Nachtgeflüster 1. Der gefährliche Verehrer

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Oktober 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12074-0 (ISBN)
 
Die Erfolgsserie von Nora Roberts: Spannend, geheimnisvoll, aufregend wie ein Flüstern in der Nacht



Cilla O'Roarke arbeitet als Radio-DJ. Sie liebt ihren Job, bis sie furchteinflößende Telefonanrufe von einem Mann bekommt, der sie töten will. Zunächst nimmt sie ihn nicht ernst. Als die Anrufe immer bedrohlicher werden, weiß sie: Ihr Leben ist Gefahr. Detective Boyd Fletcher soll Cilla vor dem Stalker beschützen. Die junge Frau, die sich neben ihrem Job intensiv um ihre Schwester kümmert, hasst Cops, aus ihren ganz persönlichen Gründen. Boyd hingegen ist fasziniert von ihr. Eine explosive Mischung...





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Heyne
  • 0,39 MB
978-3-641-12074-0 (9783641120740)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Sie ist gut, dachte Boyd, während er seinen bitteren Kaffee trank und Cilla bei der Arbeit beobachtete. Sie bediente das Mischpult mit einer Leichtigkeit, die lange Erfahrung verriet - schaltete auf Musik, auf aufgezeichnete Ankündigungen, auf ihr eigenes Mikro. Ihr Timing war perfekt, ihre Präsentation glatt. Und ihre Fingernägel waren total heruntergekaut.

Sie war ein Nervenbündel und voller Feindseligkeit. Die Nervosität versuchte sie zu verstecken. Bei der Feindseligkeit gab sie sich jedoch keine Mühe. In den zwei Stunden, die sie jetzt zusammen in der Kabine waren, hatte sie kaum ein Wort mit ihm gesprochen. Gar nicht so einfach, wo der Raum nur knapp drei mal drei Meter maß.

Boyd war's egal. Als Cop war er daran gewöhnt, irgendwo zu sein, wo er nicht erwünscht war. Und er war querköpfig genug, um es zu genießen.

Er mochte seinen Job. Ärger, Feindseligkeit und Streitlust störten ihn nicht. Mit negativen Empfindungen wurde man viel leichter fertig als mit einer 45er-Kugel. Er hatte mit beiden Erfahrung.

Obwohl ihm die Bezeichnung Philosoph nicht gefallen hätte, war es seine Gewohnheit, alles bis auf den Grund zu analysieren. Die Ursache dafür war ein elementarer Glaube an richtig und falsch. Oder - obwohl er gezögert hätte, es so zu formulieren - an Gut und Böse.

Boyd war klug genug zu wissen, dass Verbrechen sich oft lohnten, sogar sehr lohnten. Genugtuung bereitete ihm dabei seine Rolle, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht lange lohnten. Er war ein geduldiger Mann. Ob es sechs Stunden oder sechs Monate dauerte, um einen Täter zur Strecke zu bringen - das Ergebnis war das gleiche. Die Guten gewannen.

Er streckte seine langen Beine aus und blätterte weiter in seinem Buch, während Cillas Stimme ihn umgarnte. Ihre Stimme ließ ihn an Schaukeln auf Veranden denken, an heiße Sommernächte und die Geräusche eines langsam dahinströmenden Flusses. In direktem Gegensatz dazu standen die von ihr ausgehende Spannung und die rastlose Energie. Er gab sich damit zufrieden, Ersteres zu genießen und sich über Letzteres seine Gedanken zu machen.

Cilla blickte auf ihre Uhr, räusperte sich und schaltete das Mikro ein. »Hallo, Denver, hier ist Cilla O'Roarke für KHIP. Sie hören den heißesten Sender in den Rockies. Das ist Ihre Chance, ihn noch heißer zu machen. Die Leitung unseres Wunschtelefons ist frei. Ich spiele, was Sie hören wollen. Rufen Sie mich an unter 555-5447.«

Ihr Finger zitterte leicht, als sie den ersten erleuchteten Knopf drückte.

