Affäre im Paradies

 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Dezember 2013
  • |
  • 159 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12122-8 (ISBN)
 
Laurel und Harry sind Konkurrenten beim Herald, wenn es um Titelgeschichten für die Zeitung geht. Nun müssen die beiden jedoch zusammenarbeiten, und aus ihrer Feindschaft wird überraschend schnell das Gegenteil. Wie gefährlich ihre Recherchen sind, erkennt die neugierige Reporterin fast zu spät. Jemand schickt ihr eine Schlange, deren Gift innerhalb von Sekunden töten kann - eine Drohung. Laurel hat aber auch ein persönliches Interesse an dem Fall der in den Sümpfen getöteten Frau. In Jugendjahren war sie in den Ehemann der Toten verliebt. Trübt das ihren Blick auf den Verdächtigen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,41 MB
978-3-641-12122-8 (9783641121228)
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Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1981. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
Unter dem Namen J.D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.

1. KAPITEL

Ein Tollhaus. Ständig klingelten Telefone. Menschen schrien, murmelten oder fluchten, saßen irgendwo herum oder waren ständig in Bewegung. Aus allen Ecken kam das Geräusch klappernder Tastaturen, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit angeschlagen wurden. Die Luft war erfüllt vom Geruch abgestandenen Kaffees, frischen Brotes, von Tabakqualm und Schweiß. Ein Narrenhaus? Etliche der Anwesenden hätten dieser Bezeichnung für den Raum des >New Orleans Herald< zugestimmt, besonders zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses.

Die meisten der Angestellten achteten nicht weiter auf das Chaos, es war so selbstverständlich wie das Atemholen. Es gab Augenblicke, da ein jeder von ihnen von seinen eigenen täglichen Krisen oder Triumphen den Kopf zu voll hatte, als dass er die Dutzend anderen Krisen und Triumphe, die hier noch passierten, mitbekommen hätte. Nicht dass man gegeneinander gearbeitet hätte. Sie alle hingen an ihrer exklusiven Schar von Journalisten. Aber jeder Einzelne würde sich auf seine oder ihre eigene Story, seine eigenen Quellen und seinen individuellen Stil konzentrieren und eifersüchtig darüber wachen. Ein erfolgreicher Zeitungsreporter lebt von der Schnelligkeit, dem Durcheinander und einer heißen Geschichte.

Matthew Bates hatte sich ganz dem Zeitungswesen verschrieben. Er hatte es von der Pike auf gelernt, als Zeitungsjunge auf der Lower East Side bis hin zum Reporter. Er hatte sich um den Kaffee gekümmert, Kopien gemacht, Nachrufe verfasst und über Blumenausstellungen berichtet.

Die Fähigkeit, eine Story aufzuspüren und sie erfolgreich zu vermarkten, hatte er nicht auf seinen Journalistiklehrgängen gelernt . er war damit geboren worden. Die Jahre seiner Seminare und Studien und seine Praxis hatten nur den Stil und die Technik seines Talentes verfeinert, das ebenso zu ihm gehörte wie die Farbe seiner Augen.

Im Alter von dreißig Jahren neigte Matthew gelegentlich zum Zynismus, besaß aber genügend Humor für das Auf und Ab des Lebens. Er mochte die Menschen, ohne sich Illusionen über sie zu machen. Er begriff und fand sich damit ab, dass Menschen von Grund auf lächerlich waren. Wie hätte er sonst in einem Raum voller Verrückter in einem Beruf arbeiten können, der ständig Menschen anprangerte und ausnutzte?

Vor einem Jahr hatte er New York verlassen, um diese Position beim >Herald< anzunehmen, weil er eine Abwechslung wollte, vielleicht sogar brauchte. Ruhelos, dachte er jetzt bei sich. Er war ruhelos auf der Suche nach - irgendetwas. Und New Orleans war eine ebenso harte und spannendere Stadt wie New York, nur viel eleganter.

