jetzt hast du Urlaub und brauchst nicht in fremden Sprachen zu denken. Es sei denn, du willst dich mit meinem Koch streiten.«

»Nichts liegt mir ferner«, versicherte Melanie und schob ihren Teller zurück.

»Wie geht es eigentlich deinem Vater?«

»Großartig wie immer.« Melanie schenkte sich Kaffee nach. Wann hatte sie sich zum letzten Mal morgens Zeit für eine zweite Tasse Kaffee genommen? Ferien, hatte Liz gesagt, und das bedeutete, sie war frei wie ein Vogel in der Luft. »Er lässt dich grüßen und hat mir aufgetragen, ein paar Flaschen Ouzo nach New York zu schmuggeln.«

»Ich habe nicht vor, dich nach New York zurückkehren zu lassen.« Liz stand auf und ging auf dem Balkon hin und her. Der spitzenbesetzte Saum ihres Morgenmantels glitt über die Fliesen. »Ich werde mich nach einem passenden Mann für dich umsehen und dich hier in Griechenland etablieren.«

»Du ahnst gar nicht, wie dankbar ich dir dafür wäre«, gab Melanie trocken zurück.

»Keine Ursache. Wozu sind Freunde schließlich da?« Liz nahm Melanies Spott nicht zur Kenntnis. »Dorian wird dir gefallen, da bin ich sicher. Ein toller Mann! Einer von Alex' Top-Mitarbeitern, ungeheuer attraktiv. Blond, männlich . ein Typ wie Robert Redford. Du wirst ihn morgen kennen lernen.«

»Ich werde heute noch meinen Vater veranlassen, die Mitgift zusammenzustellen.«

»Ich scherze nicht!« Liz blickte Melanie vorwurfsvoll an. »Du kommst hier nur über meine Leiche wieder weg. Wir werden herrliche Tage am Strand verbringen, und du wirst die fantastischsten Männer kennen lernen und vergessen, dass es New York und die UNO überhaupt gibt.«

»Das habe ich schon vergessen.« Melanie warf die Haare über die Schultern zurück. »Also See, Sonne und Männer, ja? Ich bin dir leider ausgeliefert. Und jetzt schleppst du mich wohl gleich an den Strand und gibst erst Ruhe, wenn ich bronzebraun bin, wie?«

»Richtig!« Liz nickte nachdrücklich. »Zieh dich um. Bis gleich.«

Eine halbe Stunde später hatte Melanie schon nichts mehr gegen Liz' Behandlungsmethoden. Weißer Sand, blaues Meer . Sie ließ sich von den sanften Wellen wiegen.

Warf ihr Vater ihr nicht auch immer vor, sie sei besessen von der Arbeit? Melanie drehte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Nach dem beruflichen Stress und der Katastrophe mit Jack war sie nirgends besser aufgehoben als auf dieser friedlichen Insel. Hier würde sie endlich zur Ruhe kommen.

Jack gehörte der Vergangenheit an. Es war keine leidenschaftliche Liebe gewesen, eher Gewohnheit, gestand Melanie sich ein. Sie hatte einen intelligenten männlichen Partner gebraucht und Jack eine attraktive Frau, deren Image seiner politischen Karriere förderlich sein konnte.

Hätte ich ihn je geliebt, überlegte Melanie, könnte ich das jetzt nicht so sachlich beurteilen. Das Ende hatte für sie weder Schmerz noch Einsamkeit bedeutet, sondern eher Erleichterung. Erleichterung und eine seltsame Leere . Das bedrückende Gefühl, im luftleeren Raum zu schweben, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Liz' Einladung war gerade zur rechten Zeit gekommen. Diese Insel war eine Oase der Ruhe und des Friedens - ein Paradies. Melanie öffnete die Augen. Leuchtend blauer Himmel, Sonne, der Sand, Felsen und überall Spuren, die Erinnerungen an die Götter der Antike weckten. Und jenseits des Golfs von Edremit die Türkei mit ihren geheimnisumwobenen goldenen Palästen . Melanie schloss die Augen wieder und wäre fast eingeschlafen, hätte Liz sie nicht gerufen.

»Melanie!...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

5,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen