Sanft kommt der Tod

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. April 2013
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09474-4 (ISBN)
 
Liebe, Skandale und Intrigen

Lieutenant Eve Dallas muss in ihrem neuesten Fall ausgerechnet an einer Privatschule mit dem dubiosen Namen »Sarah Child Academy« ermitteln. Dort wurde in der Mittagspause ein junger Geschichtslehrer tot aufgefunden. In seinem Blut entdeckt man Spuren eines tödlichen Giftes. Hat ihn seine frisch Angetraute auf dem Gewissen? Oder hatte er Feinde in der Schule? Und was wissen die Schüler? Die Leiche des Lehrers ist aber nicht Eves einziges Problem. Eine attraktive Blondine wird immer häufiger an der Seite von Roarke gesehen, Eves steinreichem und äußerst attraktivem Ehemann .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,72 MB
978-3-641-09474-4 (9783641094744)
weitere Ausgaben werden ermittelt
J. D. Robb ist das Pseudonym der international höchst erfolgreichen Autorin Nora Roberts. Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren und veröffentlichte 1981 ihren ersten Roman. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.

1

Unangekündigte Tests waren einfach mörderisch. Wie Heckenschützen erfüllten sie die Opfer mit Furcht und Abscheu, den Jäger hingegen mit einem gewissen schwindelerregenden Gefühl der Macht.

Als Craig Foster in die Mittagspause ging, um dort den Test noch einmal durchzugehen, wusste er genau, wie sein Geschichtskurs der fünften Klasse reagieren würde. Die Kinder würden stöhnen oder leise keuchen, unglücklich die Gesichter verziehen oder in nackte Panik ausbrechen. Was er sehr gut verstand. Schließlich hatte er mit seinen sechsundzwanzig Jahren längst noch nicht vergessen, welchen Schmerz und welche Angst man als Schüler vor Prüfungen empfand.

Er packte den Thermosbehälter mit seinem Mittagessen aus. Er war ein Gewohnheitsmensch und wusste, seine Frau hätte ihm ein Geflügelsandwich, einen Apfel, ein paar Sojafritten sowie seine geliebte heiße Schokolade eingepackt. War es nicht fantastisch, verheiratet zu sein?

Er hatte sie noch nie darum gebeten, ihm ein Lunchpaket zu machen oder dafür zu sorgen, dass er immer frisch gewaschene und ordentlich paarweise zusammengelegte Socken in der rechten Hälfte der obersten Schublade seiner Kommode fand. Sie sagte einfach, sie täte das gern für ihn.

Die sieben Monate seit ihrer Trauung waren die schönsten seines Lebens gewesen. Dabei hatte er es vorher auch nicht gerade schlecht gehabt.

Er hatte eine Arbeit, die er liebte und auch ausgezeichnet machte, dachte er mit einem Anflug von Stolz. Er und Lissette hatten ein mehr als anständiges Apartment, von dem aus er in wenigen Minuten zu Fuß zur Schule kam. Seine Schüler und Schülerinnen waren aufgeweckt und interessant und, was das Allerbeste war, er war bei ihnen ausnehmend beliebt.

Natürlich würden sie wegen des Tests ein wenig murren und vielleicht auch schwitzen, doch sie kämen ganz bestimmt damit zurecht.

Bevor er sich an die Arbeit machte, schickte er noch eine kurze Mail an seine Braut.

Hey, Lissy!

Was hältst du davon, wenn ich heute Abend auf dem Heimweg einen großen Salat und die Suppe hole, die du so gerne isst?

Ich vermisse dich und liebe jeden süßen Zentimeter von dir!

Du weißt schon, wer.

Er musste grinsen, als er daran dachte, wie sie lächeln würde, wenn sie diese Nachricht läse, wandte sich dann aber wieder seiner Arbeit zu und blickte auf den Bildschirm, als er sich die erste Tasse heißer Schokolade in den Becher schenkte und in das mit dünnen Sojascheiben, die sich als Geflügelbrust ausgaben, gefüllte Sandwich biss.