Er war Kriminalreporter, und sein Job gefiel ihm. Es war eine raue Welt, und Mord und Verzweiflung waren ein Teil davon, den man nicht ignorieren konnte. Der Mord, über den er gerade geschrieben hatte, war sinnlos und grausam gewesen. Aber so war das Leben - und so waren seine Geschichten. Jetzt verdrängte er den Tod des achtzehnjährigen Mädchens aus seinem Kopf. Zuallererst musste man objektiv sein, wenn man nicht einen neuen Beruf auszuprobieren gedachte. Aber er musste sich schon sehr anstrengen, um das Bild dieser Ermordeten aus seiner Erinnerung zu vertreiben.

Er sah nicht wie ein erfahrener, abgebrühter Reporter aus, und das wusste er auch. Als er noch um die zwanzig Jahre alt war, hatte ihn das sehr gestört, aber heute amüsierte er sich darüber.

Er war schlank und muskulös und fühlte sich in Jeans wohler als in Anzug. Seine Größe ließ ihn etwas schlaksig wirken. Sein dunkelblondes Haar zeigte nur selten den vorzüglichen Schnitt des guten Friseurs. Zumeist fiel es ihm in natürlichen Locken über die Ohren hinunter bis auf seinen Hemdkragen. Damit sah er noch mehr wie ein stiller, umgänglicher Mensch aus, der lieber am Strand saß als durch die Stadt raste. Mehr als eine Person hatte sich von seiner Fassade täuschen lassen, ohne den Menschen dahinter voll zu begreifen. Und wenn es dann - falls überhaupt - der Fall war, hatte Matthew seine Geschichte schon längst geschrieben.

Wenn er wollte, konnte er charmant, sogar elegant sein. Aber die sonst gutmütig dreinblickenden blauen Augen konnten vor Zorn blitzen oder, was noch gefährlicher war, seinen Gegenüber eiskalt anstarren. Hinter seiner aufgeschlossenen Art verbarg sich kalte, harte Entschlossenheit und aufbrausendes Temperament. Matthew fand sich mit einem Schulterzucken damit ab.

Mit einem dünnen Lächeln auf den Lippen drehte er sich zu der jungen Frau um, die ihm gegenübersaß: Laurel Armand. Sie hatte ein Gesicht, das so romantisch wie ihr Name war. Sie wirkte zerbrechlich, was auf ihre Feingliedrigkeit und blasse Haut zurückzuführen war und was in einem Mann den Wunsch hervorrief, sie zu berühren. Ganz sanft zu berühren. Sie hatte leicht lockiges, dunkelbraunes, nach hinten gekämmtes Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte. Haar, wie geschaffen dafür, seine Finger darin zu vergraben, sein Gesicht darin zu versenken. Ihre Augen besaßen die Farbe von dunklen, kostbaren Smaragden.

Es war das Gesicht einer Schönheit des neunzehnten Jahrhunderts, deren Leben sich um ein angenehmes Nichtstun und ihren vornehmen Hintergrund drehte. Und ihre Stimme war ebenfalls sehr weiblich, sehr ausgeglichen im Ton.

Diese Stimme, dachte Matthew, und sein Lächeln vertiefte sich, war ebenso trügerisch wie das Gesicht. Die Dame war eine gewitzte, ehrgeizige Reporterin mit einem Hang zur Hartnäckigkeit und einem heftigen Temperament, das er besonders gern herausforderte.

Mit zusammengezogenen Augenbrauen tippte sie die letzte Zeile ihrer Geschichte. Zufrieden riss Laurel das Blatt aus der Maschine und visierte dann den Mann ihr gegenüber an. Sie wusste im Voraus, dass er sie wieder ärgern und dass sie - leider - wieder darauf hereinfallen würde.

»Hast du ein Problem, Matthew?« fragte sie sanft und leicht gelangweilt.

»Kein Problem, Laurellie.« Er sah, wie sie ärgerlich wurde, weil er ihren vollen Namen gebraucht hatte.

