Der Lavendelgarten

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Mai 2013
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09956-5 (ISBN)
 
Ein Herrenhaus in der Provence, eine adelige Familie und eine schicksalhafte Liebe in dunklen Zeiten.

Jahrelang hat Emilie de la Martinières darum gekämpft, sich eine Existenz jenseits ihrer aristokratischen Herkunft aufzubauen. Doch als ihre glamouröse, unnahbare Mutter Valérie stirbt, lastet das Erbe der Familie allein auf Emilies Schultern. Sie kehrt zurück an den Ort ihrer Kindheit, ein herrschaftliches Château in der Provence. Der Zufall spielt ihr eine Gedichtsammlung in die Hände, verfasst von ihrer Tante Sophia, deren Leben von einem düsteren Geheimnis umschattet war - einer tragischen Liebesgeschichte, die das Schicksal der de la Martinières für immer bestimmen sollte. Doch schließlich erkennt Emilie, dass es noch nicht zu spät ist, die Tür zu einer anderen Zukunft aufzustoßen .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,95 MB
978-3-641-09956-5 (9783641099565)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben - und das mit sensationellem Erfolg: Seit ihrem gefeierten Roman »Das Orchideenhaus« stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten. Lucinda Riley lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern an der englischen Küste in North Norfolk und in West Cork, Irland.

1

Gassin, Südfrankreich, Frühjahr 1998

Als Emilie spürte, wie der Druck auf ihre Hand nachließ, sah sie ihre Mutter an. Mit Valéries Seele schien auch der Schmerz zu verschwinden, der ihre Züge verzerrt hatte, und Emilie konnte hinter dem ausgezehrten Gesicht die frühere Schönheit ihrer Mutter erkennen.

»Sie hat uns verlassen«, murmelte Philippe, der Arzt.

»Ja.«

Er sprach leise ein Gebet. Emilie kam nicht auf die Idee einzustimmen, sondern betrachtete in morbider Faszination die schlaffe, fahle Haut der Frau, die ihr Leben dreißig Jahre lang beherrscht hatte. Fast wollte Emilie ihre Mutter aufwecken, da sie den Übergang vom Leben zum Tod angesichts der Naturgewalt, die Valérie de la Martinières gewesen war, noch nicht fassen konnte.

Obwohl sie diesen Moment in den vergangenen Wochen oft genug durchgespielt hatte, wusste sie nicht so genau, was sie empfinden sollte. Emilie wandte sich von ihrer toten Mutter ab und schaute hinaus zu den Wolken, die wie Meringues am blauen Himmel hingen. Durch das offene Fenster hörte sie den Gesang einer Lerche, der vom Frühling kündete.

Sie streckte ihre von den langen Nachtwachen steifen Beine, erhob sich und trat ans Fenster. Der frühe Morgen ließ nichts von der Schwere erahnen, die die folgenden Stunden mit sich bringen würden. Die Natur hatte ein frisches Bild gemalt wie bei jeder Morgendämmerung; die weichen provenzalischen Umbra-, Grün- und Azurtöne leiteten sanft den neuen Tag ein. Emilie blickte über die Terrasse und den französischen Garten zu den Weinbergen hinüber, die sich erstreckten, so weit das Auge reichte, ein phantastischer Ausblick, seit Jahrhunderten unverändert. Das Château de la Martinières war in ihrer Kindheit eine Zuflucht für sie gewesen, ein Ort des Friedens und der Sicherheit; seine Ruhe hatte sich unauslöschlich in ihr Gehirn eingebrannt.

Und nun gehörte es ihr - doch ob nach den finanziellen Exzessen ihrer Mutter noch etwas übrig war, um es zu halten, wusste Emilie nicht.

»Mademoiselle Emilie, ich lasse Sie jetzt allein, damit Sie Abschied nehmen können«, riss die Stimme des Arztes sie aus ihren Gedanken. »Ich gehe nach unten, um das Formular auszufüllen. Es tut mir sehr leid«, fügte er hinzu, verbeugte sich kurz und verließ den Raum.

Tut es mir leid .?

