Die MacGregors - Wie alles begann. Vom Schicksal besiegelt

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12069-6 (ISBN)
 
Familie, Liebe, Leidenschaft: Der faszinierende MacGregor-Clan.



Massachusetts, 1773: Tief verschneit sind die Wälder, und Weihnachten steht vor der Tür, als Allana Flynn in ihrer Scheune einen schwer verletzten Mann entdeckt. Seine Schusswunde spricht von einer blutigen Auseinandersetzung mit den Engländern. Aber sein süßer Kuss verrät der jungen irischen Witwe, dass das Fest der Liebe naht - wenn sie, der irische Heißsporn, den Mut hat, sich zu ihm, dem Schotten Ian MacGregor, zu bekennen. Ihr Herz für immer zu gewinnen, das ist für den wagemutigen Schotten eine größere Herausforderung, als die Briten zu bekämpfen.



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Heyne
  • 0,44 MB
978-3-641-12069-6 (9783641120696)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

MacGregor! Er war ein MacGregor. Dieser Gedanke allein hielt ihn noch im Sattel, ließ ihn die Zügel mit letzter Kraft halten. Schmerz tobte in seinem Arm. Trotz des Dezemberwindes und des Schneetreibens glühte er. Das Fieber ließ ihn keine Kälte fühlen. Längst schon konnte er das Pferd nicht mehr lenken, ritt weiter in der Hoffnung, die Stute würde von allein einen Weg durch das Gewirr verschlungener Trampelpfade finden, die sich Indianer, Weiße und das Wild hier gebahnt hatten. Er war ganz allein in dem dichten Schneegestöber, um ihn herum nur düsterer Wald. Die Dämmerung war schon früh angebrochen. In dem Brausen vernahm der Reiter nichts anderes als das Knirschen der Hufe seines Pferdes auf dem frisch gefallenen Schnee.

MacGregor vermutete, dass er bereits weit von Boston entfernt war, von den Menschenmassen, den warmen Häusern und jeglicher Zivilisation. Aber befand er sich deshalb schon in Sicherheit? Vielleicht. Schon bald würde der Schnee die Hufabdrücke des Pferdes verwischen und sogar die verräterische Blutspur bedecken, die sein verwundeter Arm hinterließ. Doch nur einfach in Sicherheit zu sein, war nicht genug, hatte ihm nie genügt. Er war fest entschlossen, unter allen Umständen am Leben zu bleiben, und das aus einem einzigen Grunde. Ein Toter konnte nicht mehr kämpfen. Und bei allem, was ihm heilig war, hatte er sich geschworen, so lange zu kämpfen, bis er endlich frei sein würde.

Auf einmal fror er, zitterte trotz seiner Kleidung aus derbem Büffelleder und des schweren Pelzes. Die Kälte kam freilich nicht nur von außen, sondern aus dem tiefsten Inneren seines erschöpften Körpers. Er beugte sich vor, redete beruhigend auf die Stute ein, und es war, als spräche er sich dabei selbst Mut zu. Seine Haut war schweißnass vor Anstrengung, und er fühlte die Kälte des Todes in sich aufsteigen.

Mühsam, doch unverdrossen kämpfte sich das Tier durch den Schnee, der immer tiefer wurde. MacGregor betete, wie es nur ein Mensch vermag, der spürt, wie er langsam verblutet, betete um sein Leben. Denn es galt noch einen Kampf auszufechten, und bevor der nicht entschieden war, durfte und wollte er ans Sterben nicht denken.

Die Stute wieherte, als er kraftlos im Sattel zusammensackte und vornüber fiel. Unbeirrt trottete sie weiter gegen den Wind. Der angeborene Sinn zum Überleben trieb sie voran.

Der stechende Schmerz in MacGregors Arm holte ihn ins Diesseits zurück. Wenn ich nur aufwachen könnte, dachte er in seinem Fieberwahn, dann würde der Schmerz zugleich mit dem Traum vorüber sein. Doch er hegte noch andere Träume. Er wollte seinen ehrlichen Namen wiedergewinnen, sein Land, alles, was die Engländer ihm genommen hatten, wollte kämpfen für alles, was die MacGregors mit ihrem Stolz, ihrem Schweiß und ihrem Blut verteidigt und doch verloren hatten. Er war während des Krieges geboren worden, so schien es bloß recht und billig, auch in einem Kriege zu sterben. Nur noch nicht jetzt! MacGregor riss sich mühsam zusammen. Noch nicht! Der Kampf hatte gerade erst begonnen.

