Kates Hochzeit

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2015
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96547-7 (ISBN)
 
Nachdem die posthume Wiederentdeckung der vormals erfolglosen Romane ihres Onkels Albert Kate Salomon auf ihre alten Tage unerwartet ein nennenswertes Vermögen beschert, zieht sie in den kleinen Ort Ribanova, wo einst ihr Vater wohnte. Zusammen mit dem jungen Pakistani Ahmed betreibt sie dort ein Buchlädchen und wohnt mit zwei Freundinnen zusammen in einem alten Haus. So fließt das Leben in beschaulichen Bahnen, bis es an Kates einundsiebzigstem Geburtstag plötzlich an der Türe klopft. Draußen steht Forster Smith - ein alter Verehrer, der immer Kates große Liebe war und den sie dennoch drei Mal in ihrem Leben abgewiesen hat - und bittet erneut um ihre Hand. Und diesmal sagt Kate nicht nein. Während ihre alten Freundinnen schon aufgeregt die Frage des Hochzeitskleids diskutieren, finden nicht alle diese Entwicklung so wunderbar - allen voran Kates Familie, die das schon sicher geglaubte Erbe in Gefahr sieht und gleich Kates Nichte Laura vorschickt, um die unerwünschte Hochzeit mit allen Mitteln zu verhindern. Und als dann noch ein halbfertiges Manuskript von Onkel Albert auftaucht, das ein junger Verlagslektor zum Entsetzen der alten Dame »zu Ende schreiben« soll und das auf verschlungenen Wegen zu Truman Capote führt, ist das Chaos perfekt .
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,44 MB
978-3-492-96547-7 (9783492965477)
Marta Rivera de la Cruz (1970 in Lugo geboren) ist Buchautorin und Journalistin. Die Liste der Zeitungen und Zeitschriften, für die sie schreibt (El País Semanal, Vogue, Marie Claire u.a.), ist derartig lang, dass es unglaublich scheint, dass sie in jungen Jahren auch eine ganze Reihe Bücher veröffentlichte. Als Tochter eines Journalistenehepaars war sie wohl prädestiniert dafür. Bereits mit achtzehn Jahren schrieb sie ihren ersten Roman, und mit ihrem vierten Buch En Tiempo de Prodigios avancierte sie zur Finalistin um den Premio Planeta. Ihr aktueller Roman Kates Hochzeit ist auch ihr erfolgreichster und sprang direkt unter die Top Ten der spanischen Bestsellerliste.

Michaels Tod ein paar Jahre später kam für alle überraschend. Eine von Kates Tanten hielt es für unglaublich, dass ein angesehener Arzt so plötzlich an einem akuten Herzinfarkt sterben konnte, doch diese Behauptung hielten alle, die sie hörten, für so dämlich, dass sich niemand die Mühe machte zu erklären, dass Michael Spencer Augenarzt gewesen war und demnach nicht besonders viel von Herzkrankheiten verstand. Tatsache war, dass Kate Salomon nun mit fünfzig Jahren bereits Witwe war, viel früher als sie - und der arme Mike - damit gerechnet hatten. Sie waren beide davon ausgegangen, dass sie ihn überleben würde, dennoch hatten sie erwartet, dass das Leben ihnen eine längere gemeinsame Zeit zugedacht hatte. Kate trauerte aufrichtig um ihren Mann, der für sie der beste Lebensgefährte gewesen war, den sie sich vorstellen konnte, ein guter, aufrichtiger, liebevoller und kluger Mensch, der dafür geboren zu sein schien, das Leben aller Leute, die ihm begegneten, einfacher zu machen.

Tatsache war, dass der Tod ihres Mannes Kates Leben gewaltig veränderte. Seine beiden Kinder, die nach wie vor keine wirklich großzügigen Menschen waren, beanspruchten das Haus ihres Vaters nun für sich. Mikes plötzlicher Tod hatte keine Zeit gelassen, seinen Nachlass vernünftig zu regeln, und die Eile seiner Kinder, ihr Erbe zu Geld zu machen, führte zu einem schnellen Verkauf des Hauses in Brighton. Das versetzte Kate in eine unangenehme Lage. Natürlich erhielt sie einen Teil der Verkaufssumme, was jedoch nicht für eine Eigentumswohnung ausreichte. Von der Witwenrente und ihrem Gehalt als Halbtagssekretärin konnte sie sich gerade eine winzige Wohnung mieten. Mike war kein guter Investor gewesen, sodass beinah alles, was er während seines Lebens verdient hatte, in den Kauf des Hauses und die Absicherung der Zukunft seiner Kinder geflossen war. Somit gab es weder Aktien, Wertpapiere oder sonstiges Eigentum, auf das Kate zurückgreifen konnte. Im Gegenteil fehlten sogar noch ein paar Tausend Pfund, um die Hypothek des Hauses zu bezahlen.

