Vom Nichts suchen und Alles finden

Notizen über die Liebe
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. August 2020
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98667-0 (ISBN)
 

Nach dem Erfolg von "Tinder Stories: Ein Jahr voller Dates" das neue, überraschende Buch von Influencerin luiseliebt: schonungslos offen und maximal lebensbejahend

Sie hatte sich fest vorgenommen, Single zu bleiben und ihre Freiheit zu genießen. Doch dann traf sie Nick. Und auf einmal war alles anders. Eine reale Geschichte Marie Luise Ritter erzählt in Notizen über die Liebe: Von der Liebe zu einer Person, der in Freundschaften, der Liebe zur eigenen Heimat und der Liebe zu sich selbst.

Das Buch umfasst in Episoden und Begegnungen die Hürden und Abenteuern einer jungen Liebe, erzählt über Freundschaft, Vertrauen, Trauer und Versagen vor dem bunten Gesicht der unbeständigen Großstadt Berlin. Marie Luise Ritter bespricht, wie man sich in einer Partnerschaft öffnet, wenn man vorher allzu gerne Single war, und wie man findet, wo man wirklich hingehört. Das ist mal melancholisch, mal euphorisch, aber immer voller Lebensfreude: Eine Geschichte zum Wohlfühlen, zum Eintauchen und Sichverlieren, zum Nachdenken und Schwelgen.

"Vom Nichts suchen und Alles finden". Weil das Leben eine Reise ist, auf der man sich genauso gut verlieren wie wiederfinden kann. Weil die besten Dinge sich abseits des Weges ergeben, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Süße Spontanbegegnungen, ein Sommer-Roadtrip mit dem Bulli durch Frankreich, unerwartete Gespräche, die Bar voller Einheimischer auf Reisen, wenn man den Stadtplan wegpackt, und sich einfach treiben lässt. Um von den verschiedensten Menschen über das Leben zu lernen: Von der Rentner-Freundin, vom Wandergesellen im Zug, durch die älteren Damen beim Italiener, beim Vorlesen im Altenheim.

"Vom Nichts suchen und Alles finden" erzählt hoffnungsvoll vom Loslassen alter Ideen und festgesetzter Muster, vom Zulaufen auf neue Abenteuer. Und von der Liebe. Vor allem von der Liebe.

weitere Ausgaben werden ermittelt

Marie Luise Ritter, 28, ist studierte Journalistin und hat sich erst Hamburg und jetzt Berlin zur Wahlheimat gemacht. Als Influencerin mit dem Fokus auf persönliche, authentische Geschichten nimmt sie ihre Leser auf Instagram unter @luiseliebt mit - auf Reisen und Festivals, auf ihre Dates und auf die Suche nach der Liebe.

Heuboden


Mai

Ich genieße das Gewicht von seinem Arm auf meiner Hüfte, als ich in der gleißenden Morgensonne aufwache. Die Vorhänge sind nur halb zugezogen, das Fenster über uns ist gekippt. Der Himmel drängt sich strahlend blau in die nackten, weißen Wände rund um unser Pensionsbett. Er riecht gut, hat seine Beine mit meinen verknotet und sein Kinn auf meiner Schulter abgelegt. Ich liege auf dem Rücken, den Blick zwischen Fenster und Decke, irgendwo auf einem Punkt an der Raufasertapete verloren. Durch die Sonne in meinem Gesicht sehe ich alles nur in Umrissen. Der Abend davor ist dagegen glasklar. Ich schließe die Augen.

 

Wir waren auf der Hochzeit einer meiner liebsten und ältesten Freundinnen im ländlichen Umland von Hamburg. Sie umarmen, die Freude und Liebe in ihrem Leben mit ihr teilen. Schnell hinunter gekippte Wodka-Shots. Eine rustikale Villa, Lampions und Lichterketten, unter uns knarzende Dielen. Nick hatte mich hier am Stadtrand von Hamburg-Blankenese gegen vier Uhr huckepack in unsere Pension rübergetragen, weil ich auf meinen hohen Absätzen nicht mehr laufen konnte. Wenn ich hohe Schuhe trage, sind wir genau auf Augenhöhe. Inzwischen war ich barfuß. Draußen waren es nur noch neun Grad. Als ich aufwache, ist in mir so viel Liebe und Zuversicht. Ich setze mich auf, betrachte die dunklen Locken neben mir im Bett, fahre mit meinen Augen sein schlafendes Gesicht ab, stupse ihn an, mit dem Zeigefinger in die Wangen. Langsam wacht er auf. Er hat ein markantes Gesicht, volle Lippen und lächelt immer mit allen Zähnen, auch wenn er gerade eben noch geschlafen hat. Ich habe ja keine Ahnung, wie das mit uns weitergehen wird.