Es gab so viel zu lehren und so viel zu lernen. Die Geschichte dieses Landes war dramatisch, vielfältig und reich an Tragödien, Komödien, Romantik, Heldentum, Feigheit und Verrat. All das wollte er seinen Schülern nahebringen, wollte ihnen zeigen, wie die Welt, in der sie lebten, sich zu dem entwickelt hatte, was sie jetzt, in den ersten Monaten des Jahres 2060, war.

Er aß, löschte ein paar Fragen, fügte andere ein und trank einen großen Schluck seiner geliebten heißen Schokolade, während lautlos blütenweißer Schnee vor dem Fenster seines Klassenzimmers auf die Erde fiel.

Während seine eigene kurze Geschichte ihrem Ende von Minute zu Minute näher kam.

Sie bekam noch immer Zustände, wenn sie in eine Schule kam. Was für einen zähen, toughen Cop ziemlich blamabel war. Trotzdem war es so. Lieutenant Eve Dallas, eindeutig die beste und bekannteste Ermittlerin in Mordsachen von ganz New York, wäre lieber auf der Suche nach einem psychotischen Junkie auf Zeus durch eine verlassene Fabrikhalle gestapft als durch die jungfräulichen Flure der eindeutig der oberen Mittelklasse verschriebenen Sarah Child Akademie.

Trotz der in freundlichen Primärfarben gestrichenen Fußböden und Wände und der blank geputzten Fenster kam Eve das Gebäude wie die reinste Folterkammer
vor.

In den meisten Räumen, deren Türen offen standen, war außer Tischen, Stühlen, Bildschirmen und Tafeln nichts zu sehen.

Eve blickte auf Rektorin Arnette Mosebly, eine leicht gedrungene, beinahe statuenhafte Frau von vielleicht fünfzig Jahren, mit dank ihres gemischtrassigen Erbes rauchig blauen Augen und karamellfarbener Haut. Ihr schimmernd schwarzes Haar fiel in dichten Korkenzieherlöckchen um ihr etwas strenges Gesicht, sie trug einen langen schwarzen Rock unter einer kurzen roten Jacke, und die Absätze ihrer vernünftigen Schuhe klackerten vernehmlich auf dem Boden, als sie neben Eve den Flur im ersten Stock hinunterlief.

»Wo sind die Kinder?«, fragte Eve.

»Ich habe sie in die Aula bringen lassen, bis ihre Eltern oder Betreuer sie abholen können. Auch die meisten Lehrer halten sich dort auf. Ich hielt es für das Beste und vor allem für ein Zeichen des Respekts, den Nachmittagsunterricht ausfallen zu lassen.«

Ein paar Meter vor der Tür, vor der ein Polizist in Uniform mit ausdrucksloser Miene Position bezogen hatte, blieb sie stehen.

»Lieutenant, das ist eine furchtbare Tragödie für uns alle und vor allem für die Kinder. Craig .« Sie presste die Lippen aufeinander und wandte sich kurz ab. »Er war jung, intelligent und enthusiastisch. Er hatte noch sein ganzes Leben vor sich, und .« Wieder brach sie ab und hob eine Hand, während sie um Fassung rang. »Mir ist klar, dass es Routine ist, dass die Polizei in einen solchen Fall miteinbezogen wird. Aber trotzdem hoffe ich, dass Ihre Arbeit möglichst schnell erledigt ist und dass wir mit dem . dem Abtransport des Leichnams warten können, bis der letzte Schüler das Gebäude verlassen hat.«

Sie richtete sich zu ihrer ganzen Größe auf. »Ich verstehe einfach nicht, wie der junge Mann plötzlich so krank werden konnte. Weshalb ist er heute überhaupt gekommen, wenn ihm unwohl war? Seine Frau - er ist erst seit ein paar Monaten verheiratet - ich habe sie noch nicht über die Sache informiert. Ich war mir nicht sicher .«

»Das überlassen Sie am besten uns. Und jetzt lassen Sie uns bitte kurz allein.«

»Ja. Ja, natürlich.«

»Peabody, schalten Sie den Rekorder an«, sagte Eve zu ihrer Partnerin, nickte dem Polizisten zu, der einen Schritt zur Seite trat, öffnete die Tür und blieb auf der Schwelle stehen.