Ungebeten schoss der Gedanke Emilie durch den Kopf. Sie kehrte zu ihrem Stuhl zurück, setzte sich und versuchte, Antworten auf die zahlreichen Fragen zu finden, die der Tod ihrer Mutter aufwarf. Sie hätte sich eine klare Lösung gewünscht, gern ihre Emotionen verglichen und gegeneinander aufgerechnet, um zu einem eindeutigen Gefühl zu gelangen, doch das war natürlich nicht möglich. Die Frau, die jetzt so harmlos dalag, hatte sie zu Lebzeiten so oft verunsichert und würde in ihr immer unangenehm widersprüchliche Emotionen erzeugen.

Valérie hatte ihrer Tochter das Leben geschenkt, sie genährt und gekleidet und Emilie ein Dach über dem Kopf gegeben. Sie hatte sie nie geschlagen oder gescholten.

Sie hatte sie einfach nicht wahrgenommen.

Valérie war - Emilie suchte nach dem passenden Wort - desinteressiert gewesen. Was sie als ihre Tochter unsichtbar machte.

Emilie legte ihre Hand auf die ihrer Mutter.

»Du hast mich nicht gesehen, Maman . du hast nicht gesehen .«

Emilie war sich schmerzlich bewusst, dass ihre Mutter sich mit ihrer Geburt widerwillig in die Notwendigkeit gefügt hatte, die Linie der de la Martinières fortzusetzen, was eher der Erfüllung einer Pflicht als der Verwirklichung eines Kinderwunsches entsprach. Als Valérie dann mit einer »Erbin«, nicht mit einem männlichen Stammhalter, konfrontiert gewesen war, hatte sie sich noch weniger für das Kind interessiert. Zu alt, um ein weiteres Mal schwanger zu werden - sie hatte Emilie mit dreiundvierzig zur Welt gebracht -, hatte Valérie ihr Leben als charmante, großzügige und schöne Gastgeberin weitergeführt. Emilies Geburt und spätere Anwesenheit waren für sie etwa so wichtig gewesen wie der Erwerb eines vierten Chihuahua. Wie die Hunde wurde Emilie aus ihrem Zimmer geholt und vor Gästen liebkost, wenn Maman Lust darauf verspürte. Die Hunde hatten wenigstens einander gehabt, dachte Emilie, während sie lange Phasen ihrer Kindheit allein verbringen musste.

Es war auch wenig hilfreich gewesen, dass sie die Züge der de la Martinières und nicht das Zierliche, Blonde der slawischen Vorfahren ihrer Mutter geerbt hatte. Sie war ein pummeliges Kind mit olivfarbener Haut und dichtem mahagonifarbenem Haar gewesen, das alle sechs Wochen zu einem strengen Bob geschnitten wurde, der Pony eine harte Linie über den dunklen Augenbrauen. - Das Erbe ihres Vaters Édouard.

»Wenn ich dich so ansehe, meine Liebe, kann ich es manchmal gar nicht glauben, dass du das Kind bist, das ich geboren habe!«, bemerkte ihre Mutter einmal vor einem Opernbesuch bei einem ihrer seltenen Ausflüge ins Kinderzimmer. »Aber immerhin hast du meine Augen.«

Manchmal hätte sich Emilie gewünscht, ihre tiefblauen Augen aus den Höhlen reißen und durch die schönen haselnussbraunen ihres Vaters ersetzen zu können. Sie fand, dass sie nicht in ihr Gesicht passten, und außerdem sah sie in ihnen jedes Mal, wenn sie in den Spiegel schaute, ihre Mutter.

Emilie hatte oft das Gefühl, ohne jede Eigenschaft zur Welt gekommen zu sein, die ihre Mutter wertschätzen konnte. Bei den Ballettstunden, die sie im Alter von drei Jahren nehmen musste, stellte Emilie fest, dass ihr Körper sich nicht wie verlangt verrenken wollte. Während die anderen kleinen Mädchen wie Schmetterlinge durchs Studio flatterten, mühte sie sich ab, Anmut zu entwickeln. Ihre kleinen, breiten Füße standen gern fest auf dem Erdboden, und jeder Versuch, sie davon zu lösen, ging unweigerlich schief. Klavierstunden hatten sich als genauso aussichtslos erwiesen, und weil sie keinerlei musikalisches Gehör besaß, war auch das Singen zum Scheitern verurteilt.