Kate schämte sich für den Gedanken, dass ihr Vater, wäre er nicht so großzügig gegenüber James gewesen, nun in der Lage gewesen wäre, ihr ein wenig unter die Arme zu greifen, daher schlug sie ihn sich sofort wieder aus dem Kopf. Sie war immer allein zurechtgekommen und würde nun nicht einen alten, beinah achtzigjährigen Mann bitten, sie wirtschaftlich zu unterstützen! Im Alter von fünfzig Jahren richtete Kate sich also darauf ein, zukünftig nicht mehr das Leben der Gattin eines angesehenen Augenarztes zu führen, sondern das einer Witwe mit geringem Einkommen aus einer minimalen Rente und einem lächerlichen Gehalt. Auch wenn sie absolut kein verschwenderischer Mensch war und keine übertriebenen Ansprüche hatte, belastete sie die Möglichkeit, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Während der gemeinsamen Jahre mit Michael hatte sie sich an ein ruhiges, bequemes Leben gewöhnt, sodass die Vorstellung, von nun an jeden Penny umdrehen zu müssen, sie traurig machte.

Sicher wäre es besser gewesen, einen frühen Tod Mikes zu bedenken und gewisse Vorkehrungen zu treffen, zum Beispiel ein umsichtiges Testament zu machen oder das Haus, in dem sie lebten, auf Kates Namen umzuschreiben, aber, wie Kate immer sagte: Was brachte es, über Dinge zu klagen, die sich nicht mehr ändern ließen? Daher gewöhnte sie sich daran, in einer kleinen Wohnung zu leben, kein eigenes Auto zu haben und billigen Tee zu trinken, anstatt der exquisiten indischen Mischung, die Michael immer in einem Delikatessenladen bestellt hatte, wo sie von nun an natürlich auch nicht mehr einmal pro Woche ein paar belgische Pralinen und dänische Kekse kaufte.

In der ersten Nacht in ihrem neuen Heim dachte sie nicht an Michael, sondern an Forster Smith. Es war fünfzehn Jahre her, dass sie zuletzt von ihm gehört hatte, und sie fragte sich, was er wohl sagen würde, wenn er sie so sähe: all dessen beraubt, wofür sie auf ein Leben mit ihm verzichtet hatte, ohne Michael und ohne ihren Vater, der inzwischen in weiter Ferne lebte, während ihr Bruder es zum Alleineigentümer des Salomon'schen Besitzes gebracht hatte. Kurz ging ihr die Möglichkeit durch den Kopf, wieder mit Forster Kontakt aufzunehmen, bevor sie selbst über diesen Einfall lachen musste. Mit Sicherheit war Forster mit seinem kastanienfarbenen Haar und den schönen goldbraunen Augen mit einer hübschen Amerikanerin verheiratet und hatte ein halbes Dutzend Kinder.

Schnell fand Kate Salomon sich mit ihrem wenig beneidenswerten Dasein ab, sodass sie sich bald kaum noch daran erinnern konnte, dass sie noch vor gar nicht allzu langer Zeit in einem Haus mit Garten gelebt und die Ferien in der Bretagne oder an der italienischen Riviera genossen hatte. Inzwischen verbrachte sie ihre Zeit mit der Arbeit in der Anwaltskanzlei, dem ehrenamtlichen Einsatz in der örtlichen Bibliothek und dem Engagement für zwei karitative Einrichtungen. Wie sie selbst mit ihrem speziellen Sinn für Humor feststellte, war sie so etwas wie eine Junggesellin, die zwischendurch mal kurz fünfzehn Jahre verheiratet gewesen war. Eine Weile überlegte sie, sich ein Haustier anzuschaffen, um das Klischee der einsamen alleinstehenden Frau im reifen Alter noch zu verstärken, doch gegen Katzen war sie allergisch, Vögel mochte sie nicht und Hunde machten mehr Arbeit, als sie zu leisten bereit war. Daher wurde sie, wenn sie nach Hause kam, nur von der Stille in ihrer Wohnung empfangen, und wie alle allein lebenden Menschen empfand sie das manchmal als angenehm und bei anderen Gelegenheiten als deprimierend.

