Nachtgeflüster 3. Die tödliche Bedrohung

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Dezember 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12076-4 (ISBN)
 
Die Erfolgsserie von Nora Roberts: Spannend, geheimnisvoll, aufregend wie ein Flüstern in der Nacht



Ein Mädchen wurde entführt! Detective Althea Grayson soll das Schlimmste verhindern. Fatal, dass Altheas wichtigster Informant ausgerechnet der eigenwillige Colt Nightshade ist, der sich nur ungern an Regeln hält. Doch nur mit Regeln kann man zusammenarbeiten, denkt Althea, besonders wenn es um so atemberaubende Exemplare wie Colt geht. Da helfen Grenzen. Für Colt hingegen wird es zu größten Aufgabe seines Lebens, die wahnsinnig distanzierte, ungemein faszinierende und unter der harten Schale sensible Detektivin für sich zu gewinnen - um sie nie mehr loszulassen.



  • Deutsch
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Heyne
  • 0,47 MB
978-3-641-12076-4 (9783641120764)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Wenn ein Mann schon unbedingt eine Partnerin haben musste, dann sollte sie wenigstens hübsch sein. Auf jeden Fall hatte Colt weniger die Absicht, mit Althea zusammenzuarbeiten, als vielmehr, sich ihrer zu bedienen. Sie würde sein Verbindungsstück zum offiziellen Teil der Ermittlung sein. Er würde sein Wort halten - das tat er immer, außer wenn es ihm nicht ratsam erschien - und sie mit Informationen füttern, mit welchen auch immer. Obwohl er nicht damit rechnete, dass sie viel damit machen würde.

Es gab nur eine Hand voll Polizisten, die Colt respektierte, und Boyd stand auf seiner Liste ganz oben. Was Lieutenant Grayson anbelangte, so nahm Colt an, dass sie dekorativ, nicht nennenswert hilfreich und wenig sonst sein würde.

Aber ihr Dienstausweis, ihr Aussehen und ihr Sarkasmus könnten sich unter Umständen als nützlich herausstellen, wenn sie mit Leuten reden mussten, die möglicherweise mit der Sache zu tun hatten.

Immerhin hatte er letzte Nacht ausreichend geschlafen ... sechs Stunden insgesamt. Er hatte keine Einwände erhoben, als Boyd darauf bestanden hatte, ihn für die Dauer seines Aufenthalts bei sich zu Hause unterzubringen. Colt mochte Familien - zumindest die von anderen - und auf Boyds Frau war er neugierig gewesen.

Er hatte ihre Hochzeit verpasst. Obwohl er kein Freund von zeremoniellen Feierlichkeiten war, wäre er gern gekommen. Aber von Beirut bis Denver war es ein weiter Weg, und er war damals mit Terroristen beschäftigt gewesen.

Von Cilla war er ausgesprochen angetan. Die Frau hatte keine Miene verzogen, als ihr Mann um zwei Uhr morgens einen Fremden angeschleppt hatte. In einen Bademantel gewickelt, hatte sie ihm das Gästezimmer gezeigt, wobei sie ihm geraten hatte, sich, falls er ausschlafen wollte, das Kopfkissen über den Kopf zu ziehen. Die Kinder standen offenbar um sieben auf, da sie zur Schule mussten.

Er hatte geschlafen wie ein Stein, und als er von Gebrüll und trampelnden Schritten aufgewacht war, hatte er sich an den Rat seiner Gastgeberin erinnert und noch eine Stunde mit dem Kissen überm Kopf geschlafen.

Und jetzt war er, gestärkt von einem hervorragenden Frühstück und drei Tassen erstklassigem Kaffee, den die Haushälterin der Fletchers zubereitet hatte, bereit zu neuen Taten.

Zuerst nahm er Boyds Angebot an und fuhr mit ihm aufs Revier. Er plante, kurz bei Althea reinzuschauen, um in Erfahrung zu bringen, ob sie etwas über irgendwelche Spießgesellen von Billings wusste, und dann seiner Wege zu gehen.