»Hier ist Cilla O'Roarke. Sie sind auf Sendung.«

»Hi, Cilla, hier ist Bob, unten in Englewood.«

Sie schloss die Augen und schauderte vor Erleichterung. Ein regelmäßiger Anrufer. »Hey, Bob. Wie geht's?«

»Großartig. Meine Frau und ich feiern heute Nacht unseren fünfzehnten Hochzeitstag.«

»Und alle haben damals gesagt, das wird nicht lange halten. Was kann ich für euch spielen, Bob?«

»Wie wäre es mit >Cherish< für Nancy von Bob.«

»Gut gewählt. Auf die nächsten fünfzehn Jahre, Bob.«

Den Stift in der Hand, nahm sie den zweiten Anruf an, dann den dritten. Boyd beobachtete, wie sie sich nach jedem Anruf mehr verspannte. Sie plauderte und scherzte. Und wurde blasser. In der ersten Unterbrechung zog sie eine Zigarette aus dem Päckchen und fummelte mit einem Streichholz herum. Schweigend nahm Boyd ihr die Streichhölzer ab und zündete eines für sie an.

»Sie halten sich gut.«

Sie nahm einen schnellen, tiefen Zug. Geduldig schweigend wartete er auf ihre Antwort. »Müssen Sie mich beobachten?«

»Nein.« Dann lächelte er. Es war ein langes, träges Lächeln, auf das sie gegen ihren Willen reagierte. »Aber ein Mann hat das Recht auf ein paar Vergünstigungen nebenbei.«

»Wenn das hier das Beste ist, was Sie kriegen können, sollten Sie sich eine andere Arbeit suchen.«

»Ich mag meine Arbeit.« Er stützte seinen Fuß auf das andere Knie. »Sehr sogar.«

Cilla fand, dass es einfacher war, sich mit ihm zu unterhalten, als auf die blinkenden Lichter am Telefon zu starren und sich Sorgen zu machen. »Sind Sie schon lange Cop?«

»Geht auf zehn Jahre zu.«

Sie betrachtete ihn und versuchte, sich dadurch zu entspannen, dass sie sich auf sein Gesicht konzentrierte. Er hatte ruhige Augen. Dunkel und ruhig. Augen, die eine Menge gesehen hatten - und gelernt, damit zu leben. Er strahlte eine stille Kraft aus, eine von der Art, zu der Frauen - manche Frauen - sich hingezogen fühlten. Er würde beschützen und verteidigen. Er würde keinen Kampf beginnen, aber wenn es dazu kam, würde er ihn beenden.

Es ging glatt, so glatt, dass sie anfing, sich zu entspannen. Sie nahm Anruf um Anruf entgegen und verfiel in ihren alten, eingespielten Rhythmus. Schrittweise begann sie, die Musik und deren Fluss wieder zu genießen. Die pulsierenden Lichter am Telefon wirkten nicht mehr bedrohlich. Um zwölf Uhr fünfundvierzig war sie sicher, es problemlos zu schaffen.

Nur eine Nacht, sagte sie sich. Wenn er heute Nacht nicht anruft, ist es vorbei. Sie sah auf die Uhr, beobachtete, wie die Sekunden vorbeitickten. Noch acht Minuten, dann übergab sie die Ätherwellen an Jackson, konnte heimfahren, ein langes heißes Bad nehmen und wie ein Baby schlafen.

»KHIP, Sie sind auf Sendung.«

»Cilla.«

Das zischende Wispern schoss Eis durch ihre Adern. In einem Reflex wollte sie die Verbindung unterbrechen, aber Boyd schlang seine Finger um ihr Handgelenk und schüttelte den Kopf. Einen Moment kämpfte sie gegen die Panik an. Boyds Hand blieb fest, seine Augen ruhig und beständig.

Er beobachtete, wie Cilla um Selbstbeherrschung kämpfte, bis sie eine Kassette mit Werbung in das Gerät rammte. Die fröhlichen Sprüche wurden gesendet, während sie den Anruf auf die Studiolautsprecher legte.

