Die Ceres-Mission

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 576 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-25814-6 (ISBN)
 
Eine neue Eiszeit bedroht die Erde. Ist unser Planet noch zu retten?

Die Sonne wärmt nicht mehr, Eis und Schnee werden die Erdoberfläche bald vollständig bedecken. Eine internationale Mission zur Erforschung des rätselhaften Kälteeinbruchs endet in einer Katastrophe. Emma Matthews, Kommandantin der ISS, muss im Weltall um ihr eigenes Überleben kämpfen. Um sie und die Mission zu retten, schickt die NASA den Wissenschaftler Dr. James Sinclair. Aber auch auf der Erde hat der Kampf begonnen: Ressourcen und Lebensraum werden knapp, die zivilisierte Welt versinkt im Chaos. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt! Emma und James müssen die Menschheit vor dem Schlimmsten bewahren .
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1,26 MB
978-3-641-25814-6 (9783641258146)
weitere Ausgaben werden ermittelt
A.G. Riddle wuchs in North Carolina auf. Zehn Jahre lang hat er diverse Internetfirmen gegründet und geleitet, bevor er sich aus dem Geschäft zurückzog. Seitdem widmet sich Riddle seiner wahren Leidenschaft: dem Schreiben. Riddle lebt in Parkland, Florida.


JAMES

Der Aufstand wird bald beginnen.

Ich spüre die Anspannung in der Luft.

Überall, wo ich hinkomme, werden Blicke getauscht, Nachrichten weitergegeben, Geheimnisse geflüstert.

Die Welt friert ein. Das Eis rückt auf uns vor, und wir sitzen alle in der Falle. Wenn wir nicht rauskommen, sterben wir hier.

Was sich da zusammenbraut, ist ein Plan zur Flucht. Das ist das Gute daran. Das Schlechte ist, dass ich nicht Teil dieses Plans bin. Niemand hat mir etwas erzählt, und ich bezweifle, dass sie es noch vorhaben.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. Also mache ich meine Arbeit, ziehe den Kopf ein und schaue Nachrichten.

Auf dem ramponierten Fernseher läuft ein Beitrag von CNN. Durch das Donnern der Maschinen hinter mir ist der Sprecher kaum zu hören.

Am dritten Tag in Folge ist in Miami Schnee gefallen. Das ist ein neuer Rekord, und die Regierung von Florida hat um die Hilfe des Bundes gebeten.

Diese Forderung löste Proteste bei Bewohnern und Regierungen im ganzen Nordwesten aus, die den Bund ihrerseits dazu drängen, die Evakuierungen zu beschleunigen. Je länger sich der Lange Winter hinzieht .

Ich habe keine Ahnung, wer den Begriff Langer Winter geprägt hat. Vielleicht die Medien. Oder die Regierung. Jedenfalls hat er sich durchgesetzt. Die Menschen mögen ihn lieber als Vergletscherung (zu technisch) oder Eiszeit (zu beständig). Langer Winter klingt, als wäre das Ende gleich um die Ecke, als ginge es nur um eine Jahreszeit von ungewöhnlicher Dauer. Ich kann nur hoffen, dass das zutrifft. Sicher weiß man bei der National Oceanic and Atmospheric Administration und anderen Wetterbehörden auf der ganzen Welt inzwischen Bescheid. Uns haben sie jedenfalls nichts gesagt (daher die höchsten Einschaltquoten des Jahrhunderts bei Nachrichtensendungen).

Ein Signalton summt.

Ich ignoriere ihn.

Der nächste Nachrichtenbeitrag beginnt. Ich unterbreche meine Arbeit kurz und lasse die Bilder auf mich wirken.

Der Text am unteren Rand nennt Rosyth am Stadtrand von Edinburgh als Örtlichkeit. Ein Reporter mit kurzem grauen Haar steht auf einem Dock im Schatten eines riesigen weißen Kreuzfahrtschiffs. Die Gangway ist ausgefahren, und ein gleichmäßiger Strom von Menschen schlurft auf das Schiff zu. Die Bäume in der Ferne sind völlig weiß, als wären sie durch und durch gefroren. Der Schnee fällt in dicken Schwaden.

