Lore-Roman 39 - Liebesroman

Das geliehene Abendkleid
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Oktober 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7101-7 (ISBN)
 
Das geliehene Abendkleid - Ein Mädchen träumt vom großen Glück


Karin Haffner ist Kindermädchen bei den Radtkes und muss kurzfristig als Tischdame für Baron von Eschleben einspringen. Natürlich darf niemand erfahren, dass sie kein Mädchen aus reichen Hause ist. Welch ein Skandal und eine Blamage! Zu diesem Zweck wird sie von der Dame des Hauses eingekleidet - und Karin ist selig. Es ist schon immer ihr Wunsch gewesen, einmal ein solch kostbares Abendkleid zu tragen. Sie fühlt sich tatsächlich wie eine reiche junge Dame.

Nur ihr Tischnachbar Baron von Eschleben ist ihr nicht besonders sympathisch. Der Abend verläuft schleppend, und Karin langweilt sich entsetzlich. Bis ein charmanter junger Mann sie zum Tanz auffordert. Ihr Herz klopft wie wild. Dieser Graf Brockerhoff, wie er sich vorgestellt hat, hält Karin tatsächlich für ein reiches Fräulein ...
1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,86 MB
978-3-7325-7101-7 (9783732571017)

"Endlich kommen Sie!"

Frau Thomsen riss die Wohnungstür auf, bevor Steffen von Brockerhoff noch den Schlüssel aus der Tasche ziehen konnte.

"Wo brennt es denn?", fragte der junge Mann amüsiert. Er streckte seiner Wirtin die Hand entgegen, die einen Blumenstrauß hielt. "Für Sie! Weil Sie immer so nett für mich sorgen."

"Aber Herr von Brockerhoff." Frau Thomsen strahlte über das ganze Gesicht. "Sie sollen doch für mich kein Geld ausgeben. Schenken Sie die Blumen lieber einem hübschen jungen Mädchen."

"Ich schenke sie lieber Ihnen. Aber Sie wollten eine Neuigkeit loswerden."

"Ja. Herr Weiland hat angerufen. Ihren Frack habe ich schon ausgebürstet. Sie sollten ihn heute Abend wieder anziehen."

"Worum geht es denn diesmal?"

Steffen von Brockerhoff hängte seinen Mantel auf einen Bügel. Er verschwendete keinen Blick auf sein Bild im Spiegel, denn eitel war er nicht.

Dafür aber schaute Frau Thomsen ihn mit fast mütterlichem Stolz an. Sie hatte im Laufe der Jahre schon für manchen Untermieter zu sorgen gehabt, aber keiner war so nett gewesen wie Herr von Brockerhoff.

"Es ist wieder ein großer Empfang oder so etwas Ähnliches. Die Adresse habe ich mir aufgeschrieben. Um zwanzig Uhr geht es los."

"Hoffentlich gibt es ordentlich was zu essen." Steffen schmunzelte. "Eigentlich bin ich hundemüde, aber wenn es darum geht, ein paar Mark zu verdienen, fühle ich mich sofort wieder frisch und munter."

"Und dann kaufen Sie für mich Blumen! Ich habe noch von Mittag etwas übrig behalten. Wollen Sie nicht vorher einen Happen essen? Ein Beefsteak?"

"Und das haben Sie übrig behalten, Frau Thomsen?" Steffen lachte sie verschmitzt an. "An mir verdienen Sie nicht viel, fürchte ich."

"Ich komme mit meiner Rente zurecht, und junge Leute müssen ordentlich was in den Magen bekommen. Ich weiß ja, dass das Essen in der Mensa nicht gut ist. Mein Sohn jedenfalls mochte es nie besonders gern."

"Vielen Dank für Ihr Angebot. Hat Herr Weiland gesagt, wie viel für mich abfällt?"

"Das übliche Honorar. - Werden Sie auch tanzen?"

"Kaum. Dafür werde ich nicht bezahlt. Ich stehe nur herum und passe auf, dass den Damen nicht der Schmuck gestohlen wird. Was die manchmal so an sich tragen . Man könnte ein ganzes Leben davon sorgenfrei bestreiten."

"Sie werden später einmal reich, das weiß ich."