»Ja.« Stolz brachte sie dazu, ihre Augen auf Boyd gerichtet zu lassen. »Hier ist Cilla. Was wollen Sie?«

»Gerechtigkeit. Ich will nur Gerechtigkeit.«

»Wofür?«

»Ich will, dass du darüber nachdenkst. Ich will, dass du nachdenkst und dir den Kopf zerbrichst und schwitzt, bis ich zu dir komme.«

»Warum?« Ihre Hand krümmte sich unter Boyds Fingern. In einer instinktiv beruhigenden Geste verschränkte er seine Finger mit ihren. »Wer sind Sie?«

»Wer ich bin?« Es kam ein Lachen, das ihr einen Schauer über den Rücken jagte. »Ich bin dein Schatten, dein Gewissen. Dein Henker. Du musst sterben. Wenn du begreifst, erst wenn du begreifst, werde ich es beenden. Aber das wird nicht schnell gehen. Das wird nicht leicht sein. Du wirst für das bezahlen, was du getan hast.«

»Was habe ich denn getan?« rief sie. »Um Himmels willen, was habe ich denn getan?«

Er spuckte einen Schwall Obszönitäten aus, der sie benommen und angeekelt zurückließ, als er die Verbindung unterbrach. Ohne ihre Hand loszulassen, drückte Boyd eine Zahlenreihe am Telefon.

»Habt ihr den Anruf verfolgt?« fragte er und unterdrückte einen Fluch. »Ja. Gut.« Ärgerlich legte er den Hörer auf »Nicht lang genug.« Er berührte Cillas bleiche Wange. »Sind Sie in Ordnung?«

Sie konnte ihn wegen des Summens in ihren Ohren kaum hören, nickte jedoch. Mechanisch zog sie den Regler für ihr Mikro auf und wartete, bis die Werbeeinschaltung ausblendete.

»Das wär's dann für diese Nacht. Es ist ein Uhr siebenundfünfzig. Tina Turner rockt mit Ihnen bis zwei. Mein Freund Jackson wird allen Schlaflosen bis sechs Uhr Gesellschaft leisten. Hier ist Cilla O'Roarke für KHIP. Denk daran, Darling, wenn du von mir träumst, träume gut.«

Heftig stieß sie sich vom Mischpult ab. Ich muss nur aufstehen, sagte sie sich selbst. So einfach war das. Sie tat es jede Nacht ihres Lebens. Aber sie blieb sitzen. Sie blieb sitzen, weil sie Angst hatte, ihre Beine würden sie nicht tragen.

Jackson kam durch die Tür herein und blieb zögernd stehen. Er trug eine Baseballmütze, um seine verheilende Haartransplantation zu verdecken. »Hey, Cilla.« Er blickte von ihr zu Boyd und zu ihr zurück. »Harte Nacht, was?«

Cilla raffte sich auf und klebte ein sorgloses Lächeln in ihr Gesicht. »Ich hatte schon bessere.« Jeden Muskel angespannt, stemmte sie sich hoch. »Ich habe die Hörer für dich angewärmt, Jackson.«

»Nimm's leicht, Kleines.«

»Na klar.« Das Summen in ihren Ohren wurde lauter, als sie die Kabine verließ, um ihren Mantel vom Ständer zu holen. Die Korridore waren dunkel, und nur von der Lobby fiel der schwache Lichtschimmer der Sicherheitsbeleuchtung herein. Desorientiert blinzelte sie. Sie bemerkte nicht einmal, dass Boyd sie am Arm griff und nach draußen führte.

Die kalte Luft half. Sie machte lange, durstige Züge und stieß sie in dünnen weißen Dampfwolken wieder aus. »Mein Wagen ist da drüben«, sagte sie, als Boyd sie zum entgegengesetzten Ende des Parkplatzes zog.

»Sie sind nicht in der Verfassung zu fahren.«

»Es geht mir gut.«

»Fantastisch. Dann gehen wir tanzen.«

»Hören Sie .«

»Nein, Sie hören.« Er war zornig, wütend. Er hatte es bis zu diesem Moment nicht bemerkt. Sie zitterte, und trotz des eisigen Winds waren ihre Wangen totenblass. Das Abhören der Bänder war nicht das Gleiche gewesen wie das Dabeisein, als der Anruf kam. Es war schrecklich gewesen zu sehen, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich und ihre Augen glasig vor Entsetzen wurden, ohne dass er etwas tun konnte, um es zu verhindern. »Sie sind reif...

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