Pandemie - Die Extinction-Serie 1

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2019
  • |
  • 800 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-22407-3 (ISBN)
 
Mandera, im Nordosten Kenias: Die X1-Mandera-Pandemie breitet sich wie ein Flächenbrand aus - und ist kein biologisch-evolutionärer Zufall. Berlin: Ein Mann erwacht in seinem Zimmer im Concord Hotel und hat das Gedächtnis verloren. Mit ihm im Raum befinden sich die Leiche eines ihm unbekannten Mannes sowie ein Zettel mit einem seltsamen Code darauf.Atlanta: Peyton Shaw wird von den kenianischen Behörden kontaktiert, um sich der mysteriösen Seuche anzunehmen. Vor Ort findet sie heraus, dass ein ganzes Kartell geheimnisvoller Firmen, Institutionen und Organisationen die Pandemie mit einer finsteren Absicht steuert: Die Menschheit scheint vor dem Aus zu stehen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,34 MB
978-3-641-22407-3 (9783641224073)
weitere Ausgaben werden ermittelt
A.G. Riddle wuchs in North Carolina auf. Zehn Jahre lang hat er diverse Internetfirmen gegründet und geleitet, bevor er sich aus dem Geschäft zurückzog. Seitdem widmet sich Riddle seiner wahren Leidenschaft: dem Schreiben. Riddle lebt in Parkland, Florida.

1


Dr. Elim Kibet saß in seinem weiß gestrichenen Büro und sah zu, wie die Sonne über der felsigen Landschaft des nordöstlichen Kenias aufging. Das Mandera Referral Hospital war ein heruntergekommenes Krankenhaus in einer der ärmsten Gegenden der Welt, und vor Kurzem hatte er die Leitung übernommen. Manche an seiner Stelle hätten das als Bürde betrachtet. Für ihn war es eine Ehre.

Hinter seiner geschlossenen Tür durchdrangen Schreie die Stille. Auf dem Flur waren eilige Schritte zu hören, und eine Schwester rief: »Doktor, kommen Sie schnell!«

Es gab keinen Zweifel, welcher Doktor gemeint war. Elim Kibet war der einzige verbliebene Arzt. Die anderen waren nach den Terroranschlägen abgereist. Viele Schwestern hatten sich ihnen angeschlossen. Die Regierung hatte sich geweigert, bewaffnete Wachmänner zu dem ländlichen Krankenhaus zu schicken. Und sie hatte sich nicht an die Vereinbarung gehalten, das medizinische Personal anständig und pünktlich zu bezahlen. Das hatte dazu geführt, dass eine weitere Welle von Angestellten aus der zerfallenden Einrichtung floh. Das Krankenhaus arbeitete jetzt mit einer Rumpfbesetzung. Die Übriggebliebenen hatten entweder keinen Ort, an den sie gehen konnten, oder waren zu engagiert, um abzureisen. Auf Elim Kibet traf beides zu.

Er legte seinen weißen Kittel an und lief durch den Flur auf die Hilferufe zu.

Mandera war eines der ärmsten Countys in Kenia. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 267 Dollar im Jahr - weniger als 75 Cent am Tag. Die staubige, von unbefestigten Straßen durchzogene Provinzhauptstadt lag nahe dem Dreiländereck von Kenia, Somalia und Äthiopien. Die Menschen in Mandera lebten von dem, was das Land hergab, kamen oft nur mühsam über die Runden und erfreuten sich an dem wenigen, das sie hatten. Es war ein Ort von atemberaubender Schönheit und unfassbarer Brutalität.

Die tödlichsten Krankheiten der Welt waren in der Region verbreitet, aber sie stellten dort bei Weitem nicht die größte Bedrohung dar. Al-Shabaab, eine islamistische Terrorgruppe, die zur al-Qaida gehörte, griff regelmäßig Dörfer und Regierungseinrichtungen an. Ihre Erbarmungslosigkeit war erschütternd. Vor weniger als einem Jahr hatten al-Shabaab-Kämpfer vor Mandera einen Bus angehalten und allen Muslimen befohlen auszusteigen. Sie weigerten sich jedoch und umringten stattdessen die christlichen Passagiere. Daraufhin zerrten die Milizionäre alle aus dem Bus - sowohl Christen als auch Muslime -, stellten sie in einer Reihe auf und erschossen sie. Siebenunddreißig Menschen starben an diesem Tag.

