Der Hobbnix - Die große Tolkien-Parodie 2

Hobbnix 2
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12147-1 (ISBN)
 
Die ultimative Parodie zum Kinoereignis 2013

In den Monaten seiner Abenteuerfahrt konnte Bingo Beutelgrapscher tiefe Einblicke in die Abgründe der zwergischen, elbischen und zauberischen Seele gewinnen. Und was er dort gesehen hat, ist definitiv zu viel für die geistige Gesundheit eines unschuldigen Hobbnix. Wieder zu Hause tut Bingo das, was jeder in seiner Situation tun würde: Er beginnt eine Schreibtherapie und stürmt mit seinem Erfahrungsbericht die Bestsellerlisten in ganz Mittelerde! Der Titel: Fifty Shades of Gandalf the Grey .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1
  • |
  • 1 s/w Abbildung
  • |
  • 1 schwarz-weiße Abbildungen
  • 1,30 MB
978-3-641-12147-1 (9783641121471)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Zweites Kapitel

Ich erzähle der Welt die Wahrheit über mich

Nun denn, wie schrieb einst ein bekannter Minnesänger (und machte damit ein Vermögen): Nichts als die Wahrheit.

Ganz Obermittelerde kennt mich als den mutigen Hobbnix, der mit einem Zauberer und einer Gruppe dem Tod geweihter Zwerge zu einem großen Abenteuer aufbrach. Und das bin ich auch. Oder war ich. Denn seit jenen nun sehr fernen und, wie DER MANN, DER FÜR ALL DAS VERANTWORTLICH IST ganz richtig bemerkte, zur Legende gewordenen Tagen führe ich ein ruhiges, zurückgezogenes Leben. Ich habe nie geheiratet. Mir ist klar, dass diese Tatsache hier und da zu Gerede geführt hat. »Keine Frau für Bingo?«, fragten sie hinter vorgehaltener Hand. »Kein Trippeln kleiner Hobbnixfüße im Haus?« Als offensichtlich wurde, dass ich mich zum weiblichen Geschlecht nicht hingezogen fühlte, änderten sie einfach die Frage: »Kein Mann für Bingo? Kein Fitnessstudio? Keine geschmackvolle Wohnungseinrichtung?« Und als schließlich ebenso offensichtlich wurde, dass ich mich auch zum männlichen Geschlecht nicht hingezogen fühlte, waren sie reichlich verwirrt. »Es scheint, Bingo ist ein kalter Fisch«, sagten sie. Ach, wenn ich doch nur mit Fischen etwas anfangen könnte! Das wäre weniger schockierend als die Wahrheit.

Zwei Tage nach Grünspans Ableben kam mich am Vormittag meine Tante Marlen besuchen, um mir, wie sie sagte, ihr Beileid auszudrücken. Tatsächlich aber wollte sie nur ihre Nase in meine Angelegenheiten stecken. Sie missbilligte nämlich meinen Lebensstil. Nicht dass sie über meinen Lebensstil irgendetwas Genaueres wusste, aber sie hatte da eine Vermutung – und die missbilligte sie. »Lebensstil?«, sagte sie einmal zu mir. »Wohl eher Stall.« Ich glaube, damals hatte sie mich im Verdacht, mit Schweinen zusammenzuleben. Später erfuhr sie die wahre Natur meiner, nun, Vorliebe; und zwar ganz einfach deshalb, weil ich beschlossen hatte, reinen Tisch zu machen. »Du lässt sie auf den Tisch?«, sagte sie. »Was für eine Sauerei!« Offenbar gingen ihr immer noch die Schweine im Kopf herum. Ich erklärte ihr, dass mir weiß Gott keine Schweine im Kopf herumgingen, sondern etwas ganz anderes. Es dauerte eine Weile, bis sie die Tragweite der Situation verstanden hatte, und als es soweit war, wurde sie ziemlich wütend. »Wie … abartig!«, sagte sie und warf mir einen Blick zu, der selbst Ganzalt eingeschüchtert hätte, und das will was heißen.