»Hast du keinen Mord oder bewaffneten Überfall, mit dem du dich beschäftigen kannst?«

Er verzog den Mund zu einem breiten Lächeln und vertiefte so die Lachfalten in seinem Gesicht. »Im Moment nicht. Na, klappst du für heute dein Nähkörbchen zu?«

Sie biss die Zähne zusammen, um den Schwall wütender Worte zu unterdrücken, die ihr auf der Zunge lagen. Matthew brachte es stets fertig, sie der Gefühle wegen, die bei ihrer Arbeit mit einflossen, aufzuziehen, und sie verteidigte sie stets aufs Neue. Aber diesmal nicht, sagte sich Laurel, als sie unter ihrem Schreibtisch die Hände zu Fäusten ballte: »Ich überlasse den Zynismus dir, Matthew«, antwortete sie honigsüß, doch ihre blitzenden Augen straften ihren Ton Lügen. »Darin bist du ja Meister.«

»Ja. Wollen wir darum wetten, wessen Story auf der Titelseite erscheint?«

Sie verzog ihre schön geschwungenen Brauen - eine Geste, die er besonders bewunderte. »Ich möchte mich nicht auf deine Kosten bereichern, Matthew.«

»Mir würde es aber überhaupt nichts ausmachen.« Lächelnd stand er auf, ging um ihren Schreibtisch herum und beugte sich zu ihrem Ohr hinunter. »Fünf Dollar. Obwohl deinem Vater die Zeitung gehört, kennen unsere Herausgeber doch den Unterschied zwischen einer Reportage und einer Hetzkampagne.«

Er sah, wie ihr die Siedehitze hochstieg, und vernahm das leise Ausatmen. Es war eine Versuchung, eine sehr große Versuchung, seinen Mund auf diese weichen, schmollenden Lippen zu pressen und den Zorn zu kosten. Doch trotz dieses drängenden Verlangens erinnerte Matthew sich, dass dies kein geeigneter Weg sei, sie zu überlisten.

»Wie du meinst, Matthew, aber setz zehn Dollar ein.« Laurel stand auf. Es machte sie wütend, dass sie gezwungen war, ihren Kopf zurückzulegen, um ihm in die Augen schauen zu können. Und es machte sie noch wütender, dass diese Augen sie selbstsicher und belustigt ansahen. Laurel fiel wieder in ihre Gewohnheit zurück, ihn sich klein, dick und mit beginnender Glatze vorzustellen. »Falls das deine Möglichkeiten nicht übersteigen sollte«, setzte sie hinzu.

»Dein ganz ergebener Diener, meine Liebe.« Er wickelte eine ihrer Haarlocken um den Finger. »Und um dir zu beweisen, dass selbst Yankees ritterlich sein können, werde ich dich von meinem Gewinn zum Lunch einladen.«

Sie lächelte ihn an und lehnte sich ein wenig an ihn heran, sodass ihre Körper sich leicht berührten. Matthew fühlte, wie eine überraschende Hitzewelle ihn durchlief. »Aber erst, wenn die Hölle gefriert«, antwortete Laurel und schob ihn zur Seite.

Matthew sah ihr nach, wie sie davonstürmte, dann steckte er lachend seine Hände in die Taschen. In dem Durcheinander um ihn herum fiel das keinem auf.

»Verdammt!« fluchte Laurel, während sie ihr Auto durch den stockenden Verkehr in die Innenstadt manövrierte. Matthew Bates war der irritierendste Mann, den sie je getroffen hatte. Sie rutschte gerade noch bei Gelb durch und haderte mit ihrem Schicksal. Wenn ihr Bruder Curt ihn nicht auf dem College kennen gelernt hätte, dann hätte Matthew niemals die Stellung beim . >Herald< angetreten. Dann wäre er in New York unerträglich, statt Tag für Tag nur einen Meter von ihr entfernt unerträglich zu sein.

Nur widerwillig gestand sie sich ein, dass er der beste Reporter von allen war. Er war gründlich, seine Berichte waren aufschlussreich, und er besaß den Instinkt eines Bluthundes. Aber das machte den Umgang mit ihm nicht einfacher.

Matthews Artikel über den Mord war fundiert und brachte die Geschichte auf den Punkt. Am...

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