Die geheime Braut

Roman
 
 
Diana Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Oktober 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09036-4 (ISBN)
 
Die dunkle Geschichte eines Meisterwerks

Wittenberg 1528: Bettelarm verschlägt es die ehemalige Nonne Susanna in die Lutherstadt. Dort trifft sie den Maler Jan aus der Werkstatt von Lucas Cranach, der drei junge Frauen nackt porträtieren soll. Mit verhängnisvollen Folgen: Kaum ist die erste der Grazien gemalt, wird sie tot aufgefunden. Eine zweite Frau steht Modell und wird lebendig begraben. Susanna, längst in Jan verliebt, bietet sich als Lockvogel an ...

Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit Martin Luther mit dem Anschlag der 95 Thesen dem Papst und der römischen Kirche den Kampf ansagte. Inzwischen lebt er zurückgezogen im Schwarzen Kloster zu Wittenberg, als Malerfürst Lucas Cranach der Ältere von einem geheimnisvollen Kunstsammler den Auftrag für das bis heute berühmte Bildnis der drei Grazien erhält. Zwei der ausgewählten Frauen stehen nackt Modell - und werden kurz darauf grausam getötet. Als der Auftraggeber Luthers Frau Katharina als Dritte im Bunde fordert, befürchtet der Reformator einen Racheakt für seine weltverändernde Kritik. Muss seine Frau dafür mit ihrem Leben bezahlen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Diana
  • 0,84 MB
978-3-641-09036-4 (9783641090364)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche historische Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte wieder lebendig werden lässt. Mit "Marlenes Geheimnis" widmet sie sich nun der Kriegs-und Nachkriegszeit um 1945. Auch Riebes Familie mütterlicherseits stammt aus Nordböhmen, wo sie wie viele Sudetendeutsche nach dem Ende des Dritten Reichs das Schicksal von Vertreibung und Flucht erlitt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

EINS

EINS

Bloß keine Angst. Wie eine endlose Litanei kreisten diese Worte in ihrem Kopf, ein schmales Scheit, an das sie sich verzweifelt klammerte, einziger Halt in einem Meer voller Ungewissheit.

Bloß keine Angst!

Das hatte sie auch Bini immer wieder gepredigt, die mit weißen Lippen neben ihr hergehumpelt war, auch wenn sie tapfer behauptete, sie könne noch tagelang weiterlaufen.

Sie waren aus Leipzig geflohen, Hals über Kopf, lediglich angetrieben von diffuser Hoffnung: Alles würde, alles musste besser werden in Wittenberg, doch jetzt .

»Nichts ist mir mehr zuwider als dreistes Diebesgesindel. Vor allem, wenn es blonde Locken hat und einen Rock trägt.«

Die Finger, die Susannas Handgelenk umklammert hielten, waren kräftig und von Farbspritzern übersät. Der Blick des Mannes, der auf sie herabschaute, kalt.

Sie spürte, wie Röte ihr Gesicht überflutete. Hatte sie gerade noch durchgefroren die Nähe des offenen Feuers gesucht, so glühte sie auf einmal am ganzen Körper. Die dumpfen Gerüche der Taverne nach Bier und Fett empörten ihren leeren Magen.

Plötzlich war ihr speiübel.

Warum nur tat sich kein gnädiges Loch auf, in dem sie versinken konnte?

»Das bin ich nicht«, stieß sie hervor.

Wie feig ihre Antwort klang, wie kraftlos! Hätte sie doch nur noch singen können wie früher, sie wären niemals in diese verzweifelte Lage geraten.

»Ach nein?« Seine Stimme troff vor Hohn. »Und was zum Teufel hatte deine Hand dann gerade in meinem Wams verloren?«

Sie schluckte, blieb ihm die Antwort schuldig.

»Ach, du wolltest mich eigentlich gar nicht bestehlen, sondern lediglich ein wenig aufreizen?«, fuhr er fort. »Dass ich da nicht gleich darauf gekommen bin! Nun, dann solltest du aber ein wenig mehr auf dein Äußeres achten. Wir haben hier in Wittenberg äußerst knusprige Hübschlerinnen, die ihre Dienste anbieten - und das nicht zu knapp.«

Sein Griff wurde härter. Mit der Linken hielt er sie wie in einem eisernen Schraubstock.