Im Grunde machte sie sich weniger Sorgen um die mangelnde Gesellschaft als um den beengten Raum, mit dem sie sich begnügen musste. Natürlich konnte sie jetzt so leben. Sie war vierundfünfzig Jahre alt, war bei guter Gesundheit und brauchte nicht viel, doch was sie beunruhigte, war der Gedanke an die Zukunft, an die Zeit, wenn sie alt wäre. Einmal sprach sie mit ihrem Bruder darüber. James sagte nichts dazu. Lediglich Lotta verstieg sich zu einem Kommentar, der wohl jeden anderen als Kate zutiefst verärgert hätte: »Du und Michael hättet eben entsprechend vorsorgen müssen.«

Kate wollte diesen Satz nicht als Kriegserklärung auffassen. James und Lotta hatten als Einzige und nicht zu knapp von dem bescheidenen Familienvermögen profitiert. Sie hatten ein eigenes Café (das Peter Salomon finanziert hatte), lebten in einem Haus mit drei Etagen (das Peter Salomon gehört hatte) und fuhren Peter Salomons altes Auto, das dieser bei seinem Umzug nach Ribanova zurückgelassen hatte. Angesichts dieser Situation hätte wohl jeder andere, nicht so friedliebende Mensch wie Kate Lottas Bemerkung nicht so einfach hingenommen. Sie jedoch hielt sich zurück, denn James und Lotta hatten zwei Töchter - Laura und Lizzie -, und wie vor allem Lotta gern betonte, würde deren Erziehung und Ausbildung sie noch viel Geld kosten. Genau das waren Lottas Worte: »Deren Erziehung und Ausbildung«, wobei sie auf ihre Töchter zeigte, als wären diese beiden niedlichen blonden Wesen nicht die Freude ihres Lebens, sondern zwei Ungeheuer, die gierig die Ersparnisse ihrer Eltern verschlangen.

Kate nahm sich vor, mit der Familie ihres Bruders nie wieder über Geld zu reden, und versuchte, sich möglichst wenig Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Und genau in diesem Moment trat der Verlagslektor Jeffried Ruskin auf den Plan und bat sie um ihre Erlaubnis für die Wiederveröffentlichung von Onkel Berties Romanen. Nur wenig später, nämlich genau anderthalb Jahre nachdem der höfliche junge Mann vor Kates Tür gestanden hatte, erlaubten es die Umstände, dass sie ihr Leben erneut von Grund auf veränderte. Sie kaufte sich das kleine Haus am Meer und entschied, die meiste Zeit über in London zu leben, zum Entsetzen ihres Bruders und ihrer Schwägerin, die eine solche Geldverschwendung absolut nicht gutheißen konnten, genauso wenig wie das Glück, das Kate so unverhofft ereilt hatte. Denn in einem Punkt waren sich die beiden einig: Das, was Kate passiert war, war äußerst ungerecht. Schließlich war Bertie ja der Onkel beider Geschwister gewesen .

Zwei glückliche Jahre lang lebte Kate in ihrer Wohnung in Harrington Gardens und genoss die Vorteile, die der späte Erfolg ihres Onkels ihr zugestand. Ohne ihr Dazutun brachte der Umstand, Albert Salomons Erbin zu sein, ihr eine gewisse Berühmtheit ein, und die Tatsache, über einen Abschluss der Edinburgh University zu verfügen, prädestinierte sie zur häufigen Teilnahme an literarischen Kolloquien oder sogar dazu, die ein oder andere Rede zu halten. Jeffried Ruskin schickte dafür einen Dank Richtung Himmel, denn hätte der gute Albert Salomon sein Erbe einer einfachen Hausfrau, einer Parfümverkäuferin oder einer Mathematiklehrerin hinterlassen, hätte sich die Vermarktung der Bücher als wesentlich schwieriger erwiesen. Kate jedoch war eine erfreulich gebildete, heitere, temperamentvolle Frau mit einem besonderen Sinn für Humor. Daher war sie in den literarischen Kreisen herzlich willkommen, und ihr Einsatz trug schon bald üppige Früchte. Onkel Alberts Bücher verkauften sich wie warme Semmeln, und Mr. Ruskin hatte bereits erste Lizenzen ins Ausland vergeben, was die goldene Ära wohl noch für eine Weile verlängern würde.

Genau zu dieser Zeit meldete sich auf einmal ihr Bruder und bestellte sie »auf der Stelle« nach Brighton. Weitere Details wollte er ihr am Telefon nicht erzählen. »Es geht um Papa«, war das Einzige, was er zur Erklärung noch hinzufügte. Gleich am nächsten Morgen machte Kate sich tapfer auf den Weg, um sich dem zu stellen, was ihr jüngerer Bruder ihr zu sagen hatte.

»Er hat vollkommen den Verstand verloren«, platzte der denn auch gleich heraus. »Man...

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