 

Kaffee schwarz, keine Hafermilch und zwei Croissants vom Bäcker, nur eine Straße weiter. Sein fröhlicher Blick, inzwischen hellwach. Ich atme die Ruhe hier draußen ein. Die saubere Luft auf dem Land riecht nach einem frischen, knisternden Sommertag, zugleich warm und verbrannt. In mir breitet sich ein heimeliges Gefühl aus. Berlin ist anders als das alles hier. Ich klettere neben Nick ins Auto auf den Beifahrersitz.

»Können wir?«, fragt er.

»Ja.«

Wir fahren in einem Schlenker durch Hamburg, an meinem alten Zuhause in Rotherbaum, an weißen Villen vorbei, durch diese prachtvolle Gegend und runter zum Alsterufer. Der Mai zeigt sich an diesem Samstag von seiner schönsten Seite. Meine Augen kleben an den Häusern, am Blau des Wassers, an den Menschen, die hier zum Samstagmorgen spazieren sind. Die Bäume rascheln in einem leichten Wind, der hier immer weht. Das hier ist Heimat - ist, war? Ich weiß es nicht. Ich komme nur noch zurück zu meinen Freundinnen, zu Treffen, zu Hochzeiten. Inzwischen wohne ich woanders. Ich liebe Berlin, ich liebe den offenen, toleranten Menschen, den die Stadt aus mir gemacht hatte, mein neues, noch höheres Level an Abenteuer-Bereitschaft und Spontanität. Aber ich liebe auch die Ruhe. Vogelzwitschern ohne Tramgeräusche. Ich vermisse die Natur, die Luft, das Wasser hier. Wehmütig werfe ich einen Blick zurück, buchstäblich.

Nick biegt auf die Autobahn ab, ich versuche die vorbeirasende Landschaft scharf zu stellen.

>Berlin fühlt sich wie ein langer Urlaub an<, hatte ich im Frühling zu Maja gesagt, die ich hier zwischen Kaffeedates und Clubnächten in mein Herz geschlossen hatte, und verdammt, ja, das ist immer noch so. Aber in Urlauben auf Zeit ist man nicht zu Hause. Wo gehöre ich hin?

»Man muss auch erst mal reinwachsen in so eine große Stadt«, bemerkt Nick. »Ein Kennenlernen, so wie bei dir und mir.« Er parkt in Berlin, wir verabschieden uns. Vielleicht ist meine Heimat überall, aber überall ein wenig anders. Ich habe ja Zeit, das herauszufinden. Diesen Sommer, dieses Jahr oder ein ganzes Leben lang.

 

An diesem Nachmittag bin ich zurück in meinem Kiez, zwischen den Graffitiwänden und dem >Überall-ist-immer-was-Los<, der stickigen Luft, den Weinbars und veganen Cafés, dem guten Wetter, dem Hauptstadt-Gefühl, den langen Tram-Wegen und den Zugezogenen.

 

»Gehört ihr nach Berlin?«, frage ich am gleichen Abend in die Runde, die sich kurzfristig auf den Außenplätzen einer Bar am Helmholtzkiez versammelt hatte. Die Frage lässt mich noch nicht los. Eine flüchtige Runde, ungeschminkte Gesichter, als hätten alle schon mit dem Tag abgeschlossen.

»Du kannst dir aus der Stadt eben alles machen, was du brauchst. Es gibt für jeden einen richtigen Platz. Wir gehören nach Berlin, du gehörst nach Berlin, Berlin gehört dir«, sinniert Lola frei heraus.

»Lu gehört gerade vor allem nur die Liebe«, wirft Maja ein und lacht.

»Berlin und die Liebe«, füge ich ihre Worte zusammen, »das klingt irgendwie schön. Wie eine Umarmung. So nach Alltag. Irgendwie so herrlich ehrlich normal.«

Ja, man musste erst einmal reinwachsen in so eine große Stadt. Vielleicht war das mit Städten genauso wie mit der Liebe.

***

Ich brauche am nächsten Morgen drei Anläufe, meine Augen aufzuschlagen und das schrille Geräusch in meiner Wohnung mit der Realität in Verbindung zu bringen. Beim vierten Mal habe ich es. Es klingelt. Widerwillig schlurfe ich zur Tür und werfe einen Blick durch den Spion, der von schweren Jacken des Mitbewohners versperrt wird, mit denen er eine Expedition in die Arktis überstehen würde. (Wir haben Mai. In Berlin sind es durchgehend über fünfundzwanzig Grad.) Nick steht mit zwei bunten Mehrwegbechern dort draußen vor meiner Wohnungstür. Ich mache auf, erst nur einen kleinen Spalt, und schließlich in Zeitlupe ganz. Er drückt mir einen Kaffee in die Hand, einen Kuss wüst auf den Mund und begrüßt meine Hündin zu seinen Füßen.

