Stille in der Stadt

Ein City-Guide für kurze Auszeiten und überraschende Begegnungen
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. Oktober 2011
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05568-4 (ISBN)
 
Mitten im Trubel einen Ort zu finden, der aufatmen lässt, das wünschen sich viele Stressgeplagte. Überraschend und entlastend: Es ist nicht nötig, aus der Stadt zu fliehen, um sich zu erholen. Mit Achtsamkeit und einer veränderten Wahrnehmung bietet die Großstadt wieder erfrischende Begegnungen und pulsierendes Leben.


Ursula Richard ist Chefredakteurin von BUDDHISMUS aktuell, Verlegerin der edition steinrich, Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin. Seit mehr als 30 Jahren ist sie spirituell unterwegs, vor allem auf dem Zen-Weg, und an einer zeitgemäßen Vermittlung und Praxis traditoneller Weisheitslehren interessiert.
  • Deutsch
  • 11,77 MB
978-3-641-05568-4 (9783641055684)
3641055687 (3641055687)
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Ursula Richard ist Chefredakteurin von BUDDHISMUS aktuell, Verlegerin der edition steinrich, Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin. Seit mehr als 30 Jahren ist sie spirituell unterwegs, vor allem auf dem Zen-Weg, und an einer zeitgemäßen Vermittlung und Praxis traditoneller Weisheitslehren interessiert.
Zen im Pfarrhaus (S. 121-122)

Bevor ich den Zug zurück nach Berlin nehme, gehe ich zur Christuskirche in Altona, um an einer Zen-Meditation teilzunehmen. Sie findet in einem der Pfarrhäuser statt und wird geleitet von Christoph Roethel. Er ist der Regisseur von In Tau gekleidet, einem Theaterstück, dessen Grundlage das Buch Street Zen von David Schneider ist, das vor Kurzem wieder aufgelegt wurde. Auch dieses Buch hat viel mit urbaner Spiritualität zu tun, beschreibt es doch das Leben von Issan Dorsey, einem schwulen, lange Jahre drogenabhängigen Mann, der im San Francisco der 1960er-Jahre dem Zen-Buddhismus im Zentrum des japanischen Zen-Meisters Shunryu Suzuki begegnet und der später, auch gegen Widerstände, dass dies mit Zen-Praxis doch nichts zu tun habe, das erste Aidshospiz in einem Zen-Zentrum eröffnete.

Issan Dorsey, der selbst an Aids starb, hat mich immer zutiefst beeindruckt, verkörpert er doch eine moderne Bodhisattva-Figur, die Bereiche konsequent zusammengebracht hat (im Innen wie im Außen), und das halte ich für ein wunderbares Leitbild spiritueller Stadtpraxis. Gesehen hatte ich das Einpersonenstück vor einigen Wochen in der Nähe von Berlin, wo es in der Aula einer Suchtklinik aufgeführt wurde. Großartig verkörpert von dem Schauspieler Karl Maslo, trieb mir die Figur Issan Dorsey in ihren Freuden und Leiden immer wieder Tränen in die Augen, aber ich spürte, dass dies auch mit dem ganzen Umfeld etwas zu tun hatte.

Ich saß inmitten von vielleicht hundertfünfzig suchtkranken Menschen, und den meisten werden sowohl die schrägen, schrillen, tuntigen Facetten Dorseys fremd gewesen sein als auch das im letzten Drittel des Stücks gezeigte Zen-Umfeld mit Ritualen, Niederwerfungen und Rezitationen. Es herrschte aber bis zum Schluss eine gebannte Stille im Saal, die erst durch einen langen Beifall am Ende durchbrochen wurde. Ich hatte das Gefühl, wir alle haben einen Geschmack von der Sehnsucht, die Issan trieb, erhalten und verstanden, dass sie sich nicht wirklich von der unsrigen unterscheidet, auch wenn unsere Leben noch so verschieden sein mögen.

Auch hier spürte ich wieder sehr deutlich diese uns alle tragende Verbundenheit, derer wir in glücklichen Momenten wie diesen gewahr werden können. Und selbst wenn sie uns nicht bewusst wird, nährt sie uns – davon bin ich tief überzeugt. Im Pfarrhaus angekommen, begrüße ich Christoph. Er trägt eine schwarze Zen-Robe und steht in dem kleinen Vorraum zu dem einige Stufen tiefer liegenden Meditationsraum. Ich lasse meine Tasche bei der Garderobe stehen, steige die Stufen hinab und setze mich auf ein Kissen im Meditationsraum.

Außer mir sitzen noch einige andere Frauen auf Bänkchen oder Kissen, einige schon meditativ versunken, andere wartend und verstohlen umherschauend, so wie ich. Die Gruppe steht in der Rinzai-Tradition, wie sie von der deutschstämmigen Zen-Meisterin Prabhasa Dharma Roshi in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts vermittelt wurde. Sie war meine erste Zen-Lehrerin, und so ist es mir, als schlösse sich heute Abend, kurz bevor ich Hamburg wieder verlasse, ein Kreis für mich, der lange unterbrochen war.

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