Diesseits der Liebe

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juni 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12113-6 (ISBN)
 
Libby Stone ist fasziniert von dem Fremden, der plötzlich bei ihrer einsamen Hütte in den Wäldern von Oregon auftaucht. Dort nimmt die eine Auszeit vom Stadtleben. Sie pflegt den leicht verletzten Mann. Die Anthropologin verliebt sich Hals über Kopf in den charmanten, sexy Caleb, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Und das ist er tatsächlich nicht: Er stammt aus einer anderen Zeitdimension, sein Raumschiff ist vom Kurs abgekommen. Sobald er es repariert hat, wird er die Erde verlassen. Der Tag des unvermeidlichen Abschieds rückt näher.

  • Deutsch
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Heyne
  • 0,47 MB
978-3-641-12113-6 (9783641121136)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von über 500 Millionen Exemplaren. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Er stürzte ab. Die Instrumententafel war ein wildes Durcheinander aufleuchtender Zahlen und heftig blinkender Lampen, und das Cockpit drehte sich wie ein verrückt gewordenes Karussell. Cal wusste auch ohne gellende Alarmsirene, dass er sich in Schwierigkeiten befand. Er musste nicht erst auf das drohende Radarsignal auf dem Computerbildschirm schauen, um zu erkennen, dass diese Schwierigkeiten groß waren. Das hatte er schon bemerkt, als er die Leere gesehen hatte.

Er kämpfte mit aller Macht gegen seine aufsteigende Panik an. Laut fluchend versuchte er die Steuerung in den Griff zu bekommen und drückte den Schubhebel nach vorn auf volle Kraft. Sein Fahrzeug bockte und bebte und stemmte sich gegen den Sog der Anziehung. Die um ein Vielfaches erhöhte Schwerkraft traf ihn wie ein Zusammenprall mit einer Mauer. Um ihn herum kreischte Metall.

»Bleib heil, Baby«, stöhnte Cal. Die Wirkung der Schwerkraft verzerrte sein Gesicht. Der Boden gleich neben seinen Füßen knirschte, und ein gezackter, fingerlanger Riss wurde sichtbar. »Du sollst heil bleiben, verdammt noch mal!«

Er steuerte hart backbord und fluchte aufs Neue, als er merkte, dass sein Schiff nicht im Geringsten auf das Manöver reagierte, sondern unaufhaltsam in das Loch gezogen wurde.

Im Cockpit fiel das Licht aus. Nur die Farben auf der Instrumententafel wirbelten wie ein buntes Kaleidoskop. Das Schiff drehte sich in einer Spirale um seine Längsachse und bewegte sich wie ein von einem Katapult abgeschossener Stein voran.

Das Licht war jetzt weiß und grell. Unwillkürlich hob er den Arm, um seine Augen zu schützen. Der plötzliche Druck auf seiner Brust machte ihn hilflos. Cal konnte nur noch mühsam um Atem ringen. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, dachte er noch daran, dass seine Mutter gewollt hatte, er solle Rechtsanwalt werden. Er jedoch hatte unbedingt fliegen wollen.

Als er wieder zu sich kam, beschrieb das Schiff keine Spirale mehr, sondern raste in freiem Fall auf den Planeten zu. Ein Blick auf die Instrumente ergab nur, dass diese beschädigt waren, die Zahlen liefen rückwärts. Eine neue Kraft drückte Cal gegen die Rückenlehne, doch er konnte die Krümmung der Erde sehen.

Er fühlte, dass er gleich wieder ohnmächtig werden würde. Deshalb zog er den Schubhebel zurück und überließ dem Autopiloten die Führung. Der würde nach einem unbewohnten Gebiet suchen, und wenn das Glück ein Einsehen hatte, würde die Crash-Kontrolle noch funktionieren.

Vielleicht sehe ich ja doch noch einmal die Sonne aufgehen, dachte Cal. Und war der Beruf eines Rechtsanwalts denn wirklich so schlimm?

Er sah die Erde auf sich zurasen - blau, grün, wunderschön. Zum Teufel mit der Anwaltspraxis, dachte er. Ein Schreibtisch war kein Ersatz fürs Fliegen.