Als Elim den schäbigen Flur entlanglief, war das sein erster Gedanke - wieder ein al-Shabaab-Angriff.

Zu seiner Überraschung fand er zwei junge weiße Männer im Untersuchungszimmer vor. Ihr dunkelbraunes Haar war lang und struppig, und aus den dichten Bärten tropfte Schweiß. Der erste Mann stand an der Tür und hielt eine Videokamera in der Hand. Der zweite lag auf dem Untersuchungstisch und wälzte sich mit geschlossenen Augen von einer Seite auf die andere. Ein überwältigender Gestank von Durchfall und Erbrochenem hing in der Luft.

Zwei Schwestern beugten sich über den Mann und führten die Aufnahmeuntersuchung durch. Eine zog ihm das Fieberthermometer aus dem Mund und wandte sich zu Elim. »Vierzig Grad, Doktor.«

Der junge Mann an der Tür ließ die Videokamera fallen und packte Elim am Oberarm.

»Sie müssen ihm helfen!«

Elim riss sich los und schob ihn in die Ecke, weg vom Untersuchungstisch.

»Ja. Halten Sie bitte Abstand.«

Elims erste Diagnose lautete Malaria. Die Krankheit war in tropischen und subtropischen Regionen weit verbreitet, besonders in verarmten Gegenden wie Mandera, das nur vierhundert Kilometer vom Äquator entfernt lag. Weltweit gab es über zweihundert Millionen Infizierte, und jedes Jahr starben fast eine halbe Millionen Menschen an der Krankheit. Neunzig Prozent dieser Todesfälle ereigneten sich in Afrika, wo jede Minute ein Kind an Malaria verstarb. Auch Besucher aus dem Westen fingen sich in Kenia häufig Malaria ein. Aber die Krankheit war behandelbar, und das machte Elim Hoffnung, als er sich blaue Handschuhe überstülpte und mit der Untersuchung begann.

Der Patient war kaum bei Bewusstsein. Sein Kopf rollte von einer Seite zur anderen, während er vor sich hin murmelte. Als Elim das Hemd des Manns hochzog, änderte er seine Diagnose sofort. Ein Ausschlag überzog Bauch und Brust.

Typhus passte besser zu den Symptomen. Die Krankheit war in der Gegend ebenfalls verbreitet. Sie wurde von einem Bakterium hervorgerufen - Salmonella Typhi -, das in offenen Wasserstellen gedieh. Typhus war heilbar. Fluorchinolon -eines der wenigen Antibiotika, die sie vorrätig hatten - würde helfen.

Elims Hoffnung löste sich auf, als der Mann die Lider aufschlug. Gelbe Augen starrten ihn an. Im linken Augenwinkel sammelte sich Blut und rann dem Mann übers Gesicht.

»Treten Sie zurück.« Elim breitete die Arme aus und schob die Schwestern fort.

»Was ist los mit ihm?«, fragte der Freund des Kranken.

»Verlassen Sie den Raum«, sagte Elim.

Die Schwestern zogen sich sofort zurück, aber der junge Mann wich nicht von der Stelle. »Ich lasse ihn nicht allein.«

»Sie müssen.«

»Nein.«

Elim musterte ihn. Irgendwas stimmte hier nicht. Die Kamera, sein Verhalten, die Tatsache, dass die beiden ausgerechnet hier auftauchten.

»Wie heißen Sie?«

»Lucas. Turner.«

»Was machen Sie hier, Mr. Turner?«

»Er ist krank .«

»Nein, was machen Sie in Kenia? Was wollen Sie hier in Mandera?«

»Ein Geschäft aufziehen.«

»Was?«

»CityForge. Dabei geht es um eine Art Crowdfunding für Stadtregierungen«, sagte Lucas wie auswendig gelernt.

Elim schüttelte den Kopf. Wovon redet er?

»Wissen Sie, was er hat?«, fragte Lucas.

»Vielleicht. Sie müssen den Raum verlassen.«

»Auf keinen Fall.«

»Hören Sie mir zu. Ihr Freund hat eine sehr gefährliche Krankheit. Sie ist wahrscheinlich ansteckend. Sie gehen ein hohes Risiko ein.«

»Was ist es denn?«

»Ich weiß nicht .«

»Sie müssen doch eine Idee haben«, beharrte Lucas.