Susanna entfuhr ein Schmerzenslaut.

»Lass sie los - du tust ihr ja weh!« Bini, die sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte, schoss wie ein zerzauster Sperling auf den Tisch zu. Zwischen den massiven Holzbänken und Tischen sah sie winzig aus, mit ihren staubigen Röcken, den wild fuchtelnden Händen und den aufsässigen Haaren, die wie ein rotblonder Heiligenschein vom Kopf abstanden. »Ja, wir haben Bärenhunger«, rief sie. »Mein kranker Fuß bräuchte dringend ein heilsames Kraut. Und wo wir heute Nacht schlafen sollen, wissen wir auch noch nicht.«

Zu Susannas Überraschung gab er sie tatsächlich frei, lehnte sich zurück und brach in schallendes Gelächter aus.

Die Köpfe der Männer an den Nebentischen flogen zu ihnen herum, alle jung, die meisten von ihnen vermutlich Studenten. Manche starrten sie nur an, andere lachten oder machten anzügliche Gesten. Binnen Kurzem würde die ganze schäbige Taverne wissen, dass sie soeben versucht hatte, diesem Mann an den Beutel zu gehen.

Öffentlich als Diebin bloßgestellt zu werden!

Susannas Scham hätte größer nicht sein können.

Wo waren die hellen Tage geblieben, aufgefädelt wie an einer endlosen Kette? Die Zweige der Birnbäume im Klostergarten, die ein Geflecht aus Licht und Schatten auf die jungen Beete geworfen hatten? Das Lied der Glocken, das sie viele Jahre beschützt und das Halt geboten hatte wie ein fest geknüpftes Netz?

Die Sehnsucht nach Sonnefeld schnürte ihr die Kehle zu.

Sie hatten nicht nur ihr Zuhause verloren, sondern auch alles andere dazu. Niemande waren sie nun, vogelfreies Pack, das von der Hand in den Mund leben und Tag für Tag um sein Leben bangen musste.

»Ihr arbeitet also zusammen, diese magere Kleine und du.« Der Mann schien sich nur langsam beruhigen zu können. Sein Blick war noch immer skeptisch, aber nicht mehr ganz so eisig. »Offenbar nicht erst seit gestern. Und durchaus erfolgreich, wie mir scheint.«

»Du hast ja nicht die geringste Ahnung«, wehrte Bini sich empört.

»Dann verrat mir doch, wie ihr es anstellt. Oder soll ich es dir sagen? Ich denke, es läuft so: Die eine macht drollige Scherze und wackelt dabei mit dem Hinterteil, während die andere den Männern an die Börse geht. Wie weit würdet ihr zwei es wohl treiben - sogar bis ins Stroh, nur um an ein paar Kupfermünzen zu kommen?«

»Wir sind ehrbare Frauen«, brachte Susanna mühsam hervor. »Bis vor Kurzem habe ich in Tavernen gesungen .«

»Eine Musikantin bist du?« In seinen Augen glomm ein Funken von Interesse. »Nun, das könnte mich unter Umständen milder stimmen. Dann lass hören, was du zu bieten hast!«

Ein paar Burschen am Nebentisch applaudierten, was Susanna nur noch verlegener machte.

Stumm schüttelte sie den Kopf.

»Meine Stimme - ist gebrochen«, sagte sie schließlich. »Mein Gesang klingt nur noch wie rostiges Krächzen. Das würde dir gewiss nicht gefallen.«

Sie neigte den Kopf bittend zur Seite. »Lass uns gehen, ich flehe dich an! Dir ist doch kein Schaden entstanden. Und du wirst uns auch niemals wiedersehen, das gelobe ich hoch und heilig.«

»Ja, wir werden gehen«, sagte er. »Gemeinsam.« Sein Blick glitt zu Bini, die ihn mit offenem Mund anstarrte. »Und ihr werdet keinen Fluchtversuch machen. Oder soll ich die Büttel rufen lassen, damit ihr einsichtig werdet?«

Mit gesenktem Kopf folgten sie ihm nach draußen. Die Blicke der Studenten bohrten sich in ihren Rücken. Bini humpelte inzwischen so stark, dass sie fast so unsicher ging wie eine Greisin.