Libby stand auf der Veranda der Blockhütte und blickte zum brodelnden Nachthimmel hoch. Die jagenden Blitze und der vom Sturm getriebene Regenvorhang waren ein fantastisches Schauspiel. Obwohl sie unter dem Dachüberhang stand, waren ihr Haar und ihr Gesicht nass.

Hinter ihr leuchtete warmes gelbes Licht aus dem Hüttenfenster. Glücklicherweise hatte sie rechtzeitig daran gedacht, Petroleumlampen und Kerzen bereitzustellen und anzuzünden. Das Licht und die Wärme lockten sie jedoch nicht ins Haus zurück. Heute Abend zog sie die Kälte und das Gewitter vor, das über den Bergen tobte.

Wieder zuckte ein Blitz über den Himmel. Wenn das Unwetter noch länger anhielt, würde es Wochen dauern, ehe man den Nordpass wieder befahren konnte. Und wenn schon, dachte Libby, ich habe wochenlang Zeit. Sie lächelte vor sich hin und legte die Arme um sich, weil sie fror. Ja, sie hatte so viel Zeit, wie sie wollte.

Der beste Einfall, den sie jemals gehabt hatte, war es gewesen, die Sachen zu packen und sich in der versteckten Berghütte ihrer Familie einzunisten. Libby hatte die Berge schon immer geliebt. Das Klamath-Gebirge im südwestlichen Oregon bot ihr alles, was sie begehrte: einen grandiosen Ausblick, hohe, zerklüftete Gipfel, saubere Luft und Einsamkeit. Falls es jetzt ein halbes Jahr dauern sollte, bis sie ihre Doktorarbeit über die Auswirkungen der Modernisierungseinflüsse auf die Kolbari-Insulaner fertig gestellt hatte - na und?

Fünf Jahre lang hatte Libby Kulturelle Anthropologie studiert, drei Jahre davon hatte sie mit ausgedehnten Feldstudien, wissenschaftlicher Arbeit vor Ort, verbracht. Seit ihrem achtzehnten Geburtstag hatte sie sich keine wirkliche Freizeit mehr gegönnt und schon gar keine Zeit mit sich ganz allein.

Die Dissertation war ihr wichtig, viel zu wichtig, wie sie sich manchmal eingestehen musste. Hierher zu kommen, wo sie allein sein, arbeiten und sich ein wenig Zeit lassen konnte, um sich mit sich selbst zu befassen, das war doch ein ausgezeichneter Kompromiss.

In der einstöckigen Hütte, vor der sie jetzt stand, war sie geboren worden, und die ersten fünf Jahre ihres Lebens hatte sie in dieser Umgebung verbracht. Sie war hier so frei wie die Tiere des Bergwaldes aufgewachsen.

Lächelnd erinnerte sie sich daran, wie sie und ihre jüngere Schwester barfuß herumgerannt waren und fest daran geglaubt hatten, dass die Welt mit ihnen und ihren Eltern begann und endete.

Ihre Eltern gehörten der damals so genannten Anti-Bewegung an, jenen jungen Leuten, deren Lebensweise im Gegensatz zum allgemein üblichen Kulturstil stand. Libby sah noch heute ihre Mutter am selbst gebauten Webstuhl vor sich und ihren Vater, der glücklich in seinem Garten werkelte. Abends wurde gemeinsam musiziert, und den Kindern wurden lange, spannende Geschichten erzählt. Die kleine Familie war glücklich und zufrieden gewesen, und anderen Menschen begegneten die vier nur auf ihren monatlichen Einkaufsfahrten nach Brookings.

Sie hätten für alle Zeiten so weiterleben können, aber aus den Sechzigerjahren wurden die Siebziger. Ein Kunsthändler hatte einen der selbst gewebten Wandbehänge von Libbys Mutter gesehen. Fast zur selben Zeit hatte ihr Vater festgestellt, dass eine ganz bestimmte Mischung seiner selbst gezogenen Gartenkräuter einen beruhigenden und köstlichen Tee ergab. Noch vor Libbys achtem Geburtstag waren ihre Mutter zu einer geachteten Künstlerin und ihr Vater zu einem erfolgreichen jungen Unternehmer geworden. Die Berghütte wurde zu einem Ferienversteck, nachdem die Familie sich in das Leben der Großstadt Portland eingefügt hatte.