Das Bild hinter mir mag wirken, als würden Erholungssuchende zu einer Urlaubskreuzfahrt aufbrechen, doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Das Schiff, das Sie hier sehen, war bis vor drei Wochen als Emerald Princess unterwegs, ehe es von der Regierung Seiner Majestät aufgekauft und in Summer Sun umbenannt wurde. Es gehört zu einer Flotte von vierzig Kreuzfahrtschiffen, die die Einwohner Großbritanniens vorübergehend in wärmere Breiten transportieren werden.

Die Summer Sun soll nach Tunesien auslaufen, und von dort aus geht es für die Passagiere weiter in ein Auffanglager bei Kebili. Das Lager wurde im Rahmen eines langfristigen Pachtvertrags zwischen Großbritannien und Tunesien eingerichtet. Dieser Schritt folgt ähnlichen Maßnahmen vonseiten Norwegens, Schwedens und Finnlands. Das Programm erinnert an die Operation Pied Piper im Zweiten Weltkrieg, bei der dreieinhalb Millionen Zivilisten evakuiert wurden, um sie vor der Bedrohung durch die Nazis in Sicherheit zu bringen .

Immobilien in der Nähe des Äquators sind inzwischen heiß begehrt. So wie auch mehrere Regionen, die als »Winterrefugien« gelten - Orte unter Meereshöhe mit ungewöhnlich hohen Temperaturen: Death Valley in Kalifornien, in Libyen, Wadi Halfa im Sudan, Dascht-e Lut im Iran und Kebili in Tunesien. Hätte man in diesen Gegenden vor zwei Jahren bei Sonnenaufgang eine offene Tonne Benzin stehen lassen, wäre sie bis Mittag leer gewesen. Verdampft. Früher waren das Wüstenlandschaften. Heute sind sie Fanale der Hoffnung, Oasen im Langen Winter. Zu Millionen strömen die Menschen dorthin und verkaufen ihr Hab und Gut, um in den Lagern einen Platz zu ergattern. Ich frage mich, ob sie dort wirklich sicher sind.

Wieder meldet sich ein Summer. Gleicher Ton, andere Maschine. Trotzdem nicht das Signal, auf das ich warte.

Als es zum dritten Mal summt, sammle ich die Laken aus den drei Trocknern zusammen und falte sie zusammen.

Ich arbeite in der Wäscherei. Schon seit zwei Jahren, seit meiner Einlieferung in das Bundesgefängnis Edgefield. Wie die anderen zweitausend Häftlinge hier beteuere ich meine Unschuld. Doch im Gegensatz zu den meisten von ihnen bin ich tatsächlich unschuldig.

Wenn ich mir etwas vorzuwerfen habe, dann die Erfindung von etwas, wofür die Welt nicht bereit war. Eine Innovation, die ihr Angst einjagte. Mein Fehler - oder mein Verbrechen, wenn man so will - war, dass ich nicht mit der menschlichen Natur gerechnet habe. Menschen fürchten das Unbekannte, vor allem wenn es sich um neue Entwicklungen handelt, die ihr Leben verändern könnten.

Der Staatsanwalt, der meinen Fall übernahm, fand ein obskures Gesetz und statuierte ein Exempel an mir. Die Botschaft an andere Erfinder war eindeutig: So etwas wollen wir nicht.

Mit dreiunddreißig Jahren wurde ich schuldig gesprochen. Wenn ich hier rauskomme, werde ich siebzig sein. (Bei Urteilen eines Bundesgerichts gibt es keinen Hafturlaub. Frühestens nach Absitzen von fünfundachtzig Prozent meiner Strafe kann ich bei guter Führung mit meiner Entlassung rechnen.)

Nach meiner Ankunft in Edgefield tüftelte ich sechs Fluchtmöglichkeiten aus. Zusätzliche Recherchen ergaben, dass nur drei davon gangbar waren. Zwei versprachen sogar eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. Das Problem ist nur: was dann? Nach dem Prozess wurde mein Vermögen beschlagnahmt. Jede Kontaktaufnahme mit meinen Freunden und Verwandten würde sie in Gefahr bringen. Und die ganze Welt würde Jagd auf mich machen und mich nach meiner Ergreifung vielleicht sogar umbringen.