"Und wie?" Steffen von Brockerhoff schüttelte den Kopf. Er machte sich keine Illusionen über seine Zukunft.

"Sie brauchten doch bloß reich zu heiraten. Wenn Sie erst in den richtigen Kreisen verkehren, dann wird es für Sie eine Kleinigkeit sein, eine reiche Erbin zu finden."

"Die haben auch alle gerade auf mich gewartet! Ich möchte nicht gern von meiner Frau abhängig sein. So, und jetzt ziehe ich mich um."

Eine halbe Stunde später kam er im Frack ins Wohnzimmer.

Frau Thomsen strahlte ihn an.

"Vielleicht verliebt sich heute Abend ein reiches Mädchen in Sie. Wenn Sie vernünftig sind, Herr von Brockerhoff, dann sagen Sie nicht Nein."

"Ich werde nicht Nein sagen, wenn ich am kalten Büfett stehe", erklärte der junge Mann.

"Sie müssen wohl mit einem Taxi hinfahren", meinte sie. "Ist ja eigentlich immer schade um das Geld."

"Es bleibt mir nichts anderes übrig, außerdem geht es auf Spesen. Ich kann doch meine Brötchengeber des heutigen Abends nicht blamieren. Für die anderen bin ich ein Gast."

"Und wer Sie so sieht, der würde auch niemals glauben, dass Sie von einem Detektivbüro geschickt sind. Richtige Detektive sehen anders aus."

"Jedenfalls im Fernsehen."

"Aber Sie sind ja auch kein Detektiv. Ich finde es nett von Herrn Weiland, dass er Ihnen ab und zu solch eine Aufgabe vermittelt. Letztens haben Sie doch hundert Mark bekommen."

"Ja, da hatte ich besonderes Glück."

Steffen lief die Treppe hinunter und atmete auf der Straße tief durch. Ein Lächeln lag noch auf seinem Gesicht, als er sich an Frau Thomsens gut gemeinte Ratschläge erinnerte. Er war zwar arm, fühlte sich aber dennoch vollkommen wohl in seiner Haut. Er stand unmittelbar vor dem Abschluss seines Studiums, und es war kein Wunder, dass er sich auf die Zukunft freute. Schon als Kind war es sein Wunsch gewesen, Arzt zu werden, und gegen alle Schwierigkeiten hatte er sich durchgesetzt.

Beschwingt ging er zum nächsten Taxistand. Das Honorar für den heutigen Abend würde ihm sehr helfen.

***

"Wo bleibt dieser junge Mann nur?" Frau Radtke rang die Hände. "Er scheint nicht zuverlässig zu sein. Mein Gott, Karin, rufen Sie noch einmal in dem Detektivbüro an."

"Er sollte um zwanzig Uhr hier sein, gnädige Frau, jetzt ist es neunzehn Uhr fünfundvierzig."

Karin Haffner kannte ihre Chefin gut und wusste, dass man nicht alles wörtlich nehmen durfte, was sie in ihrer Aufregung sagte.

"Das Telefon! Hoffentlich sagt er nicht ab. Ich geh schon dran, Karin. Was machen wir nur? Ich hätte keine ruhige Minute, wenn keiner da ist, der auf den Schmuck aufpasst."

"Er wird schon kommen", wiederholte Karin geduldig.

"Nein! Was mache ich nur? Dann habe ich keine Dame für den Baron Eschleben. Die ganze Tischordnung wird umgestoßen. Können Sie wirklich nicht kommen, meine Liebe? Entsetzlich! Gute Besserung." Frau Radtke legte den Hörer auf. "Fräulein von Schützen hat abgesagt. In allerletzter Minute! Angeblich fühlt sie sich nicht wohl. Was machen wir nur? Woher bekomme ich so schnell eine andere Tischdame für den Baron? Er hat sich so auf eine charmante Dame gefreut. Ich habe ihn neugierig gemacht. Er hatte keine Ahnung, wen ich heute Abend für ihn bestimmt habe. Karin, helfen Sie mir!"

"Es wird auch so gehen. Schließlich haben wir Gäste genug, gnädige Frau."

