Öffentliche Mülleimer dürfen nicht sexuell belästigt werden

Die wahnwitzigsten Gesetze aus aller Welt
 
Justus Richter (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 22. Juli 2011 | 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0638-2 (ISBN)
 
Unglaublich aber wahr: In North Carolina ist Niesen auf offener Straße bei Strafe untersagt und in Wisconsin darf ein Mann nicht mit einer Waffe schießen, um den Orgasmus seiner Frau anzuzeigen. - Die strenge Welt des Rechts steckt voller absurder Überraschungen. Aber zum Glück ist Lachen noch nicht strafbar - zumindest soweit uns bekannt.
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011
Deutsch
0,66 MB
978-3-8387-0638-2 (9783838706382)
3838706382 (3838706382)
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Unser christlich-abendländischer Kulturkreis lebt seit Jahrhunderten in einem schwierigen Dilemma: Einerseits ist uns klar - und selbst mit Verweis auf die Möglichkeit der Jungfrauengeburt nachhaltig nicht mehr abstreitbar -, dass der körperliche Part der Liebe zwischen Frau und Mann zur Erhaltung der Art notwendig ist. Andererseits aber lehren die christlichen Kirchen, dass genau dieser körperliche Teil irgendwie schmuddelig ist, wenn er nicht ausschließlich der Erhaltung der Art dient. Im Prinzip wäre das ja gar nicht verkehrt, doch weil der pure Akt so unglaublich doll Spaß machen kann und von Menschen schamloserweise auch ohne das Ziel, Kinder in die Welt zu setzen, betrieben wird, wird das Thema Geschlechtsverkehr in seiner ganzen Vielfalt vor allem in religiös orientierten Gesellschaften gerne auf den Tabu-Index gesetzt. Oder - anders formuliert: Da wird nach Leibeskräften reglementiert und eingeschränkt sowie verordnet und überwacht - zuweilen mit tragischen, zumeist jedoch mit eher komisch anmutenden Versuchen. Dabei ist es vor allem die Unkontrollierbarkeit der spontan entflammbaren Leidenschaft, die die Gralshüter von Sitte und Anstand so viele Nerven kostet. Beispielsweise ist es im schmucken Städtchen Halethorpe im amerikanischen Bundesstaat Maryland - einst von den Puritanern besiedelt - bis zum heutigen Tag gesetzlich untersagt - sich länger als eine Sekunde zu küssen. Eine Sekunde? Da bringt der Normalsterbliche bestenfalls einen Schmatz zustande. Gut so, applaudiert der Sheriff von Halethorpe, der sich jedoch bei einem Blick nach Little Rock in Arkansas beschämt abwenden dürfte: Dort nämlich ist es sogar untersagt, auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen auch nur zu flirten - wird man dabei ertappt, kann dies eine dreißigtägige Haftstrafe zur Folge haben.

Nun mag der geneigte Leser glauben, bei diesen Verordnungen handle es sich um skurrile Ausnahmen, doch die typisch amerikanische Mixtur aus Kleinstaaterei und Bigotterie bringt es mit sich, dass man solche und ähnliche Erlasse in zahlreichen Gesetzessammlungen findet - sei es in den einzelnen Bundesstaaten, in den Counties oder in den städtischen Verordnungstexten. In Daytona Beach, einer Stadt, die berühmt ist für ihre Autorennen, dürfen öffentliche Mülleimer ausdrücklich NICHT sexuell belästigt werden, was wiederum eine Reihe hochinteressanter Fragen aufwirft. Zum Beispiel: Ist Mülltonnenfetischismus heilbar? Gilt das auch für männliche Mülleimer? Und vor allem, wie um Himmels willen kam dieses Gesetz zustande?

Jeder männliche Autofahrer über achtzehn Jahre kann in Indiana wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen festgenommen werden - für eine Anklage genügt es schon, wenn seine Beifahrerin unter siebzehn Jahre ist und während der gemeinsamen Fahrt weder Socken noch Schuhe trägt. Immerhin tröstlich: Die Staatsanwaltschaft kann sich auch bereit erklären, nur eine »versuchte Vergewaltigung« anzuklagen.

Und damit nun zur Liste der zwölf absolut absurdesten Gesetze zum Thema »Sex«, die weltweit (auch außerhalb der Vereinigten Staaten finden sich spannende Formulierungen) bislang erlassen wurden. Natürlich erhebt diese Liste weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Objektivität, doch darauf kommt es in diesem Buch auch ganz sicher nicht an:

Platz 12

Den folgenden Paragraphen, der aus den Arbeitsrichtlinien für die Angestellten und Mitarbeiter einer amerikanischen Fluggesellschaft stammt und in Columbia erlassen wurde, könnte man als Verbot eines besonders exotischen Vorspiels betrachten:

§Grundsätzlich ist es den Flugzeugführern sowie dem gesamten männlichen technischen Personal verboten, weibliche Flugschülerinnen oder Flugbegleiterinnen in Ausbildung oder im Berufsstand mittels eines Staubwedels (.) am oder unterhalb des Kinns zu berühren, auch nicht zum Zweck, die Aufmerksamkeit der Flugschülerin oder Flugbegleiterin zu erregen.

Erklärungen für diesen Passus waren nicht zu erhalten, so dass man davon ausgehen muss, dass eine Stewardess oder eine Flugschülerin sich über diese Form der Anmache beschwert hatte.