»Bereit? Wir machen einen Ausflug!« Nick grinst. Er steht in Chinos und einem hellen T-Shirt vor mir, die lederne Schultasche umgehängt. Er riecht frisch geduscht, aber auch nach einer Sommernacht und wilden Küssen auf dem Balkon. Für acht Uhr morgens macht er einen ziemlich verwegenen Eindruck. Verwirrt lege ich den Kopf schief. Seine Worte dringen noch nicht wirklich zu mir durch, was ich mit einem Schluck aus dem Kaffeebecher versuche zu ändern.

»Lässt du mich rein?«, fragt er.

»Natürlich.« Ich trete aus der geöffneten Tür und mache den Weg in die Wohnung frei.

»Du bist ja früh wach«, bringe ich dann hervor, und: »Wohin denn?« Mit einem Fuß kratze ich die Socke von der Hacke des anderen ab. Nick hatte mich gestern Nachmittag hier abgesetzt und war weiter zu sich gefahren. Den Abend hatten wir getrennt mit Freunden verbracht, ich in Prenzlauer Berg, nahe meiner Wohnung, sodass ich alleine in mein Bett gefallen war, er in seines in Friedrichshain. Irgendwann gegen ein Uhr hatten wir noch kurz telefoniert.

»Wieso bist du so zeitig auf? Ich habe noch geschlafen.« Ein bisschen muss ich grinsen über seine frühe Euphorie. Erinnert mich an mich selbst, im letzten Sommer. Ich war noch nie ein Morgenmuffel. Er ist auch keiner. Jeden neuen Tag beginnt er voller Vorfreude.

»Ich will dir was zeigen. Eine knappe Stunde Fahrt. Vielleicht auch weniger, die Straßen sind leer. Wie lange brauchst du zum Duschen?« Er zieht mich aufgeregt in meine Wohnung. Seine krausen Locken stehen wild in alle Richtungen ab.

»Zehn Minuten, okay?« Ich schlurfe mit der einen verlorenen Socke im Schlepptau in mein Bad und brause mich ab. Eine kalte Dusche später bin ich schon wacher und schlüpfe in die Sachen, die hier eh von gestern rumliegen, meine Shorts, ein schwarzes Bustier und ein weißes T-Shirt. Es ist morgens schon unerträglich stickig zwischen den Betonbauten der Großstadt, die die Hitze durch die offenen Balkontüren reindrücken.

 

Wir fahren von meinem Zuhause los, die Prenzlauer Allee runter und am Fernsehturm vorbei, am Spittelmarkt links und in Kreuzberg wieder rechts, und unter Tempelhof auf die Autobahn. Ich weiß nicht, wo es hingeht, und genieße für den Moment das Unbekannte. Geistesabwesend streiche ich über Nicks Unterarme, die sich reflexartig anspannen, wenn man sie nur sachte berührt. Während wir die Stadt hinter uns lassen, trinke ich meinen kalten Kaffee leer. Bäume fliegen an mir vorbei, die Autobahn wird immer leerer. Als wir auf verzweigte Landstraßen abbiegen, die Natur sich verlangsamt, entspanne ich mich endlich und kurbele das Fenster runter. Hier ist es wirklich schön. Die Straßen werden schmaler, grüne Felder wechseln sich mit Waldabschnitten ab, und ich hoffe auf einen See und Freibadpommes. Crow von Bear's Den läuft über die Lautsprecher. But there you are. Die Temperaturanzeige im Auto zeigt sechsundzwanzig Grad. Meiner Orientierung nach sind wir schon längst in Brandenburg. Wieder ein paar Dörfer weiter parkt Nick rechts am Straßenrand und zeigt nach links.

»Das da. Das will ich dir zeigen.« Ich sehe mich um. Ein verwittertes, schmiedeeisernes Tor überragt mein Auto und lässt keinen Blick auf das zu, was sich dahinter verbirgt. Ich trete ein paar Schritte zurück. Kaum zu erkennen, ragen weit hinter dem Tor zwei Ziegeldächer über Backsteinfassaden in die Höhe. Nick öffnet das Tor und verschwindet im Nichts dahinter. Als ich folge, lässt er gerade den Hund im hohen Gras von der Leine frei. Sträucher kratzen an meinen nackten Beinen, ich schirme meine Augen gegen die Sonne ab und betrachte die beiden fensterlosen Scheunen. Ein alter Traktor steht da, eingefangen von Spinnenweben, auf dem Boden festgetretener Matsch und alte Späne. Die Türen und Fenster hängen schief in ihren Angeln. Aus den oberen Luken dringt Heu. Mit meiner freien Hand ergreife ich seine.

»Sieht verlassen aus. Irgendwie verkommen. Nick, was machen wir hier? Wem gehört das?«, frage ich in die Ruhe...

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