Geheimnis der Gezeiten

Roman
 
 
Diana Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. März 2013
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09024-1 (ISBN)
 
Eine Geschichte über Betrug, Vergebung und die Tragik eines Augenblicks

Dora ist vierzehn, als ihr kleiner Bruder beim Spielen an den Klippen von Dorset spurlos verschwindet. Eine Katastrophe, an der Doras Familie zerbricht. Elf Jahre später kehrt die junge Frau zurück in das Haus am Meer - und zu den Erinnerungen an jenen schrecklichen Tag. Endlich wird sie eine Wahrheit erfahren, die ihre Mutter zu lange verschwieg, denn alles begann mit einer unheilvollen Lüge ...

Dora Tide ist fast noch ein Kind, als ihr kleiner Bruder beim Spielen zwischen den steilen Klippen an der Küste Dorsets plötzlich verschwindet. Ein Augenblick der Unachtsamkeit führt zur Katastrophe, nach der die Familie Tide auseinanderbricht. Elf Jahre später kehrt Dora zurück nach Dorset, in das Zuhause ihrer Kindheit, und sucht Antworten auf die Fragen, die sie seit jenem Tag quälen. Wo waren die Eltern, als Dora damals mit ihren Geschwistern am Meer spielte? Welches Geheimnis verbirgt ihre Mutter Helen bis zum heutigen Tag vor ihrer Tochter? Nach all den Jahren erfährt Dora eine Wahrheit, die Helen ihr viel zu lange verschwieg. Für die beiden Frauen ist der Moment gekommen, sich der Vergangenheit zu stellen .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Diana
  • 4,80 MB
978-3-641-09024-1 (9783641090241)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Hannah Richell wuchs in England und Kanada auf, verbrachte viele Jahre in Australien und lebt heute mit ihrer Familie im Südwesten von England. Sie arbeitete im Marketing der Film- und Verlagsbranche und für verschiedene Zeitungen und Magazine, bevor sie begann, Geschichten zu schreiben. Ihre Romane begeistern Leser und Presse weltweit und werden in 14 Sprachen übersetzt.

Dora

Gegenwart

Es ist schon spät, als Dora nach Hause kommt. Sie schließt die schwere Metalltür der ehemaligen Knopffabrik auf und steigt die drei Stockwerke zu ihrer Wohnung hoch. Im Treppenhaus ist es kalt und dunkel, aber als sie den Schlüssel im Schloss dreht, hört sie Musik und verheißungsvolles Töpfeklappern und Besteckklirren.

Sie ruft: »Ich bin wieder da, Schatz!«, schlüpft aus ihren Pumps mit den mörderisch hohen Absätzen und wirft sie auf den stetig anwachsenden Schuhhaufen neben der Haustür. Eine feuchte Schnauze und ein riesiges braunes Augenpaar kommen hinter dem abgewetzten Ledersofa hervor, gefolgt von einem langen wedelnden Schwanz. »Hallo, Gormley«, sagt sie und tätschelt liebevoll das Hinterteil des Hundes. »Hattest du einen aufregenden Tag?«

Dans schokoladenbrauner Labrador wedelt erneut mit dem Schwanz, gähnt und trollt sich dann wieder ins Wohnzimmer.

»Nicht in die Küche kommen«, hört sie Dan rufen. »Ich koche gerade. Was Experimentelles, frei nach Heston Blumenthal. Du wirst begeistert sein.«

Dora muss grinsen, denn sie wissen beide, dass Dan nicht kochen kann. Sie schaut die Post auf dem Tisch neben der Tür durch - nichts als Rechnungen. »Ich dachte, der Kühlschrank war leer?«, fragt sie misstrauisch.

»Äh, nein. Oh, Mist!« Etwas zerbricht.

»Warst du einkaufen?«

»So was in der Art. Bitte noch nicht reinkommen, ich bin gleich so weit.«

Dora betritt das Wohnzimmer, einen großen, hellen offenen Raum mit deckenhohen Fenstern. Aus den Augenwinkeln nimmt sie etwas wahr, das sie zusammenzucken lässt. Doch als sie ihr Spiegelbild in den Fensterscheiben erkennt, beruhigt sie sich wieder. Sie ist nervös. Gehorsam bleibt sie im Zimmer, macht ein paar Lampen an und stellt Dans Kunstbände zurück in das Regal neben dem Fernseher. Gormley hat sich bereits in seinem Körbchen neben dem Sofa zusammengeringelt und verfolgt mit einem Auge jede ihrer Bewegungen. Dora sieht sich um und fragt sich, wann sie wohl das Gefühl haben wird, hier richtig zu wohnen. Ein halbes Jahr leben sie nun schon hier, haben aber höchstens ansatzweise mit den anstehenden Renovierungsarbeiten begonnen. Die nackten Backsteinwände sind weiß gestrichen, die Dielenböden abgeschliffen und eingelassen. Es ist sauber und geräumig. Trotzdem hat man das Gefühl, in einem Ausstellungsraum zu leben, der erst noch eingerichtet werden muss. Sie haben einfach noch keine Zeit gehabt, ihn in ein echtes Zuhause zu verwandeln. Andere Dinge waren wichtiger.