Platz 11

Es ist bekanntlich verdammt einsam im australischen Outback. Weites Land, wenig Menschen, extrem wenige Frauen. Da kann der einsame Rindertreiber schon mal auf dumme Gedanken kommen. Zumal Kängurus nach dem vierten Schnaps vielleicht auch schon ästhetischen Ansprüchen genügen können:

§Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist Bürgerinnen und Bürgern prinzipiell untersagt. (.) Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist nicht unter Strafe gestellt, wenn die Bürgerin oder der Bürger zum Zeitpunkt des geschlechtlichen Aktes nachweislich alkoholisiert war, wobei von einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,8 Promille auszugehen ist.

Australien, Staatliche Strafgesetzordnung, Auflage 26, 1979, gültig bis 1984. Die Känguru-Population nimmt seit den achtziger Jahren wieder zu. Zufall?

Platz 10

Fußballtrainer sind in der Regel der Meinung, dass Beischlaf unmittelbar vor einem Spiel nicht unbedingt ratsam ist. Wie jedoch denken Schachtrainer über den Beischlaf während einer Partie? Möglicherweise ist man dieser Frage in Estland bereits auf den Grund gegangen:

§Es ist den Partnern eines im gegenseitigen Einvernehmen vollzogenen sexuellen Aktes währenddessen nicht gestattet, Schach zu spielen.

Aus dem estnischen Pendant des bürgerlichen Gesetzbuches. Veröffentlichung vom April 1997, geändert und gestrichen mit der ersten Überarbeitung im Mai 1997. Die Theorie besagt, dass die Formulierung dieses Gesetzes ursprünglich lediglich eine Art Fallbeispiel eines mit der Abfassung diverser Paragraphen beauftragten Juristen war und die Abschrift versehentlich in die Endfassung rutschte. Wir meinen: billige Ausrede. Das ist ein Spitzen-Gesetz.

Platz 9

Was tut ein Mann, wenn er sich freut? Er jubelt. Und wenn sich ein amerikanischer Mann des 19. Jahrhunderts ganz besonders freute? Genau - dann schießt er schon mal in die Luft. Schade, dass das schon wieder genau in dem Moment reglementiert wurde, als wirklich Grund zur Freude bestand:

§Während des Vollzugs des ehelichen Beischlafs ist es dem Mann untersagt, einen Schuss aus einer Handfeuerwaffe abzufeuern, um damit kundzutun, dass der weibliche Partner in diesem Moment einen Höhepunkt der sexuellen Lust verspürt.

Ein städtischer Erlass aus Connorsville, Bundesstaat Wisconsin, USA, aufgenommen im Jahr 1857, teilweise eingegangen und textlich überarbeitet in die Novellierung 1998 - allerdings ohne Erwähnung des ehelichen Beischlafs, sondern als reines Antiwaffengesetz »getarnt«. Der Originalwortlaut war leider nur noch in Fragmenten ermittelbar. Doch trotz dieser kärglichen Informationen kommt man nicht umhin, sich vorzustellen, was in Connorsville dereinst vorgefallen sein muss, dass ein solcher Erlass herausgegeben wurde.

Platz 8

Triebgeplagte Taxi- oder Busfahrer haben es in Massachusetts nicht leicht. Da sind sie den ganzen Tag im Einsatz, müssen Stunde um Stunde Passagiere über weite Entfernungen transportieren und haben trotzdem keine Chance, mal ganz fix ein williges Weibchen auf ihren Schoß zu ziehen:

§Es ist jedem Fahrer eines handelsüblichen Kraftfahrzeuges, das mittels außen angebrachter Symbole als ein dem öffentlichen Personentransport vorbehaltenes Fahrzeug kenntlich gemacht ist, (.) verboten, während der Fahrt auf den Vordersitzen des besagten Fahrzeugs mit einer oder mehreren Personen geschlechtlichen Verkehr zu haben.

Bundesstaat Massachusetts, USA, aktuell nach wie vor gültig. Bedeutet das nun im Umkehrschluss, dass es allen Fahrern anderer Fahrzeuge durchaus gestattet ist?

Platz 7

§»Es ist dem oder den rechtmäßigen Besitzern und/oder Bewohnern eines alleinstehenden Wohnanwesens sowie eines Mehrfamilien- oder Appartementhauses untersagt, mehr als zwei sogenannte Penisersatzwerkstücke (»Dildos«, Anmerkung des Verfassers) gleichzeitig pro Wohneinheit in besagtem Haus oder besagter Wohnung für den Gebrauch bereitzuhalten.«

Aus dem Bundesstaatenrecht von Arizona, USA, verabschiedet im Jahr 1978. Über Sanktionen oder Möglichkeiten der Kontrolle ist im gesamten Gesetzestext außer der Passage »im Ermessen des jeweiligen Gerichts« nichts vermerkt, und natürlich bietet auch die Frage, was alles unter die Kategorie Penisersatzwerkstück fällt, einigen Raum für Spekulationen.

Platz 6

Sehr viele Gedanken hat man sich in Cleveland offensichtlich gemacht, als das Zeitalter der Videokabinen in den sogenannten »Geschäften für Erwachsene« begann. Eigentlich laden diese abschließbaren Kabinen mehr oder weniger eindeutig zu unzüchtigen Selbstbefleckungen ein, und es ist wenig sinnvoll, dies zu leugnen. Andererseits, so weiß man in Cleveland, kommen Selbstbeflecker fast automatisch in den Höllenschlund, und deshalb betrachtete es das Stadtparlament mehrheitlich als seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die eigene Bevölkerung vor der ewigen Verdammnis zu bewahren.

§Die Betreiber von Videokabinen, deren Programme explizit dem erwachsenen Publikum sexuelle Handlungen zugänglich machen, sind dazu verpflichtet, jede einzelne der mietbaren Kabinen durch...

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