Herzen in Gefahr

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Juli 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12085-6 (ISBN)
 
Cathleen verlässt ihre Heimat Irland, um auf dem Gestüt von Keith Logan in Amerika zu arbeiten. Der Abschied fällt ihr schwer. Sein Angebot ist jedoch zu verlockend, als dass sie es ausschlagen könnte. Sie genießt die faszinierende Welt der Pferde und der aufregenden Rennen in Maryland. Wenn da nicht ihre Anziehung für Keith wäre. Dabei sind die beiden wie Katz und Maus, ihre Lebenseinstellungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Was wird aus ihrem Vorhaben, keine Affäre mit dem interessantesten Mann anzufangen, den sie je getroffen hat?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,52 MB
978-3-641-12085-6 (9783641120856)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Cathleen McKinnon war Irin. Und sie war so widersprüchlich wie ihr Land. Einerseits rebellisch und leidenschaftlich, andererseits poetisch und schwermütig. Gegensätze waren ihre typischste Eigenschaft. Sie war stark genug, um für ihre Überzeugung einzutreten, und so eigensinnig, dass sie selbst um eine verlorene Sache noch kämpfte, aber trotzdem war sie eine Frau, die lieber gab als nahm. Tatkräftige Entschlossenheit kennzeichnete sie genauso wie romantische Träumerei und hochfliegender Ehrgeiz.

Cathleen war zweiundzwanzig und bisher noch nie aus ihrem Heimatdorf herausgekommen. Daher war die Fahrt zum Flughafen von Cork eine ungewohnte und aufregende Sache für sie gewesen. Schließlich hatte sie den Flughafen erst dreimal in ihrem Leben gesehen. Ihre Nervosität war also verständlich. Doch waren es nicht die vielen Menschen und der Lärm, die sie beunruhigten. Den Trubel fand sie eher spannend, die Lautsprecheransagen faszinierend.

London, New York, Paris. Durch die dicke Glasscheibe konnte sie beobachten, wie die großen, schlanken Maschinen von der Startbahn abhoben.

Jedes Mal, wenn sie ein Flugzeug aufsteigen sah, versuchte sie, sein Ziel zu erraten, malte sich aus, eines Tages selbst in einem solchen Riesenvogel zu sitzen und in den Himmel hineinzufliegen.

Nein, die startenden Flugzeuge machten sie nicht nervös, sondern eine ganz bestimmte Maschine, die jeden Moment landen musste. Beinahe hätte sie sich vor Aufregung das Haar zerrauft. Im letzten Moment unterdrückte sie ihre Ruhelosigkeit. Das hätte noch gefehlt, dass sie jetzt ihre Frisur durcheinanderbrachte. Unruhig zupfte sie an ihrer Jacke herum. Hoffentlich sehe ich nicht zu ärmlich aus, dachte sie und strich über ihren Rock.

Zum Glück war ihre Mutter eine ausgezeichnete Schneiderin. Das marineblaue Kostüm hatte vielleicht nicht gerade den modischsten Schnitt, schmeichelte jedoch ihrem hellen Teint und harmonierte reizvoll mit der Farbe ihrer Augen. Cathleen hatte sogar ihre widerspenstige rötlich schimmernde Haarpracht gebändigt. Das geschickt hochgesteckte Haar ließ sie älter und, wie sie hoffte, erfahrener wirken. Die wenigen Sommersprossen auf ihrer Nase hatte sie überpudert und die vollen Lippen mit Lipgloss betont, sie war jedoch mit Wimperntusche und Lidschatten sehr sparsam umgegangen. Dafür hatte sie sich von ihrer Mutter die alten Goldohrringe geliehen. Es war ihr sehr wichtig, einen gepflegten Eindruck zu machen. Auf keinen Fall wollte sie aussehen wie die arme Verwandte und womöglich Mitleid erwecken. Schließlich war sie eine McKinnon. Sie würde ihren Weg gehen, selbst wenn sie bisher nicht so viel Glück gehabt hatte wie ihre Cousine.

Das müssen sie sein, dachte Cathleen, als sie ein kleines Charterflugzeug entdeckte, das langsam auf den Flugsteig zurollte. Nur reiche Leute konnten es sich leisten, eine Privatmaschine zu chartern. Cathleen malte sich aus, wie fantastisch es sein müsste, in solch einem Flugzeug zu sitzen, Champagner zu trinken und irgendwelche exotischen Häppchen dazu zu essen. Ihre Fantasie war schon immer sehr rege gewesen. Allerdings fehlten ihr die Mittel, um die zahlreichen Wunschträume Realität werden zu lassen.

Sie beobachtete, wie eine weißhaarige, stämmig aussehende Frau mit einem kleinen Mädchen an der Hand aus dem Flugzeug stieg. Neben ihr wirkte das zierliche Kind mit dem karottenroten Haarschopf zerbrechlich wie eine Porzellanpuppe. Die beiden standen kaum auf irischem Boden, als ein etwa sechsjähriger Junge mit Riesensprüngen hinter ihnen aus dem Flugzeug hüpfte.

An dem tadelnden Gesichtsausdruck der Frau konnte Cathleen erkennen, dass der Junge ermahnt wurde. Als die Frau ihn bei der Hand fasste, verzog er mutwillig sein Gesicht. Cathleen mochte ihn auf Anhieb. Dem Alter nach musste er Brendon, Delias ältester Sohn, sein. Und das Mädchen mit der Puppe im Arm war sicher Lisa, seine jüngere Schwester.

Dann stieg ein Mann aus dem Flugzeug, an den sich Cathleen noch sehr gut erinnern konnte. Es war Travis Grant, der Mann ihrer Cousine Delia, den sie vor vier Jahren kennengelernt hatte, als die beiden zu einem kurzen Besuch nach Irland gekommen waren. Travis war groß und breitschultrig, und sein Lächeln löste bei jeder Frau beunruhigende Gefühle aus. Schon damals war ihr seine ruhige Überlegenheit aufgefallen. Bei ihm konnte sich eine Frau geborgen fühlen, solange sie es verstand, ihm eine gleichwertige Partnerin zu sein.

Travis hatte einen kleinen Jungen auf dem Arm, seinen jüngsten Sohn, der nicht das kastanienbraune Haar der Mutter, sondern den dichten dunklen Haarschopf des Vaters geerbt hatte.

Er stellte das Kind kurz auf seine eigenen kleinen Beine, um seiner Frau aus dem Flugzeug zu helfen.

Delia sah bezaubernd aus. Das schöne Haar fiel ihr in weichen Wellen über die Schultern und schimmerte rötlich in der Sonne. Ein glückliches Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Sogar auf diese Entfernung sah Cathleen, dass ihre Augen glänzten. Delia war eine zierliche Frau, die ihrem Mann kaum bis zur Schulter reichte. Nachdem er sie um die Taille gefasst und aus dem Flugzeug gehoben hatte, legte Travis schützend den Arm um sie. Delia blickte zu ihm auf, berührte liebevoll seine Wange und küsste ihn.

Die beiden wirken wie ein Liebespaar, dachte Cathleen. Die Eifersucht, die sie bei diesem Gedanken durchzuckte, war wie ein stechender Schmerz. Sie versuchte nicht, ihren Neid zu unterdrücken. Cathleen war ein Mensch, der seine Gefühle zeigte und sie, ohne an die Konsequenzen zu denken, auslebte. Und warum sollte sie Dee nicht beneiden? Delia Cunnane, dem armen Waisenkind aus Skibbereen, war es gelungen, den richtigen Mann zu finden und den ärmlichen Verhältnissen, in denen sie groß geworden war, zu entfliehen. Sie hatte ihr Glück gemacht, und Cathleen schwor sich, es ihr gleichzutun.

Sie richtete sich noch ein wenig stolzer auf und wollte gerade auf die Tür zugehen, durch die die kleine Gruppe kommen musste, als sie noch einen Mann aus dem Flugzeug steigen sah. Hatte ihre Cousine zwei Dienstboten mitgebracht? Erstaunt betrachtete sie den Fremden. Nein, dachte sie, dieser Mann ist bestimmt kein Dienstbote. Er sieht nicht so aus, als würde er andere bedienen.

Er sprang aus dem Flugzeug und schaute sich langsam, fast ein wenig misstrauisch um. Es war unmöglich, hinter der dunklen Sonnenbrille, die er trug, seine Augen zu erkennen. Cathleen ahnte jedoch, dass sein Blick scharf und beunruhigend war, daher hatte sie kein Verlangen danach, ihn ohne Brille zu sehen.

Er war so groß wie Travis, jedoch ein wenig schlanker, sehniger und wirkte etwas härter. Cathleen beobachtete, wie er sich zu den Kindern hinunterbeugte, um etwas zu ihnen zu sagen. Die Bewegung wirkte lässig, aber nicht lieblos. Das dunkle Haar reichte ihm bis zum Kragen seines blauen Sporthemdes. Er trug Cowboystiefel und ausgeblichene Jeans, sah aber trotz seiner Kleidung nicht wie ein Farmer aus.

Er machte nicht den Eindruck eines Mannes, der Land bearbeitete, sondern sah aus wie einer, der es besaß.

Warum begleitete dieser Mann Travis und Dee nach Irland? War er vielleicht ein Verwandter von Travis? Er sah ihm allerdings nicht ähnlich. Von dem verbindlichen Charme, den Dees Mann ausstrahlte, konnte Cathleen bei ihm nichts bemerken. Das kantige Gesicht verriet Härte und eine gewisse Rücksichtslosigkeit.

Aber weshalb grübelte sie eigentlich über diesen Fremden nach, der sie nichts anging? Es konnte ihr doch gleichgültig sein, wer er war. Sie atmete tief durch und ging der Reisegruppe entgegen.

Brendon stürmte zuerst durch die Tür. Die weißhaarige Frau eilte hinter ihm her. »Bleib stehen, du Lümmel. Dass du mir nicht noch einmal davonläufst!« Sie fasste ihn und das kleine Mädchen bei der Hand. »Lisa, wir dürfen uns jetzt nicht verlieren.«

Das Mädchen schaute sich ebenso neugierig um wie sein Bruder. Bis es plötzlich Cathleen entdeckte. »Dort steht sie ja!«, rief Lisa aufgeregt. »Dort steht unsere Cousine. Sie sieht genauso aus wie auf dem Foto.« Ohne jede Scheu lief das Kind auf Cathleen zu. »Du bist Cathleen, nicht wahr? Ich bin Lisa. Mom hat uns erzählt, dass du uns abholen wirst.«

»Ja, ich bin Cathleen.« Sie beugte sich zu dem Kind hinunter, um es liebevoll zu betrachten. Ihre Nervosität war verflogen. »Als ich dich das letzte Mal sah, warst du ein winziges Bündel, und geschrien hast du, als wolltest du Steine erweichen.«

Lisa schaute sie mit großen Augen an. »Du sprichst ja genauso wie Mom. Hannah, hör mal, sie spricht wie Mom.«

Die weißhaarige Frau reichte Cathleen zur Begrüßung die Hand. »Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Miss McKinnon. Mein Name ist Hannah Blakely, ich bin die Haushälterin Ihrer Cousine.«

Die Haushälterin, dachte Cathleen, während sie Hannahs Händedruck erwiderte. So etwas gab es früher nicht in Delias Familie. »Willkommen in Irland«, sagte sie zu der Frau, um gleich darauf dem Jungen die Hand hinzustrecken. »Du musst Brendon sein. Du bist ja mächtig gewachsen, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe.«

»Ich bin der Älteste«, erklärte Brendon stolz. »Brady ist jetzt das Baby.«

»Cathleen!«

Cathleen schaute auf. Freudig lachend eilte ihre Cousine auf sie zu. Obwohl sie schwanger war, bewegte sie sich wie ein junges Mädchen. Glücklich nahmen sich die beiden Frauen in die Arme. »Oh, Cathleen, ich bin ja so froh, zu Hause zu sein und dich wiederzusehen. Komm, lass dich anschauen.«

Sie hat sich überhaupt nicht verändert, dachte Cathleen. Delia musste inzwischen fast dreißig sein, sah jedoch viel jünger aus. Noch immer hatte sie...

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