Sie war eine große, schlanke Frau mit kurzem, braunem Haar und braunen Augen, die noch nicht einmal die allerkleinste Regung zeigten, als sie sich in dem Raum umsah. Mit fließenden Bewegungen zog sie eine Dose Versiegelungsspray aus dem Untersuchungsbeutel, den sie bei sich trug, und sprühte ihre Hände und die Stiefel ein.

In fast einem Dutzend Jahren bei der Polizei hatte sie bereits erheblich Schlimmeres gesehen als den verlorenen Geschichtslehrer, der in seinem eigenen Erbrochenen und seinen eigenen Ausscheidungen bäuchlings auf dem Boden lag.

Eve gab Ort und Zeit in den Rekorder ein. »Die alarmierten Sanitäter waren um vierzehn Uhr sechzehn da und haben das als Craig Foster identifizierte Opfer um vierzehn Uhr neunzehn für tot erklärt.«

»Zum Glück haben die Sanis den Leichnam nicht bewegt«, bemerkte Peabody. »Armer Hund.«

»Weshalb hat er sein Mittagessen hier an seinem Schreibtisch zu sich genommen? An einem Ort wie diesem gibt's doch sicher eine Cafeteria für die Angestellten oder so.« Eve stand noch immer auf der Türschwelle und legte ihren Kopf ein wenig schräg. »Auf dem Boden liegen eine große Thermosflasche und ein umgeworfener Stuhl.«

»Sieht mehr nach einem Anfall aus als nach einem Kampf.« Peabody schob sich mit leicht quietschenden Airboots an der Wand des Raums entlang, rüttelte an den Fenstern, kommentierte »Abgeschlossen«, beugte sich ein wenig vor und sah sich den Schreibtisch und den Toten von der anderen Seite an.

Auch wenn ihr Körper so wie der von Arnette Mosebly leicht gedrungen war, wäre sie doch niemals statuenhaft. Sie hatte ihre dunklen Haare etwas wachsen lassen und die Spitzen - was Eve nie verstehen würde - kess nach außen gefönt.

»Er hat während des Essens gearbeitet«, bemerkte sie. »Hat wahrscheinlich entweder die nächste Stunde vorbereitet oder Arbeiten korrigiert. Vielleicht hat er ja auf irgendwas, was er gegessen hat, allergisch reagiert.«

»Auf jeden Fall.« Eve trat vor den Leichnam und hockte sich vor ihn hin. Sie würde noch seine Fingerabdrücke abnehmen, den genauen Todeszeitpunkt bestimmen und all das andere Zeug. Erst einmal sah sie sich den Toten aber einfach an.

Das Weiß von seinen Augen wurde von geplatzten Äderchen durchzogen, die wie Spinnenbeine aussahen, Schaum und Reste von Erbrochenem klebten an seinem halb offenen Mund. »Er hat versucht, zur Tür zu kriechen, als ihm schlecht geworden ist«, murmelte sie. »Identifizieren Sie ihn und überprüfen Sie den Todeszeitpunkt, Peabody.«

Eve stand wieder auf, machte einen vorsichtigen Bogen um die Pfützen, die der Ärmste auf dem Boden hinterlassen hatte, hob den schwarzen Thermosbecher auf und schnupperte daran.

»Glauben Sie, jemand hat den armen Kerl vergiftet?«, fragte Peabody.

»Ich rieche heiße Schokolade. Und noch etwas anderes.« Eve tütete den Becher ein. »Die Farbe des Erbrochenen, die Hinweise...

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