Also bleibe ich. Und kümmere mich um die Wäsche. Außerdem versuche ich, etwas zu bewegen. Das entspricht einfach meinem Wesen, und ich habe die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass die menschliche Natur vielleicht das Einzige ist, dem man nicht entrinnen kann.

Tag für Tag erscheinen weniger Wärter zur Arbeit.

Das bereitet mir Sorgen.

Ich kenne den Grund: die Gefängnismitarbeiter ziehen nach Süden in die bewohnbaren Zonen. Keine Ahnung, ob sie von den Bundesbehörden verlegt werden oder in Eigenregie handeln.

Ein Krieg steht bevor - ein Krieg um die letzten bewohnbaren Regionen der Erde. Leute mit militärischer oder polizeilicher Erfahrung werden stark gefragt sein. Das Gleiche gilt für Justizvollzugsbeamte. Sehr wahrscheinlich werden die Lager Gefängnissen ähneln. Der Staat wird also Männer und Frauen brauchen, die sich dank ihrer Ausbildung darauf verstehen, eine große, beengt lebende Gruppe im Zaum zu halten. Davon hängt das Leben der gesamten Gruppe ab.

Und genau das ist ein Problem für mich. Edgefield, South Carolina, liegt auf halber Strecke zwischen Atlanta und Charleston. Zwar schneit es jetzt im August auch hier, aber die Gletscher sind noch nicht zu uns vorgedrungen. Bevor das Eis da ist, muss die Gegend evakuiert werden. Die Evakuierung wird keine Strafgefangenen einbeziehen. Schon mit der Rettung aller Kinder im Land werden die Behörden überfordert sein, von den Erwachsenen gar nicht zu reden. Bestimmt werden sie also nicht auch noch Häftlinge mitschleppen (zumal wenn die Reise über den Atlantik zu den bewohnbaren Zonen in Nordafrika führt). Priorität wird für sie haben, dass die Häftlinge nicht entkommen und den Menschenströmen nach Süden folgen. Das würde bloß zu zusätzlichen Scherereien führen, die sich der Staat nicht leisten kann. Das heißt, sie werden uns hier einsperren. Im günstigsten Fall.

Aufgrund der Umstände habe ich meine Fluchtpläne wiederbelebt. So wie anscheinend alle anderen Insassen auch. Hier herrscht eine Atmosphäre wie kurz vor dem Feuerwerk am Unabhängigkeitstag. Wir alle warten auf die ersten Explosionen. Danach wird alles schnell und schonungslos über die Bühne gehen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur einer von uns überlebt.

Ich muss mich wirklich beeilen.

Die Tür zur Wäscherei öffnet sich, und ein Vollzugsbeamter tritt ein.

»Morgen, Doc.«

Ich schaue nicht von meinen Laken auf. »Morgen.«

Pedro Alvarez ist meiner Meinung nach einer der besten Wärter hier. Er ist jung und aufrichtig und treibt keine Spielchen.

Zumindest in einer Hinsicht war das Gefängnis gut für mich. Es hat mir eine wertvolle Gelegenheit geboten, die menschliche Natur zu studieren - denn genau dort lag, wie schon erwähnt, mein blinder Fleck und die eigentliche Ursache für meinen unfreiwilligen Aufenthalt hier.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es den meisten Vollzugsbeamten bei ihrer Tätigkeit nur um eines geht: Macht. Sie entscheiden sich für diesen Beruf, um Macht über andere zu haben. Das beruht auf einer elementaren Eigenschaft der menschlichen Natur: Wir sehnen uns im Erwachsenenalter nach dem, was uns in der Kindheit vorenthalten wurde.

Pedro ist die Ausnahme von dieser Regel. Das machte ihn mir sympathisch. Ich suchte seine Freundschaft und konnte mit der Zeit seine völlig anders geartete Motivation erschließen. Folgendes habe ich über ihn herausgefunden: Seine Verwandten - Eltern, Brüder und Schwestern - leben noch in Mexiko. Er hat eine...

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