An diesem Donnerstagmorgen also klopfte sie mit dem schnabelförmigen Knauf ihres originellen »Was für ein schönes Wetter für Enten«-Regenschirms an meine Tür und watschelte, nachdem ich ihr geöffnet hatte, den Flur hinunter. Und sie drückte mir wirklich ihr Beileid aus. »Dein Gärtner ist tot?«, sagte sie. »Dann brauchst du einen neuen.«

Ich seufzte leise. »Guten Morgen, Tante Marlen. Möchtest du einen Tee?«

Sie nickte und rauschte ins Wohnzimmer. Ihr rostfarbener Regenmantel gab bei jeder Bewegung ein seltsam knarzendes Geräusch von sich (er war schon sehr alt, dieser Mantel, älter, so sagten manche, als das Dritte Zeitalter), aber sie machte keine Anstalten, ihn abzulegen; ja, sie knöpfte ihn nicht einmal auf, als sie sich auf das Sofa setzte. Tante Marlen war eine ziemlich schlagfertige Frau – in dem Sinne, dass sie nicht zögerte, jeden, der ihr dumm kam, mit Entenregenschirmschlägen zu traktieren. Sie war zweihundertsiebenundzwanzig Jahre alt, und ihr Gesicht war in dieser langen Zeit zu einer mürrischen Maske der Missgunst14 versteinert. Ihre Nase tropfte beständig, und durch die Kombination aus mondsichelförmigem Kinn und buschigen Augenbrauen ähnelte ihr Profil einem großen C.

Mit äußerster Sorgfalt bereitete ich den Tee zu, denn Tante Marlen war, was das betraf, ziemlich anspruchsvoll. Ich spülte den Topf aus, wog die Teeblätter, wog sie zur Sicherheit noch einmal, ließ das Wasser aufkochen, gab die Teeblätter in den Topf, ließ sie exakt drei Minuten lang ziehen und seihte den Tee schließlich durch ein Platinsieb ab. Dann stellte ich die Teekanne und die Tassen auf ein Tablett und trug sie ins Wohnzimmer – zusammen mit einer Schüssel Kristallzucker, einer Schüssel Honig (ich legte einen dieser lustigen Honiglöffel dazu, die wie riesige Ohrenstäbchen mit Löchern am Ende aussehen), einer Schüssel Puderzucker, einer Schüssel braunem Zucker und einer Schüssel braunem Puderzucker; außerdem einem Kännchen Magermilch, einem Kännchen dreifach pasteurisierter Milch und einem Kännchen entmilchter Milch. (Meine Tante war SEHR anspruchsvoll, wenn es um Tee ging.)

Ich stellte das Ganze scheppernd auf den Beistelltisch neben dem Sofa ab, während Tante Marlen missbilligend dreinblickte (sie hatte zwei Arten, dreinzublicken: missbilligend und … die zweite fällt mir grad nicht ein) und wiederholte, was sie zuvor bereits gesagt hatte: »Du brauchst einen neuen Gärtner.«

»Ja, Tante.«

»Und dann musst du diesen Stall ausmisten, den du dein Zuhause nennst.« Ihre Stimme war auf eine einzigartige Weise schrill. »Führe endlich ein anständiges Leben, Junge! Lass ab von deinen Perspirationen.«

Verstohlen roch ich unter meinen Achseln. Aber sie hatte da wohl etwas durcheinander gebracht.15

Missmutig (ja, genau, »missmutig« war die zweite Art!) beäugte sie das Tablett. »Welcher anständige Hobbnix will schon in einem solchen Pfründensuhl leben?«

»Sündenpfuhl«, wagte ich zu korrigieren.

Sie schnellte knarzend hoch. »Guten Morgen, Neffe«, sagte sie mit eisiger Miene. »Ich finde von mir selbst hinaus.« Damit wollte sie mir wohl mitteilen, dass sie nun wieder gehen würde – und genau das tat sie auch. Den Tee hatte sie nicht angerührt.

Ich seufzte erneut. Aber letztlich war Tante Marlens Missbilligung meines Lebensstils nur die Spitze eines riesigen Eisbergs aus Vorurteilen und Anfeindungen, die mir in ganz Aualand entgegenschlugen.

