Einklang der Herzen

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12084-9 (ISBN)
 
Die junge Adelia verlässt die heimatliche Farm in Irland, um bei ihrem Onkel, in Amerika nach dem Tod ihrer Eltern einen Neuanfang zu wagen. Auf der Pferdefarm, auf der Paddy arbeitet, stellt sie ihr besonderes Einfühlungsvermögen in Pferde unter Beweis. Die impulsive, bescheidene Rothaarige wird Pferdepflegerin. Als ihr Onkel einen Herzinfarkt erleidet, verspricht der Farmbesitzer Travis Grant, sich um Delia zu kümmern. Die Pferdeflüsterin weiß nicht, dass er mit Kümmern die Liebe meint, die Liebe zwischen zwei gleich klingenden Seelen.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,52 MB
978-3-641-12084-9 (9783641120849)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Adelia Cunnane starrte aus dem Fenster, ohne die wundervollen Formen der Wolken zu bemerken. Manche schwebten als Berge, andere als Gletscher, vorüber oder sie verschmolzen zu eisverkrusteten Seen.

Doch obwohl sie zum ersten Mal in einem Flugzeug saß, fand Adelia den Ausblick nicht sonderlich interessant. Ihr Kopf war voll mit Zweifeln und Fragen, zudem hatte sie schon jetzt schreckliche Sehnsucht nach der kleinen Farm in Irland.

Aber sowohl die Farm als auch Irland waren bereits sehr weit entfernt. Jede Minute, die verging, brachte sie Amerika näher - und völlig fremden Menschen. Nichts in ihrem Leben hatte sie darauf vorbereitet. Adelia seufzte.

Ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als sie zehn Jahre alt war. Die ersten Wochen hatte Adelia wie in einer Art Nebel verbracht. Sie hatte sich in sich zurückgezogen, um die Trennung nicht zu spüren, das fremde und beängstigende Gefühl der Verlassenheit. Langsam hatte sie eine Mauer um ihren Schmerz errichtet. Und sie hatte sich in die Arbeit gestürzt wie eine Erwachsene.

Lettie Cunnane, die Schwester ihres Vaters, übernahm die Verantwortung sowohl für die Farm wie für das Kind, und das mit strenger Hand. Sie war keine unfreundliche Frau, aber auch keine liebevolle. Geduld gehörte nicht zu ihren Stärken, sie hatte wenig Verständnis für das unberechenbare, manchmal auch aufbrausende Kind ihres Bruders.

So blieb die Farm im Grunde das Einzige, was Adelia und ihre Tante verband. Sowohl die ältere Frau wie auch das Kind bauten eine enge Beziehung zu dem fruchtbaren, dunklen Boden auf, der ihre ganze Arbeitskraft forderte.

Fast dreizehn Jahre lebten und arbeiteten sie zusammen, bis Lettie einen Schlaganfall erlitt. Adelia musste sich daraufhin allein um die Farm und um ihre gelähmte Tante kümmern. Tag und Nacht kämpfte sie ums Überleben. Sie hatte ständig zu wenig Zeit und zu wenig Geld.

Als sie nach sechs langen Monaten wieder einmal allein zurückblieb, war Adelia vollkommen verzweifelt und erschöpft. Obwohl sie unaufhörlich geschuftet hatte, war sie gezwungen, die Farm zu verkaufen.

Sie hatte ihrem einzigen lebenden Verwandten, dem älteren Bruder ihres Vaters, geschrieben, um ihn über den Tod seiner Schwester in Kenntnis zu setzen. Padrick war vor zwanzig Jahren nach Amerika ausgewandert. Er hatte umgehend mit einem warmherzigen Brief geantwortet und mit dem schlichten Satz geendet: »Komm nach Amerika! Dein Zuhause ist nun bei mir.« Also hatte sie ihre wenigen Habseligkeiten gepackt und sich von Skibbereen verabschiedet und dem einzigen Heim, das sie jemals gekannt hatte.

