Entscheidung in Cornwall

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12118-1 (ISBN)
 
Mit jedem Ton, der verhallt, verliert die schöne Sängerin Ramona Williams ihr Herz ein bisschen mehr. Warum nur hat sie sich darauf eingelassen, mit dem charismatischen Songwriter Brian zusammenzuarbeiten? Einen Soundtrack zu schreiben, der ihre Stimme und seine Musik für immer vereint? Schon einmal hat Brian ihr das Herz gebrochen. Und jetzt soll in seinem Landhaus im romantischen Cornwall alles von vorne anfangen? Die Sehnsucht, das Verlangen, die unbezähmbare Leidenschaft - und Ramonas Angst, erneut enttäuscht zu werden.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,50 MB
978-3-641-12118-1 (9783641121181)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Er achtete darauf, dass sie ihn nicht sah, während er sie beobachtete. Sie hatte sich in den fünf Jahren kaum verändert. Die Zeit schien weder im Sturmschritt gelaufen noch im Schneckentempo gekrochen zu sein. Sie hatte scheinbar stillgestanden.

Ramona Williams war eine kleine, schlanke Frau, deren schnelle Bewegungen eine unterschwellige Nervosität verrieten. Ihre Haut hatte die goldene Bräune, die man nur von der kalifornischen Sonne bekommt, und mit ihren fünfundzwanzig Jahren hatte sie die weiche, taufrische Haut eines Kindes. Sie hätschelte sie, wenn es ihr gerade einfiel, und vernachlässigte sie, wenn sie sie vergaß, ihre Haut war dennoch immer gleich bleibend weich. Ramonas langes Haar war dicht, glatt und schwarz von Natur. Sie trug es meistens offen. Es reichte ihr bis an die Hüften.

In ihrem zarten Gesicht fielen besonders die hohen Wangenknochen auf. Ramona lächelte oft und gern, doch ihre Augen verrieten ihre Gefühle. Sie waren rauchgrau. Was immer Ramona empfand, spiegelte sich in diesen Augen. Sie hatte ein überwältigendes Verlangen danach, zu lieben und geliebt zu werden. Und dieses Verlangen, diese Sehnsucht waren ein Geheimnis ihres unglaublichen Erfolges. Es gab aber noch ein zweites: ihre Stimme - die herrliche, dunkle und samtene Stimme, die sie über Nacht berühmt gemacht hatte.

Ramona fühlte sich in einem Aufnahmestudio nie ganz wohl. Es glich einer Insel, war durch die gläserne Trennwand und die übrigen schalldichten Wände und Türen von der übrigen Welt abgeschnitten. Vor mehr als sechs Jahren hatte sie ihre erste Platte aufgenommen, aber sie hatte nie Gefallen an der Arbeit im Studio gefunden. Sie war für die Bühne geboren, brauchte den Kontakt mit dem Publikum, denn die Zuhörer ihrer Konzerte gaben der Musik Leben.

Für Ramona war ein Studio zu steril, sie verabscheute seine Technik. Wenn sie in einem Studio arbeitete wie eben, dann war das für sie nur ein Job. Und sie arbeitete hart.

Alles ging gut, es gab keine Schwierigkeiten. Ramona hörte so konzentriert einem Playback zu, dass die Umgebung um sie herum versank. Für sie gab es nur noch die Musik. Ich war gut, sagte sie sich, aber ich kann noch besser sein.

Etwas fehlte im letzten Lied, sie hatte etwas ausgelassen. Ohne genau zu wissen, was es war, war sie überzeugt, dass sie es finden könnte. Sie signalisierte dem Toningenieur, das Band zu stoppen.

»Marc?«

Ein blonder Mann mit der Figur eines Leichtgewichtringers kam zu Ramona in die Kabine. »Gibt's ein Problem?«, fragte er und legte ihr leicht die Hand auf die Schulter.