Allem Anschein nach führte sein alter Freund ein strenges Regiment. Es gab zwar das übliche ständige Telefonklingeln, das Geklapper von Computertastaturen und Stimmengewirr. Außerdem waren da die gewohnten Gerüche nach Kaffee, starken Reinigungsmitteln und Schweiß. Aber dies alles konnte nicht über eine Arbeitsatmosphäre hinwegtäuschen, die von Organisation und Zielstrebigkeit bestimmt war.

Der Beamte am Empfang notierte sich seinen Namen, dann händigte er Colt einen Besucherausweis aus und erklärte ihm den Weg zu Altheas Büro. Am Einsatzraum vorbei, gelangte er auf einen kleinen Flur, wo hinter der zweiten Tür links ihr Büro war. Weil die Tür geschlossen war, klopfte er vor dem Eintreten an. Er wusste, dass Althea da war, noch bevor er sie sah. Er witterte sie wie ein Wolf seine Gefährtin. Oder seine Beute.

Die kühne Seide war verschwunden, aber sie wirkte immer noch weitaus eleganter als eine Polizistin normalerweise. Der gut sitzende Hosenanzug in Rauchgrau wirkte nicht im Mindesten männlich. Und es war auch nicht davon auszugehen, dass sie ihn trug, um ihr Geschlecht zu verleugnen, weil sie ihn mit einer rosa Bluse kombiniert hatte und am Revers eine mit Brillanten besetzte sternförmige Anstecknadel trug. Ihre leuchtend rote Mähne hatte sie sich aus dem Gesicht gekämmt und im Nacken zu einem komplizierten Zopf gebändigt. An ihren Ohrläppchen glänzten ineinander verflochtene goldene Ohrringe.

Das Ergebnis dieses sorgfältigen Prozesses wirkte so aus dem Ei gepellt, dass jede Gouvernante stolz darauf gewesen wäre, und hatte trotzdem die K.-o.-Wirkung von unterkühltem Sex.

Ein Geringerer hätte sich bestimmt die Lippen geleckt.

»Grayson.«

»Nightshade.« Sie deutete auf einen Stuhl. »Nehmen Sie Platz.«

Es gab nur einen einzigen Stuhl in dem Raum, mit gerader Lehne, die Sitzfläche aus Holz. Colt drehte ihn um und setzte sich mit gespreizten Beinen darauf. Während er es tat, registrierte er, dass ihr Büro noch weniger als halb so groß war wie das von Boyd und penibel aufgeräumt. Alle Aktenschränke waren geschlossen, die Unterlagen auf ihrem Schreibtisch fein säuberlich gestapelt, Bleistifte so gespitzt, dass sie als Mordwerkzeuge hätten dienen können. In einer Ecke des Schreibtischs stand eine Topfpflanze, die garantiert regelmäßig gegossen wurde. Familienfotos oder Fotos von Freunden gab es keine. Der einzige Farbtupfer in dem kleinen fensterlosen Raum war ein abstraktes Gemälde in leuchtenden Blau- Grün- und Rottönen. Kühne bunte Pinselstriche, die sich farblich eher bekriegten, als dass sie sich mischten.

Irgendein Gefühl sagte ihm, dass das haargenau zu ihr passte.

»So.« Er verschränkte seine Arme auf der Rückenlehne und beugte sich vor.

»Haben Sie schon irgendetwas über das Auto, aus dem geschossen wurde, herausgefunden?«

»Kinderspiel. Es stand heute Morgen auf der Liste der gestohlenen Autos.« Sie langte nach ihrer Kopie und hielt sie ihm hin. »Es wurde letzte Nacht um elf als gestohlen gemeldet. Die Besitzer waren beim Essen, und als sie aus dem Restaurant kamen, war das Auto weg. Mr und Mrs Wilmer, beide Zahnärzte, die zur Feier ihres fünften Hochzeitstages ausgegangen waren. So wie es aussieht unbescholtene Leute.«

»Wahrscheinlich.« Er warf die Kopie wieder auf ihren Schreibtisch. Er hatte nicht wirklich damit gerechnet, durch das Auto auf eine Spur zu stoßen. »Und bis jetzt ist es noch nicht wieder aufgetaucht?«