Ein plötzliches Absacken des Flugzeugs riss Adelia aus ihren Gedanken. Sie drückte sich in ihren Sitz und berührte das kleine goldene Kreuz, das sie immer um den Hals trug. In Irland wartet nichts und niemand mehr auf mich, dachte sie, während sie gegen ein flaues Gefühl im Magen ankämpfen musste. Padrick Cunnane war die einzige Familie, die sie noch hatte, und die einzige Verbindung mit ihrer Vergangenheit.

Sie versuchte, die plötzlich aufsteigende Furcht zu bezwingen. Amerika oder Irland - was für einen Unterschied machte das schon? Sie würde zurechtkommen, wie immer. Auf keinen Fall wollte sie ihrem Onkel zur Last fallen, diesem fast fremden Mann, den sie nur aus Briefen kannte und zum letzten Mal gesehen hatte, als sie kaum drei Jahre alt gewesen war. Sie würde schon einen Job finden, überlegte sie, vielleicht auf dem Gestüt, von dem Paddy so oft geschrieben hatte. Mit Tieren zu arbeiten lag Adelia im Blut. In den letzten Jahren hatte sie sogar medizinische Kenntnisse hinzugewonnen; oft hatten Nachbarn sie zu einer besonders schweren Geburt eines Kalbes gerufen oder sie gebeten, eine Wunde zu nähen. Sie war vielleicht nicht besonders groß, aber stark - und sie war eine Cunnane. Bei diesem Gedanken straffte sie die Schultern.

Bestimmt gab es für sie eine Stelle auf Royal Meadows, wo ihr Onkel als Trainer für Rennpferde arbeitete. Zwar wurde dort wahrscheinlich niemand gebraucht, der Felder pflügen oder Kühe melken konnte, aber wenn es darauf ankam, würde sie ihren Lebensunterhalt auch als Küchenmädchen verdienen. Mit gerunzelter Stirn überlegte sie, ob es in Amerika überhaupt Küchenmädchen gab.

Das Flugzeug landete, Adelia stieg aus und betrat den Dulles International Airport in Virginia. Sie war fasziniert von den vielen Menschen und den verschiedenen Sprachen, die um sie herumschwirrten.

Sie betrachtete eine indianische Familie in traditioneller Tracht, dann fiel ihr Blick auf zwei Teenager in ausgewaschenen Jeans, die Hand in Hand liefen. Ein Geschäftsmann, der seine Aktentasche an sich presste und es sehr eilig zu haben schien, stieß ihr den Ellbogen in die Seite.

In der Lobby sah sie sich auf der Suche nach einem bekannten Gesicht um. Um sie herum bewegten sich die Leute so schnell und hastig, dass sie befürchtete, niedergetrampelt zu werden.

»Dee! Kleine Dee!« Ein untersetzter Mann mit vollem grauem Haar kam auf sie zu. Sie hatte kurz die Gelegenheit, in helle blaue Augen zu blicken, die sie an ihren Vater erinnerten, bevor sie in eine herzliche Umarmung gerissen wurde. Es war eine Ewigkeit her, dass sie einem Menschen so nahe gekommen war.

»Ich hätte dich überall auf der Welt wiedererkannt, kleine Dee.« Er schob sie ein wenig von sich weg, musterte sie mit feuchten Augen und lächelte zärtlich. »Als ob Kate vor mir stehen würde! Du bist deiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten.« Er starrte sie weiter an, studierte ihr kastanienrotes Haar, das ihr in glänzenden Wellen über die Schultern fiel, das tiefe Grün ihrer Augen, die schmale Nase und die vollen Lippen, die Tante Lettie immer als schamlos bezeichnet hatte.

»Wie wunderschön du bist«, sagte er schließlich seufzend.

»Onkel Paddy?«, fragte sie nur, obwohl unendlich viele andere Fragen durch ihren Kopf schwirrten.

»Wer sollte ich wohl sonst sein?« In seinen vertrauten Augen lag ein Ausdruck von Liebe und Freude, gemischt mit Zweifeln, und mit einem Mal wurde sie von einer Welle des Glücks übermannt.

»Onkel Paddy«, flüsterte sie und warf ihm die Arme um den Hals.