Vor sein inneres Auge trat ein anderes Bild: Männer mit geschwärzten Gesichtern, als Indianer verkleidet, drängten sich auf den Schiffen »Dartmouth«, »Eleanor« und »Beaver«. Es waren einfache Leute gewesen, erinnerte er sich, Händler, Handwerker und Studenten. Einige feuerte der Alkohol an, andere leitete ihre eigene Rechtschaffenheit. Sie hievten die Kisten mit Tee aus England hoch und zertrümmerten sie, warfen alles ins Meer aus Protest gegen den König, der seinen Untertanen in den amerikanischen Kolonien zu hohe Zölle und Abgaben für das Lebensnotwendige abverlangte. Welche Befriedigung hatte es ihnen bereitet, die zerbrochenen Holzbretter in das kalte Wasser des Bostoner Hafens klatschen zu hören! Die leeren Kisten türmten sich inmitten des Unrats zu wahren Bergen auf, als die Ebbe eintrat.

Das mag einen reichlich starken Tee für die Fische gegeben haben, dachte er nun. Ja, alle Beteiligten waren so ausgelassen gewesen und dabei doch so zielbewusst, so entschlossen und einig. Alle diese Eigenschaften würden sie brauchen, um zu kämpfen und diesen Krieg zu gewinnen, von dem viele noch nicht einmal begriffen, dass er bereits begonnen hatte.

Wie viel Zeit war wohl seit jenem ereignisreichen Abend vergangen? Ein Tag, zwei Tage? MacGregor war unglücklicherweise mit zwei betrunkenen und reizbaren Rotröcken aneinander geraten, als gerade der Morgen heraufdämmerte. Natürlich kannten sie ihn. Sein Gesicht, sein Name und seine politische Einstellung waren in Boston bekannt genug. Und er hatte seinerseits nichts dazu getan, sich bei den britischen Truppen beliebt zu machen. Vielleicht hatten die beiden Männer ihn auch bloß anrempeln und ein wenig einschüchtern wollen und gar nicht die Absicht gehabt, ihre Drohung wahr zu machen und ihn festzunehmen. Der Grund dafür war ihm ohnehin nicht klar geworden. Als jedoch der eine den Degen zog, griff auch MacGregor zur Waffe.

Der Kampf war nur kurz gewesen, und obwohl sein Gegner sofort zu Boden sank, wusste MacGregor nicht, ob er den ungestümen Soldaten getötet oder bloß verwundet hatte. Jedenfalls hatte dann der Kamerad mit Mordlust im Blick seine Muskete auf MacGregor angelegt. Obwohl er blitzschnell im Sattel gesessen und die Stute angetrieben hatte, war ihm die Kugel in die Schulter gedrungen.

Wieder fühlte er schmerzhaft das Geschoss in der Wunde. Obwohl sein Körper durch die Kälte ziemlich schmerzunempfindlich geworden war, quälte ihn die glühend heiße Stelle am Arm. Plötzlich schwanden seine Sinne, und dann spürte er nichts mehr.

Später war es wieder der Schmerz, der MacGregor zu sich brachte. Er lag ausgestreckt auf dem Rücken im Schnee und sah verschwommen das Niederwirbeln der weißen Flocken vor dem Hintergrund des düstergrauen Himmels. Noch schien er lebendig genug, Betroffenheit darüber zu empfinden, dass er vom Pferd gestürzt war. Mit großer Anstrengung gelang es ihm, sich auf die Knie aufzurichten. Geduldig wartete die Stute neben ihm und beäugte ihn mit einem Ausdruck sanfter Verwunderung.