Ein kühler Wind hatte sich erhoben, der die Wärme des Frühlingstages rasch vertrieb. Von Westen her zogen dunkle Wolken auf, die wie auch schon an den vorangegangenen Abenden Regen verhießen. Doch was die Bauern begrüßen mochten, die ausreichend Wasser für die junge Saat brauchten, war für jemanden, der kein Dach über dem Kopf hatte, eine Herausforderung.

Er war vor dem Gasthaus stehen geblieben und deutete nach Süden. »Von dort kommt ihr, stimmt's?«

Susanna nickte vage.

»Und von wo genau?«, setzte er nach. »Aus Leipzig? Was hattet ihr dort zu schaffen?«

Die beiden Frauen tauschten einen raschen Blick. Sie hatten vereinbart, so wenig wie möglich über diesen Teil ihrer Vergangenheit zu verraten. Die bloße Erinnerung war schmerzlich genug.

»Ach, wir sind schon eine ganze Weile unterwegs«, murmelte Bini schließlich. »Mal hier, mal da .«

Offenbar hatte er nicht vor, weiter zu bohren, was sie verblüffte.

»Im Elbtor, durch das ihr gekommen seid, ist auch der Kerker Wittenbergs«, fuhr er stattdessen fort. »Ein finsteres Verlies, voller Ratten und anderem Ungeziefer, das auf Diebesgesindel wie euch nur wartet. Es sei denn, ihr zieht es vor, am Pranger zu stehen oder gar einen Daumen zu verlieren .«

»Hör sofort damit auf!«, fiel Bini ihm ins Wort. »Susanna und ich waren bis vor nicht allzu langer Zeit Bräute des Herrn, damit du es nur weißt! Und hätte man unser schönes Kloster nicht von einem Tag auf den anderen zugesperrt, so wären wir noch heute fromme Schwestern.«

»Ihr wart - Nonnen?« Die verdutzte Miene spiegelte seine Überraschung wider. »Ordensfrauen? Oder ist das nur eine neue freche Lüge?«

»Nein«, sagte Susanna, die erst jetzt spürte, wie unendlich müde sie war. Jeder einzelne Knochen tat ihr weh, und das Loch im Bauch fühlte sich so groß an wie ein Scheunentor. »Das ist die Wahrheit. Zisterzienserinnen waren wir, schon seit Jugendtagen. Aber unser Kloster gibt es nicht mehr. Und auch keine Familie, zu der wir zurückkehren könnten. So mussten Binea und ich eben zusehen, wie wir anderweitig zurechtkommen. Was beileibe nicht immer einfach war.« Ihre Lippen wurden schmal.

Seine Miene dagegen war plötzlich entschieden freundlicher geworden.

»Zwei Nonnen - ich fass es nicht! Dann braucht ihr erst einmal etwas Anständiges zu essen, gewiss nicht diesen Schweinefraß, den sie hier im Schwan auftischen. Ich werde euch ins Brauhaus bringen, das liegt direkt am Markt. Dort könnt ihr euch stärken.« Er wandte sich an Bini. »Wirst du es bis dorthin mit deinem lädierten Fuß auch schaffen? Gleich nebenan ist die Apotheke.«

»Meilenweit!«, versicherte sie, obwohl ihr stoßweiser Atem bei jeder Bewegung genau das Gegenteil verriet. »Aber wir haben kein Geld mehr. Nicht einen einzigen Pfennig - weder für Essen, und erst recht nicht für Verbände oder teure Salben.«

Er lachte erneut. Dieses Mal heller.

»Deine Offenheit gefällt mir«, sagte er, und in seiner Stimme schwang plötzlich Wärme. »Vielleicht habe ich ja sogar schon eine Idee, wo ihr später unterkommen könnt.«

Susanna musterte ihn beklommen.

Neben seinem linken Auge leuchtete ein violetter Fleck. Und deutete nicht auch der lange, kaum verschorfte Kratzer am Hals auf eine heftige körperliche Auseinandersetzung hin? An wen waren sie da geraten - an einen Maulhelden und Raufbold, vor dem sie Angst haben mussten?

»Wieso sollten wir ausgerechnet dir trauen?« Sie wich zurück. »Gerade eben wolltest du uns noch einsperren oder sogar verstümmeln...

"Der farbenprächtige Historien-Krimi zeigt ein Bild über die Weltanschauung, den Aberglauben und die Liebe in Zeiten der Reformation."

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