Ihr Körper brachte die femininen Kleider nicht gut zur Geltung, die sie tragen musste, wenn eine der vielen beliebten Soireen in dem herrlichen Rosengarten hinter dem Pariser Haus stattfand. Von ihrem Platz in einer Ecke aus bewunderte Emilie diese elegante, charmante, schöne Frau, die sich so anmutig und selbstsicher zwischen ihren Gästen bewegte. Bei den zahlreichen sozialen Anlässen im Pariser Haus und im Sommer im Château in Gassin fühlte Emilie sich unwohl und brachte keinen Ton heraus. Leider schien sie die gesellschaftliche Gewandtheit ihrer Mutter auch nicht geerbt zu haben.

Und doch wirkte ihre Kindheit für Außenstehende bestimmt märchenhaft - ein Leben in einem prächtigen Haus in Paris, Tochter einer französischen Adelsfamilie, deren Stammbaum Jahrhunderte zurückreichte und deren Wohlstand auch nach dem Krieg noch intakt war. Von alledem konnten viele andere junge Französinnen nur träumen.

Wenigstens hatte sie ihren geliebten Papa gehabt. Obwohl er sich aufgrund seiner Passion für seine stetig wachsende Sammlung seltener Bücher im Château nicht mehr um sie kümmerte als Maman, schenkte er Emilie die Liebe und Zuneigung, nach der sie sich so sehnte, wenn es ihr gelang, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Papa war bei ihrer Geburt sechzig gewesen und in ihrem vierzehnten Lebensjahr gestorben. Die gemeinsam verbrachte Zeit war kurz gewesen, doch Emilie wusste, dass sie einen Großteil ihrer Persönlichkeit ihm zu verdanken hatte. Édouard war ruhig und nachdenklich und zog seine Bücher und die Stille des Châteaus dem steten Strom von Mamans Gästen und Bekannten vor. Emilie hatte sich oft gefragt, wie zwei so gegensätzliche Charaktere sich überhaupt ineinander verlieben konnten. Aber Édouard, der seine jüngere Frau zu vergöttern schien, betrachtete ihre Schönheit und Beliebtheit in der Pariser Gesellschaft voller Stolz und beklagte sich nie über ihren ausschweifenden Lebensstil, obwohl er selbst bedeutend genügsamer war.

Am Ende des Sommers, wenn es für Valérie und Emilie Zeit wurde, nach Paris zurückzukehren, hatte Emilie ihren Vater oft angebettelt, bleiben zu dürfen.

»Papa, mir gefällt es hier auf dem Land bei dir. Im Ort gibt es eine Schule . Die könnte ich besuchen. Du bist doch sicher einsam, so ganz allein im Château.«

Édouard hatte dann zärtlich ihr Kinn angehoben und den Kopf geschüttelt. »Nein, meine Kleine. So lieb ich dich habe: Du musst zurück nach Paris, für die Schule lernen und eine Dame werden wie deine Mutter.«

»Aber Papa, ich will nicht mit Maman zurück, ich will bei dir bleiben, hier .«

Und dann, als sie dreizehn gewesen war . Emilie blinzelte die Tränen weg, weil es ihr immer noch schwerfiel, an den Moment zu denken, an dem aus dem Desinteresse ihrer Mutter Gleichgültigkeit geworden war. Unter den Folgen hatte sie den Rest ihres Lebens zu leiden.

»Wie konntest du nicht mitbekommen und dir nichts daraus machen, was mit mir passiert ist, Maman? Ich war doch deine Tochter!«

Plötzlich zuckte eines von Valéries Augen, und Emilie bekam es mit der Angst zu tun, dass Maman noch am Leben war und ihre Worte gehört hatte. Sie fühlte Valéries Puls und ertastete keinen. Es war nur ein Nachhall des Lebens, als sich Valéries Muskeln im Tod entspannten.

»Maman, ich werde versuchen, dir zu vergeben und dich zu verstehen, aber momentan weiß ich nicht, ob ich glücklich oder traurig über deinen Tod bin.« Emilie spürte, wie ihr Atem schwerer ging, eine Reaktion auf den Schmerz, den es ihr bereitete, die Worte laut auszusprechen. »Ich habe dich so sehr geliebt, so sehr versucht,...

"Lucinda Rileys Geschichten sind zeitlos und bleiben unvergessen!"
 
"Lucinda Riley weiß einfach, wie man einen mitreißenden Roman schreibt!"

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