"Der Baron wird es mir nie verzeihen. Aber so kurzfristig . Mein Gott, mein armer Kopf!" Theatralisch griff sich Ilse Radtke an die Stirn. "Ich bekomme noch einen Nervenzusammenbruch. Und dieser Detektivmensch ist auch nicht gekommen!"

"Er wird noch kommen. Herr Weiland hat mir fest zugesagt, einen zuverlässigen Mann zu schicken, gnädige Frau."

"Ich muss jemanden finden! Aber wen kann ich bitten? Es ist eine Katastrophe!"

Karin Haffner zuckte ungerührt die Schultern.

"Ich ziehe mich jetzt zurück, wenn Sie gestatten. Ich schaue noch einmal nach den Kindern. Sie waren heute etwas unruhig. Die Festvorbereitungen haben sie aus dem gewohnten Gleis geworfen."

"Sie!" Frau Radtke wies mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Karin. "Sie werden Baron Eschlebens Tischdame sein. Ich stelle Sie als gute Bekannte vor. Er hat Sie hier im Hause noch nicht gesehen. Ziehen Sie sich um, Karin! Worauf warten Sie noch? Beeilen Sie sich!"

"Ich verstehe nicht, gnädige Frau."

"Ich werde Sie als Gast vorstellen. Baron Eschleben wird nicht merken, dass Sie nicht in unsere Kreise gehören. Ziehen Sie sich ein hübsches Kleid an. Schmuck bekommen Sie von mir. Nun beeilen Sie sich schon. Sie machen mich noch verrückt mit Ihrem Herumstehen!"

"Aber ich bin doch hier Kindermädchen, gnädige Frau."

"Heute Abend sind Sie eben Gast. Fräulein von Haffner, hören Sie? Sie sind von niederem Adel. Und verraten Sie sich nicht."

"Das kann ich nicht tun. Wenn die Wahrheit herauskommt ."

"Sie wird nicht herauskommen. Wo bleibt dieser Detektiv nur? Wie spät ist es, Karin?"

"Elf Minuten vor acht."

"Und er ist noch nicht da. Ich habe heute meinen ganzen Schmuck aus dem Safe holen lassen. Wenn ein Dieb davon erfährt ."

"Wie sollte er das erfahren? Und außerdem sind Sie versichert."

"Aber nicht hoch genug. Nun ziehen Sie sich schon um! Können Sie tanzen?"

"Ja."

"Baron Eschleben ist ein hervorragender Tänzer. Blamieren Sie mich nicht. Verstehen Sie etwas von Pferden?"

"Nein."

"Entsetzlich! Baron Eschleben spricht nur über Pferde. Fräulein von Schützen ist eine passionierte Reiterin."

"Es wird genügen, dass ich zuhöre, gnädige Frau. Ich weiß, dass Pferde vorn beißen und hinten schlagen. Und manchmal wiehern sie auch."

"Entsetzlich, grauenhaft! Ich wünschte, ich wäre tot oder dieser Abend wäre wenigstens vorbei. Solche Aufregungen. Mein Herz, mein armes Herz!"

Karin wusste, dass Frau Radtke kerngesund war. Sie hatte nur zu viel Zeit und litt unter allen möglichen Krankheiten.

"Welches Kleid soll ich anziehen? Ich habe kein langes", gestand Karin nun.

"Auch das noch! Ziehen Sie eins von mir an. Suchen Sie sich heraus, was Ihnen gefällt. Wir haben ja die gleiche Figur. Nehmen Sie das Brokatkleid."

"Das neue Kleid?", fragte Karin ungläubig.

"Ja. Niemand kennt es. Nun beeilen Sie sich doch. Ich werde noch einmal im Detektivbüro anrufen."

Karin eilte die Treppe hinauf. Ein Lächeln legte sich auf ihr junges, apartes Gesicht. Es war schon immer ihr Wunsch gewesen, einmal ein solch kostbares Abendkleid zu tragen, wenn es auch nur geliehen war.

Das Kleid passte wunderbar zu ihrem dunklen Haar. Sie lächelte ihrem Bild unwillkürlich im Spiegel zu. Sie bildete sich nichts auf ihre Schönheit ein, aber das schloss nicht aus, dass sie sich daran erfreute. Mit dem Kamm fuhr sie ein paar Mal durch ihr Haar, dann war sie bereit, nach unten zu...

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