»Ich verlasse mich darauf, dass du diesen kleinen Zwischenfall für dich behältst, altes Mädchen.« Der befremdliche Klang der eigenen Stimme ließ erstmals etwas wie Angst in ihm aufkeimen. Er biss knirschend die Zähne zusammen, griff nach den Zügeln und kam wankend auf die Beine. »Nun heißt es, schnell irgendwo Unterschlupf zu finden.« Er taumelte und begriff, dass er aus eigener Kraft nicht mehr aufsteigen konnte. So klammerte er sich fest, drückte sich gegen das Pferd und ließ sich todmüde weiterziehen.

Schritt für Schritt kämpfte er gegen das Verlangen, sich einfach fallen zu lassen und es der Kälte zu überlassen, ein Übriges zu tun. Man sagte ja, Tod durch Erfrieren käme fast schmerzlos, fast wie der Schlaf, kühl und ohne Qual. Aber wie konnte einer das wissen, noch nie war ein Toter ins Leben zurückgekehrt! Der Gedanke machte MacGregor lachen, doch das Lachen wurde zu einem Husten, der ihn noch mehr schwächte.

Er hatte jeglichen Sinn für Zeit, Entfernung oder Richtung verloren. Um sich wach zu halten, versuchte er krampfhaft, an seine Familie zu denken, an die Liebe der Eltern und Geschwister. Daheim im geliebten Schottland setzten sie alles daran, sich die Hoffnung zu bewahren. Seine Onkel, Tanten, die Vettern und Basen in Virginia taten ihrerseits alles, sich das Recht auf ein neues Leben in dem fremden Lande zu erhalten. Und er selbst stand irgendwo dazwischen, hin und her gerissen zwischen der Liebe zum Althergebrachten und der Begeisterung für das Neue. Hier wie dort hatten sie alle nur einen gemeinsamen Feind, die Engländer. Der bloße Gedanke daran gab MacGregor Kraft. Mochte der Teufel alle Engländer holen! Sie hatten seinen Namen auf die schwarze Liste gesetzt und seine Leute niedergemetzelt. Jetzt streckten die Rotröcke die gierigen Hände sogar über das Meer, damit der englische König seine zu strengen Gesetze durchdrücken und die harten Steuern eintreiben konnte.

MacGregor stolperte und verlor beinahe den Zügel. Einen Augenblick lang blieb er mit geschlossenen Lidern stehen, den Kopf an den Hals des Pferdes gelehnt. Das Gesicht des Vaters erschien ihm, sah ihn mit seinem stolzen Blick an.

»Erkämpfe dir deinen Platz im Leben«, hatte der Vater dem Sohn immer eingeschärft, »und vergiss niemals, dass du ein MacGregor bist!«

Nein, das würde er ganz gewiss nicht vergessen. Mühsam öffnete er die Augen, bemerkte durch das Schneegestöber hindurch die Umrisse eines Gebäudes. Behutsam blinzelte er, rieb sich mit der freien Hand die müden Augen. Das Bild blieb, grau zwar und verschwommen, aber wirklich.

»Na gut, altes Mädchen.« Er lehnte sich schwer an die Stute. »Vielleicht hat unsere letzte Stunde heute doch noch nicht geschlagen.« Schritt für Schritt schleppte er sich näher. Es war wohl eine Scheune, ziemlich groß und aus soliden Tannenstämmen gezimmert. Mit steifen Fingern machte er sich an dem Riegel zu schaffen. Die Knie drohten ihm den Dienst zu versagen. Und endlich stand MacGregor drinnen und spürte die wohltuend warme Nähe der Tiere im Zwielicht. Er wandte sich mit letzter Kraft einem Heuhaufen zu, bemerkte dahinter eine gescheckte Kuh. Sie äußerte ihre Ablehnung mit einem aufgeregten Muhen.

Es war das Letzte, was MacGregor wahrnahm.

Alanna legte ihren Wollumhang um. Das Feuer im Kamin in der Küche brannte hell. Es duftete schwach nach Holz. Selbst diese kleine Alltäglichkeit machte Alanna Freude. Heute war sie mit einem Gefühl glücklicher Erwartung aufgewacht. Wahrscheinlich hatte der Schnee diese Empfindung ausgelöst, obgleich der Vater beim Aufstehen das Wetter...

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