»Du darfst jetzt reinkommen«, ruft Dan.

Dora stößt die Tür zur Küche auf, die kurz an dem kaputten Linoleumboden hängen bleibt, bis sie ihr mit der Schulter einen Stoß gibt und sie mit einem lauten Knall auffliegt.

Dan steht neben der wackeligen aufgebockten Tischplatte, die vorübergehend als Küchentisch herhalten muss. Stolz zeigt er auf zwei dampfende Schälchen Tomatensuppe und einen Teller mit gebuttertem Weißbrot. Hinter ihm sieht sie die geöffnete Dose auf der Küchentheke. Sie geht auf ihn zu, umarmt ihn und küsst sein unrasiertes Kinn.

»Das ist der Höhepunkt des Tages.«

»Echt, war der so schlimm? Wie ist deine Präsentation gelaufen?«

Dora zuckt mit den Schultern. »Schwer zu sagen, der Kunde hat sich ziemlich bedeckt gehalten.«

»Aber dein Chef war zufrieden?«

»Ich denke schon. Doch noch zufriedener wird er sein, wenn der Auftrag zustande kommt. Das wäre ein echter Coup für die Agentur - und natürlich für mich«, fügt sie noch hinzu. »Es wäre mein Etat.«

Dan löst sich aus der Umarmung und führt sie zum Tisch. »Los komm, lass uns essen, bevor es kalt wird.«

Dora setzt sich und greift nach einer Scheibe Brot. »Danke.«

»Gern geschehen.« Er schiebt ihr einen Becher Tee hin. »Alles in Ordnung? Du siehst ein bisschen blass aus.«

»Alles bestens, ich hatte nur einen anstrengenden Tag. Ich bin müde.«

Er mustert sie besorgt. »Du arbeitest zu viel.«

»Alles bestens«, wiederholt sie schulterzuckend. »Aber erzähl, wie war es bei dir?«, lenkt sie von sich ab. »Hast du viel geschafft?«

Wie auf Knopfdruck beginnt Dan zu strahlen. »Es war fantastisch! Ich hatte einen Riesendurchbruch und weiß jetzt genau, wie meine nächste Arbeit aussehen wird. Kate Grimshaw hat auch zurückgerufen und ihren Auftrag für drei Skulpturen bestätigt. Ich werde also in den nächsten Monaten viel zu tun haben.«

»Das ist ja großartig!« Dora hebt ihren Becher und prostet ihm damit zu. »Das sind tolle Neuigkeiten.« Beide wissen, dass Dan dringend auf eine neue Inspiration gewartet hat. Seine letzten Bronzeskulpturen, die von einer winzigen Londoner Galerie ausgestellt wurden, sind zwar von einer bekannten Kunstsammlerin erworben worden, aber seitdem hat sich Dan unter Druck gefühlt, etwas Besseres nachzulegen. Dora weiß, wie sehr ihn das gequält hat, deshalb ist sie erleichtert, zu hören, dass er endlich eine Eingebung hatte. »Möchtest du mir davon erzählen?«

Dan schüttelt den Kopf. »Nein, diesmal nicht, tut mir leid. Es soll eine Überraschung sein.«

»Dann bin ich gespannt. Ich darf das hintere Zimmer also in der nächsten Zeit nicht betreten?«

»Ja. Es ist übrigens ein Atelier und kein Zimmer.«

Sie grinst in ihre Suppe hinein, und sie verfallen in einträchtiges Schweigen, schlürfen ihre Suppe und starren in ihre leeren Schälchen.

»Ich spüle ab«, schlägt sie vor.

»Warte, ich habe dir das hier besorgt«, sagt er und hält ihr zwei braune Kapseln entgegen.

»Was ist das für ein Zeug?«, fragt sie und betastet sie misstrauisch. »Das sieht so aus, als könnte man Pferde damit betäuben.«

»Das sind Vitamine. Mr. Singh vom Lebensmittelladen meint, du solltest anfangen, die zu nehmen.« Er strahlt sie an. Dora nimmt sie ihm aus der Hand, um sie neben ihre leere Suppenschale zu legen.