Elim sah sich um und vergewisserte sich, dass die Schwestern gegangen waren. »Marburg«, sagte er leise. Da Lucas nicht reagierte, fügte er hinzu: »Möglicherweise Ebola.«

Aus Lucas' verschwitztem Gesicht wich die Farbe, wodurch der Kontrast zwischen seinem dunklen Haar und der hellen Haut noch stärker wurde. Er sah zu seinem Freund auf dem Tisch, dann schlurfte er aus dem Zimmer.

Elim ging zum Untersuchungstisch und sagte: »Ich rufe Hilfe. Ich werde alles für Sie tun, was in meiner Macht steht, Sir.«

Nachdem er die Handschuhe abgestreift und in den Mülleimer geworfen hatte, zog er sein Smartphone hervor. Er fotografierte den Ausschlag, bat den Mann, die Augen zu öffnen, schoss ein weiteres Foto und schickte die Bilder an das kenianische Gesundheitsministerium.

Vor der Tür beauftragte er die Schwester, die auf dem Gang wartete, niemanden außer ihn in den Raum zu lassen. Ein paar Minuten später kehrte er mit einem Schutzkittel, Gesichtsmaske, Schuhüberziehern und Schutzbrille zurück. Außerdem hatte er die einzige Behandlung dabei, die er dem Patienten bieten konnte.

Auf einem schmalen Holztisch in dem schäbigen Zimmer reihte er drei Plastikeimer auf. Jeder Eimer trug einen braunen Klebestreifen, auf dem ein einziges Wort stand: Erbrochenes, Kot, Urin. Elim war nicht optimistisch, dass er bei dem Zustand, in dem der Mann sich befand, die austretenden Körperflüssigkeiten voneinander trennen konnte, aber das war die Standardprozedur bei Ebola und ähnlichen Krankheiten, und er hatte die Absicht, sich daran zu halten. Obwohl er kaum Material und wenig Personal hatte, war der afrikanische Arzt entschlossen, dem Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Das war seine Pflicht.

Er reichte dem Mann einen kleinen Pappbecher mit Tabletten - Antibiotika, um Sekundärinfektionen zu bekämpfen - und eine Flasche mit der Aufschrift ORL: orale Rehydratationslösung.

»Schlucken Sie die, bitte.«

Mit zitternder Hand kippte der Mann sich die Tabletten in den Mund und nahm einen kleinen Schluck aus der Flasche. Der Geschmack entlockte ihm ein Stöhnen.

»Ich weiß. Es schmeckt fürchterlich, aber es muss sein. Sie dürfen nicht dehydrieren.«

Im Durchschnitt starb die Hälfte aller Infizierten an Ebola. Selbst wenn das Immunsystem die Krankheit besiegte, führte der Durchfall in der akuten Phase häufig durch Dehydratation zum Tod.

»Ich komme bald zurück«, sagte Elim.

Draußen zog er vorsichtig seine PSA - die Persönliche Schutzkleidung - aus. Er wusste, dass es nicht genügend PSA im Krankenhaus gab, um das ganze Personal, das für die Betreuung des Manns benötigt wurde, zu schützen. Sie brauchten unbedingt mehr Ausrüstung - und Hilfe. In der Zwischenzeit musste Elim den Kranken isolieren und Lucas in Quarantäne halten, bis sie festgestellt hatten, ob er ebenfalls infiziert war.

Der Arzt mittleren Alters erwog gerade seine nächsten Schritte, als die Schwester erneut nach ihm rief.

Er rannte in den Triage-Raum des Krankenhauses, wo er einen weiteren Ausländer vorfand, einen großen weißen Mann, der am Türrahmen lehnte. Er war älter als die anderen beiden, aber wie der Kranke war er blass und verschwitzt und roch nach Durchfall und Erbrochenem.

»Gehört er zu den anderen?«, fragte Elim.

»Weiß ich nicht«, antwortete die Schwester. »Er wurde vom Flughafen hergeschickt.«

»Sir, bitte ziehen Sie Ihr Hemd hoch.«

Der große...

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