»Bis jetzt noch nicht. Ich habe mir Jades Vorstrafenregister geholt, falls Sie Interesse haben.« Nachdem sie die Liste wieder an ihren Platz zurückgelegt hatte, griff sie nach einem Aktenordner. »Janice Willowby. Alter zweiundzwanzig. Einige Vorstrafen wegen Ansprechen potenzieller Kunden - ein paar davon schon als Jugendliche, und ein Arrest wegen Rauschgiftbesitz, auch als Jugendliche. Da hat man sie mit zwei Joints in der Handtasche erwischt. Nach ihrer Entlassung hat sich die Fürsorge ihrer angenommen; sie kam in eine Art Erziehungsheim mit therapeutischer Betreuung bis sie volljährig war; dann ging sie wieder anschaffen.«

Es war immer das alte Lied. »Hat sie Familie? Vielleicht ist sie ja nach Hause zurückgegangen.«

»Ihre Mutter lebt in Kansas - zumindest hat sie sich vor achtzehn Monaten in Kansas City aufgehalten. Ich versuche sie zu finden.«

»Sie haben schon genug Arbeit.«

»Nicht für jeden fängt der Tag erst um ...« Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. »... zehn an.«

»Ich bin nachts besser, Lieutenant.« Er zog eine Zigarre heraus.

Althea schaute darauf, schüttelte den Kopf. »Nicht hier drin, Kumpel.«

Bereitwillig ließ Colt die Zigarre wieder in seiner Brusttasche verschwinden. »Wem hat Billings außer Ihnen noch getraut?«

»Ich weiß nichts davon, dass er überhaupt irgendwem getraut hat.« Aber es tat weh, weil sie wusste, dass er jemanden hatte vertrauen müssen. Er hatte ihr vertraut, doch sie hatte irgendetwas übersehen. Und jetzt war er tot. »Wir hatten eine Vereinbarung. Ich gab ihm Geld, er gab mir Informationen.«

»Welcher Art?«

»Verschiedenster. Wild Bill hatte seine Finger in vielen Sachen drin. Keine großen, meistens jedenfalls.« Sie rückte ein paar Papierstapel auf ihrem Schreibtisch herum, wobei sie sorgsam darauf achtete, dass die Ränder akkurat aneinander stießen. »Er war nur ein kleines Licht, aber er hatte lange Ohren und verstand es, sich im Hintergrund zu halten, so dass man vergaß, dass er überhaupt da war. Die Leute passten nie sonderlich auf, was sie in seiner Nähe sagten, weil er aussah, als ob er nicht bis drei zählen könnte. Aber er war gewieft.« Ihr Tonfall veränderte sich, und Colt hörte etwas heraus, das sie sich bis jetzt noch nicht einmal selbst eingestanden hatte. Sie trauerte. »Gewieft genug, um nicht die Grenze zu überschreiten, wo er ernsthafte Schwierigkeiten bekommen hätte. Gewieft genug, um nicht den falschen Leuten auf die Zehen zu trampeln. Bis letzte Nacht.«

»Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich ihn suchte, weil ich eine Information von ihm wollte. Aber ich wollte ganz bestimmt nicht, dass er tot ist.«

»Ich mache Ihnen keinen Vorwurf.«

»Nein?«

»Nein.« Sie stieß sich so weit vom Schreibtisch ab, dass sie mit ihrem Stuhl zu ihm herumschwenken konnte. »Leute wie Bill haben keine besonders hohe Lebenserwartung, selbst wenn sie noch so gewieft sind. Wenn es ihm gelungen wäre, sich mit mir in Verbindung zu setzen, hätte er mich vielleicht gebeten, ebenfalls zu dem Treffpunkt zu kommen, an dem Sie sich mit ihm getroffen haben, und das Ergebnis wäre dasselbe gewesen.« Darüber hatte sie nachgedacht, sorgfältig, schonungslos. »Auch wenn ich Ihren Stil nicht unbedingt mag, würde ich doch nie auf die Idee kommen, Ihnen die Schuld an dieser Sache zu geben, Nightshade.«

Er registrierte, dass sie sehr still dasaß, ohne Gesten, ohne Schulterzucken, ohne dass sie nervös mit den Fingern auf dem Schreibtisch herumtrommelte. Wie das Gemälde hinter ihr an der Wand kommunizierte sie...

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