»Danke«, sagt sie und fragt sich, wie viele Leute er wohl schon eingeweiht hat. Ihr wird klar, dass sie dringend reden müssen. Aber nicht jetzt, wo er gerade so euphorisch von seiner Arbeit berichtet. Das hat Zeit.

In derselben Nacht wacht sie auf, weil Regen auf das Dach über ihrem Bett prasselt und Dan panisch durchs Zimmer läuft.

»Brauchst du Hilfe?«, fragt sie und stützt sich in der Dunkelheit auf.

»Nein, bleib du im Warmen liegen. Ich schaff das schon.« Sie hört, wie er über einen Topf stolpert, woraufhin Wasser auf den Boden klatscht. »Dieses bescheuerte Dach!«

Sie lächelt in sich hinein, während er die ausgeklügelte Ansammlung von Töpfen und Pfannen neu arrangiert, bis das Geräusch von Wasser, das auf Blech tropft, sich mit dem Rauschen des Regens vermischt.

»Bald ist Sommer«, sagt sie aufmunternd.

»Hm«, sagt er nur, was sie beunruhigt. Normalerweise ist er der Optimist. Als der Makler ihnen die verfallene alte Fabrik gezeigt hat, hat er sie stolz als »Loft« angepriesen. Das war natürlich stark übertrieben. In Wahrheit standen sie im schäbigen, baufälligen Obergeschoss einer Fabrik im Londoner East End. Doch die Fabrik besitzt viel Potenzial und ausreichend Platz für Dans raffinierte Bronzeskulpturen. Aber bis daraus die schöne, moderne Loftwohnung wird, die Dora bei der ersten Besichtigung vor sich gesehen hat, liegt ein weiter Weg vor ihnen. Die Realität ist jedoch ziemlich gewöhnungsbedürftig. Seit sie das alte Gebäude gekauft haben, ist es Dan, der ihre ständigen Sorgen wegen faulender Dielenböden, lecker Leitungen und undichter Stellen im Dach zerstreut.

»Komm zurück ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag«, schlägt sie vor.

»Das sagen wir schon seit einem halben Jahr.«

»Ich weiß. Aber wir werden uns darum kümmern, einverstanden?«

Dan gibt auf und schlüpft zu ihr unter die Decke, wärmt seine kalten Füße an den ihren, sodass sie laut aufschreit. »Tut mir leid, aber du bist so schön warm.«

Sie kehrt ihm den Rücken zu und schmiegt sich an ihn. Sie liegen Löffelchen. Er hat die Arme um ihre Taille gelegt, und seine rauen, kräftigen Hände ruhen auf ihrem Bauch. Sie kann seinen Atem im Nacken spüren und merkt, dass er bereits eindöst. Sie beneidet ihn darum, so schnell einschlafen zu können: der Schlaf des Gerechten. Sie kann das schon lang nicht mehr, und jetzt, wo sie wach liegt, verselbstständigen sich ihre Gedanken.

Zunächst zieht die Bewerbung um den Sunrise-Cereals-Werbeetat wieder an ihrem inneren Auge vorbei. Sie denkt an ihre Präsentation zurück. Eigentlich hat sie ein gutes Gefühl gehabt, aber jetzt, wo sie im Dunkeln daliegt und auf den Regen lauscht, kommen ihr Zweifel. Sie weiß, dass sie sich da nicht hineinsteigern darf, sonst liegt sie die nächsten Stunden wach. Also versucht sie, sich darauf zu konzentrieren, ihre Zehen zu entspannen. So steht das doch in den Ratgebern gegen Schlaflosigkeit? Man soll mit den Zehen beginnen und sich dann die Beine hocharbeiten, jeden Körperteil einzeln nacheinander entspannen. Bis man die Nase erreicht hat, ist man längst eingeschlafen.

Dora ist erst bei den Knien angelangt, auf die sie sich nur schwer konzentrieren kann. An Entspannung ist nicht zu denken. Panik steigt in ihr auf. In den letzten Nächten war es genauso, plötzlich fand sie sich in einem eiskalten Klammergriff wieder, glaubte, von einer schweren Last schier erdrückt zu werden. Doras Herz hämmert wild gegen ihre Rippen.

»Dan?«, fragt sie in die Dunkelheit hinein. Doch es kommt keine Antwort, nur das Prasseln des Regens und das laute Pochen ihres Herzens sind...

"Eine mitreißende Geschichte über Betrug und Vergebung."
 
"Ein kluger Schmöker über eine Mutter mit Geheimnis, über Erinnerungen und die Last einer alten Schuld."
 
"Berührendes Drama mit Gänsehaut-Faktor."
 
"Fesselnd!"
 
"Eine berührende Familiensaga über Schuld, Vergebung und ein verhängnisvolles Geheimnis."

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