Es ist so: Manche Männer lieben Frauen. Manche Männer lieben Männer. Manche Männer lieben Frauen und Männer, nacheinander oder gleichzeitig. Das alles ist offensichtlich völlig in Ordnung. Aber meine Liebe ist etwas, sagen wir, unkonventioneller. Ja, sie ist eines der wenigen gesellschaftlichen Tabus, die es im Dritten Zeitalter noch gibt. Es ist die Liebe, von der niemand zu sprechen wagt.

Ich lebe in einer glücklichen, erfüllten Beziehung mit einem Gespenst.

Ich lernte Heinrich vor zwei Jahren kennen. Unsere erste Begegnung war rein geschäftlicher Natur, und um sie zu schildern, muss ich Licht in einen bewusst im Dunkeln gehaltenen Aspekt der Verlagswelt bringen. Sehen Sie, wenn Sie ein Buch schreiben wollen und fähig sind, ein Buch zu schreiben – dann ist alles wunderbar. Aber nehmen wir an, Sie wollen unbedingt ein Buch veröffentlichen und sind aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage, es selbst zu schreiben, dann beauftragen Sie jemanden, dies für Sie zu tun. Diese Leute heißen Ghostwriter. Keine Ahnung, warum das so ist – ich meine, warum gerade Geister so viel besser schreiben sollten als Lebende. Aber so ist es eben. Es kommt ganz selten vor, dass der grinsende Kerl auf dem Umschlag eines Buches, der behauptet, der Autor zu sein, das Buch auch wirklich geschrieben hat; in fast allen Fällen hat das die wabernde Wesenheit, die Spektralerscheinung getan, die kaum erkennbar hinter dem Grinsekasper schwebt. Wirklich, sie ist dort mit auf dem Bild – schauen Sie mal genau hin!

Natürlich könnte man behaupten, dass tote Schriftsteller den lebenden gegenüber etwas im Vorteil sind. Immerhin ermöglicht es der Tod, das ganze Leben zu überblicken anstatt nur jene unvollständigen Bruchstücke, die uns zur Verfügung stehen. Genau über diesen Punkt habe ich mit Heinrich bei einem unserer ersten Treffen intensiv gesprochen; es schien ihn aber nicht weiter zu beschäftigen, ob Ghostwriter lebenden Schriftstellern gegenüber im Vorteil waren oder nicht, er war einfach nur erstaunt darüber, dass die Lebenden (oder »Entgeisterten«, wie die Toten uns nennen) überhaupt Romane schrieben. »Das ist so«, sagte er, »als würde man jemanden bitten, ein Stillleben von einer Schale Früchte zu malen, und zuvor die Schale fast gänzlich mit einem Tuch bedecken.«

»Was meinst du damit?«, fragte ich ihn (bei Geistern, das lernte ich schnell, musste man immer genau nachfragen; nicht nur ihre Erscheinung war flüchtig, auch ihre Argumentation).

»Ich meine, dass man nicht über etwas schreiben kann, das man nicht sieht. Die Lebenden sehen nur die Hälfte ihres Lebens, wenn nicht noch weniger.«

»Aber man könnte doch ein schönes Bild von dem Tuch malen.«

»Erlaubst du dir etwa einen Spaß mit mir?«, erwiderte Heinrich mit leichtem Zorn in der Stimme.

Wenn er zornig wurde, wirbelte Heinrich in der Luft herum und machte »Huhu-huhu«. Das hatte mich von Anfang an zu ihm hingezogen; Heinrich gab eines der wunderbarsten »Huhus« von sich, die ich je vernommen habe.

Wie dem auch sei, die Tatsache, dass die meisten Bücher, die heutzutage auf den Markt kommen, von Geistern geschrieben werden, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Verlagswelt. Das liegt vor allem daran, dass Geistern gegenüber gewisse Vorurteile herrschen, und – es fällt mir nicht leicht, das zu sagen – nirgendwo sind diese Vorurteile größer und hartnäckiger als bei uns im Aualand. Folglich waren Heinrich und ich am Anfang sehr zögerlich, eine Beziehung miteinander einzugehen, aber letzten Endes waren unsere Gefühle...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen