Fänger des Glücks

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12116-7 (ISBN)
 
Die erfolgreiche Werbefilmerin Brooke Gordon kennt die Spielregeln des Lebens: Viel Arbeit, keine Männer, unabhängig sein. Konsequent verfolgt sie ihr Erfolgsrezept. Doch dann muss sie mit dem Baseballstar Parks Jones einen Spot drehen. Parks ist lässig, sportlich und heftig umschwärmt. Er steht für all das, was Brooke seit Jahren vermeidet: Die Liebe ist für ihn ein Spiel, das keine Regeln kennt. Sie will mit ihm zusammen sein, aber kann sie ihre Angst überwinden, sich im aufregenden Strudel ihrer Gefühle zu verlieren?

  • Deutsch
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  • Deutschland
Heyne
  • 0,47 MB
978-3-641-12116-7 (9783641121167)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

2. KAPITEL

Brooke hatte den Anruf erwartet. Immerhin kannte Parks ihren Namen, und der stand im Telefonbuch. Erwartet hatte sie ihn allerdings nicht Sonntagmorgen um Viertel nach sechs.

Noch halb im Schlaf, griff sie nach dem schrillenden Telefon. Den Hörer zu packen, das schaffte sie gerade noch, doch der Apparat fiel mit einem Knall zu Boden. »Hallo«, murmelte sie, ohne die Augen zu öffnen.

»Brooke Gordon?«

»Hm.« Sie kuschelte sich ins Kissen. »Ja.«

»Hier spricht Parks Jones.«

Plötzlich putzmunter, öffnete Brooke die Augen. Das Licht war weich und verschwommen in der frühen Dämmerung. Die ersten Vögel begannen gerade zu zwitschern. Brooke tastete nach ihrem alten Aufziehwecker neben dem Bett und wunderte sich, dass es noch so früh war. Einen Schwall von Flüchen unterdrückend, sprach sie ruhig und gedämpft weiter. »Wer bitte?«

Parks nahm den Hörer in die andere Hand und zog die Brauen zusammen. »Parks Jones. Sie wissen schon - Baseball.«

Brooke gähnte und drückte ihr Kissen zurecht. »Oh!« Das war alles, was sie sagte, aber in ihren Augen blitzte es verschmitzt auf.

»Ich möchte Sie wiedersehen. Wir fliegen heute von New York zurück. Wie wäre es mit einem späten Dinner?« Warum tue ich das?, fragte er sich, als er in dem kleinen Hotelzimmer auf und ab ging. Und warum, um alles auf der Welt, tat er es nicht mit etwas mehr Stil?

»Dinner«, wiederholte Brooke träge, während ihr Verstand schnell arbeitete. War es nicht gerade typisch für diese Sorte Mann zu erwarten, dass eine Frau keine festen Pläne hatte und nur darauf wartete, ihm zu gefallen? Ihr erster Impuls war, ihm eine kalte Abfuhr zu erteilen, doch dann gewann ihr Sinn für das Lächerliche der Situation die Oberhand. »Nun .« Sie zog das Wort in die Länge. »Vielleicht. Um wie viel Uhr?«

»Ich hole Sie um neun ab.« Parks ignorierte einfach das Vielleicht. Wenn er es drei Tage lang nicht schaffte, sich eine Frau aus dem Kopf zu schlagen, dann musste er den Grund dafür herausfinden. »Ich habe die Adresse.«

»In Ordnung, Sparks, um neun.«

»Parks«, verbesserte er und legte auf.

Brooke brach in schallendes Gelächter aus.

Brooke war immer noch in bester Laune, als sie sich abends umzog. Was würde Parks Jones wohl sagen, wenn er wüsste, dass er seine zukünftige Regisseurin zum Dinner ausführte? Bestimmt würde er nicht sehr erfreut sein, wenn er erfuhr, dass sie diese kleine Information ausgelassen hatte. Aber das ganze Szenario reizte Brooke zu sehr. Außerdem war da auch noch die Tatsache, dass er etwas in ihr berührt hatte, was sie verarbeitet haben wollte, ehe ihre gemeinsame Arbeit begann.