Als sie über den Highway fuhren, starrte sie voller Verwunderung aus dem Fenster. Nie zuvor hatte sie so viele Autos auf einmal gesehen; sie schossen in unglaublicher Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Alles bewegte sich so schnell, und der Lärm, dachte sie mit Verwunderung, der Lärm reicht, um die Toten zu wecken. Kopfschüttelnd begann sie, ihren Onkel mit Fragen zu bombardieren.

Wie lange dauerte die Fahrt? Fuhr jeder in Amerika so schnell? Wie viele Pferde gab es auf Royal Meadows? Wann durfte sie sie sehen? Die Fragen purzelten ihr nur so über die Lippen. Geduldig beantwortete Paddy eine nach der anderen. Ihr melodischer Tonfall klang in seinen Ohren wie eine sanfte Sommerbrise.

»Und was wird meine Aufgabe sein?«

Er wandte den Blick einen Moment von der Straße ab, um sie anzusehen. »Du brauchst nicht zu arbeiten, Dee.«

»Aber ich möchte arbeiten, Onkel Paddy, ich möchte so gerne. Ich könnte mich doch um die Pferde kümmern. Ich habe ein Händchen für Tiere.«

Er zog seine dicken grauen Augenbrauen zusammen. »Ich habe dich doch nicht den weiten Weg kommen lassen, damit du hier arbeitest.« Bevor sie protestieren konnte, fuhr er fort. »Und ich weiß nicht, was Travis davon halten würde, wenn ich meine eigene Nichte einstelle.«

»Oh, aber ich kann alles machen.« Sie schob sich eine glänzende Strähne aus dem Gesicht. »Die Pferde striegeln, Ställe ausmisten . ganz egal.« Sie blickte ihn flehend an. »Bitte, Onkel Paddy, wenn ich nichts zu tun habe, werde ich bestimmt innerhalb von einer Woche verrückt.«

Paddy drückte ihre Hand. »Wir werden sehen.«

So vertieft in das Gespräch und fasziniert von dem strömenden Verkehr, hatte sie jegliches Zeitgefühl verloren. Als Paddy in eine Auffahrt fuhr, blickte sie erstaunt um sich.

»Das ist Royal Meadows, Dee«, verkündete er mit ausladender Geste. »Dein neues Zuhause.«

Sie fuhren durch ein breites Steintor auf einen langen, gewundenen Weg, der von blühenden Hecken gesäumt war. In der Ferne entdeckte sie saftige grüne Weiden und friedlich grasende Pferde.

»Das ist die beste Pferdefarm in ganz Maryland, glaub mir«, fügte Paddy stolz hinzu. »Und meiner Meinung nach auch die beste in ganz Amerika.«

Nachdem er um eine Ecke gebogen war, lag das Haupthaus vor ihnen. Adelia hielt den Atem an. Es handelte sich um ein dreistöckiges prachtvolles Gebäude, dessen Fenster in der Sonne glitzerten. Grazile schmiedeeiserne Balkone verliefen um die oberen beiden Stockwerke. Das Haus war von sanft abfallendem Rasen und stattlichen Bäumen umgeben, die gerade aus dem Winterschlaf erwachten.

»Wundervoll, nicht wahr, Dee?«

»Ja«, stimmte sie zu, ein wenig eingeschüchtert von der Größe und Eleganz des Anwesens. »Ich habe noch nie ein prächtigeres Haus gesehen.«

»Nun, unser Domizil ist nicht ganz so glanzvoll.« Er fuhr nach links ab. »Aber es ist hübsch, und ich hoffe, du wirst dich dort wohlfühlen.«

Adelia richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihren Onkel und schenkte ihm ein Lächeln, das ihr Gesicht zu einem Kunstwerk machte. »Ich werde mich bestimmt wohlfühlen, Onkel Paddy. Hauptsache, wir beide sind zusammen.« Impulsiv küsste sie ihn auf die Wange.

»Ach, Dee, ich bin so froh, dass du da bist.« Er drückte ihre Hand. »Du hast den Frühling mitgebracht.«

Als der Wagen hielt, entdeckte sie ein...

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