»Die letzte Nummer, sie ist ein bisschen .« Ramona suchte nach dem richtigen Wort. »Sie klingt irgendwie leer«, sagte sie schließlich. »Was meinst du?«

Sie hielt viel von Marc Ridgely als Musiker, und er war ein Freund, auf den sie sich verlassen konnte. Er war ein wortkarger Mann mit einer Leidenschaft für alte Western und Salzmandeln. Viele hielten ihn für einen der besten Gitarristen des Landes.

Jetzt strich er sich nachdenklich den Bart, Ramonas Ansicht nach eine Geste, die ihm mehrere Sätze ersparte. »Mach's noch einmal«, sagte er dann. »Der Instrumentalteil ist in Ordnung.«

Ramona lachte, und dieses Lachen klang so voll und warm wie ihre Singstimme. »Ein zwar grausames, aber gerechtes Urteil«, sagte sie, setzte den Kopfhörer wieder auf und trat vor das Mikrofon. »Noch einmal die Singstimme von >Lieb und verlier<«, wies sie die Tontechniker an. »Die für mich höchste Autorität hat erklärt, dass es an der Sängerin liegt, nicht an den Musikern.«

Sie sah Marc noch schmunzeln, ehe sie sich auf das Mikrofon konzentrierte, und alles andere außer der Musik wurde unwichtig.

Ramona schloss die Augen und gab sich ganz ihrem Gesang hin. Sie interpretierte eine langsame, wehmütige Ballade, ihrer rauchig tiefen Stimme angepasst. Den Text hatte sie vor langer Zeit selbst geschrieben. Erst vor Kurzem hatte sie die Kraft gehabt, ihn öffentlich zu singen. Jetzt war nur Musik in ihrem Kopf, eine Notenfolge, die sie selbst arrangiert hatte. Und als ihre Stimme dazukam, wusste sie, dass das, was vorher gefehlt hatte, ihre Gefühle gewesen waren. Sie hatte Angst gehabt, sich preiszugeben, und hatte sich zurückgehalten. Jetzt gab sie sich rückhaltlos, und ihre Stimme verlieh ihren Gefühlen Ausdruck.

Ein Hauch von Schmerz erfüllte sie. Es war ein Schmerz, der seit Jahren tief in ihr begraben gewesen war. Sie sang, als könnten die Worte sie davon befreien. Aber der Schmerz war noch da, als das Lied zu Ende war.

Sekundenlang herrschte Stille, doch Ramona war zu benommen, um zu merken, dass die Kollegen vor Bewunderung und Ergriffenheit schwiegen. Sie riss sich den Kopfhörer herunter, der ihr plötzlich unerträglich schwer vorkam.

»Bist du okay?« Marc kam wieder zu ihr in die Kabine und legte ihr den Arm um die Schultern. Er fühlte, dass sie leicht zitterte.

»Ja.« Ramona presste kurz die Finger an die Schläfen und lachte dann überrascht auf. »Ja, natürlich. Ich habe mich ziemlich hineingesteigert.«

Er küsste sie auf beide Wangen - bei einem so zurückhaltenden Mann ein seltener Beweis von Zuneigung in der Öffentlichkeit. »Du warst fantastisch.«

»Das habe ich gebraucht.«

»Den Kuss oder das Lob?«

»Beides.« Sie lachte und warf das lange Haar zurück. »Du weißt doch, dass Stars ununterbrochen bewundert werden wollen.«

»Wo ist hier ein Star?«, erkundigte sich ein Chorsänger.

Ramona bemühte sich, arrogant auszusehen, als sie zu ihm hinüberblickte. »Du«, sagte sie unheilvoll, »bist leicht austauschbar.« Der Sänger lachte nur. Er wusste, dass Ramona weder eingebildet war noch andere Starallüren hatte, und war daher nicht eingeschüchtert.

»Und auf wen wolltest du dich dann wohl bei den Aufnahmen stützen?«

Ramona wandte sich an Marc. »Nimm den Kerl mit raus, und erschieß ihn«, sagte sie sanft, dann sah sie zur Tonkabine hinauf. »Das war's!«, rief sie.

Ihr Blick blieb an dem Mann haften, der jetzt hinter der Glasscheibe deutlich zu sehen war.