In ein Badetuch gehüllt, begutachtete Brooke ihre Garderobe. Sie verabredete sich nicht oft - ihre Entscheidung. Frühe Erfahrungen hatten ihre Haltung Männern gegenüber beeinflusst. Waren sie gut aussehend und charmant, ging Brooke ihnen aus dem Weg.

Sie war erst siebzehn gewesen, als sie ihren ersten hübschen Charmeur getroffen hatte. Er war zweiundzwanzig gewesen und frisch vom College. In dem Restaurant, in dem sie gearbeitet hatte, hatte Clark immer schnell einen Scherz parat gehabt und war großzügig mit Trinkgeld. Sie gingen ein- oder zweimal die Woche ins Kino, dann folgte ein Picknick. Es hatte Brooke nicht beunruhigt, dass er nicht arbeitete. Er behauptete, seine Freiheit für einen Sommer genießen zu wollen, ehe er sich an einen festen Job band.

Seine Familie stammte aus Boston, tat sehr vornehm und hatte Beziehungen. Ihr vornehmes Getue, erklärte Clark mit seinem beißenden Spott, der Brooke so faszinierte, gründete sich darauf, dass es viele Familienerbstücke und wenig Bargeld gab. Doch aus seinem Spott sprach auch familiäre Verbundenheit, und dafür beneidete sie ihn zutiefst. Clark konnte Späße über seine Familie machen, weil er fest zu ihr gehörte.

Er brauche seine Freiheit, meinte er, ein paar Monate Flucht vor Anforderungen nach den Bevormundungen des College. Er wolle das wirkliche Leben schmecken, bevor er sich nach einer idealen Karriere umsah.

Jung und hungrig nach Zuneigung, hatte Brooke jedes seiner Worte aufgesaugt, hatte jeden Spruch geglaubt. Clark blendete sie mit einer Ausbildung, die sie sich gewünscht hatte, aber nie bekommen konnte. Er sagte ihr, wie schön und süß sie sei, dann küsste er sie, als ob er es ehrlich meinte. Sie verbrachten Nachmittage am Strand und mieteten sich Surfbretter, und Brooke bemerkte gar nicht, dass sie dafür bezahlte. Und als sie ihm ihre Unschuld in einer Mischung aus panischer und verschämter Aufregung gab, schien er zufrieden mit ihr zu sein. Über ihre naive Verlegenheit lachte er und war zärtlich zu ihr. Für Brooke konnte es kein vollkommeneres Glück geben.

Dann schlug er ein gemeinsames Leben vor, und Brooke willigte begeistert ein. Sie wollte für ihn kochen und putzen und sehnte sich danach, mit ihm aufzuwachen und einzuschlafen. Über die Tatsache, dass ihr geringer Verdienst sie beide ernähren musste, machte sie sich keine Gedanken. Und von Ehe sprach Clark genauso wie von Arbeit - vage. Das war etwas für die Zukunft, etwas, woran moderne verliebte Leute keinen Gedanken verschwendeten. Brooke stürzte sich überglücklich in das, was sie als ihr erstes wirkliches Zuhause ansah. Eines Tages würden sie Kinder haben, Jungen mit Clarks hübschem Gesicht, Mädchen mit seinen braunen Augen. Kinder, die Großeltern in Boston hatten, Kinder, die wussten, wer ihre Eltern waren und wo ihr Zuhause.

Drei Monate schuftete sie wie ein Pferd, sparte von ihrem knappen Lohn noch für die Zukunft, von der Clark immer sprach. Er selbst widmete sich weiter seinen, wie er sagte, Studien und lehnte systematisch alle Jobs in den Stellenanzeigen als für ihn ungeeignet ab. Brooke konnte ihm nur zustimmen. Für sie war Clark viel zu klug für irgendeine körperliche Arbeit, viel zu bedeutend für irgendeine gewöhnliche Position. Wenn der richtige Job erst kam, das wusste sie, dann würde er einfach antreten und sofort wie eine Rakete an die Spitze schießen.