Vielleicht hatte es an Libbys eigenem Kulturschock gelegen, dass sie sich später der Anthropologie verschrieben hatte. Diese Wissenschaft faszinierte sie, und ihr Interesse an Gesellschaftsstrukturen und äußeren Einflüssen hatte ihr Leben oft dominiert. Manchmal vergaß sie auf ihrer Suche nach Antworten alles andere. Wenn es wieder einmal soweit war, kehrte sie zu dieser Berghütte hier zurück oder verbrachte ein paar Tage zu Besuch bei ihren Eltern. Das brachte sie dann wieder auf den Boden der Gegenwart und der Tatsachen zurück.

Morgen wollte sie nun endlich anfangen. Dann war dieses Unwetter vorbei, sie würde ihren Computer einschalten und mit der Arbeit beginnen. Aber nur vier Stunden am Tag, nahm sie sich vor. In den vergangenen anderthalb Jahren hatte sie dreimal so lange gearbeitet.

Alles zu seiner Zeit, hatte ihre Mutter immer gesagt. Nun gut, diesmal wollte sich Libby die Zeit nehmen, sich ein wenig von der Freiheit zurückzuholen, die sie während ihrer ersten fünf Lebensjahre genossen hatte.

Wie friedlich es hier war! Sie ließ sich den Wind durchs Haar wehen und lauschte dem Prasseln des Regens auf Stein- und Sandboden. Trotz des Unwetters, trotz Blitz und Donner fühlte sie nichts als eine innere, heitere Gelassenheit. In ihrem ganzen Leben hatte sie nie ein friedlicheres Fleckchen Erde kennen gelernt als dieses hier.

Libby sah das Licht über den Himmel rasen. Einen Augenblick lang dachte sie, es könnte sich um einen Kugelblitz oder auch um einen Meteoriten handeln. Dann folgte der nächste Blitz, und in seiner grellen Helligkeit erkannte sie den vagen Umriss und den Widerschein von Metall. Sie trat unter dem Dachüberhang hervor in den Regen hinaus. Das fliegende Objekt raste näher heran. Unwillkürlich griff sie sich an die Kehle.

Ein Flugzeug? Jetzt berührte es schon die Wipfel der Fichten westlich der Hütte, im nächsten Moment hörte sie das Krachen. Eine Sekunde lang stand sie erstarrt da. Dann lief sie ins Haus und holte sich ihren Regenmantel und ihren Erste-Hilfe-Koffer.

Ein paar Augenblicke später kletterte sie in ihren Geländewagen. Von der Veranda hatte sie gesehen, wo das Flugzeug abgestürzt war, und jetzt hoffte sie nur, dass ihr gewöhnlich ausgezeichneter Orientierungssinn sie nicht verließ.

Eine halbe Stunde kämpfte sie sich durch den Sturm, über vom Regen ausgewaschene Fahrwege und von abgerissenen Ästen fast blockierte Pfade voran. Sie biss die Zähne zusammen, als der Geländewagen durch einen jetzt reißenden Bach fuhr. Die Gefahren von Überflutungen im Gebirge waren ihr durchaus bekannt, trotzdem behielt sie ihre Richtung und ihre Geschwindigkeit bei.

Und dann hätte sie den Mann beinahe überfahren.

Libby stieg hart in die Bremsen, als die Scheinwerfer über eine zusammengekauerte Gestalt strichen, die am Rande des schmalen Weges lag. Der Geländewagen rutschte, brach auf dem schlammigen Untergrund aus und kam dann endlich zum Stehen.

Sie griff sich ihre Taschenlampe und eine Decke, sprang vom Sitz, kniete sich neben den Mann und drückte die Finger an seine Halsschlagader. Er lebte! Erleichtert atmete sie auf.

Der Mann war ganz in Schwarz gekleidet und inzwischen nass bis auf die Haut....

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