Sie wurde schneeweiß im Gesicht. Das Gefühl, das sich während des Singens wie eine halb vergessene Erinnerung in ihr geregt hatte, drohte sie nun zu überwältigen. Fast schwankte sie, so heftig war ihr innerer Aufruhr.

»Brian!«

Ihr war, als habe sie den Namen herausgeschrien, und doch hatte sie ihn nur geflüstert. Sie glaubte zu träumen. Dann begegneten sich ihre Blicke, und Ramona wusste, dass es kein Traum war. Brian war zurückgekommen.

Jahrelange Bühnenerfahrung hatte sie gelehrt, sich zu verstellen. Es fiel ihr immer schwer, anderen etwas vorzuspielen, aber als Brian Carstairs aus der Tonkabine zu ihr herunterkam, setzte Ramona ein verbindliches Lächeln auf. Um den Sturm in ihrem Innern wollte sie sich später kümmern.

»Brian, wie schön, dich wiederzusehen.« Sie streckte ihm beide Hände entgegen und hob das Gesicht, um den erwarteten bedeutungslosen Kuss eines Fremden zu empfangen, der zufällig in derselben Branche war.

Er war über ihre Gelassenheit bestürzt, denn er hatte sie blass werden, hatte den Schreck in ihren Augen gesehen. Jetzt hatte sie sich hinter einer Fassade versteckt, die er an ihr nicht kannte, und zeigte ihm eine gleichgültige Miene. Brian stellte fest, dass er sich geirrt hatte: Ramona hatte sich verändert.

»Ramona.« Er küsste sie leicht und nahm ihre Hände in die seinen. »Eine Schönheit wie die deine müsste eigentlich verboten werden.« Der leichte irische Akzent war unverkennbar. Ramona erlaubte es sich, ihn anzusehen - wirklich anzusehen.

Er war groß und fast ein bisschen zu dünn - wie früher auch. Brian hatte leicht gewelltes und ebenso dunkles Haar wie sie. Über den Ohren war es voll und dicht und reichte bis zum Hemdkragen. Sein Gesicht hatte sich nicht verändert. Es war noch immer das Gesicht, das Mädchen und Frauen dazu trieb, bei seinen Konzerten zu kreischen und ohnmächtig zu werden.

Es war knochig und von der Sonne gebräunt, nicht besonders hübsch, aber reizvoll und fesselnd, die Züge nicht sehr regelmäßig. Von seiner Mutter, die Irin war, hatte er etwas Träumerisches geerbt. Vielleicht war er deshalb für Frauen so anziehend, obwohl seine gelegentlich britische Zurückhaltung sie nicht minder faszinierte. Und die Augen!

Sogar jetzt fühlte Ramona die Anziehungskraft der großen aquamarinblauen Augen mit den schweren Lidern. Es waren beunruhigende Augen für einen Mann von solcher Ungezwungenheit. Sie schienen ständig von Blau zu Grün und wieder zu Blau zu wechseln. Doch es war sein leichtherziger Charme, der am meisten für ihn sprach. Charme und offenkundiger Sex Appeal waren eine Kombination, der niemand widerstehen konnte.

»Du hast dich nicht verändert, nicht wahr, Brian?«, fragte Ramona ruhig, und doch war diese Frage das erste und einzige Anzeichen dafür, wie tief sie innerlich aufgewühlt war.

»Komisch.« Er lächelte. Es war nicht das schnell aufblitzende Lächeln, das sie so gut kannte, sondern ein bedächtiges und nachdenkliches. »Das Gleiche habe ich gedacht, als ich dich vorhin sah. Aber ich glaube, es trifft auf uns beide nicht zu.«

»Nein.« Wie sehr wünschte sie sich, dass er ihre Hände losließe. »Was führt dich nach Los Angeles, Brian?«

»Geschäfte, mein Schatz«, antwortete er wegwerfend und tastete mit den Blicken jeden Zentimeter ihres Gesichts ab. »Und natürlich die Möglichkeit, dich wiederzusehen.«

»Natürlich.« Ihre Stimme klang kalt und...

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