Manchmal wirkte er unruhig, verstimmt und zog sich zurück. Doch ansonsten barst er vor Energie und Plänen. Gehen wir hierhin, gehen wir dorthin - jetzt, heute. Morgen war für Clark Lichtjahre entfernt. Für Brooke war das Heute zum ersten Mal seit siebzehn Jahren etwas Besonderes. Sie hatte etwas - jemanden für sich.

In der Zwischenzeit arbeitete sie für die gemeinsame Zukunft, kochte sein Essen und sparte ihr Trinkgeld in einer kleinen Apothekerdose auf einem Bord in der Küche.

Eines Nachts kam Brooke von der Spätschicht nach Hause und musste feststellen, dass Clark weg war und mit ihm ihr kleiner Schwarz-Weiß-Fernseher, ihre Plattensammlung und die Apothekerdose. Ein Brief lag auf ihrem Platz.

Brooke,

meine Eltern üben Druck aus. Ich hatte es nicht so früh erwartet. Eine alte Familientradition, aber ich habe wohl gehofft, dass sich alles von selbst erledigt: Ich heirate eine Cousine dritten Grades. Verdammt, es klingt altmodisch, aber so sind meine Herrschaften nun einmal. Shelley ist ein nettes Mädchen, ihr Vater hat mit meinem Dad zu tun. Wir sind mehr oder weniger seit einigen Jahren verlobt, aber es schien nicht wichtig zu sein. Wie auch immer, ich steige ins Geschäft ihrer Familie ein und kann in fünf Jahren, oder so, Vizepräsident werden. Irgendwie wollte ich mich dem Druck der Familie immer verweigern, aber ich kann nicht. Es tut mir leid.

Es hat keinen Sinn, gegen eine Mauer aus Familientradition und altem Geld anzurennen, Baby. Du sollst wissen, dass ich in den Monaten mit dir mehr Luft zum Atmen als jemals zuvor hatte.

Das mit dem TV und dem anderen Zeug tut mir leid, aber ich hatte kein Geld für das Flugticket, und im Augenblick ist es nicht günstig, meinen Alten zu beichten, dass ich meine Ersparnisse schon durchgebracht habe. Ich zahle es Dir zurück, sobald ich kann.

Du warst großartig, Brooke, wirklich großartig. Sei glücklich.

Clark

Brooke las den Brief zweimal, bevor Clarks Worte einen Sinn ergaben. Clark war weg. Ihre Sachen zählten nicht. Clark war weg, und sie war allein - wieder einmal. Weil sie nicht einer alteingesessenen Familie aus Boston entstammte oder einen Vater hatte, der jemandem, den sie liebte, einen lukrativen Job anbieten konnte.

Brooke weinte, bis sie ausgetrocknet war, unfähig zu glauben, dass ihre Träume, ihr Vertrauen und ihre Zukunft mit einem Schlag zerstört sein sollten.

Sie war schnell aufgewacht, hatte ihren Idealismus und ihre Träume abgeworfen. Sie wollte sich nicht noch einmal benutzen lassen. Sie wollte nie noch einmal mit Frauen in Konkurrenz treten, die alte Vorteile auf ihrer Seite hatten. Und sie wollte nicht mehr Sklavenarbeit in einer verräucherten Kneipe leisten und gerade so viel verdienen, um sich eine billige Einzimmerwohnung leisten zu können.

Sie hatte den Brief in winzige Schnipsel zerrissen und sich das Gesicht mit Eiswasser gewaschen, bis alle Spuren der Tränen verschwunden waren.

Mit dem Rest ihres Geldes in der Tasche war sie ziellos herumgelaufen, bis sie sich vor »Thorton Productions« wiedergefunden hatte. Aggressiv, kampfbereit war sie hineingegangen, hatte sich an der Rezeptionistin vorbei- und ins Personalbüro hineingeredet. Herausgekommen war sie mit einem neuen Job, in dem sie kaum mehr als beim Servieren verdiente, aber mit frischem Ehrgeiz....

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